Erinnerungen
Bei Vorbereitungen für Geburtstagsfeiern von Freunden musste
ich immer wieder feststellen, dass man eigentlich viel zu wenig
voneinander
weiß. Ja selbst unsere Kinder wissen im Grunde genommen sehr
wenig
über unser Leben. Es liegt also nahe, einen kurzen Rückblick
zu verfassen.
Natürlich soll und kann das hier auch keine erschöpfende Biographie werden. Nach 70 Jahren ist auch vieles weit im Hintergrund der Erinnerungen verschwunden und nur Höhepunkte oder Besonderheiten sind es wert, hier erwähnt zu werden.
So ist eine meiner frühesten Erinnerungen, ich mag damals vier Jahre alt gewesen sein, dass ich einmal bei den allsonntäglichen Familientreffen bei meinen Großeltern Lieder und Gedichte vortragen musste. Das kam sicher öfter vor, aber was jenen Vortrag zu etwas besonderem machte, war die Tatsache, dass mich einer meiner zahlreich anwesenden Onkeln auf den Küchentisch stellte, über dem zahlreiche Strümpfe zum Trocknen aufgehängt waren und die Strümpfe mit den Worten ''Vorhang auf'' auseinanderzog. Nach dem Vortrag ging er mit einem Hut sammeln. Es waren nur Ein- oder Zweigroschenstücke die gespendet wurden. Aber aufgrund der zahlreichen anwesenden Onkeln und Tanten kam der stattliche Betrag von ca. 30 Groschen zusammen. Mein erster Verdienst, auf den ich mächtig stolz war. Völlig unverständlich war es daher für mich, dass meine Eltern diese finanzielle Belastung der Spender für untragbar ansahen und mein ehrlich verdientes Geld einfach wieder zurückgaben.
Nach dieser bitteren Erfahrung kam eine noch schlimmere, denn bald darauf erkrankte ich an einem Hüftgelenksleiden, das damals bei den meisten Kindern in eine oft tödlich verlaufende Knochentuberkulose überging. Ich wurde jedoch kuriert. Teils durch eine Gipshose, die ich zwei Jahre lang tragen musste und unter der es immer furchtbar juckte, teils sicher durch vitaminreiche und nahrhafte Kost, auf die meine Mutter schon damals sehr achtete. Wahrscheinlich wurde da schon der Grundstein zur Fettsucht gelegt, gegen die ich seither ständig kämpfen muss.
Ich erinnere mich an meine erste politische Betätigung kurz vor dem Ausbruch der Hüftgelenksentzündung in meinem fünften Lebensjahr. Es war 1931 und es gab da in Österreich schon eine illegale nationalsozialistische Partei. Als Werbung streuten diese Leute auf den Straßen wunderschöne Hakenkreuze aus Papier aus. Das imponierte mir. Da die Straße unser Spielplatz war, konnte ich ohne weiteres die Hakenkreuze in die große Tasche meiner Lederschürze einsammeln und in einer Seitengasse stolz ausstreuen. Meine Mutter hat fast der Schlag getroffen, als sie mich dabei entdeckte.
Die Schulzeit begann recht hoffnungsvoll mit einer 1 auf den ersten Schulaufsatz. Er lautete ''Der Regen ist sehr nützlich, weil er die Luft reinigt''. Das war nicht der Titel, sondern der gesamte Inhalt. Ich lernte also schnell, mich auf das Wesentliche zu beschränken.
Meine erste Strafe kriegte ich dann auch bald, weil ich meinen Bleistift auf beiden Seiten spitzte, was zwar außerordentlich praktisch, aber offenbar verboten war. dass sich der Lehrer bei der Korrektur dieser Maßnahme in den Daumen schnitt, war zwar nicht meine Schuld, hat aber das Strafmaß mitbestimmt. Die zweite Strafe kriegte ich, weil ich bei Ausschneidearbeiten meinem Vordermann die Haare schnitt. Weitere Strafen kriegte ich durch die Amtsanmaßung eines Mitschülers, der vom Lehrer zum Einsammeln von Strafarbeiten ermächtigt wurde, der aber sein Amt zur eigenmächtigen Vergabe von weiteren Strafarbeiten missbrauchte. Erst als meiner Mutter die vielen Strafen seltsam vorkamen, kam diese Sache ans Licht.
Weitere Vorkommnisse aus der Volksschulzeit sind bedeutungslos. Was mir im Vergleich mit heutigen Schulen auffällt, ist das hohe Gewicht, das auf Ortskenntnis in der Heimatstadt und insbesondere im eigenen Bezirk gelegt wurde, ebenso auf die Grundregeln der Höflichkeit, des Sauberhaltens der Straßen und der Abstinenz gegenüber Rauschgiften. Dabei war Rauschgift damals ein Problem, das nur asiatische Länder betraf.
Der Bürgerkrieg 1934 hatte für uns nur die Konsequenz, dass wir drei Wochen in der Wohnung bleiben mussten und danach die Granat- und Gewehrkugeleinschläge in den Fassaden der Gemeindebauten bestaunten, in denen sich die Sozialdemokraten verschanzt hatten.
Wie schon oben erwähnt, war unser Spielplatz die Straße. Verkehr gab es kaum. Auf den Hauptstraßen verkehrte praktisch nur die Straßenbahn und in unserer Gasse kam täglich ein- bis zweimal das Auto der Metzgerei und einmal der pferdebespannte Eiswagen, der Eisblöcke für die Speiseeiserzeugung in einen Hinterhof brachte.
In unserer Gasse war auch die Mannerfabrik, was zur Folge hatte, dass es aus den Kanälen meist nach Schokolade roch. Natürlich gab es dadurch auch Ratten. Sie kamen von da auch in Hausflure und Keller, was diesen etwas unheimliches gab, auch weil sie kein elektrisches Licht hatten. Einmal wurde vor unserer Hauseinfahrt eine trächtige Rattenmutter erschlagen und wir sahen zu, wie aus ihrem offenen Bauch die Embrios kamen. Das war ein wesentlicher Beitrag zu unserer Aufklärung.
Wir galten in unserer Nachbarschaft als moderner Haushalt, weil wir Radio hatten. Anfangs mit Kopfhörern und riesigen Spulen und ich habe meinen ersten elektrischen Schlag gekriegt, als ich die Kopfhörerklemmen anfasste. Wir hatten auch elektrisches Licht. Aber das war sehr teuer. Deshalb waren überall 15-er Birnen eingeschraubt. Meist wurde aber die Petroleumlampe benutzt.
Da auch das Heizen im Küchenherd zum Kochen zu teuer war, stand auf diesem ein gusseisener Kleinherd, ein sogenannter Hausfreund, auf dem man mit geringstem Heizmaterialverbrauch kochen konnte. Warm war es dann auch, weil die Wohnung sehr klein war. Nur Zimmer und Küche, zusammen höchstens 40 m2. Wasser und WC am Flur, gemeinsam mit drei anderen Parteien.
Eine Partei war nichts politisches, so nannte man damals die Gesamtheit der Insassen einer Mietwohnung. Das W vom WC bestand aus einem Eimer Wasser, den man in die gusseiserne Muschel mit Holzverkleidung kippte. Die Wasserleitung bestand aus Bleirohren, die jeden Winter einfroren und platzten. Sie wurden dann vom Installateur wieder zugelötet. Die Zapfstelle war eine gusseiserne Bassena, an der sich die wasserholenden Frauen mit ihren Wasserkannen trafen. Hier trieb der Tratsch üppige Blüten. Gegenstand des Tratsches war die ganze Gasse mit acht mehrstöckigen Mietshäusern. Man kannte sich.
Unsere Spiele fanden auf der Straße statt. Es waren entweder Gruppenspiele oder Kampfspiele mit Stöcken, aus der Kohlenhandlung der Frau Kern, einer alten Frau in einem dunklen Kellerlokal, das man über eine alte Holztreppe erreichte. Manchmal schenkte sie uns die, meist aber ließen wir uns von ihr auf der Dezimalwaage wiegen und nahmen die Stöcke am Rückweg mit. Sehr eilig, weil sie dann laut hinter uns herschimpfte.
Eine große Rolle spielten auch Murmeln, die eine Art Währung waren und oft getauscht wurden. Es gab je nach Größe und Schönheit Einser, Zehner, Zwanziger, Fünfziger und Hunderter. Ich kriegte von meinem Vater immer Säcke von Marmorkugeln, die für Druckverfahren eingesetzt wurden und an seinem Arbeitsplatz in großen Mengen produziert wurden. Sie galten als Zehner und ich war aufgrund meines Reichtums sehr angesehen.
Es gab damals eine Vielzahl von mechanischem Spielzeug mit Uhrwerksantrieb, aber auch mit Kerzen beheizte Dampfschiffchen, Kampferschiffchen, richtige Dampfmaschinen usw. Gekauftes Spielzeug war jedoch Mangelware. Deshalb wurde sehr viel von uns Kindern selbst gemacht. Papierschwalben und andere Faltarbeiten, Windräder und Papierräder mit Flügeln, die vom Wind getrieben über die Straßen rollten und mit denen man herrliche Wettrennen abhalten konnte. Kistenwagerln waren mit Kinderwagenrädern oder Kugellagern versehene Holzkisten, deren Vorderräder man bei Bergabfahrten mit den Füßen lenken konnte und die hohe Geschwindigkeiten erreichten und ungeheuren Lärm verursachten.
Aus leeren Zwirnspulen wurden ''Tanks'' gefertigt (so hießen im ersten Weltkrieg die gepanzerten Kettenfahrzeuge), die mit Gummimotor angetrieben wurden und die sich ganz langsam bewegten, weil das Lager aus einem durchlöcherten Seifenstück bestand. Aber sie konnten Steigungen und Hindernisse überwinden. Auch Segelschiffe aus Korkstopseln mit einer Stecknadel als Mast für das Papiersegel und einem Eingroschenstück als Kiel waren ein beliebtes Spielzeug.
Mein Vater bastelte für Weihnachten ein wunderschönes Schaukelpferd, ein Tretauto mit elektrischem Licht, Flugzeuge mit Gummimotor usw. Von letzteren gab es zwei Sorten. Schöne, die zum Fliegen zu schwer waren und mickrige, die flogen. Letztere waren mir lieber. Er hat sie schon als Knabe gebastelt und in das ölgemalte Familienbild fliegen lassen, Meine Großmutter zeigte mir immer wieder das schlecht geflickte Loch in der Leinwand. Den Propeller besitze ich noch heute.
Meine Mutter hat immer auf unseren Umgang geachtet. So war mir der Verkehr mit bestimmten Gassenjungen untersagt. Insbesondere der Wurzer Karli war ihr ein Dorn im Auge, weil der ein richtiger Herumtreiber und Stänkerer war. Das machte ihn für mich außerordentlich interessant. Wir haben viele abenteuerliche Touren durch unseren Bezirk gemacht. Es gibt sicher keine Schlechtigkeit, die ich nicht von ihm gelernt hätte, aber auch das gehört zur Allgemeinbildung.
Was ich davon zweifellos profitierte, war Selbständigkeit, die mir als streng umsorgtes Kind völlig fehlte. Ich musste ja immer im Blickfeld unserer Fenster bleiben, was meinen Horizont in untragbarer Weise einschränkte. Aber ich habe festgestellt, dass man Fesseln abschütteln kann.
Als ich später in die Realschule kam, so heisst in Österreich das naturwissenschaftlich orientierte Gymnasium, waren die Schulleiter bestrebt, möglichst nur Kinder wohlhabender Eltern in ihrer Schule zu behalten. Es war den entsprechend angewiesenen Lehrern ein Leichtes, Arbeiterkinder abzuschütteln. Ich kriegte wegen zweimal Schwätzen im Unterricht einen Tadel in der Sittennote ins Zeugnis, wodurch die Schulgeldermäßigung platzte. Der Schuldirektor sagte meiner Mutter ins Gesicht: ''Wir können das Proletariat nicht in die Höhe kommen lassen!''
Dies ist nur ein Beispiel für die Zustände im damaligen Österreich, die es Hitler leicht machten, in Österreich anfangs gute Wahlergebnisse zu erhalten. Bloß meinen pazifistisch eingestellten Vater irritierten die vielen Kanonen des deutschen Heeres. ''Die machen doch diese teuren Kanonen nicht umsonst'' sagte er immer. Leider hat er recht behalten.
Da meine Eltern außerstande waren, das ganze Schulgeld zu zahlen, nahmen sie mich nach dem ersten Halbjahr von der Realschule und schickten mich für den Rest des Jahres auf die Hauptschule. Danach machte ich einen zweiten Anlauf, bei dem ich bereits einen so großen Wissensvorsprung vor meinen Mitschülern hatte, dass ich recht erfolgreich war. Vor allem in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern, die ich besonders liebte.
Streber sind bei Mitschülern nicht beliebt. Aber ich war kein Streber. Noten interessierten mich wenig. Ich wollte mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen erwerben um Antwort auf die grundlegenden Fragen zu erhalten. Woher kommt das Universum? Wo hin geht es? Wie ist das Leben auf der Erde entstanden? Usw. Ich habe mein dabei wachsendes Wissen immer benutzt, um anderen zu helfen und nie einen Hilfesuchenden abgewiesen.
So war ich immer beliebt und erfolgreich. Das motivierte mich zur selbständigen Arbeit und es blieb dann auch bei den Erfolgen und der Freude an mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Sie wurde noch gesteigert durch ein Buch aus dem Jahr 1877 mit dem Titel ''Der Nürnberger Trichter''. Eine äußerst amüsante Beschreibung des damaligen Wissens über Naturwissenschaften und dessen Anwendungen in Alltag und Technik. In diesem uralten Buch steht übrigens schon, dass man mit Frostschutzmitteln herrlich Wein pantschen kann.
Da der Tratsch innerhalb einer Gasse üppig blühte, weil die Leute dicht aufeinander hockten und jeder jeden kannte, durften unsere Nachbarn, die wegen des Beamtenstatus meines Vaters immer ein wenig neidig auf uns waren, nicht wissen, dass ich vorübergehend die Hauptschule besuchte. Ich musste also ein halbes Jahr auf einem Umweg in die Schule gehen, damit die Abmarschrichtung nicht wechselte. Trotzdem gab es manche peinliche Begegnungen, wo ich mich mehr schlecht als recht herausreden musste.
Als Hitler in Österreich einmarschierte, wurden die Missstände in Österreich durch andere ersetzt. So wurden wir von der Schule aus genötigt, dem Jungvolk, bzw. der Hitlerjugend beizutreten. Anfangs nahm ich das sehr ernst. Ein Heimabend begann immer damit, dass von ca. 30 Mitgliedern einer Jungenschaft drei erschienen. Die kriegten dann eine Liste mit den Adressen der fehlenden und mussten diese holen. So kriegte ich einmal eine Liste mit der Adresse von Leo, einem Mitschüler meiner Klasse, mit dem ich auch einen Teil des Schulweges gemeinsam hatte.
Als ich zu Leo kam, bastelte dieser gerade eine Drehbank. Das war natürlich viel wichtiger und das endgültige Ende meiner Jungvolk-Tätigkeit. Ich erzählte ihm von einer von mir gebastelten Elektrokanone und von da an verbrachten wir unsere Freizeit nur noch mit gemeinsamen Arbeiten. Die Drehbank wurde fertiggestellt und wir drechselten ein paar kleine Gegenstände, aber das Interesse wechselte bald auf andere Gebiete. Unser beider Hauptinteresse war die Raumfahrt. Damals ein Zukunftstraum und wir wussten, wie vielseitig das Wissen sein musste, um ihn zu verwirklichen.
Leo hatte im Gegensatz zu mir die Fähigkeit, neue Kontakte zu knüpfen. In Zusammenhang mit der Drehbank kamen wir zu dem Drechslermeister Settineck. Er war wie die meisten Wiener Handwerker Tscheche und sein Lieblingsausspruch war: ''Wann ich nochmol auf Welt komm werd ich Hur''. Er konnte pausenlos fluchen und schimpfen und einmal warf er einem Gesellen einen Holzpflock nach. Als dieser statt dessen die Frau Settineck traf, sagte er nur ''Is aa recht!''
Da die Elektrokanone nicht so tat, wie es unseren Vorstellungen entsprach, ich hatte statt isoliertem Kupferdraht blanken Eisendraht für die Magnetwicklung verwendet, gerieten wir an einen Elektriker namens Sienkowich, der unsere Fragen gewissenhaft beantwortete und als die kein Ende nahmen, schenkte er uns ein Lehrbuch der Elektrizität aus dem Jahr 1899, das noch heute meinen Bücherschrank ziert.
Außerdem begeisterte er uns für den Bau eines Funkeninduktors, mit dem man Hochspannung erzeugen konnte, zur Erzeugung von Miniaturblitzen und zum Betrieb von Geißlerröhren und Kathodenstrahlröhren. Erstere sind die in wunderschönen Farbenspielen leuchtenden Vorläufer der Neonröhren und Leuchtstofflampen, letztere die Vorläufer von Oszillographen und Fernsehbildröhren. Der Funkeninduktor ist auch Hauptbestandteil der ersten Funkgeräte, die heute noch so heissen, obwohl da überhaupt nichts mehr funkt.
Unser erster Funkeninduktor ergab blitzähnliche Funken von 5mm Länge. Wir betrieben damit wunderschöne Geißlerröhren und Kathodenstrahlröhren, die wir zum Teil von einem Glasbläser-Brüderpaar geschenkt bekamen und zum Teil in einer Firma für Schulbedarfsartikel erwarben. Die beiden Brüder Zaradnik hatten einen großen Keller mit Lagerbeständen die für sie ''alter Schamott'' waren, von dem sie sich gern für einen guten Zweck trennten. Für uns waren es traumhafte Laborgeräte, die unsere Phantasie und unser Tun beflügelten. Die Wohnungen unserer Eltern wurden zu Experimentierstätten. Wir waren in den ersten Kriegsjahren in eine große, verlassene Judenwohnung in Mariahilf übersiedelt. In unserer Ottakringer Wohnung wäre experimentieren kaum möglich gewesen.
Für die größeren Gasentladungsröhren aus unserer beachtlichen Sammlung, die weitaus schöner war, als die heute im deutschen Museum zur Schau gestellte, war unser Funkeninduktor zu klein. Wir nahmen einen größeren mit 2cm Funkenlänge in Angriff. Doch da stießen wir auf die Schwierigkeit, dass die Funken viel lieber im Inneren der Spule überschlugen als an den dafür vorgesehenen Anschlussklemmen. Dieses Problem führte uns zu einem Wickelmeister namens Podleschak. Podleschak war ein Unikum. Ein kleine dürrer Mann von hohem handwerklichen Können in einem dunklen Kellerlokal, der sehr zum Mystizismus neigte und viele einschlägige Geschichten auf Lager hatte, die er immer wieder zum Besten gab. Sie handelten von Telepathie, Telekinetik und von Leuten, die mit sehr einfachen Erfindungen (Zündhölzer, Schnürsenkel, Treibhaus usw.) reich geworden sind. Bei ihm haben wir eine regelrechte Lehre in Wickeltechnik für Motoren, Transformatoren und Hochspannungs-Induktionsspulen durchgemacht. Aber wir haben auch den Mystizismus sehr ernst genommen und mit teilweise beträchtlichen Aufwand eigene Experimente gemacht. Deren Ergebnisse haben uns davon überzeugt, dass das alles Täuschung, bzw. reiner Unsinn ist.
Unser Induktor wurde nun aus vielen scheibenartigen Wicklungen niedrigerer Spannung zusammengesetzt, die durch Paraffinzwischenschichten voneinander isoliert waren. Dies führte zum Erfolg. Inzwischen hatten wir gelernt, dass auch Röntgenröhren mit Funkeninduktoren betrieben werden können. So kamen wir zu einer Röntgenfirma, ein kleiner Laden der Firma Elin, in der ein gewisser Modileck sich unser annahm. Es war immer wieder rührend zu sehen, mit welcher Begeisterung uns die Leute unterstützten, wenn sie merkten, dass da zwei Buben für ihr Gebiet Interesse zeigten.
In Wien wurde damals das Lichtnetz von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Das bedeutete, dass die Funkeninduktoren aus den Röntgenanlagen der Krankenhäuser durch Wechselstromtransformatoren ersetzt wurden. Die Gleichstromanlagen wurden verschrottet. Natürlich hatten wir in Kürze eine komplette Hochleistungs-Röntgenanlage im Wohnzimmer von Leos Eltern stehen, die von einem riesigen Funkeninduktor mit 50 cm Funkenlänge betrieben wurde. Leos Vater hat zwar gemurrt, aber er hatte gegen Leos Mutter, die alles Tun ihres Sohnes unterstützte, keine Chance. Natürlich wurde alles durchleuchtet, was sich hierfür eignete. Zuerst Leos Katze, dann verschiedene technische Artikel, in die man nicht ohne weiteres hineinsehen kann, schließlich wir selbst von Kopf bis Fuß und später unsere heutigen Frauen.
Wir lernten dabei viel über Strahlenschutz, benutzten Sicherheitsschurze aus Bleigummi und Abdeckungen der Schirmbilder mit zentimeterdickem Bleiglas und überzeugten uns von deren Wirkung. Wir trugen keinerlei Schäden davon, obwohl die empfangene Strahlendosis immer noch das zigtausendfache dessen betrug, was heute von den Bildschirmen der Computer und Fernseher abgestrahlt wird. Die heute noch weit verbreitete Unkenntnis über die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen und deren Wirkung bei Strahlungen aller Art führt oft zu an Hysterie grenzenden Auswüchsen.
Bei Versuchen mit ultraviolettem Licht, wie es die Höhensonnen erzeugen, erlitten wir allerdings leichte Schädigungen, als wir die wunderschönen Fluoreszenzen vieler Substanzen, wie Leuchtfarben, die grell aufleuchten, aber auch natürliche Zähne, Hemdknöpfe und dergleichen untersuchten. Leo zog sich eine kurze Schneeblindheit zu und mich schmerzten einen Tag lang die Augen. Selbst dies hinterließ keine bleibenden Schäden.
Mit dem Material der Brüder Zaradnik richteten wir im Badezimmer von Leos Eltern ein Chemielabor ein. Inzwischen war zwar Krieg und manches war Mangelware, aber Chemikalien kriegte man frei zu kaufen. Da man sonst wenig kriegte, war auch Geld kein Problem mehr. So gab es auch bei uns zuhause bald einen vollen Chemieschrank und Experimente in Küche und Wohnzimmer, die nicht ohne Folgen blieben. Da kochende Chemikalien manchmal überschwappen, entstanden rätselhafte Löcher und Flecken an allen möglichen Gegenständen oder Wänden, ja sogar an der Zimmerdecke. Unser Küchenherd hatte einen eisernen Rand, der immer wieder mit Schmirgelpapier blank geputzt wurde. Er bekam eines Tages ungewollt einen soliden Kupferüberzug, der besser haftete, als an allen Gegenständen, die ich bis dahin absichtlich verkupfert hatte. Aus dem Reagenzglas war nämlich Kupfervitriollösung übergekocht.
Natürlich stellten wir vieles her, was im Handel nicht erhältlich war. Zum Beispiel Zyankali, Blausäure, Chlorgas usw. Natürlich haben wir dabei gut gelüftet, um die Konzentration giftiger Gase nicht auf gefährliche Höhen zu bringen. Aber die Gerüche haben die Nachbarn doch manchmal sehr irritiert.
Eine Vergiftung haben wir doch abbekommen. Als wir in der Schule lernten, wie ein Ozonisator funktioniert, bildeten wir diesen zuhause mit dem Kühler eines Destillierapparates nach, den wir über einen eingefädelten Draht und eine umgewickelte Alufolie an unseren Funkeninduktor anschlossen. Wo sonst das Kühlwasser durchfließt, bliesen wir mit dem Staubsauger Luft durch, deren Sauerstoffanteil sich unter dem Einfluss der elektrischen Entladung in Ozon verwandelte. Der Erfolg übertraf unsere Erwartungen. Der Raum war in Sekundenschnelle mit so viel Ozon gefüllt, dass uns beiden speiübel wurde. Nach ein paarmal Kotzen ging auch diese Vergiftung spurlos vorbei.
Schlimmer waren da die Experimente mit Brandsätzen und Schießpulver. Schwefel, Salpeter und Holzkohle im richtigen Mischungsverhältnis mischen ja viele Schüler. Aber wir wollten auch sehen wie Magnesium brennt, das ja einen wichtigen Bestandteil der Stabbrandbomben bildete. Also kauften wir ein halbes Kilo Magnesiumpulver. Natürlich zündeten wir nur eine kleine Menge davon im steinernen Treppenhaus an, das zu der Wohnung von Leos Eltern führte und von anderen nicht benutzt wurde. dass selbst die Steinplatte, die wir als Unterlage benutzten, an der Oberfläche schmolz, als das Magnesium mit greller Flamme abbrannte, hat uns schon beeindruckt.
Der Teufel muss Leo geritten haben, als er am nächsten Tag das Experiment in der Küche, kurz vor meiner Ankunft, wiederholte. Natürlich hatte er die Steinplatte wieder als Unterlage benutzt und es war auch alles wie am Tag vorher. Aber das war ihm noch nicht imposant genug. Also hat er aus der Tüte neues Magnesium auf den Stein geschüttet.
Was er nicht bedachte, war die immer noch hohe Temperatur des Steines. Es gab eine Stichflamme, die auch die Tüte in seiner Hand erreichte, die er zu seinem Glück sofort auf den Küchenteppich fallen ließ. Um den Schaden zu begrenzen, hob er mit der eisernen Mistschaufel das brennende Pulver auf und wollte es in den zum Glück gefüllten Wassereimer kippen, als die Schaufel durchschmolz und es von selbst hineinfiel. Aber siehe da, es brannte unter dem Wasser weiter und durchschmolz auch noch den Boden des Eimers, dessen Inhalt den Brand des Teppichs löschte.
Das war die Phase, wo ich dazukam. Leo schilderte kurz, was geschehen war und wir machten uns ans Aufräumen, bevor seine Eltern nachhause kamen. Das verbrannte Pulver hatte weißes Magnesiumoxyd erzeugt, das zentimeterdick auf den Küchenmöbeln verteilt war. Dass wir dazu den Staubsauger nahmen, war ein Fehler, denn unter dem weißen Pulver war immer noch unverbranntes heisses Magnesium, das jetzt Luft kriegte. Da wo der Staubsauger bläst, kam eine Stichflamme heraus. Es war zum Glück nicht mehr viel, was da verbrannte, aber nun war auch noch der Staubsauger im Eimer. Die weitere Reinigung erfolgte in stundenlanger, vorsichtiger Arbeit mit dem Handfeger und mit Putzlappen. Die Eltern mussten wir nur über die Löcher im Teppich beruhigen. Da es nur ein selbstgeknüpfter Fleckerlteppich war, wurde das mit Fassung getragen. Dass der Staubsauger nicht mehr ging, wurde erst später bemerkt.
Man möchte meinen, dass man aus den Fehlern anderer lernen kann. Das ist nicht so. Wenige Wochen später ist mir im Wohnzimmer meiner Eltern ein Pulverglas mit Schießpulver bei einem ähnlichen Experiment in der Hand explodiert. Außer ein paar kleinen Brandwunden und ein paar Brandstellen auf dem Linoleumbelag des Tisches ist auch da nichts passiert, da das meiste auf die große Steinplatte fiel und problemlos abbrannte.
Mit Fragen der Raumfahrt, wie Schwerelosigkeit, Umlaufszeit von Satelliten, Höhenstrahlung, Folge von Kometeneinschlägen usw. haben wir uns zunächst nur theoretisch beschäftigt. In Form von Konstruktionszeichnungen von Raumschiffen brachten wir unsere Träume zu Papier. Als später der erste Sputnik gestartet wurde, haben sich alle unsere Überlegungen als richtig herausgestellt.
Als Raumfahrtexperten haben wir natürlich auch Raketen gebaut, die wir im Hof von Leos Elternhaus zündeten. Es gab zwei Typen. Solche die wunderschöne Nachbildungen von Raumfahrzeugen waren, aber nicht flogen, weil sie zu schwer waren und ganz billige Pappröhrchen, die ähnlich flogen wie Silvesterraketen, aber ohne deren Raffinessen, sondern mit einfachem Feuerschweif. Diesen konnten wir allerdings durch Zusätze von Natrium-, Barium- oder Strontiumsalzen in leuchtendes Gelb, Grün oder Rot verwandeln.
Experimente mit einem Heissluftballon von ca. eineinhalb Meter Durchmesser aus zusammengeklebtem Seidenpapier verliefen ohne Zwischenfälle.
Bei den Brüdern Zaradnik durften wir auch ein bisschen Glasbläserei praktizieren, wie Spitzen ziehen und Kugeln blasen. In selbstgeblasene Glaskugeln haben wir dann zuhause Schwefelwasserstoff eingefüllt und die Einfüllöffnungen zugeschmolzen. Die so erzeugten Stinkbomben konnte man durch Zertrümmern des Glases zur Wirkung bringen um die Geruchswirkung eines Misthaufens im Klassenzimmer zu erzeugen. Ich hatte immer eine Schachtel mit einigen dieser Bomben bei mir, ohne sie allerdings einmal in einem geschlossenen Raum einzusetzen. Das Opfer wurde ich selbst, als ich einmal im Kino merkte, dass eine der Stinkbomben nicht ganz dicht war. Vom Rest des Filmes hatte ich dann nicht mehr viel.
Richtige Bomben kann man mit Schwarzpulver und einer geeigneten Zündung machen. Ein Gemisch aus Kaliumchlorat und Zucker entzündet sich von selbst, wenn man einen Tropfen konzentrierte Schwefelsäure darauffallen lässt. Da man auch dieses probieren muss, habe ich wie bei den Stinkbomben die Schwefelsäure in ein Glaskügelchen gefüllt, das beim Zerbrechen beim Aufschlag einer geworfenen Bombe die Explosion auslöst. Ich habe beim Hochsaugen der Säure in der Küche wohl ein bisschen zu kräftig gesaugt und ein wenig konzentrierte Säure in den Mund bekommen. Ich habe sie so blitzartig ausgespuckt, dass ich keine Verätzungen erlitt. Es schmeckte sehr sauer. Die sonstigen Schäden blieben im Bereich des Üblichen.
Unter dem ''Schamott'' der Zaradniks waren auch gläserne Luftpumpen. Wasserstrahlpumpen, die mit dem Strahl der Wasserleitung betrieben wurden und den Druck bis auf 10 mm Quecksilbersäule reduzierten. Der Normaldruck der Luft beträgt 760 mm, gleich einer Atmosphäre. Man kann damit allerhand Experimente machen, wenn man die Luft aus einem gläsernen Unterdruckgefäß herauspumpt. Neben den üblichen Schulexperimenten haben wir versucht, ob Fliegen mit so wenig Luft fliegen können. Sie konnten es nicht, obwohl ihre Flügel heftig vibrierten. Die Fliegen wurden allerdings ziemlich dick durch die sich ausdehnenden Gase in ihrem Inneren. Trotzdem haben sie dieses Martyrium überstanden. Sie müssen ungeheuer zäh sein.
Zur Herstellung von Gasentladungsröhren und Vakuumglühbirnen muss der Luftdruck wesentlich stärker reduziert werden. Für diesen Zweck hatten wir eine dreistufige Quecksilberdampfpumpe von den Zaradniks bekommen, die wir natürlich auch in Betrieb genommen haben.
Natürlich hatten wir als angehende Raumfahrer auch jeder ein astronomisches Fernrohr gebastelt, mit Linsen, die man über den Kosmosverlag beziehen konnte. Als wir darüber mit den Zaradniks sprachen, zeigten sie uns Bauanleitungen für ein Spiegelteleskop mit fünf Zoll Spiegeldurchmesser und sie wussten auch die Bezugsquelle für die Spiegel. Ich habe ihnen dann vorgerechnet, wie sie die Spiegelanordnung machen müssen, um scharfe Bilder zu erhalten.
Leo und ich bauten uns dann auch so ein Teleskop. Die Pertinaxrohre hierfür kriegten wir beim Schnadebeck in der Worellstraße. Wir kletterten damit auf das Hausdach um Sternbeobachtungen zu machen. Da das sehr mühsam war, baten wir die Hausmeisterin des Nachbarhauses, das dortige Flachdach benutzen zu dürfen. Wir haben dort manche Nächte zugebracht . Als wir die Volkssternwarte unseres Bezirkes besuchten, stellten wir mit Genugtuung fest, dass deren Teleskop weniger leistete als unseres. Heute besitze ich ein Teleskop mit fast gleicher Leistung, mit dem ich immerhin die Einschläge der Kometen auf der Jupiteroberfläche sehen konnte. Sie haben Löcher geschlagen, die größer waren als unsere Erde. Innerhalb weniger Tage haben sich diese wieder geschlossen.
1943 wurde unsere komplette Schulklasse gemeinsam zu den Luftwaffenhelfern eingezogen. Am ersten Tag wurden uns die Haare kurz geschnitten. Der Friseur hat uns gleich mit jener Art von deutschem Volksgut bekannt gemacht, das wir in der Schule nicht gelernt hatten. Zum Beispiel:
Mädchen auf der Fensterbank putzt die Fenster blitzeblank.
Alle Leute bleiben stehn, denn die Bürste war zu sehn!
Vogel steht auf einem Bein. Was kann das für ein Vogel sein?
Wasservogel ist es nicht, denn im Wasser steht er nicht!
In dieser Weise ging das über mehrere Stunden, bis der ganze Zug seinen vorschriftsmäßigen Haarschnitt hatte. Nachdem wir eingekleidet waren, fühlten wir uns viel erwachsener. Wir versuchten in jugendverbotene Filme zu gehen, was uns nicht immer gelang. Offenbar ist man zum Töten und Sterben früher geeignet als für die Liebe. Leo war schon immer der mutigere. Er küsste einfach ein entgegenkommendes Mädchen und kriegte eine geknallt. Dabei hatte er schon Liebeserfahrung, nachdem ihn eine junge Jugoslavin im Urlaub verführt hatte.
Der Dienst begann in einer Flakbatterie mit 8,8 cm - Kanonen, der besten Waffe des zweiten Weltkrieges. Es war unsere erste Konfrontation mit kompliziertem technischen Gerät. Neben der Kanone selbst, die über elektrische Antriebswellen mit Folgezeigersystemen gesteuert wurde, waren das Funkmessgerät, das heutige RADAR und das Kommandogerät Dinge, die uns begeistern konnten.
Das Kommandogerät rechnete aus den Messungen des angeschlossenen optischen Richtungs- und Entfernungsmessers oder des RADARs die Einstellwerte für die Kanonen derart, dass nach der Geschossflugzeit das schnell fliegende Flugzeug und das Geschoss den gleichen Punkt erreichen, selbst bei Kurvenflug und Höhenänderung und unter Berücksichtigung von Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Pulvertemperatur, die die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses beeinflusst. Es war ein mechanisch arbeitender Computer, dessen Funktion wir bis ins letzte Detail lernen und verstehen mussten.
Um das Gerät mit seiner Optik schnell auf ein neues Ziel ausrichten zu können, besaß das Gerät einen Motor, der über einen Steuerknüppel gesteuert, den Schwenk bewirkte. Es gab Besuchstage, wo wir in der Batterie Besuch empfangen durften. Da haben wir uns Mädchen eingeladen. Leo hatte eine Cousine namens Trude, die mir sehr gefiel und die ich auch schon bei ihren Eltern besucht hatte. Einmal war sie sogar allein zuhause und hat auch noch in meiner Anwesenheit ein Vollbad im Waschbecken genommen. Aber ich kannte die Gebrauchsanweisung für Mädchen noch zu wenig. Wohl das funktionelle, nicht aber das psychische.
Besagte Trude und noch einige Mädchen besuchten uns also und wir mussten natürlich mit unserem technischen Können und Gerät mächtig angeben. So kam es, dass Leo und ich mit dem Kommandogerät karusselfuhren, was nicht nur die Mädchen beeindruckte, sondern auch unseren Spieß, der uns wegen Gefährdung der Einsatzbereischaft der Batterie und Sabotage anzeigte. Wir kriegten eine dreimonatige Ausgangssperre verpasst.
Aber nach zwei Wochen erfuhren wir zufällig, dass der Batteriechef Chemiker war. Wir gingen also zu ihm und erklärten ihm, dass wir Chemiker werden wollen und im Volksbildungsheim gerne Kurse für chemische Analysen belegen würden. Er genehmigte dies. Die Kurse waren immer Samstags, wenn die unbeliebteste Beschäftigung, nämlich Revierreinigen mit anschließendem Appell angesagt war. So kamen wir zu ernsthafter Beschäftigung mit chemischen Arbeiten in richtigen Laboratorien und haben viel für unser späteres Studium gelernt.
Beschwerden unserer Eltern beim Unterrichtsministerium, über den Ausfall des Unterrichts durch unseren Kriegseinsatz, führten zu einer Initiative, die zur Folge hatte, dass unsere alten Lehrer in Offiziersuniformen gesteckt wurden und mit zu uns kamen, um uns in der nicht für den Militärdienst benötigten Zeit Unterricht zu erteilen. Die alten Knacker in ihrer neuen Rolle zu sehen, war ein Bild für Götter. Trotzdem haben sie uns viel geholfen, da ihr Rang höher war, als der unserer meisten Vorgesetzten.
Im Herbst 1943 wurden wir zur 2-cm-Vierlingsflak in die Berndorfer Kruppwerke überstellt. Da wir uns im Werk frei bewegen durften, konnten wir industrielle Fertigungsmethoden studieren und auch manches Rohmaterial für unsere Bastelarbeiten mit nachhause nehmen.
Den ungeliebten Infanteriedienst haben wir als verschworene Gemeinschaft nach unseren Vorstellungen gestaltet und unsere Ausbildner damit zur Verzweiflung gebracht. So z.B. mit der ''Gummizugstaktik''. Ein Feldwebel hatte nämlich das viele Kommandieren satt und benutzte eine Trillerpfeife. ''einmal pfeifen heisst kehrt-marsch-marsch'' erklärte er. Dann jagte er uns stundenlang hin- und her.
Für das nächste Mal hatten wir zwei Gruppen gebildet. Gruppe A lief in Ost-West-Richtung schnell, in West-Ost-Richtung langsam. Gruppe B verhielt sich genau umgekehrt. So kam es, dass sich mit jedem Pfiff die Gruppen immer weiter voneinander und vom Feldwebel entfernten und als er uns nicht mehr sprechen hörte, vereinbarten wir, dass wir ab jetzt sein Pfeifen einfach nicht mehr hören. Wir liefen noch ca. 2 km und setzten uns dann auf die Wiese. Nach ca. 1 Stunde kam er schimpfend an, weil er erst der anderen Gruppe nachgerannt war. Um sich nicht zu blamieren, hat er aber nichts weiter unternommen.
Die Krupp-Werke hatten in Berndorf ein wunderschönes Theater und ein Gymnasium gebaut. Ersteres haben wir ein paarmal besucht, zu letzterem führte uns täglich der nun für die Luftwaffenhelfer obligatorische Unterricht. Eines Tages tauchte als Mathematiklehrer ein Frontsoldat auf, der die Schulleitung gebeten hatte, in seinem kurzen Urlaub eine Unterrichtsstunde halten zu dürfen. Der Mann hatte das Zeug uns mitzureißen. Er hatte als Thema die Differential- und Integralrechnung gewählt, die Grundlage der gesamten höheren Mathematik. Ihre Entdeckung durch Leibniz und Newton hatte die Voraussetzungen für das Verständnis der Naturvorgänge geschaffen und damit den Grundstein zur Entwicklung moderner Technik gelegt.
Der Mann hat es geschafft, uns in der einen Stunde den Funktionsbegriff, Grenzwerte und Stetigkeit von Funktionen, die gesamte Differentialrechnung und die Grundgedanken der Integralrechnung beizubringen. Ein Thema, das normalerweise einen mehrwöchigen Unterricht erfordert. Leo und ich erkannten sofort die Wichtigkeit dieser Methoden für unsere geliebte Raumfahrt und wir sind dann noch die halbe Nacht mit der Leselampe und dem Mathematikbuch im Bett gelegen, um auch noch die Integralrechnung zu lernen.
Von da an nutzte ich jede freie Minute zur Berechnung von Raumfahrtproblemen, wie zum Beispiel Treibstoffaufwand für Raketen bei der Fahrt zu anderen Planeten, die Bahnen, auf denen sich die Raketen dabei bewegen usw. Diese Art Freizeitbeschäftigung habe ich den ganzen Krieg über beibehalten, sozusagen als Ausgleich zu dem idiotischen Militärdienst. Die dabei erworbene Routine bei der Anwendung mathematischer Methoden auf praktische Probleme hat mein späteres Berufsleben weitgehend geprägt, da sich Kollegen und Vorgesetzte immer wieder Unterstützung bei mathematischen Problemlösungen geholt haben.
Im Februar 1944 kam ich zum Arbeitsdienst nach Posen, während der 6 Monate jüngere Leo mit den meisten Klassenkameraden nach Theresienfeld bei Wiener Neustadt kam, wo sie mehrere Kampfeinsätze bei Luftangriffen hatten. Wir bauten Entwässerungsgräben für Sumpfgebiete, lernten Erdarbeiten, Bäume fällen, Wurzeln ausgraben usw. und viele andere nützliche Dinge. Auch machten wir manchen Quatsch. Zum Beispiel gelang es uns Pfurze anzuzünden. Sie brennen tatsächlich mit bläulicher Flamme.
Eines Tages erfuhr ich, dass es einen jungen Mann namens Helmut Körner in einem Nachbarzug gab, der sich mit Raumfahrt beschäftigte. Er stammte aus dem Wiener Bezirk Margareten und hatte ein paar Fachbücher über Raumfahrt erworben. So z.B. ''Die Rakete zu den Planetenräumen'' von Hermann Oberth, den man später den ''Vater der Raumfahrt'' nannte. ''Raketenfahrt'' von Max Valier enthielt vieles über Bahnberechnungen. Ich habe diese Bücher durchstudiert und viel dazugelernt. Wir haben noch oft gemeinsam Probleme gewälzt. Nach dem Arbeitsdienst im Mai 1944 habe ich ihn in Wien besucht.
Zu dieser Zeit war die deutsche Wehrmacht längst im Rückzug und jeder Kopf wurde als Kanonenfutter gebraucht. Schon beim Arbeitsdienst (RAD) in Posen waren Werber für die Waffen-SS aufgetaucht, die ziemlichen Druck auf die Kameraden ausgeübt haben, sich '' freiwillig'' zu melden. Insbesondere auf die Größeren, zu denen ich damals auch gehörte. Nun ich hatte vorgesorgt. Seit ein Schulkamerad aus einem Kino, das er in Wien besuchte, erst am nächsten Tag herausgelassen wurde, als er sich durch Unterschrift als ''Freiwilliger'' zur SS verpflichtet hatte, trug ich ein Bewerbungsformular als Kriegsoffiziersbewerber (KOB) mit mir herum. Ich habe es den Werbern gezeigt und sie haben mich nicht weiter belästigt. Abgeschickt habe ich es auch dann nicht.
Nach der Entlassung vom RAD mussten wir uns sofort am Wehrbezirkskommando melden. Die Kameraden, die aus den Amtsräumen herauskamen, hatten eine Einberufung für den nächsten Tag in der Hand. Das gefiel mir gar nicht. Ich verließ die Warteschlange und schaute mich in dem Gebäude um. Die Ausgänge waren bewacht, es wurde niemand ohne Einberufung hinaus gelassen. Aber ich fand eine Tür mit der Aufschrift Offiziersbewerber. Dort ging ich hinein und zeigte meine bewährten Bewerbungsformulare her. ''Um Gottes Willen , wie kommen sie denn hier herein? Sie müssen in die Schopenhauerstraße!'' Der Mann führte mich zu einer Hintertür, die er extra für mich aufschloss.
Ich bewarb mich dann offiziell als KOB und mein Einberufungsbefehl kam erst 6 Wochen später. Ein Zeitgewinn, der vielleicht lebensentscheidend war, denn mehrere Schulkameraden und auch Helmut Körner kamen nicht mehr zurück.
Die Offiziersausbildung dauerte etwa 1 Jahr, wobei nach einem halben Jahr drei Monate Frontbewährung zu absolvieren waren. Wir hofften, dass bis dahin der Krieg zu Ende sei, aber er dauerte länger. Die Ausbildung begann in Stettin. Auch sie war nicht ungefährlich, da Stettin in dieser Zeit schwere Luftangriffe erlebte. Als die englischen Radarflieger ihre ''Christbäume'' zur Markierung setzten, waren wir mitten im abgesteckten Quadrat. Im Luftschutzkeller der Kaserne war eine Pfütze, die Wellen schlug, als die Bomben einschlugen.
Als wir nach dem Angriff herauskamen, stand Stettin in Flammen. Von den Dächern tropfte Phosphor und wir mussten Feuerwehr spielen. Für meine Chemieexperimente hatte ich immer Phosphor haben wollen, aber nie bekommen, da er zu gefährlich war. Nun hatte ich so viel auf den Schuhen, dass sie im Dunkeln leuchteten. Ich musste sie später beim Schlafengehen auf den steinernen Flur stellen, damit sie nichts entzünden. Am nächsten Tag waren sie nur noch von weißem Phosphoroxyd bedeckt.
Ein späterer Angriff begann ähnlich. Aber nachdem die vier Christbäume gesetzt waren, kamen deutsche Nachtjäger und setzen so viele weitere, dass die Engländer die Orientierung verloren und ihre Bomben irgendwo außerhalb der Stadt abwarfen.
Es kam eine Zeit ohne Luftangriffe, dafür mit fast ebenso gefährlichen Aufräumungsarbeiten. Verschüttete mussten geborgen und der Schutt von eingestürzten Wohnungen musste abgeräumt werden, um die Decken der darunterliegenden Räume zu entlasten. Möbel wurden aus unbewohnbaren Räumen geholt, Dächer mit kaputten Ziegeln wurden von doppelt auf einfach umgedeckt, stinkende Brandleichen mussten geborgen werden usw.
Eines Tages kamen wir in eine Wohnung im zweiten Stock eines Hauses, die geräumt werden musste, weil auf ihr der Schutt mehrerer Stockwerke lastete. Sie enthielt ein vornehmes Wohnzimmer mit einer Flügeltür in eine anschließende Kammer, in der ein großer dreiteiliger Schrank stand. Während meine Kameraden begannen, den Schrank zu zerlegen, zog mich der Bücherschrank im Wohnzimmer magisch an. In der Decke war ein Loch, aus dem Schilfreste herausschauten.
Während ich die Bücher durchsah, knisterte es ein paarmal ganz schwach in dem Loch. Da riefen mich meine Kameraden in die Kammer, weil sie die Schrankschlösser zum Zerlegen nicht fanden. Als wir alle fünf gerade hinter dem Schrank standen, kam die Decke des Wohnzimmers herunter. Der Schutt kam in die Kammer, zerbrach den Schrank und drückte sein Oberteil gegen die Wand. Wir steckten alle in dem Dreieck Schrank-Fußboden-Wand. Plötzlich ein Feuerschein. Zum Glück hatte die Kammer eine Tür zum Flur, die wir für den Abtransport des Schrankes schon geöffnet hatten. Wir waren blitzschnell draußen und rasten die Treppen hinunter ins Freie. Das Haus brannte bald lichterloh von oben bis unten und ist völlig ausgebrannt.
An einem der nächsten Tage war es stürmisch. Die Wände und stehengebliebenen Schornsteine der Bombenruine, die wir säubern sollten, schwankten im Wind. In einer halsbrecherischen Kletteraktion versuchte einer von uns mit einer langen Stange den Kamin umzuwerfen. Doch der war zu stabil, obwohl er schwankte. Ich schaufelte Schutt aus einer Kammer, über der nur Himmel war. Nach einiger Zeit machte ich eine Pause, lehnte meine Schaufel an die Wand und schaute nach den Kameraden. Sie waren alle Rheinländer und wir hatten viel Spaß miteinander. Da stürzte von hoch oben ein Stück Seitenwand auf meine Schaufel. Die war dann dreiteilig.
Von Stettin kamen wir für drei Wochen in die Erd- und Nahkampfschule Bad Saarow in der Nähe von Berlin. Die Ausbildung entsprach der der amerikanischen Ranger. Es war die Erziehung zum Töten um selber zu überleben. Knacken von Panzern mit primitivsten Mitteln, wie Karabinern, Molotow-Koktails usw. Ausbildung an Panzerfäusten, Minenwerfern, Handgranaten, Sprengsätzen und vieles mehr. Aber auch welche Pflanzen essbar sind, wie man sich im Wald orientiert und geräuschlos bewegt usw.
Das nächste Ziel war Dänemark, die sogenannte Speckfront. Dort gab es nämlich genug zu essen, zumindest für uns Soldaten. Im Fliegerhorst Grove wurden wir an der 3,7/43, der modernsten Flakwaffe ausgebildet. Im Januar 1945 ging es dann an die Front. Immerhin 7 Monate Fronteinsatz hatte ich also durch meine Offiziersausbildung gespart. Die Front war damals in Polen und wir fuhren mit der Bahn nach Bromberg. Das heißt, wir blieben außerhalb von Bromberg stehen, weil in Bromberg schon gekämpft wurde. Unser Lokführer setzte sich ab und unsere Ausbildner aus Dänemark gaben uns Marschbefehle und verschwanden ebenfalls.
Einen Teil von uns schickten wir auf Erkundung aus und die fanden bei der Bahn tatsächlich einen, der unsere Lok wieder in Gang setzen konnte. Allerdings wieder weg von der Front und nach Königsberg, wo die Russen noch nicht waren. Dort verschwand auch der zweite Lokführer. Wir hatten es nicht sehr eilig, aber als nach zwei Tagen unsere Vorräte knapp wurden, musste etwas geschehen. Da auch ein paar Königsberger im Zug waren, die uns sagten, wie wir zur Flakkaserne kommen, machten wir uns dorthin auf den Weg. In Kolonne singend, damit es nicht auffiel, dass wir führerlos waren, sonst hätte uns der damals umgehende Soldatenklau gleich wieder zur Infanterie gesteckt. Flak war uns lieber, da ist man meist doch ein bisschen weiter vom Feind weg.
In der Kaserne wurden wir aufgenommen, aber die hatten keine Kanonen. Rund um Königsberg war der Rückzug in vollem Gang und die Soldaten ließen ihre Kanonen stehen und rannten oder fuhren in Richtung Westen. Wir kriegten rote Kellen in die Hand und mussten alles, was sich in westlicher Richtung bewegte, aufhalten und in die Kaserne umleiten. Nicht alle blieben stehen. Wenn die Motoren statt anzuhalten aufheulten, mussten wir zur Seite springen, um zu überleben.
Nach ein paar Tagen kam da ein ganz seltsamer Zug daher. Ein einzelner Soldat, der vor sechs Kanonen Ochsen gespannt hatte, die er antrieb. Wegen dieses Idioten, der offenbar den Krieg noch gewinnen wollte, hatten wir jetzt Kanonen, mit denen wir an die Front mussten. Diesmal war es ernst. Der Frontverlauf war immer an dem Feuerschein zu sehen, weil es da immer brannte. Am Zielort angekommen, wollten wir uns wie gewohnt eingraben. Aber in dem hartgefrorenen Boden hatten wir keine Chance.
Am nächsten Tag kriegten wir Granatfeuer. Offenbar von Minenwerfern, denn wir hörten die Geschosse heranfliegen und rannten um unser Leben. Im Rennen sah ich ein Deckungsloch. Ich sprang hinein, aber da war schon einer drin, der sehr böse wurde, denn es war sehr eng. Seiner hartnäckig vorgetragenen Aufforderung, das Loch zu verlassen, kam ich jedoch nicht nach, weil es rundherum krachte. Zum Glück hörte der Feuerzauber auch wieder auf.
Unser Zug machte Stellungswechsel und wir kamen in ein verlassenes Arbeitsdienstlager mit Baracken und Unterständen für die Geschütze. Dort war es vergleichsweise ruhig und wir blieben längere Zeit. Im Lager gab es eine Sanitätsbaracke mit vielen Arzneien, Chemikalien und Gerätschaften, wo ich ein bisschen Chemieexperimente machen konnte. Auch eine Bücherei fand ich und ich nahm mir ein Buch mit in meine Baracke. ''Anilin'' von Schenzinger. Dort las ich in jeder freien Minute. Königsberg war inzwischen voll von den Russen eingeschlossen.
Am 13. Februar 1945 krachte es beim Lesen, wie wenn ein Brett zerbricht und ich spürte einen Schlag am linken Oberschenkel. Ein Granatsplitter war vom Holzfußboden der Baracke abgeprallt und hatte meinen linken Oberschenkel von links unten getroffen. Er blieb stecken und bildete einen Tippel auf der Innenseite des Schenkels. Ich las meinen Satz zu Ende und tastete dann mein Bein ab. Es war ein Loch in der Hose und mein Finger war schwach blutig. Willi Stockhausen aus Bonn wollte aus der Nachbarbaracke Hilfe holen. Er kam etwas blass zurück und erzählte, dass dort alles voll Blut sei. Es hatte einige schwer getroffen. Dann riss er meine Hose auf und legte mir einen Verband an. Dabei wurde mir übel.
Anschließend brachten sie mich ins Lazarett. Der Operationsraum war ein Klassenzimmer, in das man einige Tische mit Matratzen gestellt hatte, mit roten Gummitüchern darüber. Operateur war ein Sanitätsgefreiter mit zwei Semestern Medizinstudium. Er hatte eine blutverschmierte Gummischürze um und operierte an mehreren Tischen gleichzeitig. Neben mir lag einer aus der Nachbarbaracke, der stark durchlöchert war. Er ist am nächsten Tag gestorben.
Der Sani steckte mir ein Stück Verbandsmull in den Mund und sagte: ''da beiß fest drauf''. Dann schnitt er den Splitter heraus, ohne die volle Wirkung der Spritze abzuwarten, warf ihn mir hin und sagte: ''da hast du, als Andenken.'' Es war alles sehr schnell gegangen. Er hatte ja reichlich Übung. Ich kriegte noch eine Tetanusspritze und kam in ein Krankenzimmer. In der Nacht wurden die Schmerzen offenbar stärker, denn ich ertappte mich beim Stöhnen. Ich wunderte mich darüber, denn so schlimm kam es mir gar nicht vor. Aber der Schmerz war eben ständig da und das war lästig.
Ich lag da etwa eine Woche. Die Haut begann zu jucken und die Bettnachbarn erklärten mir, das sei von der Tetanusspritze. Als ich dann einmal den Ärmel hochschob und eine besonders stark juckende Stelle betrachtete, da lachte mir eine ca. 7mm große Kleiderlaus entgegen. Nach ein paar Tagen nahm eine Ju 52 ein paar Verwundete mit. Sie hatten noch einen Platz frei und fragten wer stehen kann. Ich meldete mich, kriegte aber dann doch einen Sitzplatz in der Ju.
Im Tiefflug ging es dann über die Front nach Danzig. Eine Maschinengewehrgarbe traf das Heck, aber es passierte nichts weiter. In Danzig wurden wir in das Luxusschiff ''Europa'' verladen. Obwohl das Schiff mit einem riesigen roten Kreuz als Lazarettschiff gekennzeichnet war, wurde auch Munition verladen. Wir lagen beim Verladen auf Pritschen, die mit dem Ladekran einzeln hinüber gehoben wurden.
Ich kam in den Salon, in dem alles mit Samt verkleidet war. Wir lagen auf Matratzen am Boden. Ich beobachtete, wie eine Decke, die am Boden lag, sich von selbst bewegte. Das waren die Läuse. Links neben mir lag einer, dem gaben die Schwestern Sekt. Da wussten wir, dass es mit ihm zu Ende geht. Er wusste es auch. Er zeigte mir noch Photos von seiner Familie. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war er tot. Es hat mich nicht besonders berührt. Der Tod war sehr normal damals.
Rechts neben mir lag einer, der hatte einen Granatsplitter in den Hodensack bekommen. Da das Loch schon zuheilte, riss er es immer wieder mit den Fingernägeln auf, damit sie ihn nicht gleich wieder an die Front schicken.
Wir fuhren nach Stettin, konnten aber nicht in den Hafen, weil die Engländer die Zufahrt aus der Luft vermient hatten. Ich weiß nicht mehr, wie der Hafen hieß, wo wir dann in die Bahn umgeladen wurden. Per Zug ging es dann nach Schleswig. Auf der Fahrt wurden die Verbände gewechselt, die nach zwei Wochen schon sehr übel rochen. Der meine bestand aus einem Tampon, der noch in der Wunde steckte und Clopapier drum herum. Als sie den Tampon herauszogen, kam eine stinkende schwarze Brühe mit heraus. Dann verlor ich kurz das Bewusstsein.
Schleswig war ein Traum. Die Stadt war Lazarettstadt und kannte keine Luftangriffe. Außerdem war Frühlingswetter. Die Möven umkreisten die Bucht, an der unser Lazarett lag. Als man mich untersuchte, wurde am Nebentisch einer operiert. Man konnte in seinen Bauch hineinschauen und als ich sah, wie die Organe Ausweichbewegungen machten, wenn der Chirurg hineingriff, wurde mir etwas seltsam.
Da ich wochenlang mein linkes Bein etwa rechtwinkelig abgewinkelt hatte, weil es da am wenigsten schmerzte, hatten sich die Sehnen verkürzt und ich konnte es nicht mehr strecken. Einer zog an meinem Bein, ein zweiter setzte sich auf mein Knie und schon war es gerade. Ich hörte jemanden brüllen und stellte erstaunt fest, dass ich das selbst war. ''Von jetzt an halt es schön gestreckt, sonst müssen wir das wieder machen'' sagte der Sani und ich habe brav gefolgt. Das Erlebnis war einfach zu eindrucksvoll.
Ich hatte drei Zimmernachbarn. Den einen haben sie mit einer Knallerbse den Hintern weggesprengt. Er war da ganz flach. Knallerbsen hießen die Gewehrkugeln mit Aufschlagzünder. Sie waren viel wirksamer als die international geächteten Dumdumgeschosse.
Der zweite war bei der SS-Leibstandarte für den Führer und hatte, als er Wache hatte, einen Kameraden nicht angezeigt, der sich nach dem Ausgang um eine Viertelstunde verspätet hatte. Das reichte unter diesen besonderen Bedingungen für ein Todesurteil. Er kam in eine Todeszelle in einem tschechischen Gefängnis und sah von seinem Fenster aus täglich die Erschießungen von Häftlingen, die man an einen baumstarken Pfahl gebunden hatte. Der Pfahl wurde im Verlauf eines Jahres dreimal ausgewechselt. Dann wurde er zur Frontbewährung begnadigt. Er hat sich als Scharfschütze gemeldet um die Bewährungszeit zu verkürzen. Bei diesem Job hat ihn dann eine MG-Garbe erwischt.
Der dritte war Offizier. Seine Einheit war von den Russen gefangengenommen worden und ihn wollten sie erschießen, weil er schöne Stiefel anhatte. Sie führten ihn an den Waldrand und dort erschoss ihn einer mit der Maschinenpistole und zog ihm die Stiefel aus. Er hatte instinktiv der MPi die Hand entgegengestreckt und die meisten Kugeln in den Arm bekommen. Das hatte ihm wohl das Leben gerettet. Er war ruhig liegen geblieben und hatte gewartet bis es ganz dunkel wurde. Eine russische Wache war in der Nähe. Als diese die Hosen herunterließ, um sich zu erleichtern, sprang er auf und rannte barfuß ein paar Kilometer durch den Schnee bis zu einer Straße, auf der sich deutsche Truppen bewegten. Dort brach er zusammen.
Meine Genesung machte Fortschritte. Ich konnte Spaziergänge an den sonnigen Ufern Schleswigs machen und freute mich auf den baldigen Genesungsurlaub. Es muss im März gewesen sein, als eines Tages die Nachricht kam, dass die Russen in Wien einmarschiert sind. Ich stellte sofort einen Urlaubsschein nach Wien aus und ließ ihn vom Stabsarzt unterschreiben, in der Hoffnung, dass der die Nachricht noch nicht gehört hatte. Ich hatte Glück und machte mich sofort aus dem Staub.
Am Bahnhof setzte ich mich in einen passenden Zug und vermied alle Kontrollen. Da ich natürlich auch kaum Vorräte hatte, war diese Fahrt die längste totale Fastenzeit meines Lebens. Drei Tage ohne Essen und Trinken. Wir hatten mehrere Luftangriffe von Tieffliegern, die die Züge beschossen und die Gleisanlagen durch Bomben zerstörten. Wir rannten bei jedem Angriff von den Gleisen weg ins Gelände und warfen uns in irgend welche Mulden. Die Gleise waren nach jedem Angriff nach ca. drei Stunden wieder repariert. So perfekt arbeitete die Organisation Todd.
Auch mein Sitznachbar hatte einen Genesungsurlaubsschein nach Wien und wir beschlossen, so weit in diese Richtung zu fahren, als es uns möglich ist, damit wir bei dem bevorstehenden Kriegsende nicht mehr so weit nachhause haben.
In Oberösterreich stieg ein siebzehnjähriges Mädchen zu uns ein, das sich freiwillig als Wehrmachtshelferin gemeldet hatte und ihren Dienst antreten wollte. Was sie bei uns sofort beliebt machte, war nicht nur ihr hübsches Aussehen, sondern auch ihre ungeheure Naivität und vor allem ein riesiger Brotlaib mit zugehörigem Buttervorrat. Als sie unsere hungrigen Blicke sah, bot sie uns Brot an. Von da an hat sie nur noch Brote gestrichen, bis wir gemeinsam alles aufgegessen hatten.
In Krems stieg sie aus und wir fuhren weiter bis Sankt Pölten. Dort hörten wir, dass in Sankt Pölten bereits russische Panzer aufgetaucht sind. Das war uns dann doch unheimlich und wir setzten uns in einen Zug nach Salzburg. Solange wir in Richtung Front gefahren waren, hat kein Schwein den Zug kontrolliert. Jetzt war das anders. Alle Pfifferlinge mussten wir raus und die Papiere wurden kontrolliert. Aber es gelang uns immer, die Kontrolleure zu überzeugen, dass wir den Genesungsurlaub noch brauchen und ihn ja schlecht bei den Russen verbringen können.
In Salzburg setzten wir uns in eine Straßenbahn und fuhren bis zur Endstation. Das war Obergnigl. Dort fragten wir in einer Siedlung nach einem Privatquartier. Wir fanden es bei einer jungen Frau mit Namen Linartner, deren Mann an der Front war. Es war ein hübsches Einfamilienhaus. Ihr Mann hatte eine Ausbildung an der graphischen Lehr- und Versuchsanstalt hinter sich, an der mein Vater als Laborant gearbeitet hatte. Sie war sehr aufmerksam und freute sich offenbar, jemanden verwöhnen zu können.
Auf der Toilette entdeckte ich, dass meine Verlausung noch nicht ganz zu Ende war. Ich hatte noch Filzläuse, damals als Sackratten bekannt und die Haare waren voll mit Nissen, also Lauseiern. Darauf ging ich in den Wald und auf einer Lichtung zog ich mich aus und habe in stundenlanger Suche alle Eier geknackt und alle Kleider durchsucht. Es wäre mir furchtbar gewesen, wenn ich der netten Frau Läuse ins Haus gebracht hätte. Ich habe offenbar alles gefunden, denn ich hatte nie wieder Läuse.
Salzburg hatte vorbildliche Luftschutzkeller. In Obergnigl war einer in den Berg hinein gebaut als riesige Halle mit zwei Eingängen. Ich war bei einem Angriff drinnen, als einer der beiden Eingänge verschüttet wurde. Vor dem anderen lag ein Blindgänger, über den wir nachher vorsichtig hinaus gestiegen sind.
Mein Kamerad hatte eine Woche weniger Urlaub als ich und wollte gern nach Bayern, wo irgendwann seine Einheit war. In Salzburg liefen damals immer mehr ''Kettenhunde'' um, das waren Soldaten, die an einer Kette eine Blechtafel umhängen hatten, die sie als Wehrmachtsstreife kennzeichnete. Man nannte sie auch ''Soldatenklau''. Sie griffen alle Soldaten auf, die keine oder unter den gegebenen Umständen nicht mehr sinnvolle Papiere hatten und stellten sie zu neuen Fronteinheiten zusammen.
Ich begleitete ihn nachts zu Fuß zum Bahnhof, um diesen Fängern zu entgehen, aber schon auf halbem Weg hatten sie uns. Sie nahmen auch mich gleich mit, obwohl mein Urlaub noch nicht abgelaufen war. Wir wurden mit vielen anderen in einen Turnsaal gesteckt. Man wartete, bis ein Offizier eingefangen wurde, um uns an die Front zu bringen. Tatsächlich wurde ein Hauptmann gefunden und am nächsten Tag sollte es losgehen. Der Hauptmann ging mit einem Mädchen spazieren, als er bei Salzburgs schrecklichsten Fliegerangriff ums Leben kam. Wir freuten uns über die paar Tage Aufschub, die unsere Überlebenschancen verbesserten.
Dann wurden wir doch in einen Zug gesteckt, der sich unendlich langsam in Richtung Front, das war damals Graz, bewegte. In Wegscheid bei Linz landeten wir in einer Kaserne zur Ausrüstung. Es war ein Militärflugplatz und ich sah zum ersten Mal den damals nur aus Gerüchten bekannten ''Turbinenjäger'' Me 262. Heute nennt man das Düsenjäger.
Dabei wurde ich Zeuge einer Bruchlandung. Die Maschine landete mit einem Rad auf der Betonpiste, mit dem anderen auf dem Rasen. Sie drehte sich zur Seite, schlitterte seitlich durch die Gegend, und stellte sich dann auf die Schnauze. In dem Moment schoss sich der Pilot mit dem Schleudersitz heraus und schlitterte über den Boden. Dann stand er auf und sah zu, wie seine Maschine brannte. Die Feuerwehr hatte es schnell gelöscht.
In der Kaserne wurden dann Gewehre verteilt. Ich erinnerte mich an die Worte meines Vaters, der immer gesagt hatte: ''wenn Waffen verteilt werden, muss man sich immer ganz hinten anstellen, vielleicht haben sie dann keine mehr. Sonst muss man die immer herum schleppen''. Ich war also der letzte. Als ich drankam, waren noch zwei französische Beutegewehre da. Der W und G (Der Beauftragte für Waffen und Geräte) gab mir beide und sagte: ''wenn du an die Front kommst, dann gib eines einem der keines hat''. Ich dachte, wenn das so ohne jede Kontrolle geht, dann kann ich ebenso gut keines gekriegt haben. Also stellte ich die Gewehre im Treppenhaus ab und zog völlig wehrlos in den Krieg.
Bis dahin vergingen noch einige Tage, weil es auch der Lokführer nicht eilig hatte und auf allen Nebengeleisen Pausen machte. Bei einer solchen Pause erzählte mir ein Österreicher, der aus Wien kam: ''Die Russen haben den Renner als Regierungschef eingesetzt. In Wien gibts wieder Schilling und Groschen''. Schließlich kamen wir aber doch an die Front. Es war in Hartberg und erfreulich ruhig. Nur hin und wieder flog ein russischer Flieger herum, warf ab und zu eine Bombe und verschwand wieder. Sie nannten ihn den UvD (Unteroffizier vom Dienst). Am nächsten Morgen hielt unser Hauptmann eine flammende Rede, in der noch Endsieg usw. vorkam. Es gab bis zuletzt solche Trottel.
Tags darauf wurden wir von heftigem Gefechtslärm geweckt. Wir mussten antreten und erfuhren, dass Admiral Dönitz als Nachfolger des inzwischen verstorbenen Führers kapituliert habe. Der Lärm kam von den zahlreichen Maßnahmen, die Munitionsbestände zu vernichten. Das machten die Soldaten auf ihre Weise, indem sie Zielschießen auf irgend welche markanten Bergspitzen oder dergleichen veranstalteten, Panzerfäuste abschossen und Gewehrmunition in offenen Feuern verbrannten.
Dieses Inferno hielt den ganzen Tag über an, auch als wir bereits unterwegs nach Salzburg waren, um nicht von den Russen interniert zu werden. Es gab etliche Verletzte aus reiner Dummheit. Vor unserer Abreise, die mit mehreren Fahrzeugen und unterschiedlichen Fahrzielen erfolgte, wurde noch die Batteriekasse aufgeteilt. Es musste eben alles seine Ordnung haben beim Barras.
Die Reise nach Salzburg war die Hölle. Das winzige Sträßchen über Judenburg nach Salzburg war völlig verstopft. Fahrzeuge, die nicht weiter konnten, wurden einfach in den Straßengraben geschoben. Alle hatten es eilig, weil man die nachfolgenden Russen fürchtete. Unser Fahrer wählte den Weg über die Felder. Aber da war plötzlich ein tiefer Graben mit einem Bach. Gegen alle Vernunft fuhren wir in den Graben bis der Kühler sich ins andere Ufer bohrte. Nun holten ein paar einen Bauern mit Ochsen, der uns wieder herauszog. Aber der Kühler hatte ein Loch und so setzte sich einer auf den Kotflügel, um während der Fahrt ständig Wasser nachzufüllen.
In einem längeren Stau kamen wir neben einem ausgedienten Funkwagen zu stehen. Ich sprang hinüber und holte mir ein paar Kopfhörer, die ich noch heute besitze. Am späten Abend kamen wir an der Enns an, wo uns die Amerikaner in Empfang nahmen. Doch das dauerte und wir überlegten schon, ob wir nicht hinüber schwimmen sollten. Schließlich kamen wir doch dran und wurden auf einen amerikanischen Lastwagen umgeladen, den ein Neger steuerte. Die Art, wie die Amerikaner mit ihren Fahrzeugen umgingen, hat uns sehr beeindruckt. Stand einer im Weg, wurde er einfach Stoßstange an Stoßstange weggeschoben und das mit hohem Tempo. Beim deutschen Militär wären wir für so etwas vors Kriegsgericht gekommen.
Wir sollten in Salzburg interniert werden und das schmeckte mir nicht. Als wir vor Obergnigl über Serpentinen den Berg hinunterfuhren, warf ich meinen Rucksack in den Straßengraben und sprang nach. Ich wartete bis der Konvoi vorbei war und marschierte dann zum Haus der Frau Linartner. Als niemand aufmachte, öffnete ich die unverschlossene Tür und ging die Treppe hoch zu dem Zimmer, das ich früher bewohnt hatte. Da sah ich neben den Betten auf den Stühlen Uniformpäckchen mit amerikanischen Uniformen. Da verließ ich das Haus recht leise und marschierte in Richtung Linz. Dabei kriegte ich Gesellschaft von einem Gleichgesinnten.
Bei Straßwalchen kam uns einer entgegen, der uns erzählte, dass die Amerikaner überall Plakate angeklebt haben, dass jeder deutsche Soldat, der ohne Entlassungspapiere angetroffen würde, erschossen wird. Um dies zu verhindern, marschierten wir also nun zu dritt wieder nach Salzburg, um uns internieren zu lassen.
Anfangs ging es uns im Lager ganz gut. Wir kriegten amerikanische Verpflegung aus Paketen, die den Carepaketen entsprachen. Täglich ein Viertelpaket ohne Rücksicht auf den jeweiligen Inhalt. Es waren oft sehr kuriose Kostzusammenstellungen. Einmal war ein Pfriem dabei (Kautabak), also habe ich gepfriemt. Nach einigen Tagen kam Anweisung, dass die deutschen Soldaten von den Deutschen selbst ernährt werden müssten. Da die auch nichts hatten, gab es auch nichts.
Da wir auf nacktem Boden schliefen, wurden eines Tages Decken verlost. Ich habe eine gewonnen und damit so gut geschlafen, dass ich eines Morgens in einer mehrere Zentimeter tiefen Pfütze erwachte, weil ich ein nächtliches Gewitter nicht bemerkt hatte.
Eines Tages kam ein Pfarrer mit einem Lastwagen voll Hostien, um uns Massenabsolution und die heilige Kommunion zu erteilen. Ich habe nie so viele praktizierende Christen gesehen. Wir haben uns immer wieder um Hostien angestellt, bis der Wagen leer war.
Wir wurden dann auf Lastwagen verladen und nach Bayern in die Dörfer gebracht, damit uns die Bauern ernähren. In einer Scheune in Peiß wurden wir einquartiert. In den ersten Tagen fraßen wir alle Saatkartoffel von den Feldern, dann Löwenzahn und schließlich Brennnesseln. Sie wurden einfach in Wasser gekocht, ohne Gewürze und so verschlungen. Ein Feiertag war, wenn die Amerikaner in der Nähe ihre Brotlieferungen bekamen. Dann halfen wir abladen und kriegten dafür ein Viertel Brot.
Schließlich wurde gefragt, wer in einer Papierfabrik oder in einem Kohlenbergwerk arbeiten will. Ich meldete mich zur Papierfabrik, aber als es so weit war, gab es doch nur Kohlenbergwerk. Wir wurden nach Marienstein, in der Nähe des Tegernsees gefahren. Als wir in den Ort kamen und die Leute sahen, schrie einer: ''Mensch guck einmal, dicke Weiber''. Weiber und auch noch dicke, das war einfach der Inbegriff des Glückes, denn es verhieß goldene Zeiten. Tatsächlich fiel hier erst auf, wie ausgemergelt das deutsche Volk aufgrund der Lebensmittelrationierungen anderswo war.
Wir wurden auf Privatquartiere von Bergleuten verteilt und lebten und aßen mit ihnen. Dabei erfuhr ich, dass mein Vermieter sein Dorf noch nie in seinem Leben verlassen hatte und er hatte richtig Angst davor, so etwas zu tun. Auch photographiert zu werden, fand er entsetzlich und er hätte lieber einige Schichten gefahren. Wir gingen mitsammen täglich zur Arbeit in die Grube. Der Förderkorb dient eigentlich zum Kohletransport. Auf Menschen nimmt er wenig Rücksicht. Er fährt einfach los und der erste Moment ist wie freier Fall. So ging es 700 m in die Tiefe. Unten bleibt er ebenso ruckartig stehen und man tut gut daran, sich nach Möglichkeit festzuhalten.
Unten angekommen, besteigt man die Lastanhänger der Grubenlok und fährt mehrere Kilometer in den Berg hinein. Da die Räder im zentimeterdicken Kohleschlamm manchmal klemmen und dann einseitig abgeschliffen werden, sich dann aber doch wieder drehen, sind sie nicht rund, sondern vieleckig und rumpeln entsprechend.
Nach einer halbstündigen Fahrt kam ein dreiviertelstündiger Fußmarsch durch Stollen, die ursprünglich mannshoch gewesen sein mochten, die aber durch den Kohleabbau um die Dicke der Kohleschicht niedriger geworden waren, so dass man sie nur in gebückter Haltung durchwandern konnte. Am Gürtel hatten wir einen mehrere Kilo schweren Bleiakkumulator mit einer Glühbirne hängen, die einzige Beleuchtung bei diesem Marsch. Da man sich unwillkürlich immer mehr aufrichtet und dabei forsch marschiert, um die Qual zu Ende zu bringen, donnert man immer wieder im Halbdunkel gegen die meist geborstenen Deckenbalken, wonach man den Kopf wieder eine Weile besser einzieht.
Nach so viel Strapaze am Arbeitsplatz angekommen, braucht man Ruhe. Man legt sich also für eine halbe Stunde auf den Boden und schläft. Man würde auch länger schlafen, aber dann macht der Steiger seinen Kontrollgang und da muss gearbeitet werden. Die Arbeit erfolgt unter sehr harten Bedingungen. Die Kohle wird von unten nach oben aus einer ca. 1/2 bis 1 m dicken Schicht mit einem Presslufthammer herausgebrochen, den man hierzu mit einer Hand schräg nach oben drücken muss. Dabei liegt man seitlich in der etwa 45 Grad steilen Schicht, auf Holzpflöcke gestützt, die mit einem Kopfholz zwischen Decke und Boden eingeklemmt sind. Man springt von Sprosse zu Sprosse, wie in einem Vogelkäfig, nur schräg. Alles ist mit zentimeterdickem, feuchten Kohleschlamm bedeckt. Auch die Gesichter. Erst nach Schichtwechsel unter der Dusche erkennt man sich wieder.
Die herausgebrochene Kohle fällt in eine Blechrinne, in der sich eine Kette mit Metallscheiben bewegt und die Kohle schräg nach unten in den nächsten Stollen zieht, wo sie in die Waggons der Grubenlok, die sogenannten Hunde fällt. Da die Abbruchstelle der Kohle immer weiter nach oben wandert, muss die Rinne jede Woche umgelegt, das heißt weiter nach oben verlagert werden. Ebenso die Pressluftrohre, die den Berg belüften und alle Maschinen antreiben. Außer den Presslufthämmern die Bohrer für den Stollenbau, die Kette in den Kohlerutschen und sogar die Lampen an der Abbruchstelle, von denen jede einen eigenen Pressluftmotor und Dynamo hat. Das erspart weitere Installationen. Die Luft braucht man sowieso. Sie durchzieht den Berg als kräftiger Wind, der Wetter genannt wird. Da man immer feucht ist, ist das nicht gerade gesund.
Manchmal wurde ich zum Stollenbau eingeteilt. Dazu wurden am Stollenende 5 m tiefe Löcher in den Fels gebohrt für die Dynamitstangen. Man drückt hierzu mehrere Stunden auf den Bohrer. Abwechselnd mit allen vier Extremitäten, weil man dabei sehr rasch ermüdet. Nach der Sprengung wird der herausgebrochene Fels auf die Grubenhunde geladen und die Stollenverbauung und die Bahngleise werden verlängert. Dann kommt wieder stundenlanges Bohren.
Beim Umlegen der Blechrinne werden auch die etwa 10 cm dicken Pressluftrohre weiter nach oben verlegt. Es sind ca. 5 m lange schwere Stücke, die nach und nach abmontiert und weiter oben wieder zusammengefügt werden. Sie sind mit dickem Eisendraht an Nägeln in den Stempen befestigt. Einen Nagel unter diesen Bedingungen einzuschlagen, ist eine Meisterleistung. Eine ganze Nachtschicht pro Woche dauern die Umlegearbeiten für Rinne und Luftrohre.
Bevor die Kette wieder eingelegt wird, die vor dem Umlegen nach oben hinaus gezogen wurde, kommt der Höhepunkt der Woche, die Talfahrt durch die Rutsche. Alle Bergleute sind außer mit der Grubenlampe mit Knieschonern und einem Arschleder ausgestattet. Setzt man sich mit letzterem in die Rutsche, dann ist die Reibung zu groß zum Rutschen. Man setzt sich deshalb auf einen seiner Füße, deren genagelte Schuhe auf dem glitschigen Blech leicht gleiten. So geht es in rasender Fahrt einige hundert Meter hinunter. Man steuert die Geschwindigkeit, indem man das Gewicht zwischen Fuß und Arschleder verlagert. Erst wenn alle, die nicht mehr gebraucht werden, unten sind, wird die Kette eingelegt.
Doch auch dieses wöchentliche Rutschvergnügen ist nicht ungefährlich. Da in der Rutsche die Kette fehlt, saust jedes Felsstück, das hineinfällt, rascher als die Abfahrer zu Tal. Das gibt immer wieder Unfälle. Ich hatte das Glück, dass ein Felsstück hinter mir an einer Blechkante hochgeschleudert wurde und über mich hinwegflog. Ein andermal war es ein Bleiakku, der hinter mir durch die Rinne donnerte. Ich erwischte noch einen Stempen und wurde hochgeschleudert, als der Akku unter mir durchsauste. Es spricht für die Qualität der Grubenlampe, dass sie dabei leuchtete. Ich sah nur einen Lichtstreif unter mir.
An manchen Tagen musste ich an der Kohlenrutsche das mit herausgebrochene taube Gestein aussortieren und nach unten in den Berg werfen. Eines Tages kam ein größerer Brocken, von der Kette gezogen, nach unten und ich presste ihn mit beiden Händen an die Brust , um ihn nach oben zu heben. Da stellte ich mit Schrecken fest, dass die Schicht nicht dick genug war, so dass ich gar nicht nach hinten konnte. Die Oberkante des Brockens glitt an meinem Hals entlang. Wäre er ein paar Zentimeter dicker gewesen, es hätte üble Folgen gehabt.
Ich war nur vier Wochen im Bergwerk. In dieser Zeit hatte ich drei Beinahe- Unfälle. Man sagte mir, dass 10 bis 20 Prozent der Belegschaft ständig im Krankenhaus seien. Außerdem gingen die meisten mit 40 Jahren in Rente, da der Staub im Bergwerk Zementstaub war, der die Lungen versteinerte. Das taube Gestein, das mit der Kohle gefördert wurde, wurde als Zement verkauft.
Für diese schwere und gefährliche Arbeit wurden wir aber gut entschädigt. Wir hatten, wie die Bergleute, Schwerstarbeiter-Lebensmittelkarten, die uns die Rationierung in Deutschland nicht spüren ließen. Außerdem gab es Sonderrationen von Kartoffeln, Mehl und Eiern, die ich noch bei meiner Heimkehr im Rucksack nachhause brachte.
Die Heimreise begann unmittelbar nach meiner Entlassung aus dem Militärdienst durch die Amerikaner, nach der ich sofort kündigte und mein Zeugnis erhielt. Reisemöglichkeiten erfuhr man damals grundsätzlich über die Gerüchteküche. Ich marschierte also schwerbeladen mit meinen kostbaren Schätzen nach Miesbach, von wo ein Lastwagen nach Salzburg fuhr. Man traf überall andere Reisende, denen man sich anschließen konnte und einige wussten immer, wie es weiter geht.
In Salzburg quartierten wir uns in einem Lager ein. Dort lag ein totes Pferd, aus dem ein Metzger Fleischstücke herausschnitt und verkaufte. Ich habe ein größeres Stück erstanden. Irgendjemand hatte einen Fleischwolf, durch den so nach und nach das ganze Pferd gedreht wurde. Mit den Schätzen aus meinem Rucksack habe ich köstliche Fleischpflanzel gezaubert.
In den nächsten Tagen ging ich öfter mit einem Kameraden zum Bahnhof, um die Gerüchteküche nach möglichen Reisewegen nach Wien abzufragen. Mein Begleiter war im Zivilberuf Einbrecher und sagte: ''Ich mach mir keine Sorgen um die Zukunft, wenn alles schief geht, geh ich wieder mit dem Dattel (Dietrich)''.
Eines Tages kam die Nachricht, dass die Russen Urfahr, den nördlichen Teil von Linz besetzt hatten. Damit Linzer Bürger über die Donau aus der amerikanischen Zone in die russische fahren konnten, brauchten sie einen Ausweis, der sie als Bürger von Linz auswies. Tüchtige Beamte stellten solche Ausweise sehr großzügig gegen Bargeld aus. Davon hatte ich genug. Die Leute sprachen uns auf der Straße an, ob wir für die Heimreise Geld brauchen. Ich habe dankend abgelehnt. Ich hatte noch reichlich Geld aus der Batteriekasse.
Als Linzer Bürger fuhr ich mit der Straßenbahn über die Donau zu den Russen. Es war ein seltsames Gefühl, den einstigen Feind plötzlich so nahe zu haben. Aber die Russen waren sehr freundlich. ''Wohin, Kamerad? Nach Hause?- Gut Kamerad''. Am Nordende der Donaubrücke wartete schon ein Lastwagen auf Kundschaft, die er zur Bahnstation in Schwertberg brachte.
In Schwertberg angekommen, warteten wir drei Tage auf den Zug. Als der schließlich kam, war er zum Bersten voll und Tausende wollten hinein. Es spielten sich schreckliche Szenen ab und schließlich begannen die Russen zu schießen. Das reichte mir und ich wanderte mit einigen Dutzend anderen zur Donau. Wir erreichten sie gegenüber des Ortes Au, der in der Nähe von St.Valentin liegt.
Am Donauufer machte ein Bootsbesitzer das Geschäft seines Lebens. Für ein paarhundert Mark war ich dabei. Das Füllen des Bootes erforderte Zeit, da alle mitwollten, weshalb heftig gestritten wurde. Als das Boot bis zum Rand im Wasser stand, sprang noch einer mit einem Fahrrad hinein, worauf das Boot wie ein Stein unterging. Während die Insassen den Unhold verprügelten, zog ich das Boot mit einigen anderen aus dem Wasser und leerte es aus. Damit war ich auch mit drin. Jetzt wurde es sehr vorsichtig beladen, bis das Wasser etwa 1 cm unter dem Bootsrand war. Dann fuhren wir los. Ich habe selber gerudert und wir landeten wohlbehalten am Südufer.
In Au übernachteten wir bei einem Bauern. Ich habe in der Küche auf einer Holzbank ohne weitere Unterlage geschlafen und ich schlief gut. Am nächsten Morgen fragte der Bauer ''wollts a Suppn?''. Natürlich wollten wir. Wir staunten allerdings, als eine große Schüssel mit Milchkaffee auf den Tisch gestellt wurde, aus der wir dann alle Kaffee löffelten.
Dann kam die letzte Etappe auf der Westbahnstrecke in vergleichsweise geordneten Verhältnissen. Ich hatte einen tollen Stehplatz auf dem Trittbrett. Es hat mir nichts ausgemacht, trotz schweren Rucksack mehrere Stunden darauf zu verbringen. Wir waren ja gut im Training. Etwas seltsam wurde mir allerdings, als wir auf einer Behelfsbrücke über ein Tal fuhren, wo die Schienen nur auf Pfosten auflagen, so dass ich unter mir ins Freie blickte. Aber auch das ging gut vorbei.
Da unsere elterliche Wohnung nicht weit vom Westbahnhof war, war ich zu Fuß in wenigen Minuten da. Es war nicht viel verändert. Nur Dachziegel und kleine Mauerbrocken lagen auf den Straßen herum. Einige Häuser waren zerbombt, aber das meiste stand. Meine Mutter hat mich freudig empfangen. Ich habe Mehl, Butter und Eier ausgepackt und Pfannkuchen bestellt. Es war inzwischen August 1945.
Mein Freund Leo kam 14 Tage später. Seine Erlebnisse waren den meinen ebenbürtig. Auch er schwebte mehrfach in Lebensgefahr, besonders, als er einmal als Deserteur aufgegriffen wurde, aber schließlich doch besonnene Richter fand. Geschichten wie diese haben damals praktisch alle erlebt. Man hat deshalb auch kaum darüber gesprochen, weil sie niemanden interessierten.
Mein Vater kam drei Wochen später. Ich war allein zu Hause. Er zog als erstes die Uniform aus und verbrannte sie im Küchenherd. Nach diesem symbolischen Akt sagte er: ''Felix, wir beide haben den Krieg gewonnen. Stell dir vor, wenn der Adolf gesiegt hätte, wir würden noch nach Jahren hinter dem Ural einen Briefkasten bewachen, weil da der Pleitegeier (deutscher Adler) drauf ist. Na und aufklären brauche ich dich jetzt auch nicht mehr.''
Meine Mutter hat später der verbrannten Uniform nachgeweint. Als Schneiderin hätte sie sicher noch etwas Wertvolles daraus gemacht.
Mein Vater war in russischer Gefangenschaft. Seine frühe Heimkehr verdankte er seinem technischen Können und seinem Gespür für die russische Seele. Er hatte sich bei einem Russen Respekt verschafft, weil er einen Rasierapparat über lange Zeit so versteckt hatte, dass der ihn nicht konfiszieren konnte. Da der Russe sah, dass mein Vater rasiert war, bat er ihn schließlich, ihm zu verraten wo er den Apparat versteckt. Das hat ihm mein Vater dann lachend gezeigt und damit waren sie Freunde.
Der Russe zeigte dann eines Tages meinem Vater ein kaputtes Stromaggregat und eine Kiste mit Glühbirnen und sagte: ''Wenn im Lager Licht brennt, darfst du nach Hause''. Mein Vater reparierte den Motor, zog mit Stacheldraht Leitungen und machte aus Konservendosen Fassungen für die Glühbirnen. Dann durfte er weg und hat sich beeilt, weil er für die Stabilität seiner Beleuchtung fürchtete.
Im Oktober 1945 immatrikulierten Leo und ich an der Universität Wien für die Fächer Physik und Mathematik. Ursprünglich hatten wir ja vor Chemie zu studieren, da uns die für die Raumfahrt wichtigste Frage, die des Antriebsmittels zu sein schien. Aber dann kam die Atomenergie früher als wir nach den Experimenten von Hahn erwartet hatten. Die Amerikaner hatten ja mit einem in der Geschichte der Menschheit nie da gewesenen Aufwand die Entwicklung voran getrieben. Da uns die Atomenergie für die Raumfahrt richtiger erschien, stiegen wir um auf Physik. So hat die Atombombe meinen Lebensweg entscheidend beeinflusst.
Das Studium war anfangs noch geprägt von dem unmittelbar vorangegangenen zweiten Weltkrieg. Stromstörungen waren an der Tagesordnung. Unser erster Mathematikprofessor Sirk war ein altes, schrulliges Männchen. Er trug Halbschuhe mit Fußlappen statt Socken, die rundherum heraushingen. Er führte seinen Vortrag im Dunkeln weiter um die Vorstellungskraft der Studenten zu trainieren. Aber da flammten Kerzen im Hörsaal auf, die die Studenten vorsorglich mitgebracht hatten.
Die Hörsäle waren überfüllt, da sechs Jahrgänge gleichzeitig mit dem Studium begannen. Es gab Platzkarten für gerade und ungerade Tage und ein Kollege sagte zu einem anderen, der seinen Platz belegte: “Nichts da, Herr Kollege, heute ist kongruent null modulo zwei (d.h. das heutige Datum gibt durch 2 geteilt den Rest null)”.
Da ich dringenden Bedarf an Weiblichkeit hatte, schaute ich mich im Hörsaal um. Ich hatte auch bald ein Ziel vor Augen, mit einer großflächigen dunkelblauen Baskenmütze und dunkelblauem Mantel. Da ich sehr schüchtern war und kein Kontaktmensch bin, zögerte ich einige Tage mit der Anrede. Ich setzte mich neben den Gegenstand meiner stillen Verehrung und überlegte noch, wie ich es am besten anstellen sollte, ins Gespräch zu kommen, da geschah etwas höchst Seltsames. Ein Schäferhund betrat den Hörsaal und rannte schnurstraks bis zu unserer Bankreihe und in dieser bis zu mir. Ich streichelte ihn kurz, da machte er kehrt und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Es war das einzige Mal, dass ich in der Uni einen Hund gesehen hatte. Schon hatte ich ein Thema und das Eis war gebrochen. Dieser erste Kontakt hat zu meiner späteren Ehe geführt.
Von nun an waren wir ständig zu dritt, da auch Leo mit mir studierte. Das ging so weit, dass Professor Hlawka, unser fähigster Mathematikprofessor, dem wir eine Heiratsanzeige geschickt hatten, am Standesamt dem Leo gratulierte, weil er die richtige Zuordnung nicht kannte.
Trotz unserer selbsterworbenen naturwissenschaftlichen Vorbildung waren die ersten Studienjahre hart. Uns fehlten praktisch zwei Jahre Schulbildung durch den Krieg. Leo war dicht daran aufzugeben. Ich habe eine Nacht am Gürtel spazieren gehend auf ihn eingeredet, bis er bereit war weiterzumachen.
Die Vorlesung von Professor Sirk über Mechanik war Teil eines Zyklus, der schon ein Jahr früher begonnen hatte und da fehlten uns einige Voraussetzungen. Das machte sich bei den Übungsaufgaben bemerkbar, die wir lösen sollten. Eine Aufgabe war der Beweis des Flächensatzes der Planetenbewegung, der auch als zweites Keplersches Gesetz bekannt ist. Er drückte sich aus in der Formel r2.omega = const. Wir tüftelten über eine Stunde hin und her ohne jede Erleuchtung. Plötzlich begann Leo, der schon damals von Blume zu Blume flatterte, wie wild zu schreiben. Ich war erstaunt, denn in Mathematik war ich sonst der bessere. Als ich dann sein Geschreibsel ansah, las ich: ... und wenn sie dich dann aus ihren dunklen Augen ansieht, strahlend wie ein tiefer, dunkelblauer See, dann ist es als ob die Sonne aufgeht. Was bedeutet es da noch ob r2.omega = const. ist?
Die ersten beiden Semester habe ich nur mitstenographiert und das meiste nicht verstanden. Trotzdem wurde beim Studium des Manuskriptes am Semesterende das meiste klar und im dritten Semester hatten wir uns an das ungeheure Arbeitstempo und die damit verbundenen Stoffmengen gewöhnt und verstanden nun auch die Vorträge.
Eine Episode aus dem ersten Semester ist vielleicht wert, erwähnt zu werden. Da Leo und ich im Gegensatz zu unseren Studienkollegen bereits reichliche praktische Erfahrung hatten, war unser Selbstbewusstsein gegenüber der Experimentalphysik sehr groß. Nun gab es auf unserem Institut eine hochbegabte Experimentalphysikerin, Frau Professor Seidel, die sehr eindrucksvolle Demonstrationsexperimente durchführte, die sich für Unterrichtszwecke hervorragend eigneten. Die Theorie, die sie brachte, war recht simpel und diente eben nur dem Verständnis dieser Experimente.
Als wir bei ihr am Semesterende zum Kolloquium antraten, haben wir auf Vorbereitung völlig verzichtet, da wir ihren Theorieunterricht recht von oben herab betrachteten und meinten, das alles längst zu wissen. Sie stellte uns nebeneinander vor zwei Tafeln und stellte jedem eine Frage. Leo sollte das Hookesche Gesetz für die Längenänderung eines Stabes bei Belastung aufschreiben und ich die Zustandsgleichung der Gase aus der Thermodynamik. Wir wussten beide nur die Antwort für die Aufgabe des anderen und da sie kurz hinaus musste, halfen wir uns ganz schnell. Aber der Schock saß tief und wir sind nie wieder unvorbereitet zu Prüfungen gegangen. Wir bereiteten uns so gründlich vor, dass es keine Frage gegeben hätte, auf die wir die Antwort nicht hätten geben können.
Wir mussten allerdings auch bald einsehen, dass es unter den Studenten welche gab, deren theoretische Kenntnisse besser waren als die unseren. Als wir sie dann in den Praktika beobachten konnten, haben wir unser Selbstvertrauen größtenteils wiedergewonnen.
Die Universität praktiziert akademische Freiheit. Keinen Menschen interessiert es, ob Du die Vorlesungen besuchst, welche Fächer Du belegst, für welche Fächer Du Prüfungen ablegst oder an Seminaren teilnimmst. Die Zeugnisse und die Noten richten sich nach den Ergebnissen der Prüfungen und nach der Anzahl der Seminaraufgaben, die man gelöst hat. Man schreibt einfach seinen Namen hinter die Aufgabennummer einer ausgelegten Liste und hat dann das Risiko, diese Aufgabe an der Tafel vorrechnen zu müssen.
Nun hatten wir einen Studienkollegen mit Namen Käs, den wir schon von der Schule und aus unserer Luftwaffenhelferzeit kannten. Der war nicht dumm, aber ein bisschen naiv und weltfremd. Als ihn z.B. einst der Leutnant nach dem Namen fragte, sagte er ''Käs'' statt ordnungsgemäß ''Luftwaffenhelfer Käs''. Darauf der Leutnant: ''Was für ein Käs, Schweizer Käs?''. Antwort: ''Nein, Gustav Käs''.
Besagter Käs saß im Seminar neben uns und hatte sich für eine Aufgabe eingetragen, die wir alle nicht zustande gebracht hatten. Er auch nicht. Da rechnete er uns vor, wie klein das Risiko dranzukommen sei, bei der großen Anzahl der Teilnehmer. Er war noch nicht fertig, als er zur Tafel hinaus gerufen wurde. Aber er hat sich so schlecht und recht unter Ausnutzung der Bemerkungen des Assistenten durchgestottert.
Eine Fülle von bemerkenswerten Erlebnissen lieferte uns unser Doktorvater Felix Ehrenhaft. Wir hatten uns bei ihm um eine Dissertantenstelle beworben, weil die anderen Professoren nur wenige Dissertanten nahmen und viel zu viel Bewerber da waren. Ehrenhaft war großzügig. Er war Jude, unter Hitler nach Amerika emigriert und nach dem Krieg von der österreichischen Regierung zurück gebeten worden. Seither nannte er sich US-Guestprofessor. In seiner Jugend war ihm sein großer Wurf gelungen, nämlich die Entwicklung einer Methode, zur Bestimmung der elektrischen Ladung eines Elektrons. Da seine Messungen unsauber waren, waren die Ergebnisse ungenau und schwankend und veranlassten ihn, an Subelektronen zu glauben, also Teilchen mit Ladungen, die kleiner sind als die des Elektrons.
Millikan hat aus dieser Methode eine Präzisionsmethode gemacht, mit der die Elektronenladung, das sogenannte elektrische Elementarquantum, außerordentlich genau bestimmt werden konnte. Damit war die Ehrenhaft-Millikanmethode ein Markstein in der Geschichte der Physik und Ehrenhaft wurde bekannt, allerdings auch wegen seiner Subelektronen berüchtigt. Letzteres vertiefte sich, als er behauptete, einzelne Magnetpole gefunden zu haben, also Partikel, die nur einen Nordpol oder nur einen Südpol haben. Die gibt es ebenso wenig, wie die Subelektronen.
Ehrenhaft fand jedoch eine Reihe von Experimenten, die er für Beweise hielt. Sein Pech war, dass alle Welt wusste, dass Magnetpole nur paarweise auftreten können, sein Glück, dass niemand von den Besserwissern die recht verblüffenden Ergebnisse seiner Experimente erklären konnte. So stellte er ganze Serien von Dissertanten ein, zur Erforschung der Grundlagen seiner Experimente. Unter anderem Leo und mich. Als Grundlage diente ''Das Buch''. Ein Packen gelber, ausgefranster Blätter, auf denen er die Experimente beschrieb. Er hatte das Buch seinerzeit in Amerika ins Englische übersetzen lassen und dann den deutschen Text verloren. Also wurde es in Österreich zurückübersetzt und wimmelte dementsprechend von teilweise recht lustigen Übersetzungsfehlern.
Die Tragik seiner letzten Lebensjahre war, dass seine Mitarbeiter nach und nach die Erklärungen seiner Experimente fanden, ohne dafür seine einzelnen Magnetpole und magnetischen Ströme zu benötigen. Wissenschaftler leben von Veröffentlichungen. Nicht von deren pekuniären Erlös, sondern von dem Ruhm, den sie damit erreichen wollen. Da aber alle Arbeiten im Institut neben dem Namen des Verfassers, auch den Namen des Institutsleiters tragen, kann nichts drin stehen, was dessen Überzeugung widerspricht. Unsere Veröffentlichungen und nicht zuletzt die Doktorarbeiten waren raffinierte Balanceakte, die Ehrenhafts Experimente für jedermann verständlich durch die klassische Physik erklärten, aber so, dass Ehrenhaft nicht merkte, dass sie sich gegen seine einzelnen Magnetpole richteten.
Als Mensch war Ehrenhaft ein Unikum. dass er Jude war, hinderte ihn nicht, seinen Studienkollegen Einstein, mit dem er im Briefwechsel stand, als ''Saujud'' zu bezeichnen. Er duzte alle Institutsmitglieder. Eines Tages kam er mir auf dem Flur mit ein paar Blättern in der Hand, wild gestikulierend entgegen ''Da schau her, was der Einstein, dieser Saujud wieder zusammen geschmiert hat.'' Es war der Entwurf zu Einsteins allgemeiner Feldtheorie, zur Erklärung elektrischer und magnetischer Felder in Anlehnung an die Gravitationstheorie.
Ich hatte bei meinen Experimenten herausgefunden, dass sich konzentrierte Säuren und Laugen in einem kleinen zylindrischen Schälchen (Spezialanfertigung aufgrund meiner Glasbläserausbildung) überschichten ließen, ohne gleich zu explodieren, wie die meisten vermuteten. Bringt man dieses Gebilde in ein starkes Magnetfeld, dann beginnen Säure und Lauge in entgegengesetztem Drehsinn zu rotieren. Für Ehrenhaft ein Beweis für seine magnetischen Ströme, um die die elektrisch geladenen Jonen in den Flüssigkeiten rotieren müssen, ähnlich wie Magnetpole um einen, von elektrischem Strom durchflossenen Leiter. Von da an hat er mich sehr geliebt.
Ehrenhaft verstand es, für das Institut Geld zu beschaffen.
Meine
Entdeckung brachte er ganz groß raus. Er lud die Weltpresse und
Regierungsmitglieder
zu einer Vortragsveranstaltung ein. Ein Reporter der New York Times
machte
ein großes Photo für die Titelseite, das ich noch habe. Ich
saß vor einem uralten großen Elektromagneten, den Ehrenhaft
wegen seiner gedrechselten Holzstützen liebevoll als
Biedermeiermagnet
bezeichnete. Ehrenhaft stand hinter mir, wie wenn er mich
unterstützen
würde, was er sonst nie tat. Im Bild rechts steht mein damaliger
Studienkollege Helmut, heute Professor Kerner von der Uni Wien.
Während des Vortrages nahm Ehrenhaft zwischendurch seine Zähne heraus und staubte sie mit Kukident ein. Er hatte auch die Gewohnheit sie spielerisch im Mund herunterfallen zu lassen und mit klatschendem Geräusch wieder hochzuklappen.
Am nächsten Tag ging er aufs Unterrichtsministerium und beschaffte Geld. So machte er es immer. Als mein Studium beendet war, bot er mir einen Posten als wissenschaftliche Hilfskraft an. "Geld kann ich dir zwar nicht regelmäßig geben, aber ich beschaffe immer wieder welches", sagte er. Das erste Geld kriegte ich nach einem halben Jahr. Wir konnten uns darum gerade einen dreiteiligen Schrank kaufen. Aber wir waren noch gut dran. Die meisten Doktor-Kollegen waren arbeitslos und kriegten vom Arbeitsamt nur Hilfsarbeiterstellen angeboten.
Eines Tages schickte er Leo und mich ins Dorotheum (Pfandleihanstalt in Wien), um ein goldenes Eßbesteck abzuholen, das er ersteigert hatte. Unsere Arbeitsräume waren recht geräumig und wurden durch einen Gasofen beheizt, auf dem wir in unseren Kochgeschirren auch das Mittagessen wärmten. Plötzlich sagte Leo schmunzelnd: ''Hast Du schon einmal mit einem goldenen Besteck gegessen?''. Ich hatte es nicht und wir holten das Versäumte nach, indem wir mit Ehrenhafts Besteck unsere Komisskochgeschirre auslöffelten .
Ehrenhaft besaß ein Auto. Einen funkelnagelneuen Fiat. Das war eine seiner Bedingungen für eine Rückkehr nach Österreich gewesen. Eines Tages lud er mich zu einer Einkaufsfahrt ein, um unterwegs einiges zu besprechen. Vor dem Grand Hotel wollte er in eine Parklücke einparken. Als der Hotelportier sah, wie blöd er sich anstellte, gab er ihm Anweisungen. ''... so, jetzt ein bisschen Gas'' sagte er und das Auto machte einen Hopser. ''leise streicheln, wie die Braut'' sagte der Portier besorgt. ''Mein Herr'' antwortete Ehrenhaft, ''ich bin 84 Jahre und vollkommen impotent, Potenzen können sie von mir nicht mehr erwarten''.
Auf der Rückkehr zum Institut durch die Währingerstraße fuhr er mit 20 Stundenkilometer genau in der Straßenmitte. Hinter ihm staute sich der Verkehr, weil keiner überholen konnte. Schließlich überholte sein Hintermann rechts. ''So ein Kerl'' meinte Ehrenhaft ''fährt mir rechts vor!''.
Bei einer Besprechung mit einigen Dissertanten zu meinen Versuchen kam der Gedanke auf, die beiden überschichteten Flüssigkeiten durch eine Membran zu trennen. Es sollte eine halbdurchlässige, sehr dünne Membran sein. Einer meinte scherzhaft ''eine Wursthaut''. Ehrenhaft hakte sofort ein. ''Das dünnste ist Hausenblase. Früher haben die reichen Leute Hausenblasenpräservativs verwendet. Bei den anderen haben die Frauen Leinensäckchen genäht und in Leinöl getränkt, damit sie dicht wurden.''
Nach diesem zeitgeschichtlichen Vortrag hängte er sich ans Telefon und rief der Reihe nach die bekanntesten Apotheken Wiens an. ''Hallo, hier spricht Ehrenhaft. Haben sie Hausenblasenpräservativs? Ich brauch sie aber nicht zum Vögeln, sondern für wissenschaftliche Zwecke''. Schließlich wurde er fündig und bestellte ein Sortiment. Auch verschiedene Marken aus Gummi dazu. Für uns Studenten ein Beweis, dass er überhaupt nicht verstanden hatte, worum es ging.
Als die Lieferung ankam, rief er mich in sein Zimmer. Professor Hlawka, unser fähigster Mathematiker, war bei ihm. Ehrenhaft rief mir entgegen: ''deine Präservativs sind gekommen.'' Er riß gleich eine Packung auf und prüfte mit den Fingern die Dicke des Materials. ''Schau, da sind dünnere und dickere, du musst halt ausprobieren, welche richtig sind.'' Hlawka saß da und grienste.
Einmal erzählte er aus seiner Studentenzeit: '' ... und als ich zu Boltzmann ins Zimmer kam, hat er gerade in die Waschmuschel gebrunzt.'' Allgemeine Heiterkeit! ''das hab ich auch schon gemacht, wenn mir der Weg zur Toilette zu weit war.''
Ehrenhaft war viermal verheiratet und wieder geschieden. Wenn er sich an einen Termin erinnern sollte, dann ging das etwa so: ''das war bei meiner ersten, zweiten, dritten Frau, das muss 1932 gewesen sein!''
Als Ehrenhaft einmal krank war, rief er mich in seine Wohnung in Grinzing. Mitten im dichtesten Heurigenviertel. Er erzählte mir, er sei fischen gewesen. Mit einem ein Meter langen Stück Schnur mit Haken, die er in die Schlupfwinkel hinabließ. ''Die jungen Kerle hatten die tollsten Angelzeuge, aber nichts gefangen. Ich hab drei solche Forellen gefangen''. Seine Handbewegung ließ Forellen von mindestens drei Viertel Meter vermuten. ''Willst du sie sehen?'' Ich dachte es sei unhöflich nein zu sagen und bejahte. Er führte mich in die Küche, wo ein Paket aus Zeitungspapier lag. ''Da sind sie drin'', sagte er nur.
Als Ehrenhaft kurz vor seinem Tod im Bett lag, war von den meisten seiner Experimente bereits bekannt, dass sie mit einzelnen Magnetpolen nichts zu tun hatten. Zu dieser Zeit habe ich ihm meine Kündigung vorgelegt. ''Die Ratten verlassen das sinkende Schiff !'' hat er nur gesagt.
Der Rektor der Universität war Professor Meister. Er legte großen Wert darauf, mit ''Eure Magnifizenz'' angesprochen zu werden. Als ein Student bei einer Prüfung Herr Professor zu ihm sagte, meinte er: ''da können sie ja gleich Richard zu mir sagen!''.
Bei unserer Promotion erschien er zusammen mit dem Ehrenkollegium im schwarzen Talar mit Doktorhut. Es war sehr feierlich, aber wir haben kein Wort verstanden, weil alles in Latein war, was wir alle längst vergessen hatten. Wir mussten sogar in Latein einen Schwur ablegen, dass wir das Wissen mehren werden, zum Ruhm der Universität und zum Wohle der Menschheit. Zum Glück kriegten wir den Text in Latein und deutsch ausgehändigt. Nur ein Kollege musste sich opfern und einen Dank in lateinischer Sprache aussprechen. Wir haben alle gezittert, dass es uns hätte treffen können.
Der Doktortitel kann übrigens bei ehrenrührigen Vergehen von der Universität wieder rückgängig gemacht werden. Das wird aber wohl kaum praktiziert, sonst gäbe es nicht so viele unehrenhafte Akademiker. Unser erster Job mit dem noch feuchten Doktordiplom war die Installation von Licht in einem Betonbunker, den einer zu einer Tischtennishalle umfunktioniert hatte. Es gab noch keine Schlagbohrer und wir haben mit Hammer und Handbohrer mühevoll zwei Wochen lang Loch um Loch in den Beton gemeißelt. Anschließend kam der bereits erwähnte Job bei Ehrenhaft.
Mein nächster Job war die Firma Seklehner für Apparatebau. Leos Vater war Friseur und hatte seinen Lieferanten für Trockenhauben und Dauerwellapparate um einen Posten für seinen Sohn angesprochen. Leo hat die Stelle bekommen und in der Zeit, die ich bei Ehrenhaft war, dort gearbeitet. Er hat eine Auswuchtanlage für die Rotoren der Trockenhauben entwickelt. Das war zu der Zeit, wo das Auswuchten erst erfunden wurde. Als Leo zu Siemens nach München wechselte, übernahm ich den Posten.
Ich habe diese Auswuchtanlage verbessert und vereinfacht und dann die Rotoren selber ausgewuchtet und die Abschlussprüfung der Trockenhauben vorgenommen. Durch das Auswuchten wurden die Motoren ruhiger. Man hörte nun, dass da auch noch ein 100 Hertz-Ton da war und ein 950 Hertz-Ton von der Motordrehzahl. Da es ein 2-Phasen-Drehfeldmotor mit Kurzschlussläufer war, entwickelte ich eine Methode, um die Form des Drehfeldes auf einem Oszillographen sichtbar zu machen. Wie ich vermutet hatte, war es eine Ellipse statt einem Kreis, so dass die Rotationsgeschwindigkeit nicht konstant war, sondern ruppelte. Durch Verändern der Wicklung und des Phasenschieber-Kondensators konnte ich es auf einen schönen runden Kreis bringen. Der Motor bei den meisten Trockenhauben war danach so leise, dass Herr Seklehner beschloss, ein Radio einzubauen.
Allerdings erst, nachdem auch das Luftgeräusch der Lüfterflügel durch eine von mir vorgeschlagene Konstruktionsänderung vermindert worden war. Ich hatte in der Bibliothek der Technischen Hochschule herausgefunden, wie man das richtig macht und dabei festgestellt, dass die meisten Lüfterhersteller Lochsirenen statt Lüftern bauen.
Die Trockenhauben, die trotz richtigem Drehfeld noch ein Geräusch gaben, hatten Gussfehler im Anker, wie ich mit einer weiteren, von mir entwickelten Messeinrichtung nachweisen konnte. Wir konnten sie dann gleich nach dem Gießen aussondern und so Kosten für die Weiterbearbeitung sparen.
Unsere Firma hatte nur etwa 80 Leute und daher keine eigene Bibliothek. Ich musste also viel in die Großbibliotheken Wiens und auf das Patentamt. Herr Seklehner hatte viele Ideen und ich musste Wege zur Realisierung finden. Er hat auch Autohupen und Kinoprojektoren gebaut und träumte von billigen Kaffeemaschinen mit Vibrationsmotor und von billigen Dreiklanghörnern.
Bei den Patentstudien kriegt man zu den gewünschten Themen Ordner, in denen in historischer Reihenfolge alle Patente abgeheftet sind. Beim Studium von Mahlwerken für Kaffeemaschinen ging das mit Mühlsteinen los, dann kamen Kugelmühlen, dann die von alten Kaffeemaschinen bekannte Mahlnuss und schließlich Hochgeschwindigkeitsmixer. Da alle diese Verfahren das Mahlgut erwärmen und daher aromaschädigend sind, geht dann die Entwicklung in die Richtung hydraulischer und pneumatischer Systeme. Bei letzteren wird das Mahlgut in einer aufgerauten Trommel durch einen Pressluftstrom herumgewirbelt und an der Zylinderwand ohne jede Erwärmung zerrieben. Es gibt keine mechanisch bewegten Teile in einer solchen Mühle. Alle Großmühlen mahlen heute nach diesem Verfahren.
Wenn man das sieht, dann versteht man, dass manche Leute Erfindungen dadurch machen, dass sie Patentschriften studieren, sehen in welche Richtung die Sache läuft und Sperrpatente errichten, für die alle weiteren Entwicklungen zahlen müssen. Der Nähmaschinen-Singer hat zum Beispiel die Nadel mit dem Öhr an der Spitze patentiert und damit den Madersberger um den Erfolg seines Lebenswerkes gebracht. Eine Nähmaschine ohne diese Nadel war nicht möglich. Auch Manfred von Ardenne soll mit Sperrpatenten ein Vermögen erworben haben.
Seklehner war davon überzeugt, dass das von ihm erfundene ''Sekohorn'' nur einen einzigen lauten Ton erzeugen kann. Ich habe ihn eines besseren belehrt, indem ich sein Horn mit einem kleinen Trick als Lautsprecher für ein Radio verwendete. Als er es hörte, sagte er: ''da könnte man ja über ein Mikrophon den Passanten zuzurufen ''gengans weg da!''. Das Problem für ein Dreiklanghorn war nun, drei billige Tongeneratoren zu finden. Der Wagnersche Hammer, der in den üblichen Autohupen verwendet wird, bietet sich als erstes an.
Als begeisterter Mathematiker versuchte ich die Bedingungen herauszufinden, unter denen er arbeitet. Dabei stellte ich mit Verblüffung fest, dass der eine Macke hat und theoretisch gar nicht funktionieren kann. Zumindest nicht so, wie es an allen Schulen gelehrt wird. dass er doch mehr schlecht als recht funktioniert, liegt an einem Dreckeffekt. Der ärgerliche Funke beim Öffnen des Kontaktes, der diesen im Laufe der Zeit zerstört, bewirkt, dass das Unterbrechen des Magnetstromes an einer anderen Stelle erfolgt , als das Schließen beim Zurückschwingen des Klöpels. Davon lebt der Wagnersche Hammer. Mir war nun klar, warum sich diese Biester so schwer optimal einstellen lassen.
Ich zog also wieder aufs Patentamt und fand hunderte von Patenten von Leuten, die alle wie ich festgestellt hatten, dass der Wagnersche Hammer eigentlich nicht richtig funktioniert. Unter anderem war da ein Quecksilberdampf-Unterbrecher. In einem zehntelmillimeterdünnen Glasrohr wird ein Quecksilberfaden durch den Strom so erhitzt, dass sich eine Quecksilberdampfblase bildet und den Strom unterbricht. Der Dampf kondensiert blitzschnell und das Quecksilber schließt den Kontakt wieder. Das geht so schnell, dass Stromschwankungen im Schallbereich entstehen. Ich habe solche Unterbrecher gebaut, sie funktionierten aber nur einige Stunden, dann oxydierte das Quecksilber und der Unterbrecher streikte.
Ich bin dann mit Herrn Seklehner zur Firma Elektrovac gefahren, die Quecksilberschalter baute und reiche Erfahrung mit Schutzgasen in den Schaltern hatte. Sie fanden den Gedanken gut, hatten aber kein Interesse an der Produktion zu Preisen, wie sie Seklehner vorschwebten.
In merkwürdiger Weise wiederholen sich die Dinge. Nach Jahren bei Siemens lernte ich einen Mann kennen, den alle als ''Michel der Orgler'' kannten. Er war Erfinder von elektrischen Orgeln. Auch er benutzte Selbstunterbrecher nach Art des Wagnerschen Hammers als Tongeneratoren. Er hatte einen kontaktlosen Unterbrecher erfunden, der auf der Verstimmung von Schwingkreisen beim Eintauchen des Ankers in eine Spule beruhte und bei der theoretischen Berechnung wie ich festgestellt, dass es gar nicht funktionieren kann. Hier war es die Verzögerung der Schwingung durch den Einschwingvorgang des Spulenstromes, der die Funktion ermöglichte. Ich habe von da an die Entwicklung der Orgeln in der Literatur verfolgt und bin so zu meinem ersten Keyboard gekommen, als Leistung und Preis stimmten.
Es gäbe noch manches über die Firma Seklehner zu berichten. Es war ein gutes Betriebsklima und es gab ein paar fähige Elektriker und Werkzeugmacher, die eigentlich alles realisieren konnten, was ich brauchte. Material fand ich reichlich in dem an mein Labor anschließenden Lager für Ersatzteile aller Art. Was es nicht gab, kaufte man eben. Dafür und für Literaturstudium gab es viele Dienstgänge, die mir auch mehr Bewegungsfreiheit gaben. Eine vielseitige und hochinteressante Tätigkeit, aber natürlich keine Aufstiegschancen und das Gehalt war sehr bescheiden.
So zögerte ich nicht, als Leo mir einen Posten bei Siemens in München vermittelte. Wie Leo zu Siemens kam, ist eine weitere Geschichte, die zeigt, wie seltsame Wege das eigene Schicksal oft nimmt. Leos Schwiegermutter, Frau Czerny, hat in ihrer Jugend in Ungarn bei einer wohlhabenden jüdischen Familie als Kindermädchen gearbeitet. Der Knabe, den sie betreut hat, ist nach den Unruhen um Imre Nagy aus Ungarn nach München emigriert. Bei der Durchreise durch Wien besuchte er Frau Czerny und fragte sie, ob sie nicht für seinen Sohn Kindermädchen machen möchte. Frau Czerny zog darauf zu ihm in sein Haus nach München-Solln.
Dr. Spernat, so hieß der Mann, gründete in München die Sektkellerei Nymphenburg und scharte bei Festen allerlei Prominenz um sich. Darunter war ein Direktor Buchholz von Siemens. Den bat Frau Czerny um Vermittlung eines Postens für ihren Schwiegersohn. So kam Leo nach München und Frau Czerny hatte nun ihre Tochter in der Nähe. Vor ihrer Abreise haben mich Leo und seine Frau Friedel unbedingt überzeugen wollen, mit Gerti nachzukommen. Wir waren mit den beiden eng befreundet und hatten viele schöne, gemeinsame Ausflüge gemacht. Im Februar 1953 kam eine Einladung der Firma Siemens zu einem Vorstellungsgespräch. Natürlich hatte Leo das angeleiert.
Damit es dem Seklehner nicht auffiel, musste ich Krankheit vortäuschen. Es wurde mir ein Arzt in Ottakring empfohlen, der alle ohne lange Untersuchung krank schreibt. Als ich hinkam, war das Wartezimmer voll, aber es ging schnell. Der Arzt nahm immer gleich 3 Leute in die Ordination und fragte vom Schreibtisch aus nach der Krankheit. Dann schrieb er die Krankmeldung und irgend ein Rezept, nachdem er nachgefragt hatte, ob die vorgeschlagene Dauer ausreichend sei. Das wars, und ich fuhr nach München.
Meiner Schwiegermutter war das gar nicht recht. ''Wenns dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen'', sagte sie zu mir. Es war fast das einzige Mal, dass sie mir böse war. Sonst hat sie immer zu mir gehalten. Nur später, als ich Ossy vom Schnuller entwöhnte und der andauernd schrie, gab es eine zweite Missstimmung. Aber die war schnell vorbei.
Mein Besuch bei Siemens war recht eindrucksvoll. Leo hatte mich über die Arbeiten, die da liefen vorinformiert und ich hatte mir in Wien Literatur beschafft und mich schlau gemacht. ''Da gibt es eine Vierpoltheorie, mit der rechnen die hier wie mit dem kleinen Einmaleins'' hatte er geschrieben. Ich hatte daraufhin Feldkellers Vierpoltheorie so gründlich studiert, dass ich viel mehr wusste und konnte, als meine späteren Kollegen. Auch über Sender und Antennen habe ich mich informiert und so war die ''Aufnahmsprüfung'' ein Kinderspiel. Mir wurde noch allerhand gezeigt, ich wurde zu einem feudalen Gästeessen eingeladen und kriegte noch eine sehr großzügige Reisekostenerstattung.
Mit diesem Geld ging ich in München einkaufen. Leo und Friedel begleiteten mich. Ich kriegte so viel für das Geld, dass auch Gerti schwach wurde und München annehmbar fand. Da war vor allem ein sehr schickes, schwarzes Seidenripskleid, das ihr sehr gut passte und das im Vergleich zu österreichischen Erzeugnissen verblüffend billig war. Dazu die Aussicht, mit einem Schlag das Dreifache zu verdienen, wie beim Seklehner. Da es kurz vor Monatsende Februar war und ich Anfang April anfangen sollte, habe ich Seklehner sofort ein Telegramm mit der Kündigung geschickt. Er hat mir erzählt, dass ihn der Postbote mitten in der Nacht aus dem Bett geholt hatte. Er war aber sehr kulant und sagte mir ''setzen sie ein Zeugnis auf, ich unterschreibe es''.
So begann am 1. April 1953 meine Arbeit als Entwicklungsingenieur bei Siemens. Ich landete in der Messgerätegruppe von Herrn Thilo, im Labor von Herrn Kühnemann. Das erste was ich dort lernte, war bayrische Geographie. Als meine Kollegen hörten, dass ich von Wien kam, klärten sie mich auf, dass Wien am Balkan liegt und dass dieser hinter dem Inn beginnt. Die Donau ist der Weißwurstäquator. Nördlich davon leben Preußen und andere Wildvölker.
Herrn Thilo hat einer seiner früheren Laborkollegen in einer Laborzeitung so treffend charakterisiert, dass weitere Kommentare überflüssig erscheinen. Er schrieb damals : ''Was Trilisin für des Haares Kraft, ist Thilo für die Wissenschaft.'' Er war technisch eine Niete.
Ich lernte später noch viele Nieten unter den Führungskräften kennen. Um trotz ihrer technischen Unfähigkeit überleben zu können, mussten sie das machen, was sie konnten und das war quasseln. Damit betrieben sie Imagepflege und entwickelten die Fähigkeit, andere über ihre Unfähigkeit hinwegzutäuschen. Das funktionierte aber nur in der Führungshierarchie nach oben. Die ihnen unterstellten Mitarbeiter hatten es bald heraus, dass es sinnlos ist, sich von ihnen bei Schwierigkeiten technische Unterstützung zu holen. Sie hüteten sich aber davor, ihre Chefs als Quatschköpfe zu entlarven, weil diese für Gehaltserhöhungen zuständig waren. So kam die Wahrheit nicht ans Licht und die Quatschköpfe kletterten die Erfolgsleiter hoch.
Zurück zu Thilo. Man traf ihn bei jeder Geburtstags- oder Jubiläumsfeier, wo er mit anderen Führungskräften hochgeistige Gespräche führte. Da Siemens sehr groß ist, war das wohl täglich der Fall. Hier war sein technisches Können nicht gefragt und da konnte er andere beeindrucken.
Herr Kühnemann war dagegen ein sehr tüchtiger Vorgesetzter. Er fand zwar auch kaum Lösungen bei schwierigen Problemen, aber er brachte die Mitarbeiter durch geschicktes und hartnäckiges Fragen und Herumbohren dazu, die Lösungen selber zu finden. ''Wir müssen was tun. Was tun wir?'' war so eine immer wiederkehrende Frage. In der Not sagte man irgend etwas und im weiteren Gespräch unter starkem seelischen Druck kam dann die Lösung. Es war nicht sehr angenehm, so zu arbeiten, aber erfolgreich.
Damals wurden noch alle neuen Mitarbeiter von der Firmenleitung begrüßt. Alle Monate wurden die jeweils Neuen zu einem Abendessen eingeladen, Ernst von Siemens hielt eine Ansprache und an jedem Tisch saß ein Vorstandsmitglied mit in feuchtfröhlicher Runde. Meist ging es um lustige Begebenheiten oder technische Besonderheiten aus dem Siemens-Alltag. Es war eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre quer durch das ganze Haus.
Ernst von Siemens begann seine Reden oft mit den Worten: ''Schon mein Großvater Werner von Siemens ... ''. Es war auch oft vom ''Geist des Hauses'' die Rede. Das wurde schnell so umgemünzt, dass Werner von Siemens zum ''Hausgeist'' wurde.
Der Hausgeist war sehr sozial eingestellt. Diese Tradition war beibehalten worden. Es gab jährlich gemeinsame Ausflüge der Abteilungen, Geburtstage und Jubiläen wurden gefeiert. Der Faschingsdienstag war Siemens-Feiertag. Am Gründungstag im Oktober gab es Hühnerbraten (damals noch etwas Besonderes). Es gab Weihnachtsgeschenke usw. Zu den Jubiläen haben die Laboratorien und Werkstätten oft wochenlang an Juxmaschinen gearbeitet, die dem Jubilar in fröhlichen Festen ausgehändigt wurden.
Ich habe selbst einmal eine Maschine entwickelt, bei der sich nach dem Einschalten der Deckel öffnete, wobei eine gelblichweiße Gummihand an einem lilafarbenen Sammtärmel mit Spitzenbesatz herauskam, die den Schalter wieder ausschaltete und sich sodann gemächlich in ihr Gehäuse zurückzug. Es war gespenstisch. Das war allerdings erst in meinem zweiten Siemensjahr.
Leider ist der familiäre Geist des Hauses in den letzten drei Jahrzehnten nach und nach wegrationalisiert worden. Man hat viel zu viel auf Unternehmensberater gehört, deren Rezepte immer dazu führen, dass die Mitarbeiter mit Arbeit überladen werden. Das bedeutet zwar zunächst Personalkostenminderung, aber der für Kreativität nötige Freiraum bleibt auf der Strecke. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist daher nur kurzfristig. Er rächt sich später bitter, da Aufträge langfristig ausbleiben.
Meine erste Aufgabe war die Betreuung eines UKW-Messsenders, von dem bereits 150 Exemplare im Prüffeld standen, auf die die Kunden bereits warteten. Diese Geräte hatten eines gemeinsam: sie funktionierten nicht. Der Ingenieur, der sie entwickelt hatte, hatte keine Schuld. Sein Mustergerät funktionierte. Aber in der Zeit bis zur Fertigstellung der ersten Serie hatte die Röhrenfertigung festgestellt, dass durch die Kürze der Anschlussdrähte an die Sockelstifte zu viele Glasbrüche auftraten. Also verlängerte man diese Drähte um je 3 mm und damit war die Röhre für den UKW-Betrieb eigentlich unbrauchbar. Sie war bereits selbst ein kompletter Sender, der sich um die Abstimmorgane für die Frequenz. die man außen anschloss, nur in bestimmten Frequenzbereichen kümmerte. In den anderen führte er seine eigenen, ''wilden'' Schwingungen aus.
Wilde Schwingungen sind etwas Schreckliches. Alle Messinstrumente spielen verrückt. Die Ausschläge ändern sich, wenn jemand durch das Zimmer geht oder wenn man im Gerät etwas ändert, was eigentlich keinen Einfluss haben dürfte. Für jedes einzelne Gerät wurden Besprechungen mit den Prüfern, mit den Vertriebsleuten und erfahrenen Entwicklern abgehalten über notwendige Maßnahmen. Wir haben alles mögliche probiert, aber wenn wir so ein Schwingloch an einer Stelle beseitigten, tauchte mindestens an einer anderen Stelle des Frequenzbereiches wieder eines auf. Hatte man schließlich ein Gerät, durch vieles Herumprobieren so weit, dass es funktionierte, dann wurde es gleich an den Kunden geliefert, bei dem die Gefahr einer Konventionalstrafe am höchsten war.
Die ersten zwölf Geräte, die wir auf diese Weise auslieferten, kamen sämtlich nach wenigen Wochen als Retouren zurück. Sie hatten unter anderen Temperatur- oder Netzbedingungen wieder zu spinnen begonnen. Doch die nächsten 50 Geräte gingen an das belgische Heer. Von diesen kam keines zurück. Offenbar standen sie da nur im Regal. Schließlich habe ich mit etwas Herumrechnen eine Lösung gefunden, die es ermöglichte, die restlichen Geräte zur richtigen Funktion zu bringen.
In ähnlicher Weise ging das weiter. Ein Empfängerprüfsender war meine nächste Aufgabe. Er war ebenfalls bereits weitgehend fertig. Sein Erfinder Dr. Otto hatte eine andere Aufgabe übernommen. Ein genialer Typ, der tolle Ideen hatte, die aber in der Praxis oft Probleme mit sich brachten. Für jedes dieser Probleme fand er blitzschnell einen Ausweg, der neue Probleme brachte. So wurde das Gerät immer komplizierter, konnte aber dann doch gefertigt und verkauft werden.
Diese Art von Arbeitsstil hat mich angewidert. Ich hatte mir Entwicklungsarbeit anders vorgestellt. Nämlich auf einer soliden mathematischen Grundlage arbeitend und nicht in diesem Bastlerstil. Meine Kollegen hatten jedoch die Mathematik weitgehend verlernt. Sie kannten zwar auch manche Kniffe, die ich von ihnen lernte, aber ich habe diese Kniffe mathematisch durchleuchtet und nach kurzer Zeit besser verstanden als sie. Das sprach sich herum und es kamen immer mehr Kollegen mit ihren Problemen zu mir, um sich helfen zu lassen. Auch viele Führungskräfte zählten bald zu meinen ständigen Kunden.
Für mich hatte das den Vorteil, dass ich in kurzer Zeit mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert wurde und dabei sehr schnell sehr viel lernte. Meine Methoden wurden immer besser und ich fand oft in wenigen Stunden Lösungen zu Problemen, mit denen sich andere wochenlang vergeblich herumgeschlagen hatten. Natürlich habe ich auch in der Literatur immer wieder Ausschau nach neueren und besseren Verfahren gehalten und diese dann auch praktisch eingesetzt. So fand ich einen Arbeitsstil, bei dem mir kaum jemand dreinreden konnte. Ich fühlte mich wohl dabei und hatte wenig Lust zu einer Karriere, bei der hochinteressante technische Tätigkeit weitgehend durch firmenpolitisches Herumgequatsche, Gehaltspolitik und Besprechungen ersetzt wird, in denen meist nur herumgestritten wird.
Mit der Zeit musste ich jedoch diese Einstellung revidieren. Meine Frau ärgerte sich, dass ich aus meinen Fähigkeiten nicht mehr Kapital schlage. Die Frauen, die sich bei den Ausfahrten mit den Kindern im Park trafen, protzten mit den tollen Verdiensten ihrer Männer und das kam auf mich zurück. Auch in der Firma tat es dann oft weh, wenn irgend ein Trottel befördert wurde oder wenn die Laborleiter zu Physikvorträgen eingeladen wurden, die sie gar nicht verstanden, ich aber keine Einladung erhielt. Also reifte der Entschluss zu einer wenigstens bescheidenen Karriere.
Bevor es so weit war, wurde die erste Datenverarbeitungsanlage, die Siemens-2002 im Zentrallaboratorium installiert. Bisher hatte ich meine Berechnungsverfahren auf dem Papier mit Hilfe von Rechenschieber und Logarithmentafel durchgeführt. Da die Probleme meist sehr umfangreich waren, musste ich mir dazu Tabellen erstellen, in denen die ganze Prozedur Schritt für Schritt abgearbeitet wurde. Sozusagen ein Programm für den rechnenden Menschen. Diese Programme schrien förmlich danach, in Maschinensprache für Computer umgesetzt zu werden.
Ich meldete mich deshalb zum allerersten Programmierkurs an. Diesen Kurs hielten Entwicklungsingenieure, die an der Entwicklung des ersten Siemensrechners, übrigens der erste Rechner der Welt ohne Elektronenröhren, mitgewirkt hatten. Die verstanden ihr Metier. Auch die Bedienungsanleitung des Rechners war die beste, die ich je bei einer DV-Anlage erlebt habe. Ich setzte meine Programme in Rechnerprogramme um und konnte so meine Effektivität steigern.
Während ich mit meinen Rechenmethoden bisher den experimentell arbeitenden Entwicklern zeitmäßig etwa nur ebenbürtig war, da die ihre Probleme durch probieren auch meist sehr schnell lösten und ich am Schluss ja auch experimentell prüfen musste, ob meine Überlegungen stimmen, war ich nun auch etwas schneller. Allerdings hatte ich auch vorher schon den Vorteil, dass ich meine Geräte besser verstand.
Das erste Großprogramm mit 2000 Befehlen war ein Programm zur Berechnung von Netztransformatoren, wie sie zur Stromversorgung der Schaltungen in jedem Gerät notwendig sind. Man musste nur die Spannungen, Ströme und Prüfspannungen angeben und der Rechner berechnete die Gesamtleistung, suchte danach einen passenden Eisenkern aus, ermittelte die nötigen Drahtstärken, Windungszahlen und Isolationsmaterialien und versuchte, ob die Wicklungen in die Fenster des Eisenkerns passen. Wenn nicht, nahm er den nächst größeren Eisenkern und wiederholte das Spiel. War der richtige gefunden, dann wurde durch schrittweises Vergrößern der Drahtstärken das Fenster für die Wicklungen voll ausgefüllt, so dass die Wärmeverluste minimiert wurden.
Unser Rechner konnte außer Ziffern auch Buchstaben drucken, was heute selbstverständlich erscheint, aber damals ein Novum war, denn herkömmliche Rechenmaschinen gaben ja nur Zahlen aus. Mein erster Versuch war ein ''Pfüat di!'' am Ende der ausgegebenen Zahlentabelle, was meinem Chef den Ausruf entlockte: ''der kann ja sprechen!''. Nun schloss ich an mein Programm eine Umsetzung der Ergebniszahlen in ein ausgefülltes Formular an, das so aussah, wie die Bauvorschriften für die Wickelei, die die Spulen wickelten und den Trafo fertig machten.
Dieses Programm war eine Revolution. Ich musste Vorträge in München, Berlin und Erlangen halten, die allen Siemensianern die Augen öffneten und zeigten, dass Computer mehr können als rechnen. In Berlin war ich übrigens gerade zur Kubakrise im Oktober 1962 und Gerti stand Todesängste aus.
Die Auslastung unseres Rechners stieg nun sprungartig an. Rechenzeit wurde kostbar. Als nächstes nahm ich 1963 ein Programm in Angriff, das beliebige Schaltungen berechnen konnte. Der Aufwand dafür war jedoch so groß, dass ich es aufgeben musste. Dieses Programm wertete nicht nur Formeln aus, sondern erstellte auch die Formeln für die jeweilige Schaltung selbst. Ein Verfahren, das erst wieder vor wenigen Jahren aufgegriffen und realisiert wurde, das also selbst höhere Mathematik betreibt.
Der Grund für diese Kapitulation war der, dass ich meine Ehe gefährdet sah. Programmieren gehörte ja nicht zu meinen Aufgaben als Geräteentwickler. Ich musste das in der Freizeit tun und die wurde nach und nach völlig verbraten. Da spielte Gerti nicht mehr mit. In der Firma musste ich froh sein, dass mein Chef die Zeit für die Arbeit am Rechner spendierte.
Immerhin war ich als DV-Pionier bekannt und viele Interessenten besuchten mich und fragten: ''ich habe folgendes Problem ... , wie macht das der Rechner?''. Sie hatten offenbar alle die Vorstellung, dass der Rechner über eigene Methoden zur Problemlösung verfügt. Meine Antwort war stets: ''genauso wie sie, nur schneller. Sie müssen ihm selbst sagen, wie er das machen soll. Allerdings können sie auch Verfahren angeben, die für sie zu lange dauern würden. Die schafft er dann auch noch in vernünftiger Zeit.''
In dieser Zeit, es war 1962, wohnten wir in einem Hochhaus in der Agnes Bernauerstraße 69. Ich fuhr mit dem Auto in die Firma und da in der gleichen Wohnanlage viele Siemensianer wohnten, hatten sich 3 Mitfahrer gefunden, die täglich mit mir fuhren. Darunter ein Fräulein Rettich, die an der damals noch sehr jungen Assistentinnenschule unserer Firma Physik und physikalisches Praktikum unterrichtete. Eines Tages hatte sie dazu keine Lust mehr und fragte mich, ob ich das nicht machen wolle. Nun, anderen etwas erklären tat ich immer schon sehr gern und so wurde ich Lehrer.
Nun hatte ich ja als ängstlich behütetes Kind eine etwas verkorkste Erziehung, was die Beziehung zum anderen Geschlecht anging. Mir war schon etwas mulmig, als ich da in eine Klasse mit 18- bis 20-jährigen jungen Damen kam. Als ich mich aber reden hörte und merkte, dass ich ihnen mit meinem Wissen Respekt einflößte, wurde ich schnell sicherer. Zu schnell, wie sich herausstellte. Ich trug damals keine Uhr, denn in allen Siemensräumen waren Synchronuhren und im Auto hatte ich sie ja auch. Die Uhr im Klassenzimmer stand jedoch. Da haben die technisch versierten Damen wohl etwas nachgeholfen.
Kurzum, nach etwa einer Stunde erklärten sie, dass die 1 1/2-stündige Unterrichtsstunde um sei. Ich verabschiedete mich nichtsahnend und meldete mich bei der Schulleitung zurück. Die machten große Augen und klärten mich über die wahre Zeit auf. Daraufhin rannte ich hinaus und trommelte meine Damen für den restlichen Unterricht wieder zusammen, was nicht leicht war, weil sich die wohlweislich in alle Richtungen verstreut hatten. Sie haben mich nie wieder hereingelegt.
Ich habe in der Schule viele schöne Jahre verbracht, mit schönen Klassenausflügen, Abschiedsfeiern im Schloss Nymphenburg und in Schwabing und einer Feier im Wohnheim der Schülerinnen, wohin sie die Lehrer, die sie mochten, eingeladen hatten. Als ich 1964 mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus lag, habe ich einen rührenden Liebesbrief einer ganzen Klasse erhalten. Sie haben mir geholfen, meine Schüchternheit völlig zu überwinden.
Meine Chance zur Beförderung kam, als man in der Radartechnik erkannte, dass es ohne Rechner nicht mehr geht. Ich wurde also gefragt, ob ich bereit bin, zur Radartechnik zu wechseln. Für militärische Aufgaben zu arbeiten, ging mir zwar gegen den Strich, aber die Aufgabe war zu reizvoll und die Radars dienten ja der Verteidigung, was man selbst als Pazifist noch akzeptieren kann.
In der Radarabteilung ging es zunächst um ganz andere Aufgaben. Ich wurde so eine Art Verbindungsmann zur Deutschen Gesellschaft für Ortung und Navigation (DGON), wo ich zunächst an Studien über Navigationssatelliten teilnahm, die den Flugzeugen die Informationen über ihren jeweiligen Standort zusendeten, nachdem sie diesen ausgemessen hatten. Das kam meinen uralten Raumfahrtambitionen recht nahe.
Ich nahm schließlich an einer Expedition des Forschungsschiffes Meteor zur westafrikanischen Küste teil, das ich in Teneriffa bei seiner Rückfahrt nach Hamburg bestieg, um Standortmessungen des Schiffes mit Hilfe des Forschungssatelliten ATS 3 durchzuführen, der stationär in 36000 km Höhe über der Amazonasmündung stand.
Außerdem wurde ich regelmäßig zu Kursen der Karl-Cranz-Gesellschaft nach Oberpfaffenhofen geschickt. Karl Cranz war ein Ballistiker und die Gesellschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, diejenigen Wissenschaftsgebiete zu vertiefen, die für militärische Aufgaben nutzbar sind. Sie pflegten einige für die Praxis wichtige mathematische Teilgebiete in einer Tiefe, die weit über das Hochschulniveau hinaus ging.
Die Referenten hatten unmittelbaren Kontakt mit den Spitzenforschern und berichteten bis zu dem allerletzten Erkenntnisstand. Für mich war das eine Fundgrube. Mit dieser Wissenstiefe und meinem hervorragenden österreichischen Universitätsstudium war ich meinen Kollegen himmelhoch überlegen. Ich habe dieses Wissen später in Kursprogramme für Weiterbildungskurse umgesetzt und damit mein Haus verdient. In Oberpfaffenhofen hatte ich auch Kontakt mit den Satellitenleuten, die später die Satellitenbodenstation aufbauten. Mit Dr.Hartl, dem damaligen Leiter der Raumfahrtabteilung hatte ich auch bei der DGON noch einige Jahre zu tun. Wir reisten auch ein paarmal gemeinsam.
Mein Labornachbar Dr. Stark fuhr regelmäßig zu Besprechungen nach Braunschweig, wo es um die Regulierung des Schiffsverkehrs auf dem Nord-Ostseekanal mit Hilfe von Computern ging. An einem Freitag rief mich der Abteilungsleiter zu sich und teilte mir mit, dass ich am Montag statt des erkrankten Dr.Stark zu dieser Besprechung müsst e. Ich nahm mir dessen Ordner zu diesem Thema mit nachhause und studierte den Inhalt über das Wochenende.
In Braunschweig stellte ich in einer Runde von ca. 30 Quatschköpfen fest, dass die alle von Rechnern nicht die geringste Ahnung hatten. Die Gespräche drehten sich immer im Kreis. Ich fragte meinen Nachbarn: ''sagen sie, wie lange geht das denn schon so?'' ''Ich weiß es nicht genau, ich habe das vor 8 Jahren von meinem Vorgänger übernommen'' war die verblüffende Antwort.
Nun, die Aufgabe war tatsächlich schwierig. Der Nordostseekanal (NOK) ist der meistbefahrene Schiffahrtskanal der Welt. Dem Gegenverkehr ausweichen, war nur an einigen Weichen möglich. Dort wurden die Schiffe angehalten, bis der nächste Streckenabschnitt frei war. Ebenso an den Schleusen am Kanalanfang und am Kanalende gab es Stauräume. Welche Schiffe jeweils fahren durften, wurde durch ein hochkompliziertes Vorschriftensystem geregelt, das Schiffsgröße, Tonnage, Gefährlichkeit der Ladung usw. berücksichtigte. Die Lenkungsbeamten für die Streckenabschnitte am Ufer zeichneten graphische Fahrpläne und bestimmten nach diesen und dem Vorschriftenwerk den Verkehrsablauf, den sie über Ampeln steuerten.
Die Risiken waren beträchtlich. Es gab pro Jahr 300 Unfälle, also nahezu täglich einen Unfall mit entsprechenden Kosten und kostspieligen Verzögerungen. Wenn ein Lenkungsbeamter nach drei Wochen aus dem Urlaub kam, hatte er das Lenken verlernt und musste sich neu einarbeiten. Keiner hatte den Mumm, diese Risiken einem Rechner zu übertragen, noch dazu wo keiner wusste wie.
Ich schrieb daraufhin einen Bericht, in dem ich das Vorschriftenwerk in einen übersichtlichen graphischen Programmablaufplan auf einer DIN-A4-Seite umsetzte. Außerdem schlug ich ein Simulationsprogramm für eine Nachbildung des Schiffsverkehrs im Rechner vor, mit dessen Hilfe man das erforderliche Rechenprogramm auf Risiken testen konnte.
Der Bericht schlug ein wie eine Bombe. Man lud mich in die Wasser- und Schiffahrtsdirektion in Kiel ein, bat mich um die Erlaubnis, meinen Programmablaufplan für die Lenkungsbeamten verwenden zu dürfen und verabredete eine Besichtigungstour zu den Kontrollstellen am Nordostseekanal. Ich wohnte dort in einem Hotel in Holtenau, direkt neben den Schleusenanlagen am Kanalende, so dass ich vom Fenster zusehen konnte, wie das läuft. In den Kontrollstellen musste ich den Lenkungsbeamten zusehen und durfte Fragen stellen. Es war wie eine Lehre in Schiffslenkung.
Genauso sollte jede Art von Vorbereitung einer Programmentwicklung laufen. Der Systemanalytiker und Programmierer sollte erst total in die Problematik eingeführt werden, bis sein Wissen dem, der von seinem Programm Betroffenen, entspricht. Nur so entstehen Programme, mit denen Datenverarbeitung nahezu problemlos eingeführt werden kann. Leider scheut man meist diesen Aufwand, was dann regelmäßig durch Fehlplanungen zu Kosten führt, die um ein Vielfaches höher sind.
Mein Kollege Dr. Stark war über diese Entwicklung nicht böse. Er war bei uns der Vorkämpfer für die graphische Datenverarbeitung und war froh, dass die Sache endlich ins Rollen kam. Er wollte graphische Sichtgeräte entwickeln, mit denen Mensch und Rechner sich über eine gemeinsame Bildsprache besser verständigen können, als über eingegebene Anweisungen und ausgegebene Zahlenkolonnen, die für den Menschen recht unübersichtlich sind. Heute ist das selbstverständlich. Jeder Heimcomputer kann das. Aber damals kostete das jahrelange Kämpfe, denn es ging um Millionenbeträge.
Das Simulationsprogramm hat nach meinen Angaben ein Kollege gemacht. Als es fertig war, fiel jedoch in Kiel der Entschluss, den Nordostseekanal in seiner ganzen Länge so zu verbreitern, dass Gegenverkehr überall möglich ist. Ich habe noch nach Jahren in Hamburg vor einem internationalen Konsortium aufgrund meiner Erfahrungen einen Vortrag über Schiffslenkung auf dem Suezkanal gehalten. Es war eine Zitterpartie, denn ich musste den in englisch halten, was ich leider nie richtig gelernt habe.
Gemeinsam mit Dr. Stark kämpfte ich dann um einen Rechner für die graphische Datenverarbeitung. Auch unsere 2002 konnte bereits Graphik ausgeben. Eine Eingabe gab es noch nicht. Man musste alles aus einzelnen Punkten zusammensetzen. Ich habe dann auf einer Dienstreise nach Bonn im Zug ein Programm geschrieben, das Buchstaben aus diesen Punkten zusammensetzte, so dass man die Buchstaben als Ganzes aufrufen und Texte auf dem Bildschirm schreiben konnte. Da unser Rechner inzwischen tagsüber voll belegt war, habe ich mit Dr. Stark mehrere Nächte geopfert, um dieses Programm und ein weiteres, das Flugbahnen von Flugkörpern als Kurven darstellte, zu testen. Da unter den vielen Zahlen für die Kennzeichnung der Punktorte immer wieder eine falsche war, waren immer wieder Punkte ganz wo anders und wir mussten alle diese Fehler finden. Doch dann konnten wir unsere Ergebnisse vorführen.
Dadurch und durch eine Vielzahl von Berichten und Briefen gelang es uns schließlich, die Genehmigung zum Aufbau eines Rechenzentrums und zur Entwicklung eines graphischen Schirmbildarbeitsplatzes zu erhalten. Ich musste die Rechner, Lochkartenleser, Schnelldrucker, Plotter zum zeichnen auf Papier usw. bestellen, während sich Dr. Stark der Entwicklung des graphischen Schirmbildarbeitsplatzes (SAP) widmete. Das Kuriose war, dass ich als einfacher Sachbearbeiter die Bestellungen über Millionenbeträge unterschreiben durfte und musste, obwohl ich nicht einmal die Unterschriftsberechtigung zur Bestellung eines Kugelschreibers hatte. Kontrollfunktionen gehen oft seltsame Wege. Aber alle Berechtigten hatten nicht den leisesten Schimmer von Datenverarbeitung.
Der erste Rechner, den wir kriegten, war eine PDP8 von Digital Equipment mit einem Graphikbildschirm und einem Lichtstift, mit dem man auf dem Bildschirm schreiben und zeichnen konnte, vorausgesetzt, man schrieb sich Programme dafür. Denn alle Computer sind zunächst Vollidioten mit einer Spezialbegabung zu schnellem Rechnen. Alles andere muss man sich mühsam aus zahllosen Befehlen zusammenstopseln.
Der Rechner passte nicht in unser Labor, weil die Tür zu klein war. Er kam also in irgendein anderes mit größerer Tür. Dort marschierten wir immer hin, wenn wir etwas ausprobieren mussten. Sehr zum Leidwesen des dortigen Laborleiters Mayer, weil seine Mitarbeiter sich für den Rechner mehr interessierten, als für ihre Arbeit. Aber wir waren ehemalige Laborkollegen und er duldete uns.
Die Gerätebeschreibungen waren schlecht und in englischer Sprache, die mir sowieso immer Schwierigkeiten bereitet hatte. So dauerte es drei Wochen, bis wir den ersten Strich auf dem Bildschirm hatten. Dann ging es aber schnell, da man aus Strichen alles zusammensetzen kann. Der erste Versuch mit dem Lichtstift war ein Strichmännchen, bei dem nur der Nabel für den Lichtstift empfindlich gemacht wurde. Tippte man diesen an, dann hob das Männchen den Hut hoch. Wir freuten uns wie die Kinder und ließen das Männchen zappeln. Da ging die Tür auf, ein Werkstudent aus einem Nachbarlabor kam herein und als er das Männchen zappeln sah, fiel ihm die Kinnlade herunter. Als er sich wieder gefangen hatte, sagte er: ''kann ich in den nächsten Semesterferien zu ihnen kommen ?''. Es war Herr Arbter, der später einer meiner fähigsten Mitarbeiter wurde und mit dem ich noch heute Kontakt habe.
Als später Dr. Holzwarth, der damalige Leiter des gesamten Zentrallaboratoriums einmal auf Besuch kam und das Männchen sah, sagte er: ''es ist kaum zu glauben, womit sich erwachsene Männer beschäftigen!''. Er dachte wohl an die Millionen, die der Spaß gekostet hatte. In dieser Zeit wurde ich Laborleiter. Mein Labor war ein Rechenzentrum mit einer Programmierergruppe.
Der zweite Rechner, den wir bestellt hatten, war die Siemens DVA 305. Ein Prozessrechner, der zur Steuerung von Fabrikationsprozessen, von chemischen Anlagen usw. gedacht war. Bei uns sollte er Radarantennen steuern und Radarsignale auswerten und für die Radarbilddarstellung aufbereiten. Wir hatten inzwischen Räume im zehnten Flur bezogen, direkt unter den Radarantennen auf dem Dach. Meine Rechnerbestellung entwickelte ein Eigenleben. Da gingen Leute aus und ein, bauten Schallisolierungen in die Decke, machten einen doppelten Fußboden, unter dem die Kabel liefen, zeichneten die Standorte der Geräte drauf, bohrten die Löcher für die Kabel, bauten eine Klimaanlage in den Nachbarraum und lieferten so nach und nach die Geräte und schlossen sie an.
Das Problem war nur, sie kamen nicht immer. Denn wenn ein externer Kunde ein Problem hatte, dann hatte das Vorrang vor den Kunden im eigenen Haus. Einmal kam eine ganze Woche niemand. Mein holländischer Mitarbeiter van Uffelen machte einen dummen Witz ''vielleicht sind die schon fertig?''. So war es tatsächlich. Niemand hatte es für notwendig gefunden, uns das zu sagen.
Wir hatten alle für diesen Rechner Programmierkurse besucht und warteten auf eine Einweisung in die Bedienung. Doch da kam nichts. Auf unsere Frage, ob sie das bei externen Kunden auch so machen, kam die Antwort: ''die schicken uns ein halbes Jahr vorher einen Mitarbeiter, der ein halbes Jahr bei uns im Rechenzentrum mitarbeitet.'' Auch telefonische Hilfestellungen wurden wegen Arbeitsüberlastung abgelehnt.
Ich rief meinen Lehrer aus dem Programmierkurs an und der erklärte sich zu einer kurzen Einweisung bereit, wenn wir ihm Rechenzeit für seine Schüler schenken. So lief die Sache dann an.
Es zeigte sich bald, dass unsere Radarleute den Rechner nur zu 10 Prozent auslasteten. Wir namen also Rechenaufträge aller Art aus dem gesamten Zentrallaboratorium gegen Bezahlung (d.h. gegen Gutschrift auf unserer Kostenstelle) an und wurden so ein richtiges kommerzielles Rechenzentrum. Das Rechenzentrum wurde immer stärker frequentiert und wir mussten alle paar Jahre neue leistungsfähigere Anlagen dazukaufen. Schließlich belegten wir die ganze Ostfront des zehnten Flurs unseres Gebäudeabschnittes. Man kann die vergoldeten Fenster von der Wolfratshauserstraße aus noch heute sehen.
Mein Labor war natürlich ständig gewachsen und zu einer Gruppe von Labors geworden, deren Leiter ich wurde. Das Rechenzentrum meiner Dienststelle hatte Günther Hornbostel übernommen. Ich selbst kümmerte mich mehr um die Kundenbetreuung, wobei ich bei Problemlösungen half, worin ich ja reichlich Erfahrung hatte.
Im Unternehmensbereich Nachrichtentechnik, dem wir angehörten, gab es etwa ein Dutzend Rechenzentren, deren Führungskräfte sich regelmäßig zu einem Erfahrungsaustausch trafen. Da sie über die ganze Bundesrepublik und Holland verstreut waren, traf man sich reihum. Den Abschluss bildeten oft Stadtrundfahrten, immer aber ein feuchtfröhliches Gelage in einem Luxuslokal, bei dem Tausender umgesetzt wurden. Doch diese Ausgabe machte sich dick bezahlt. Es bildeten sich freundschaftliche Kontakte und man half sich gegenseitig. Viele Ausgaben in Millionenhöhe konnten gespart werden, indem man Geräte, die kaum noch genutzt wurden, weil neuere da waren, anderen zukommen ließ, die sie voll nutzen konnten.
Als die ersten Bildschirmgeräte als Terminals für Großrechner auf den Markt kamen, kamen wir in eine schwierige Lage. Das größte Rechenzentrum unseres Unternehmensbereiches hatte modernste Rechner angeschafft, an die einige hundert Terminals angeschlossen werden konnten, die am Arbeitsplatz der Kunden standen. Sie vermittelten den Kunden den unmittelbaren Kontakt zum Rechner und immer mehr unserer Kunden wechselten zu diesem Rechenzentrum.
Hornbostel kam sorgenvoll zu mir, um zu beraten, was zu tun sei. Unsere Rechner waren noch lange nicht abgeschrieben und wir hatten keine Chance, Mittel für modernere genehmigt zu bekommen. Ich hatte gerade bei meinen Verfahrensstudien die Jiu-Jitsu-Methode studiert. Siegen durch Nachgeben. Eine Methode, die durchaus nicht auf Kämpfe beschränkt ist. Ich schlug vor, selbst Terminals für die Kunden zu kaufen und sie an das Konkurrenzrechenzentrum anzuschließen, wobei wir unsere Kunden weiterhin betreuen konnten und diese Terminals nach drei Jahren an die dann angeschafften neuen Rechner unseres Rechenzentrums umzuschalten. So behielten wir unsere Kunden bei geringem finanziellen Einsatz, der auch anstandslos genehmigt wurde.
1973 musste ich anläßlich der bevorstehenden Moskauer Olympiade mit Kollegen verschiedener Firmen ein Symposium mit Vorträgen und einer Ausstellung durchführen. Das war nicht ganz unproblematisch, da wir alle zu militärischer Geheimhaltung verpflichtet waren und die russischen Geheimdienste recht rüde Methoden hatten. Wir wurden über diese von unseren Sicherheitsbeauftragten genau informiert und mit Verhaltensregeln vollgestopft. Es ist auch einiges sehr Merkwürdiges passiert, aber das ist ein eigenes Thema. Übrigens war auch Helmut Kohl in unserem Flugzeug und im gleichen Hotel, wo er mich einmal mit Bückling begrüßt hat.
Während all diese Dinge passierten, arbeiteten meine Programmierer zunächst an der Software für den graphischen Schirmbildarbeitsplatz von Dr. Stark. Als dieser und unsere Software nahezu fertig war, wurden unsere Mittel zur Weiterentwicklung gestrichen. Das Projekt musste abgebrochen werden. Der Grund: Die Radarabteilung hatte so viele, termingebundene Aufträge, dass alle verfügbaren Arbeitskräfte für diese eingesetzt werden mussten, um Konventionalstrafen zu sparen. Dabei hatte ich gerade in Bonn ein Studienangebot für 9 Millionen erkämpft. Allerdings war das nur 50-prozentiges Geld. Die andere Hälfte hätte die Firma zahlen müssen.
Damals wurden von Siemens z.B. auch Firmen wie Goggomobil gekauft, bloß um die Arbeitskräfte zu bekommen. Die Werke wurden verschrottet.
Unsere Auftragsflut war dadurch entstanden, dass unser Abteilungsleiter Dr. Baur alle Entwickler immer wieder nach Bonn schickte, um neue Aufträge zu ergattern. Sie waren so erfolgreich, dass mein Chef Dr. Lenz einmal im Scherz sagte: ''wer die nächste Million bringt, wird entlassen!''.
Dr. Baur hatte selbst die Radaraufgaben seinerzeit als Sachbearbeiter für Siemens an Land gezogen, indem er nach Bonn fuhr und so lange Türklinken putzte, bis er einen größeren Auftrag hatte. Übrigens gegen den Willen unseres Firmenchefs Ernst von Siemens, der überzeugter Pazifist war. Er hat sich nur widerwillig gefügt, weil Radars nicht schießen.
Während all dieser Arbeiten musste ich immer wieder zu DGON-Sitzungen reisen und im Rahmen von deren Navigationsaufgaben an Studien, Denkschriften und Büchern mitarbeiten. So übernahm ich für eine Studie im Auftrag der europäischen Raumfahrtbehörde ESRO den Teil Satelliten-Bodenstationen.
Ich führte in diesem Zusammenhang Berechnungen der Positionsgenauigkeit durch und berechnete diese für die verschiedenen Punkte der Erdoberfläche. Dazu mussten die Winkel ausgerechnet werden, unter denen der Satellit von all diesen Punkten aus erscheint und die Fehlerellipsen, die die Unsicherheit der Ortsbestimmung in den verschiedenen Richtungen der jeweiligen Horizontebene veranschaulichen.
Die Zeit war knapp, denn es war Freitag und am Montag sollte ich die Ergebnisse in Form von Bildern vortragen. Da streikte unser Rechner und ich kriegte meine Winkel nicht. Ich ging deshalb tags darauf einen Globus kaufen, spannte zuhause Schnüre zu dem Punkt, der dem Standort des Satelliten über dem Globus entsprach und maß meine Winkel mit dem Winkelmesser. Aus diesen konnte ich dann die Achsen meiner Fehlerellipsen errechnen und in die Weltkarte einzeichnen.
Meine nächste Aufgabe war die Entwicklung eines Lagearbeitsplatzes für die militärische Führung. Die Aufgabe wurde mir so geschildert: Die Truppen sind heute voll mobilisiert und damit schnell beweglich. Wenn die Führungsstäbe wie bisher die militärische Lage über Kuriere oder Telefon erfahren und erst in eine Landkarte einzeichnen müssen, um weitere Maßnahmen beschließen zu können, dann sind sie viel zu langsam. Sie erfahren dann, wie die Schlacht gelaufen ist, ohne eingreifen zu können. Mit Führung hat das nichts mehr zu tun. Vielmehr muss die Landkarte mit den aktuellen Lageinformationen jederzeit in allen Führungsstäben verfügbar sein.
Man dachte natürlich sofort an graphische Bildschirmsysteme. Der Haken war nur, dass Landkarten so viele Details enthalten, dass die üblichen 1000 mal 1000 Bildpunkte eines Bildschirmes nicht ausreichen. Es müssten mindestens 100-mal so viele sein. Für die Lagesymbole für Truppen, Panzer und sonstige Militäreinheiten reichte der Bildschirm allerdings aus. Also mussten optische Bilder mit Dias von Landkarten mit dem Schirmbild überlagert werden. So etwas gelingt über halbdurchlässige Spiegel. Das ganze sollte in einem Panzer auf engstem Raum untergebracht werden, um auch den Führungsstab hinreichend mobil zu machen.
Erschwerend kam dazu, dass die Dias rechnergesteuert gewechselt werden mussten, um den jeweils benötigten Geländeabschnitt darzustellen, wobei natürlich auch die Lagesymbole entsprechend wechseln mussten. Außerdem musste es möglich sein, die Vergrößerung des dargestellten Bildausschnittes kontinuierlich zu verändern, mit gleichzeitiger Mitvergrößerung der Bildschirmsymbole für die Lage.
Ich kriegte einen zweiten Laborleiter in mein Zimmer, Herrn Edmeier, der das entsprechende Gerät entwickelte. Für die Programme zur Darstellung der jeweils richtigen Symbole je nach Dia und Vergrößerung, sowie für die Steuerung der Schrittmotoren für Diawechsel, Vergrößerung und Verschiebung der Bildausschnitte war ich zuständig. Da meine Mitarbeiter sämtlich mit anderen Aufgaben beschäftigt waren, schrieb ich alle diese Programme selbst.
Aufgrund der Forderung, das Gerät in einem Panzer unterzubringen, entwickelte Herr Edmeier ein Gerät mit einer riesigen Lupe, durch die ein davorsitzender Mann auf das helle Landkartenbild mit den Lagesymbolen blickte. Als das Gerät und mein Programm nach zwei Jahren fertig war, hatte in Bonn ein Personalwechsel stattgefunden und damit ein Wechsel der Vorstellungen über einen Lagearbeitsplatz. Man war nun der Ansicht, dass mehrere Personen gleichzeitig das Lagebild betrachten und beurteilen sollten. Vom engen Panzer war keine Rede mehr. Man dachte an einen geräumigen Shelter. So entschloss man sich für ein Konkurrenzprodukt.
Inzwischen hatte man bei der DGON die Herausgabe eines Buches über Kalmanfilter beschlossen. Diese Filter sind eigentlich Rechenverfahren, die es unter anderem ermöglichen, Ortsbestimmungen, die nach unterschiedlichen Messverfahren durchgeführt werden, die natürlich nicht exakt die gleichen Werte liefern und an verschiedenen Stellen der Erde unterschiedlich genau sind, so aufzubereiten, dass der wahrscheinlichste Standort und dessen Toleranzbereich für Flugzeuge, Raumsonden oder Schiffe bestimmt wird.
Diese Technik ist inzwischen Grundlage aller Navigationsverfahren. Ihre Einführung in der Raumfahrt hat die anfänglichen Misserfolge, die viele Milliarden Dollar gekostet haben, schlagartig auf ein Minimum reduziert. Darüber hinaus hat sie das ganze naturwissenschaftliche Denken auf eine neue Basis gestellt.
Ich habe zu diesem Buch die Redaktionsarbeit gemacht und einige Beiträge geschrieben. Ein Dozent der technischen Universität München hat sich in einer mehrtägigen Veranstaltung in unserer Firma bemüht, einem Kreis von ca. 30 Personen dieses Verfahren näher zubringen. Da es auch nachher keiner verstanden hat, wurde ich aufgefordert unserer Führungselite die Grundgedanken klarzumachen, was mir in einem 1-stündigen Vortrag zur großen Freude aller Anwesenden gelang.
Neben all diesen Aufgaben lief natürlich immer die Betreuung der Rechenzentrumskunden mit ihren Problemen, die oft mathematisch gelöst werden konnten und manchmal eben mit Rechnerprogrammen. Eines Tages kam unser Hauptabteilungsleiter und fragte mich, ob wir ein Programm für die Fouriertransformation hätten. Wir hatten zwar eines, aber die Kunden waren nicht sehr glücklich damit, weil sie zu wenig über Fouriersche Theorie wussten. Es geht bei dieser um die Zerlegung von Signalen in sinusförmige Schwingungen, bzw. Wellen, die ähnlich wie Wasserwellen aussehen. Alle Signale lassen sich aus verschieden großen und verschieden schnellen Sinusschwingungen zusammensetzen, wodurch die Theorie der Nachrichtentechnik sehr viel einfacher wird.
Da nun ein hoher Chef sich dafür interessierte, übrigens einer der wenigen mit hervorragenden technischen Kenntnissen, musste ich die Vorbereitung der Eingangsdaten und die richtige Auswertung der Ausgangsdaten, an denen unsere Kunden bisher gescheitert waren, mathematisch durchleuchten und die nötigen Grundlagen in einem Bericht darstellen.
Wenige Wochen danach rief mich ein ehemaliger Lehrerkollege, Herr Dr. Schmidt an, der inzwischen der Leiter der Weiterbildungsstelle für Ingenieure geworden war und fragte mich, ob ich nicht einen Abendkurs mit 15 Doppelstunden über Fouriertransformation übernehmen wollte. Das traf sich gut, denn ich hatte ja schon vorgearbeitet. Diesen Kurs habe ich sicher 20-mal gehalten und damit ca. 50000 DM verdient.
Bei einer Tagung über Computergraphik in Southampton habe ich ein Programm zur Berechnung beliebiger Schaltungen kennen gelernt, also zu dem Thema, an dem ich aus Aufwandsgründen selbst gescheitert war. Die Firma, die es anbot, hatte etwa 100 Mannjahre für die Entwicklung aufgewendet. Wir kauften das Programm für unser Rechenzentrum. Mit seiner Hilfe konnten Probleme gelöst werden, die ohne dieses Programm mit tragbarem Aufwand nicht lösbar waren.
Durch alle diese Maßnahmen schwand nach und nach der Widerstand gegen mathematische Verfahren bei der Entwicklung. Allerdings konnten diese Programme nur vorhandene Schaltungen analysieren, also ihre Eigenschaften voraussagen, bevor man diese Schaltungen wirklich durch Zusammenlöten von Bauteilen realisierte. Beim Schaltungsentwurf, wo es darum ging, jene Schaltung zu finden, die ein vorgegebenes Problem löst, waren sie wenig hilfreich.
Ich war in dieser Zeit mit meinen zahlreichen Aufgaben so beschäftigt, dass mir mein damaliger Chef, Herr Jestädt anbot, mein Gehalt um den Betrag, den ich in der Assistentinnenschule dazuverdiente, zu erhöhen, wenn ich dort aufhöre. So wurde meine Lehrtätigkeit für einige Jahre unterbrochen. Da ich es aber nicht ganz lassen kann, haben wir in meinem Labor Kolloquien für die Mitarbeiter abgehalten, um diese auf den für unsere Arbeiten notwendigen Erkenntnisstand zu bringen. Meine Mitarbeiter wurden dadurch auf ein Niveau gehoben, das fast allen eine spätere Karriere sicherte.
Einer meiner Mitarbeiter, Herr John, brachte von einem Kurs über Programmiermethoden ein neues Verfahren mit, die strukturierte Programmierung. Dieses Verfahren erzwingt durch einen raffinierten Trick eine Disziplinierung beim Programmieren, die verhindert , dass man sich in ein verfilztes Gestrüpp von Programmwegen verrennt. Nach dieser Methode konnte man ca. die halbe Entwicklungszeit für Programme sparen und die Programme waren besser überschaubar. Auch diese Methode habe ich in Kursen an die Programmierer unseres Hauses weitergegeben. Unter anderem in meiner alten Messgerätegruppe, wobei ich viele liebe Kollegen nach Jahren wiedergesehen habe.
Trotzdem ist die Programmiertechnik ein Sorgenkind geblieben und ist es bis heute. Während die Hardwarekosten von Millionenbeträgen für die ersten Rechner buchstäblich auf Pfennigbeträge für heutige Mikroprozessorchips geschrumpft sind, konnten die Softwarekosten durch wirksamere Programmiermethoden nur um den Faktor zwei bis vier gesenkt werden. Menschliches Denken lässt sich eben nicht unbegrenzt beschleunigen.
Da komplizierte Programme grundsätzlich fehlerhaft sind und es auch keine Möglichkeit gibt, sämtliche Fehler zu finden, müssen Programme auch nach ihrer Freigabe von einem Team gepflegt werden. Dies auch deshalb, weil sich im Anwendungszeitraum durch neue Aufgaben die Anforderungen an das Programm ändern. Da die Zahl der Programme ständig steigt, kann man abschätzen, dass in absehbarer Zeit nur noch vorhandene Programme gepflegt, aber keine neuen mehr entwickelt werden können. Das Stichwort ''Softwarekrise'' trägt diesem Umstand Rechnung.
Dr. Stark hatte deshalb seinerzeit Kontakt zu den Programmentwicklungsstellen des Unternehmensbereiches Datenverarbeitung aufgenommen, nachdem wir in einem Symposium von den Aktivitäten dieser Leute zur Bewältigung der Softwarekrise erfuhren. Wir besuchten diese und ich stellte fest, dass sie sich eines mathematischen Werkzeuges bedienten, über das meine Frau Gerti in unserer Studienzeit eine Hausarbeit geschrieben hatte.
Es war der Prädikatenkalkül der mathematischen Logik. Sie entwickelten daraus ein Werkzeug zur mathematischen Konstruktion nachweisbar fehlerfreier Programme. Von den Programmierern werden dabei allerdings so hohe mathematische Kenntnisse verlangt, dass die Einführung dieses Verfahrens wohl erst künftigen Programmierergenerationen vorbehalten sein dürfte.
Wir hatten die mathematische Logik seinerzeit bei unserem Studium aus reinem Interesse belegt und ich habe mich damals bemüht, eine praktische Anwendung zu finden, ohne rechten Erfolg. In meinen ersten Siemensjahren fiel mir eine Veröffentlichung über die damals völlig neue Schaltungsalgebra in die Hand, mit deren Hilfe man Schaltnetzwerke entwerfen oder vereinfachen konnte. Das war meine gesuchte Anwendung und mit meinem Wissen über mathematische Logik war ich mit einem Schlag Spezialist in Schaltungstechnik.
Es ist mir mehrmals so gegangen, dass Wissen aus völlig anderen Bereichen, über das ich aus meiner Studienzeit verfügte und von dem unsere Ingenieure keine Ahnung hatten, plötzlich hochaktuell wurde.
Wenig später kam der erste Mikroprozessor der Firma Intel auf den Markt und Siemens schloss mit Intel ein Kooperationsabkommen zur Lizenzherstellung von Mikroprozessoren. Unsere Entwickler kauften sie wie andere Bausteine auch und bauten sie in ihre Schaltungen ein.
Das ging so etwa ein Jahr, bis ein Entwickler zu mir kam und fragte: ''wie programmiert man eigentlich?''. ''Wie haben sie es denn bisher gemacht?'' fragte ich erstaunt. ''Nun wir löten die Schaltung zusammen, schauen uns die Befehle in der Befehlliste an und probieren solange herum, bis es läuft.'' Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass mehr als zehn Jahre Programmiererfahrung an unseren Entwicklern spurlos vorbeigegangen waren und dass sie alle Fehler wiederholten, die wir in der Anfangszeit des Programmierens gemacht hatten.
Um dem einen Riegel vorzuschieben, ging ich unter Missachtung des Dienstweges direkt zu Dr. Leysieffer, dem damaligen Chef des gesamten Zentrallaboratoriums für Weitverkehrstechnik, mit dem ich seinerzeit einige Patente für Navigationssatelliten eingereicht hatte und schilderte ihm diesen Zustand. Ich hielt dann viele Vorträge über Mikroprozessoren und Programmierverfahren und wurde so eine Art Papst für Mikroprozessoranwendungen. Die Vertriebsleute aus dem Bauteilewerk kamen zu mir und wir spannen Zukunftsvisionen über künftige Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen der Mikroprozessoren.
Bei den Gesprächen mit Dr.Leysieffer wurde mir klar, in welcher schwierigen Lage unser Management durch den schlechten Kontakt zu den Mitarbeitern ist. Dr. Leysieffer hat es richtig genossen, von mir zu hören, wie es unten ''an der Front'' zugeht.
Eines Tages rief mich Leysieffer und sagte: ''Wir möchten den Bonnern das 64-kbit-Übertragungssystem (Übertragung von 64000 bit pro Sekunde, heute als ISDN bekannt) schmackhaft machen und müssen demonstrieren, was man damit kann. Ich brauche ein Bild, das aus entsprechend vielen Punkten zusammengesetzt ist, irgend ein nacktes Mädchen oder Mona Lisa oder sonst was. Ich bin zwar Leiter eines Zentrallaboratoriums, aber ich habe keine Möglichkeit, einen bezahlten Auftrag für so etwas zu vergeben. Haben sie die Möglichkeit, in ihrem Rechenzentrum so etwas unter der Hand zu machen?''
Da der Aufwand nicht gerade klein war, verneinte ich das zunächst. Als er dann aber erzählte, dass er dann von der Konstruktion eine Maschine hierfür bauen lassen wird, sah ich ein, dass die mit meinen Mitteln durchzuführende Lösung um ein Vielfaches einfacher war. Er brachte mich mit einem Entwickler zusammen, der einen Bildspeicher an eine Videokamera angeschlossen hatte. Wir fanden einen Weg, diesen an unseren 305-Rechner anzuschließen und wir brachten ein Bild von Mona Lisa, das ich in einem Buch hatte, in den Speicher unserer DVA 305.
Ich schrieb dann ein Plotterprogramm, bei dem ein Plotter über einen gesteuerten Kugelschreiber nur Punkte innerhalb eines Rasters machte, deren Dichte der jeweiligen Bildhelligkeit entsprach. Da es Millionen von Bildpunkten waren, lief dieses Programm mehrere Nächte lang, um das gewünschte Mona-Lisa-Bild zu erzeugen. Dabei ratterte der Kugelschreiber wie verrückt auf und ab.
Eines Morgens riß ein Kunde (Hr.Trinkwitz) aus unserer Abteilung das halbfertige Bild aus dem Plotter, rannte damit zu meinem übernächsten Chef und sagte: ''Mit solchen Spielereien machen die im Rechenzentrum unseren Plotter kaput.'' Was übrigens nicht stimmte, da nur der magnetisch gesteuerte Kugelschreiber im Preis von 10.- DM abgenutzt wurde. Rosenhaupt rief mich zu sich und fragte mit ernster Miene: ''kennen sie das?'' ''Ja'' sagte ich, ''das ist ein Auftrag von Dr. Leysieffer und es ist eine Unverschämtheit, einen Prozess im Rechenzentrum ohne jede Berechtigung abzubrechen''. Nun kriegte Herr Trinkwitz einen Rüffel.
Ich habe daraus und aus ähnlichen Situationen gelernt, wie problematisch es ist, in der Firma irgend etwas zu tun, das wie Spiel aussieht.
In dieser Zeit rief mich Leysieffer zu sich und bat mich, kurzfristig zu einer DGON-Sitzung zu fahren, wo es um Experimente zur ersten Spacelab-Mission ging. ''Denken sie sich auf der Bahnfahrt was aus, was wir als Experimente vorschlagen können, damit da von Siemens auch etwas kommt''. Ich habe mir drei Experimente einfallen lassen, unter anderem die Messung der Lichtgeschwindigkeit unter Weltraumbedingungen, weil es Diskrepanzen zwischen den optisch und den elektrisch gemessenen Werten gibt, die man bei einer so fundamentalen Größe nicht dulden kann. Ich wurde dann gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, diese Experimente im Weltraum selbst auszuführen. Im Hinblick auf meine Luft- und Seekrankheit und meine angeschlagene Wirbelsäule lehnte ich aber ab.
Um das Weitere verständlich zu machen, muss ich zum Schirmbildarbeitsplatz von Dr. Stark etwas nachtragen. Uns war damals klar, dass die Geräte eines Tages so billig sein würden, dass man sie in großer Stückzahl einsetzen kann. Die hohen Kosten und der Menschenaufwand für die Programmentwicklung, die eine rein geistige Leistung ist, lassen sich aber vergleichsweise nur wenig durch Verbesserungen vermindern.
Andererseits war klar, dass sich Graphiksysteme nur verkaufen lassen, wenn es dafür auch fertige Programme für die verschiedensten Anwendungen gibt. Um solche Programme zu erstellen, war unsere Mannschaft zu klein. Die Firmenleitung war noch weit davon entfernt, zu begreifen worum es ging. Es musste noch jahrelange Überzeugungsarbeit geleistet werden. Es war, wie wenn man gegen eine Mauer anrennt. Ich habe immer wieder erlebt, dass der Weitblick einzelner einfacher Mitarbeiter den der Führungsspitzen weit übertraf.
Wie sollte man aber überzeugen, ohne ein Musterprogramm? Dieses zu erstellen, überstieg aber unsere Leistungsfähigkeit, abgesehen davon, dass wir keine Mittel dafür erhielten. Wir wählten zwei Wege aus diesem Dilemma. Einerseits dachte ich mir ein Programm aus, das ich mit vertretbarem Aufwand in der Freizeit machen konnte und das ein Problem löste, das mit keinem anderen Mittel auf der Welt gelöst werden kann. Es war die anschauliche Darstellung eines Körpers in einem vierdimensionalen Raum. Ich wählte einen rotierenden vierdimensionalen Würfel.
Andererseits sprachen wir mit einem Dienststellenleiter einer ganz anderen Dienststelle, die gerade wenig zu tun hatte, ob er mit seinen Leuten nicht Anwenderprogramme für Graphikrechner entwickeln könnte, die auf der von meinen Leuten entwickelten Graphik -Grundsoftware aufbaut. Dr. Bininda gründete daraufhin ein eigenes Labor mit Herrn Gatt als Laborleiter, das diesem Thema gewidmet war. Sie besorgten sich dafür weitere Studienaufträge aus Bonn. Interessanterweise blieb diese Nebenlinie der Graphikentwicklung am Leben, als unsere Entwicklungen eingestellt wurden. Sie führte später zu dem Programmsystem Venus zum Entwurf elektronischer Schaltungen.
Mein vierdimensionaler Würfel entstand in einem verregneten Urlaub am Attersee. Ich hatte in Southampton eine Vorführung gesehen, wo ein rotierender, durchsichtiger Würfel auf dem Bildschirm dargestellt wurde. Da man solche Bilder normalerweise nur bei wirklichen rotierenden Würfeln sieht, täuscht uns unser Gehirn trotz des zweidimensionalen Schirmbildes ein dreidimensionales Objekt vor. Stellt man also ein rotierendes, vierdimensionales Objekt dreidimensional dar, dann muss man durch die Rotation eine Vorstellung von der angeblich unvorstellbaren vierten Dimension erhalten. Die dreidimensionale Darstellung erhält man aus zwei Bildern, die den Zentralprojektionen von den beiden Pupillen des Betrachters aus, in die Bildschirmebene entsprechen.
Ich habe alle notwendigen mathematischen Transformationen und Projektionen berechnet und in ein Programm umgesetzt. Ich habe ein für den Bildschirm geeignetes Stereoskop bauen lassen, durch das man den rotierenden 4D-Würfel als räumlichen Körper betrachten konnte. Er wurde viel besucht und bestaunt.
Zweifellos haben sich durch alle unsere Vorführungen und Aktivitäten, die Meinungen über Einsatzmöglichkeiten von Rechnern im eigenen Haus im Laufe der Jahre gewandelt. Die zentralen Forschungsabteilungen ZFA begannen sich mit Programmen zur rechnerunterstützten Schaltungsentwicklung, die man inzwischen auf dem Weltmarkt kaufen konnte, zu beschäftigen.
Parallel dazu lief die Entwicklung des siemenseigenen Programmsystems VENUS bei der ZFE, unter Leitung von Dr.Hörbst und Frau Gonauser, die seinerzeit Mitarbeiter des Gatt-Labors unter Dr. Bininda waren, aus dem sich ihre umfangreichen Wirkungsbereiche bei der ZFE entwickelten. Wir haben allerhand bewegt bei Siemens, entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass man als Einzelner in einem Großbetrieb ohnehin nichts ausrichten könne. Aber es hat jahrzehntelange Geduld erfordert und hat uns wenig eingebracht, da immer neue Chefs in einem chaotischen, ständigen Umorganisierungsprozess die ganze Vorgeschichte gar nicht kannten.
Diese Umorganisationen hatten mit der Ausgliederung von allgemeinen Entwicklungsaufgaben in die neugegründeten Bereiche ZFA und ZFE begonnen, wobei die erstere den Kontakt zu den Einsatzgebieten verlor und ein ziemlich fruchtloses und kostspieliges Eigenleben entwickelte. Da diese Gründung in einem Oktober erfolgte, sprachen wir von der Oktoberrevolution. Wie bei dieser war der Schaden wohl weitaus größer als der Nutzen.
Ganz schlimm wurde es, als Herr von Sanden im Dezember 1979 das Zentrallaboratorium total zerschlug, um angeblich verkrustete Strukturen aufzubrechen. Von diesem Schlag hat sich Siemens bis zu meinem Ausscheiden im Jahre 1989 nicht erholt. Es gab nahezu jedes Jahr ein völliges Umkrempeln der Organisation mit immer neuen Chefs, die dadurch immer wieder ausgetauscht wurden, wenn sie fast eingearbeitet waren. In dieser Zeit funktionierte Siemens nicht durch das Management, sondern trotz Management. Einfach weil alle Mitarbeiter ihre Aufgaben kannten, beurteilen konnten und nach bestem Wissen und Gewissen das Richtige taten.
Damit spreche ich ein wichtiges Kapitel an. Der größte Teil der Siemensianer sind hochqualifizierte Leute mit einem Können und einer Ausbildung, die der der Führung ebenbürtig ist. Diese Führung trifft einsame Entscheidungen, ohne dieses ungeheure Wissens- und Erfahrungspotential zu nutzen. Gespräche quer durch die Hierarchie werden ängstlich abgeblockt, was bis zu einem gewissen Grad sinnvoll, darüber hinaus aber die größte Dummheit ist. Denn die vielen Leute da unten machen sich auch Gedanken über die künftigen Wege der Technik. Sie würden diese Wege auch nur allzugern einschlagen, wenn man sie nur ließe. Statt dessen belastet man sie aufgrund von Studien von Unternehmensforschern wie Mc Kinsey immer mehr mit Routinetätigkeiten, die jegliche Kreativität im Keim ersticken.
Ein Lichtblick in dieser Hinsicht scheint mir das TOP-Programm zu sein, das der derzeitige Unternehmensleiter Herr von Pierer ins Leben gerufen hat. Da besinnt man sich offenbar der zahlreichen ungenutzen geistigen Kapazitäten und beginnt sie mit in Anspruch zu nehmen. Leider haben die meisten Mitarbeiter diese ungeheure Chance noch nicht erkannt. Ich konnte zwar durch meine Lehrtätigkeit auch im Ruhestand dazu noch einen Beitrag leisten, seit ich diese im Februar 1994 beendet habe, verfolge ich die recht positiven Auswirkungen von TOP aber nur noch in den Siemens-Mitteilungen.
Doch nun das nächste Kapitel. Es begann mit einem Programm, das die ZFA für die rechnerunterstützte Schaltungsentwicklung gekauft hatte und unter dem Namen LAUSIM den Unternehmensbereichen anbot. Es war für die Praxis völlig ungeeignet, da die nötigen Anpassungen an die nachfolgende Fertigung und deren Programme für die Fertigungs- und Prüfautomaten völlig fehlte.
Seit der ''Oktoberrevolution'' wurde jeder meiner Vorschläge, in dieser Richtung zu arbeiten, mit dem Argument abgelehnt: ''dafür ist die ZFA zuständig''. Nun hatten wir den Salat. Da gab es einen aufgeweckten jungen Mann namens Prechtl in einem Nachbarlabor, der eine Studie über dieses LAUSIM verfasst hatte, die Mängel aufzeigte und Vorschläge für Programme zu deren Beseitigung machte.
Ich hatte gerade Programmierkapazität frei und schlug ihm vor, nicht erst das langwierige Genehmigungsverfahren für seine Vorhaben abzuwarten, sondern mit meinen Leuten sofort anzufangen. Er konnte selbst nicht programmieren, aber kannte das zu programmierende Verfahren, bei meinen Mitarbeitern war es umgekehrt. Ihre Einarbeitung hätte wertvolle Zeit gekostet. Da schlug ich einen Gedankenaustausch über graphische Struktogramme vor, die beide schnell verstanden. Prechtl setzte seine Gedanken in Struktogramme um, die meine Leute vom ersten Tag an in Programme umsetzten. So entstand das Programmsystem REGENT zur rechnergestützten Entwicklung von Schaltungen auf Leiterplatten. Es war das erste praktisch einsetzbare und eingesetzte Programm mit vollständigem Durchgang von der Entwicklung zur Fertigung und Prüfung im Sinne einer ''Integrierten Datenverarbeitung''.
Unser Rechenzentrum war damals im Rahmen der Umorganisationen von der Entwicklung weg, der GA ''Gemeinsame Aufgaben'' zugeteilt worden. Dort gab es einen Dr.Arendt, der sich sehr für die Entwicklung dieses Verfahrens engagierte. Mit dem Herrn Prechtl kriegte ich Probleme. Er arbeitete eigenständig, ohne mich trotz wiederholter Aufforderungen auch nur im geringsten über sein Tun zu informieren. Ich musste diese Arbeiten aber nach oben hin vertreten. Das artete in ständige Rangeleien aus, zu denen ich keine Lust hatte. Ich hatte mit dem inzwischen stark gewachsenen Rechenzentrum und der Kundenbetreuung hinlänglich zu tun und trat deshalb die ganze REGENT- Problematik, samt dem inzwischen zu meinem Mitarbeiter gewordenen Herrn Prechtl, dem ehrgeizigen und kämpferischen Dr.Arendt ab.
Arendt und seine Mannen wurden nun zu den wichtigsten Kunden in unserem Rechenzentrum. Gleichzeitig schwoll ihnen der Kamm und sie wollten das Rechenzentrum für sich alleine haben, um jederzeit darauf Zugriff zu haben. Es gelang ihnen sogar, unsere gemeinsamen GA-Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass das gut wäre. Diese hatten jedoch keine Ahnung von der Wichtigkeit der Aufgaben unserer anderen Kunden, die sie in ernste Schwierigkeiten gebracht hätten.
Mein damaliger Chef Herr Niedereder und dessen Chef Herr Rosenhaupt ordneten also an, die übrigen Kunden auszugliedern. Nun bestand von einer Abteilung WvOD (Organisation und Datenverarbeitung im Unternehmensbereich Weitverkehrstechnik), deren Anordnungen wir als Rechenzentrum zu befolgen hatten, die Forderung, die Rechnerkapazitäten optimal zu nutzen. Ich teilte das Herrn Rosenhaupt mit und er sagte: ''man muss die Herren von OD auf den Bauch fallen lassen!''. Nun ich fand, dass das wohl mein Bauch wäre, auf den die fallen und berichtete Herrn Straka, dem Chef von WvOD den ganzen Sachverhalt.
Das hatte zwei Konsequenzen. Erstens wurde mein Rechenzentrum von GA weg nach WvOD eingegliedert, zweitens erschien im nächsten Organisationsplan der Name Rosenhaupt überhaupt nicht mehr. Nun, das war wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen. Denn Rosenhaupt war sicher für REGENT ganz nützlich. Hornbostel und ich machten uns also zu seinem Fürsprecher und er bekam sein Pöstchen wieder.
dass WvOD eine derartige Macht hatte, hatte seinen Grund. Ich hatte durch Zufall vor Jahren einen Brief in die Hand bekommen, in dem der Siemens-Chef Ernst von Siemens bemängelte, dass Siemens zwar Rechner erzeugt, aber im eigenen Haus nur unzureichend nutzt. Er beauftragte eine Kommission AOD (Ausschuss für Organisation und Datenverarbeitung), die nötigen Schritte zu erforschen. Es gab da einen offenbar sehr tüchtigen Herrn Malo, der aus AOD innerhalb von zwei Jahren eine OD-Organisation mit 2000 Mann quer durch das ganze Haus aufbaute. Sie hatten höchste Machtbefugnisse in allen Fragen der Datenverarbeitung. Es gab Lenkungsausschüsse, die die notwendigen Investitionen prüften und genehmigten oder ablehnten, es wurden verbindliche Richtlinien für alle Fragen d es DV-Einsatzes erstellt usw.
WvOD hatte vor unserer Eingliederung kein eigenes Rechenzentrum. Nun wurde unser Rechenzentrum ausgebaut. Es wurde ein eigenes Gebäude errichtet, zu dem Hornbostel die Pläne machte. Ich selbst trennte mich vom neuen Rechenzentrum des Herrn Hornbostel, das jetzt Straka persönlich betreute. Ich hatte bei einer der letzten Umorganisationen Herrn Dr.Kürzl als Chef bekommen, der uns sehr offen um Mithilfe bei seiner Einarbeitung gebeten hatte. Nach seiner zündenden und motivierenden Einführungsrede sagte ein Kollege (Hr. Freytag) zu mir in Anlehnung an den ESSO-Werbespruch ''es gibt viel zu tun, packen wirs an'': ''es gibt viel zu tun, warten wirs ab''. Man war eben skeptisch durch die vielen Umorganisationen geworden.
Da ich mich zu dieser Zeit mit allen möglichen Verfahren beschäftigte, die die Entwicklungsarbeiten erleichterten, hatte ich mich gerade mit Petrinetzen beschäftigt, einer Methode um die verschiedensten dynamischen Prozesse anhand einer Graphik mit Spielsteinen, ähnlich wie bei Schach oder Monopoli durchzuspielen. Ich machte Dr.Kürzl, der damals Chef von Rosenhaupt geworden war, den Vorschlag, die Prozessabläufe seiner Abteilung in Form von Petrinetzen darzustellen und begann damit, die Abläufe des Rechenzentrums in einem Petrinetz zu veranschaulichen. Ich muss gestehen, dass ich die Vielfalt und Vernetzung dieser Abläufe erst dadurch selbst kennen lernte.
Dr.Kürzl machte sich seinerseits Sorgen, weil unsere Entwicklungsingenieure an den Hochschulen zu Geräteentwicklern erzogen werden, in unserem Hause aber vorwiegend umfangreiche, komplizierte Systeme entwickelt werden. Da die Gesetze solcher komplizierter Systeme aber weitgehend unerforscht sind, erscheinen oft schwerwiegende Fehler unvermeidlich. Er bat mich, mich dieser Thematik anzunehmen und die allen komplizierten Systemen gemeinsamen Gesetze an die Entwicklungsmannschaft des Hauses weiterzugeben.
So wurde ich wieder zum Einzelkämpfer. Da ich durch Hauskauf und Zinsanstieg gerade in finanziellen Nöten war, sah ich mir das Weiterbildungsprogramm des Bildungszentrums an, ob da etwas für mich als Lehrer dabei sei. Tatsächlich stand da unter Systemtechnik: Referent N.N. Ich sprach darauf Dr. Ruhm an, den ich ja von meinen Fourierkursen gut kannte und bot mich als Referent an. Es gab da aber jemandem aus der ZFA, der das eventuell machen wollte. Da stellte ich kurzerhand ein Programm auf mit etwa zwölf Kursen, die alle das Gesamtgebiet Systemtechnik betrafen, mit detailliert aufgeschlüsseltem Inhalt.
Das hatte Wirkung. Dr. Ruhm stellte gerade das Weiterbildungsprogramm für das nächste Geschäftsjahr zusammen und da kam mein Vorschlag gerade zur rechten Zeit. Er war sofort einverstanden, meinte aber, wir müssten vorab einen Übersichtsvortrag mit Kurzfassungen der Themen machen, damit unsere Ingenieure überhaupt wissen, worum es bei den einzelnen Kursthemen geht.
Für diesen Kurs meldeten sich auf Anhieb 90 Teilnehmer, so dass wir den Kurs zweimal durchführen mussten. Die meisten dieser Teilnehmer besuchten dann nach und nach nahezu alle 12 Kurse, so dass ich mehrere Jahre zu tun hatte.
Eines Tages traf ich beim Mittagessen Frau Angela Szesny, eine ehemalige Schülerin. Sie erzählte mir, dass sie jetzt im Büro der Schule tätig sei. Ich sagte: ''na wenn ihr wieder einmal einen Lehrer braucht, ich mache ganz gern wieder mit.''
Am nächsten Tag kam ein Anruf des Schulleiters Hausenblas, der mir eine Lehrerstelle für Elektrotechnik anbot. So landete ich wieder in der Schule. Herrn Hausenblas kannte ich schon von meinen ersten Arbeiten an der 2002, wo er sich auch als einer der ersten Anwender betätigte. Er hatte mir damals ein Schnelleseprogramm überlassen, das er entwickelt hatte und mit dem ich meine Riesenprogramme viel schneller in den Rechner brachte. Da die damals als Lochstreifen mit dem Fernschreiber mit 10 Zeichen pro Sekunde hineingetuckert wurden, war das ca. 10 Minuten Zeitgewinn.
Im Rahmen der Umorganisationen war mit meiner Eingliederung in die ehemalige GA (Gemeinsame Aufgaben) unter Dr. Kürzel, die dann EA (Entwicklungsaufgaben) genannt wurde, eine Nachbardienststelle unter Leitung von Herrn Stecher zu uns gekommen, die Weiterbildungsmaßnahmen für den Unternehmensbereich Übertragungstechnik durchführte. Herr Stecher war etwas unbeholfen und hat mich bei der Aufstellung seiner Weiterbildungsprogramme öfter gebeten, ihn im Rahmen nachbarschaftlicher Hilfe zu unterstützen. Die GA war eben zu weit von der Entwicklung weg, als dass sie die Bedürfnisse der Entwickler hätte kennen können.
Da Herr Stecher dabei natürlich auch meine sonstigen Weiterbildungsaktivitäten kennen lernte, bat er mich, doch auch für ihn Kurse zu halten. Ich hielt zunächst meine Mikroprozessor-Programmierkurse. Die Sekretärin von Herrn Stecher, Frau Günthör fragte mich eines Tages, ob ich nicht einen Kurs über das Betriebssystem unserer Großrechner, das BS2000 halten könnte.
Damit berührte sie bei mir eine schwache Stelle. Über dem damals sehr hektischen Tagesgeschehen war ich nie dazu gekommen, mit unseren 4004- Großrechnern über dezentrale Datensichtstationen (Terminals) selbst zu arbeiten. Irgendwie hatte ich deshalb sogar ein schlechtes Gewissen. Als ich das Frau Günthör sagte, meinte sie: ''ich gebe ihnen die Unterlagen des bisherigen Referenten, das schaffen sie leicht.'' So war es auch. Die Unterlagen waren viel übersichtlicher als die ungeheure Papierflut an Unterlagen zur 4004, die mehrere Meter Ordnerlänge in den Regalen beanspruchten.
Mit diesem BS2000-Kurs, den ich durch viele Jahre immer wieder gehalten habe, habe ich sicher auch 40000.- DM verdient. Und das erfreulicherweise während der Dienstzeit und nicht in Abendkursen, wie im Bildungszentrum.
Mein Chef unter Dr.Kürzl war damals Herr Holzner, der wie ich aus der Messgeräteabteilung kam, wo wir einmal Tür an Tür die gleiche Schaltung entwickelten, was wir irgendwann erst durch Zufall entdeckten. Da meine Weiterbildungsaufgaben einen beträchtlichen Teil meiner Arbeitszeit ausfüllten, was durchaus im Sinn der Aufgabenstellung der EA (Entwicklungsaufgaben) lag, aber an deren unmittelbar betreuten Anwendern im Entwicklungsbereich der Weitverkehrstechnik vorbeiging, erklärte er eines Tages. Der Dr. Stockinger macht Weiterbildung für alle Welt, nur nicht für uns.
Zum Aufgabenbereich der EA gehörte die Einführung eines CAD-Systems (CAD oder Computer aided design = rechnerunterstützter Entwurf) für die mechanische Konstruktion von Geräten. Das System hieß CADIS und bestand aus einem eigenen Graphikrechner, der wie ein Terminal an die 4004 unseres Rechenzentrums angeschlossen war und mit dessen Hilfe Konstruktionszeichnungen erstellt wurden. Alle geometrischen Probleme, aber auch fertigungstechnische, wie z.B. die Berechnung der Biegezuschläge für die verschiedenen Materialien, Blechstärken und Biegeradien wurden von diesem Graphikrechner durchgeführt.
Für dieses System wurden von der Schule für Datenverarbeitung des Unternehmensbereiches DV für 4000.- DM pro Kursteilnehmer ein Kurs angeboten. Da es galt, einige hundert Konstrukteure auszubilden, was fast eine Million gekostet hätte, besuchte ich diesen Kurs, verbesserte die Unterlagen und hielt ihn dann für unsere Anwender bei Herrn Stecher.
Ich hielt bei Stecher auch noch Vorträge über Programmkonstruktion nach den Methoden der Prädikatenlogik, sowie über Systemtechnik und Petrinetze, einer Methode, die sich aus einer Erweiterung der Umgangssprache durch bildlich dargestellte Strukturen ergibt und vorwiegend für die Planung dynamischer Systeme eingesetzt wird.
Es war wie verhext. Von allen Seiten erhielt ich Angebote für Kurse, die ich halten sollte. Schließlich hatten ja mit der Zeit tausende von Ingenieuren aus allen Bereichen des Hauses Siemens meine Kurse besucht, so dass ich bekannt wurde, wie ein bunter Hund. Viele meiner Kursmanuskripte schwirren wohl noch heute in vielen Dienststellen als Arbeitsunterlage herum. Ich habe tausende verteilt. Ich hielt auch Kurse für die DV-Schule. Ein Programmierteam für Datenbanken lud mich zu einem dreitägigen Kurs nach Neuperlach ein, der mir auch 2000.- DM einbrachte.
Als der Unternehmensbereich SI (Sicherungselektronik), zu dem auch die Radarleute gehörten, die damals aus Raummangel schon in ganz München verteilt waren, nach Unterschleißheim übersiedelte, traf dies auch unsere EA und damit auch mich.
Nach mehreren Jahren Einsatz unseres Entwicklungsverfahrens REGENT, das inzwischen von zwei Dutzend Leuten betreut wurde, tauchten auf dem Weltmarkt leistungsfähigere Programme auf, die auf dezentralen Tischrechnern, sogenannten Workstations liefen und die mit einem Aufwand von mehreren hundert Mannjahren entwickelt worden waren.
Da konnte unser REGENT nicht mehr mit. Trotzdem mussten auch diese Programme an unsere Unternehmensstruktur angepasst werden, um den vollen Durchgang der Daten von Entwicklung über Konstruktion zur automatischen Fertigung und automatischen Prüfung zu gewährleisten. Das und die Einführung eines vernetzten Systems von ca. 300 Workstations wurde die neue Aufgabe der EA.
Es wurden die weltweit angebotenen Workstations verglichen und die der Firma Apollo als für unsere Zwecke geeignet befunden. Der nächste Gedanke war, die Firma Apollo zu kaufen. Das ist in solchen Fällen die übliche Denkweise bei Siemens. Apollo ging es aber zu gut und so kam es nur zu einem Kooperationsvertrag, bei dem Siemens auch Apollo-Workstations in das eigene Produktspektrum übernahm und als Siemens WS 30 verkaufte.
Die WS 30 stellte eine neue Dimension der Datenverarbeitung dar. Alle Stationen waren durch eine Daten-Ringleitung verbunden, so dass jeder mit jedem Meldungen, Daten und Programme blitzschnell austauschen konnte. So stand jedem Teilnehmer der gesamte Speicherraum aller Geräte zur Verfügung, soweit er nicht aus Gründen der Datensicherheit gegen Zugriff Unberechtigter gesperrt wurde. Auch Drucker, Plotter und Bandgeräte, die irgendwo im Ring waren, konnten von allen benutzt werden.
Darüber hinaus gab es eine Verbindung zum Rechenzentrum Unterschleißheim, dessen Betriebsleiter Herr Wagner wurde, der seinerzeit mein erster Operator war und sich zäh hochgearbeitet hatte, obwohl er nur eine Lehre als Schlosser und Lokomotivführer hatte. Über das Rechenzentrum war sogar der Zugriff über das internationale Datennetz zu allen Rechenzentren der Welt über Satellitenverbindungen möglich.
Dieses gesamte System aus Workstations, Entwicklungs- und Konstruktionsprogrammen aufzubauen, zur Funktion zu bringen und die Entwickler daran auszubilden, war die Aufgabe unserer Abteilung in Unterschleißheim. Die Ausbildung war natürlich meine Aufgabe und da hunderte von Ingenieuren in kurzer Zeit ausgebildet werden mussten, kriegte ich einige Mitarbeiter, die den Unterricht durchführten.
Mit der WS 30 kam eine Fülle nützlicher Programme ins Haus, Insbesondere auch ein Textprogramm, mit dessen Hilfe man Texte und Bilder in Buchdruckqualität erstellen konnte. Von da an habe ich meine Manuskripte für alle Kurse mit diesem System (SIGRAPH-DOCU ) erstellt. Gerti hat viele dieser Texte geschrieben. Für das erste Manuskript dieser Art kriegte ich vom Bildungszentrum außer dem üblichen Manuskripthonorar von 10.- DM pro Seite noch ein tolles Astronomiebuch (Weltall im Wandel, Host Elsässer) und Gerti bekam einen großen Blumenstrauß.
Dr. Ruhm war früher an der Sternwarte Bochum tätig und kannte aus Gesprächen mein Interesse an diesem Thema. Das Buch stammte von seinem früheren Chef und gibt einen umfassenden und überaus detaillierten Überblick über die Vorgänge im Weltall, von der Geburt der Sterne bis zum Sternenfriedhof. Kein Laie kann sich auch nur im entferntesten vorstellen, wieviel wir von den Sternen wissen. Kurioserweise mehr als über den genauen Aufbau unserer Erde, da wir aus dem Erdinneren keine Strahlungen erhalten, die uns informieren.
In dieser Zeit begann man sich auch in der Assistenten-Schule für das Fach CAD zu interessieren und Herr Lösch war von Herrn Hausenblas beauftragt worden, ein CAD-System zu kaufen und einen Unterrichtsraum entsprechend mit Arbeitsplätzen für die Schüler auszurüsten. Natürlich kamen wir uns da aufgrund meiner Vorkenntnisse über CAD schnell näher. Wir fuhren gemeinsam nach Karlsruhe zu einem Ausbildungskurs für das von Lösch installierte System und hielten auch den Unterricht gemeinsam, da die Schüler viel Unterstützung brauchten. Herr Lösch war bereits im Vorruhestand und konnte sich voll der Sache widmen.
Im Sommer 1988 wurde ich gefragt, ob ich schon an Vorruhestand gedacht hätte, ich lehnte aber im Hinblick auf meine Schulden am Haus ab. Anfang 1989 wurde das Thema von unserer Personalabteilung erneut angesprochen. Ich legte meine Kontenauszüge auf den Tisch und sagte: ''wenn ihr mir einen Weg zeigen könnt, wie ich von meinen Schulden herunterkomme, dann gehe ich. Rente mit Schulden kommt nicht in Frage.'' Durch Weiterzahlung des Gehalts und Abfindung wurde ein Weg gefunden, dieses Problem zu lösen.
Da war noch das Problem mit meinen Weiterbildungsaktivitäten. Gehaltsfortzahlung und gleichzeitig Nebenverdienst im Haus Siemens wurde zunächst abgelehnt. Erst mein Hinweis, dass der Vorruhestand ja wohl den Sinn hat, junge Leute einstellen zu können und dass ich denen ja als Lehrer keinen Arbeitsplatz wegnehme, sondern sogar ihre Chancen verbessere, führte dazu, dass in meinem Vertrag Lehrtätigkeit vom Nebenverdienstverbot ausgeklammert wurde.
Nun konnte ich mich der Lehrtätigkeit voll widmen. Da ich auch die Manuskripte auf der WS 30 erstellte, war ich nahezu ganztägig in der Schule. Als dritter im Bunde kam Herr Dr. Leibner dazu, der recht gute Kenntnisse in Datenverarbeitung und Mathematik mitbrachte und dessen Zuneigung ich sofort gewann, als ich ihm meine inzwischen in den WS 30 gespeicherten Manuskripte zur beliebigen Verwendung in seinem Unterricht zur Verfügung stellte. Seither versorgt auch er mich mit allen Neuerungen, die er mit einem Bienenfleiß erschließt. Die Vorbereitung neuer Themen und Verfahren für die Schule ist seine Lieblinsaufgabe, den Unterricht selbst würde er gar nicht mehr brauchen. Er sagt immer: ''die Schule ist recht schön, nur die Schüler sind ein Störfaktor!''
Natürlich blieb auch in der Schule die Zeit nicht stehen. Unser altes CAD- System wurde zwar noch mehrere Jahre für den Unterricht verwendet, was für mich sehr angenehm war, da ich inzwischen soviel Routine erworben hatte, dass der Unterricht keiner Vorbereitung bedurfte. Als Herr Lösch seine Schultätigkeit beendete, habe ich den CAD-Unterricht noch eine Zeitlang allein durchgeführt.
Aber bereits unter Lösch wurde ein zweiter und ein dritter Raum mit den wesentlich leistungsfähigeren WS 30 voll ausgerüstet, auf denen zunächst das VENUS-System von Dr.Hörbst und später das System ANACAD installiert wurde. Seine Leistung entspricht den kühnsten Träumen, die ich einst als Schaltungsentwickler geträumt habe.
Man braucht eine Schaltung nur zu zeichnen und kann ihre Funktion sofort erproben und alle Ergebniskurven darstellen, die man früher an einem von der Werkstatt erstellten Labormuster in wochenlanger Arbeit mit zentnerschweren Geräten herausgemessen hat. Entsprechen die Ergebnisse nach entsprechenden Änderungen und Optimierungen den Erwartungen, dann werden die Entflechtungen der Leiterbahnen durchgeführt und die Entwürfe für die Leiterplatten gemacht, auf denen später die Bauteile von Automaten implementiert und im Schwallbad eingelötet werden.
Als die WS 30 in der Schule für den Unterricht eingesetzt wurden, wurde die Manuskripterstellung für mich umständlich, da ich mich nach dem Stundenplan richten musste. Ich war meine Schulden längst los und konnte mir einen Rechner um etwa 10000 DM leisten, der mir zuhause alles das bringt, was ich brauche.
1987 waren die von mir in der Literatur immer verfolgten Orgeln in ihrer Leistung und im Preis so attraktiv geworden, dass wir uns zur Anschaffung eines Keyboards entschlossen. Wenige Jahre danach waren wir von den Leistungen neuerer Produkte so angetan, dass wir ein teureres Gerät kauften, das bereits mit einer MIDI-Schnittstelle für den Anschluss an einen Rechner oder an weitere Musikinstrumente ausgerüstet war. Der Gedanke Rechner und Keyboard zu kombinieren, faszinierte mich und das tut er bis heute.
Ich habe aus diesem Grund einen Atari-Rechner gekauft, der für Text- und Graphikerstellung geeignet ist, in einer leistungsfähigen Sprache programmiert werden kann und standardmäßig mit einer MIDI-Schnittstelle ausgerüstet ist. Mit seiner Hilfe habe ich alles das, was ich an meinen Aufgaben in der Firma schätzte. Einen Pensionsschock hat es nie gegeben, da meine Betätigung der in der Firma weitgehend entspricht. Ich löse Probleme, ich programmiere und ich kann mich darüber hinaus auch noch an den wunderbaren Klängen meiner Keyboards erfreuen, die uns über unsere alljährlichen Adventfeiern und über andere Feste, auch im Bekanntenkreis viel Zuneigung verschafft haben. Was kann man sich mehr wünschen?
Nachtrag
Gerti hat, nachdem sie dieses Manuskript gelesen hat, empört
reagiert.
''Von den tollen Feiern mit den Assistentinnen schreibst Du, aber kein
Wort von Deinem Sohn!''
Natürlich hat sie recht, obwohl die Feiern mit den Assistentinnen auch nur in sechs Zeilen erwähnt sind. Ich habe wohl in erster Linie die Fakten aufgezählt, die meine Person betreffen oder die meine Persönlichkeit nachhaltig geformt haben. Dabei war die Überwindung meiner Schüchternheit durch die Lehrtätigkeit ein sehr wesentlicher Faktor.
Das Zeugen eines Sohnes halte ich nicht für eine nennenswerte Leistung. In den wenigen Jahren, in denen ich Einfluss auf seine Erziehung hatte, war ich mit dieser nicht sonderlich erfolgreich. Selbstbewusstsein in viel höherem Maße habe ich durch Beruf und Hausbau bekommen. Kein Wunder, dass dies mein Leben viel nachhaltiger beeinflusste, als mein Sohn, der nahezu alle Werte, die mir viel bedeuten, nur geringschätzt.
Natürlich liebe ich meinen Sohn Ossy wie die meisten Väter und ich bin auch stolz auf sein Können und seine Leistungen. Nur liegen diese auf Gebieten, zu denen ich keinen emotionalen Zugang habe.
Ganz anders ist das mit der Mutterliebe. Für die Mutter ist ihr Kind zeitlebens Teil ihrer selbst. Ihr Denken und Handeln orientiert sich stets daran, was für ihr Kind gut oder schlecht ist. Eigeninteressen, ja selbst die eigene Gesundheit werden dem Wohlergehen des Kindes bedingungslos untergeordnet. Ein Eigenleben, wie es ein Vater entwickelt, bleibt da völlig auf der Strecke.
Nach mehreren, oft sehr fragwürdigen Freundinnen unseres Sohnes, brachte er uns seine spätere Frau, die wir auf Anhieb in unser Herz schlossen. Sie wurde in die Umsorgungssphäre Gertis integriert und ebenso mit Liebesbeweisen und Geschenken bedacht, wie Ossy. Ja selbst, als sie sich gegen alle Vernunft als strebsame, berufstätige Frau einen Hund anschaffte, wurde auch dieser in die Umsorgungssphäre einbezogen (Für die unvernünftige Anschaffung des Hundes habe ich durchaus Verständnis. Auch ich tätige unvernünftige Anschaffungen, wenn der Wunsch danach genügend groß ist). Gerti, die im Gegensatz zu mir Hunde nie besonders mochte, sprach nahezu jeden Tag von ihm und dachte ständig darüber nach, was sie ihm Gutes tun könnte.
Ossys 1. Ehe ging jedoch, wie viele Ehen heutzutage, in die Brüche. Inzwischen ist er mit Julia verheiratet, die uns auch unser Enkelkind Laura geschenkt hat.
Gertis Denkraum ist das Umfeld Ossys. Wenn sie Neues sieht, ist der erste Gedanke nicht, ob wir das brauchen können, sondern ob es für Ossy und seine Lieben taugt. Ich denke da ähnlich, aber die Reihenfolge ist bei mir umgekehrt. Der eigene Haushalt steht eindeutig im Vordergrund. Wenn ich das Gerti erkläre, dann deutet sie das als Eifersucht auf Ossy. Diese ist mir völlig fremd. Ich gönne ihm Gutes und helfe ihm nach Möglichkeit in Notsituationen, aber ich fühle mich nicht dafür verantwortlich. Die Verantwortung dafür hat er längst selbst übernommen.
Mein Denkraum, also der Raum, in dem sich die Gedanken mit Vorliebe bewegen, ist durch Natur und Technik gegeben. In beiden sind es vor allem die funktionellen Zusammenhänge, denen mein Interesse gilt. Für deren Verständnis sind Mathematik und Datenverarbeitung hilfreich, weshalb ich diese innig liebe. Ihre ungeheure Leistungsfähigkeit und Universalität fasziniert mich.
Da man als Mensch nicht im leeren Raum steht, sondern in ein soziales Netz eingegliedert ist, spielt auch der Freundeskreis eine wichtige Rolle. Ja selbst unsere umfangreiche Verwandtschaft ist mir zunehmend wichtig geworden, obwohl wir in der Kindheit mehr verwandtschaftliche Kontakte hatten, als uns lieb war.
Mathematik und Datenverarbeitung, die ich in meinem Beruf trainieren und schärfen konnte und damit auch noch erhebliches Ansehen bei Kollegen, Vorgesetzten und Schülern erwarb, waren wohl der Hauptgrund, dass ich meinen Beruf liebte und ich habe mich oft am Urlaubsende auf die Fortsetzung einer interessanten Arbeit gefreut. Auch im Ruhestand hat sich an dieser Liebe wenig geändert. Die Anschaffung von Keyboard und Computer ermöglichen mir auch in meinem heutigen Umfeld Anerkennung zu erhalten, mit den gleichen Methoden, die ich zeitlebens gepflegt habe.
Inzwischen hat mein Atari Gesellschaft bekommen. Multimedia und Internet erzwangen im Januar 1997 eine weitere Investition, die meine Möglichkeiten gewaltig erweiterte. Im April 2002 war eine Neuanschaffung mit 40 GB Speicher nötig, da die 3 GB des alten Rechners aus allen Nähten platzten.
Mein Weltbild
Vorwort
Im Rückblick auf mein Leben stelle ich fest, dass ich das
Glück hatte, auf die meisten Fragen, die sich in meiner Jugendzeit
stellten, Antworten zu bekommen. Mehr Antworten, als ich damals
erhoffte
und erwartete. Da dies sicher nur wenigen Menschen beschieden ist, will
ich das mir am wichtigsten Erscheinende in einer Kurzfassung
niederlegen.
Ich meine, dass es manche Anregung für den Leser enthalten
kann.
Insbesondere ist es mir ein ernstes Anliegen, der zunehmenden Verdummung und Radikalisierung der Menschheit entgegenzuwirken. Auch gibt diese Schrift meinem Sohn die Möglichkeit, seinen Vater noch etwas besser kennen zu lernen und den einen oder anderen seiner Gedanken zu nutzen.
Der Wunsch, die Wunder unserer Welt zu durchschauen, hat meinen Lebensweg maßgeblich beeinflusst. Mein naturwissenschaftlich-mathematisches Studium und mein technischer Beruf führten zu einem Weltbild, das deutlich naturwissenschaftlich-technisch geprägt ist.
Die
Suche
nach Antwort auf die Welträtsel
Kinder stellen Fragen. Die Befragten, meist die Eltern, beantworten
diese im allgemeinen nach bestem Wissen und Gewissen, weil sie gerne
auf
ihre klugen Kinder stolz sein wollen. Dennoch bleiben viele Antworten
unbefriedigend
und daran ändert sich auch im späteren Leben nichts.
Ich hatte das Glück, einen Vater zu haben, der Lesen zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählte und gesunden Hausverstand besaß, allerdings nicht die Schulbildung, die für ein tieferes Verständnis der Weltwunder nützlich gewesen wäre.
Die Bücher, die mir in meinem Elternhaus (ein hochgestochener Begriff für bescheidene Wohnverhältnisse) zugänglich waren, waren ein Sammelsurium meist minderwertiger Literatur, aber mit manchen Leckerbissen für einen wissensdurstigen Knaben. Diese reichten aus, um den Weg aufzuzeigen, auf dem die größte Chance auf richtige Antworten bestand. Da sich schnell herausstellte, dass auch gedrucktes nicht immer richtig ist, formte sich schon in früher Kindheit ein kritisches Denken, ein eigenes Modell der Welt. Jedes neu hinzukommende Faktum wurde wie selbstverständlich darauf überprüft, ob es sich widerspruchsfrei in dieses Modell einfügen ließ.
Der Wunsch, die riesigen Lücken in meinem persönlichen Weltbild zu schließen, bestimmte meinen weiteren Lebensweg.
Woher und wohin
Zu den ersten Fragen gehören wohl die nach der Herkunft der Dinge
des täglichen Lebens. In einem Haushalt mit Kohleofen lag die
Frage
nach der Herkunft der Kohle nahe. Immerhin erfuhr ich, dass die
Kohle
in Bergwerken aus dem Gestein in das sie eingeschloss en ist,
herausgebrochen
wird. Auch dass sie da durch Faltungen der Erdkruste in Form von
Wäldern
eingeschlossen wurde, leuchtete ein. Die Struktur der Bruchstellen der
Kohlestücke ließ dies auch plausibel erscheinen.
Die Aussage über die Dauer des Umwandlungsprozesses vom Holz zur Kohle stimmte mich allerdings nachdenklich. Die Antwort auf meine Frage, wie lange wir denn da noch Kohle förden können, lautete: Da ist so viel da, das werden wir alle nicht erleben. Es war wohl die erste Antwort, bei der ich mich genau an ein inneres Unbehagen erinnere.
Die Frage nach der Herkunft der Lebensmittel war durch Urlaubsaufenthalte auf Bauernhöfen leicht zu klären. dass liebe Tiere dabei ihr Leben lassen mussten, war zwar schlimm, wurde aber ob der Köstlichkeit der damals sehr spärlichen Fleischgerichte schnell verdrängt. Schließlich ist ja die Natur da sonst auch nicht sehr zimperlich.
Empörung machte sich breit, bei der Geschichte vom Storch, der die kleinen Kinder bringt. Hatte ich doch schon Bilder mit Embrios im Mutterleib in der elterlichen Bibliothek gefunden. Diese Lüge meiner Mutter konnte ich ihr zeitlebens nicht völlig verzeihen. Sie führte allerdings dazu, dass ich mich nun über Geburt und Tod gezielt informierte.
Setzt man die Frage nach der Ahnenkette konsequent fort, dann stößt man auf die Frage, wo der erste Mensch herkam. Den Adam machte die Erkenntnis von der Evolution der Lebewesen sehr schnell unglaubwürdig. Nicht nur die Mutter, auch die Kirche hatte gelogen. Ausgerechnet die Instanz, die die Lüge zur Sünde erklärt hat, für die man büßen muss. Offenbar durfte ich niemandem mehr kritiklos glauben.
Trotzdem befriedigte auch die Antwort über die Entwicklung des Menschen aus Urformen des Lebens kaum, denn auch hier musste es ja ein erstes Lebewesen, also einen Ur-Adam gegeben haben.
Sehr viel später erfuhr ich als Abonnent der populären naturwissenschaftlichen Zeitschrift Kosmos und aus Astronomiebüchern, dass auch das Weltall einen Entwicklungsprozeß durchmacht und dass sich auch hier die Frage nach dem Woher und Wohin stellt.
Durch mein Physikstudium, durch eigene Erfahrungen und durch lebenslange persönliche Weiterbildung habe ich Antworten auf fast alle Fragen erhalten, die sich in meiner Jugend gestellt haben. Mein Weltbild hat sich in den grundlegenden Fragen gerundet. Es ist in sich weitgehend stimmig, aber es bedarf der laufenden Korrektur aufgrund neuer Erkenntnisse. Es ist also nicht die endgültige Wahrheit. Aber ist es nicht schon eine ungeheure Befriedigung, dass es auf derart schwierige Fragen überhaupt glaubwürdige Antworten gibt?
Die
Entstehung und Entwicklung des Lebens
Natürlich wird man als Mensch, der überleben und eine Familie
ernähren muss, in einen Wirtschaftsprozeß
eingegliedert,
der nur bescheidenen Spielraum für die Klärung von Weltfragen
offen lässt. Umso begieriger werden die wenigen
Möglichkeiten,
wie Literaturstudium, anspruchsvolle Gespräche mit geeigneten
Partnern,
Besuch einschlägiger Vorträge, wissenschaftliche
Beiträge
in den Medien usw. genutzt um das eigene Weltbild zu ergänzen oder
zu berichtigen.
Mein Wissen über die Evolution stammte lange Zeit nur aus einigen Veröffentlichungen über die Arbeiten Darwins und über einige spätere Ergänzungen. Sie reichten aus, um von der Richtigkeit zu überzeugen, waren aber himmelweit von einer lückenlosen Evolutionskette und der Erkenntnis über deren Ursprung entfernt.
In dieser Situation geriet eine meiner Mitarbeiterinnen in die Fänge der Bibelforscher und versuchte mich davon zu überzeugen, dass die Welt vor wenigen Jahrtausenden geschaffen wurde und dass ihr baldiger Untergang bevorstünde. Es war mir ein leichtes, ihr Paroli zu bieten und in ihrer Not bat sie mich, doch mit einem ihrer Mitbrüder, einem Ingenieur unserer Firma zu sprechen, der mir dies alles viel besser erklären könne.
Da es mich interessierte, was einen Akademiker bewegen kann, den Bibelforschern zu glauben, ging ich darauf ein und verbrachte einige Abende mit diesem recht gebildeten Herrn, der tatsächlich nicht ungeschickt argumentierte. Die Evolution lehnte der striktweg ab. Eines seiner Argumente war, dass in der Natur niemals ein geordnetes Gebilde, etwa eine Vogelfeder, von selbst entstehen könne. Mein Hinweis auf das Wachsen von Kristallen mit ihrer hochgeordneten Struktur aus einer übersättigten Lösung war für ihn eine bittere Pille, schien ihn aber nicht hinreichend zu überzeugen.
Ich stellte rasch fest, dass auch meine Argumentation aufgrund unzureichenden Wissens auf schwachen Füßen stand. Also studierte ich einschlägige Fachliteratur. Bei dieser Gelegenheit erhielt ich unerhoffte Antworten auf viele Fragen, die mich seit langem bewegten.
Das Leben entpuppte sich dabei als das Abenteuer eines zufällig entstandenen schraubenförmigen Moleküls der DNS (Desoxyribonukleinsäure), das in einer geeigneten Umgebung aus bestimmten Basen (Ursuppe) imstande war, durch Anlagerung der jeweils komplementären Basen eine Art Negativ zu erzeugen, mit dem es eine Doppelschraube (Doppelhelix) bildete. Diese Doppelhelix kann jedoch durch thermische oder chemische Wirkungen, ähnlich wie bei einem Reißverschluss, in die zwei Einzelschrauben aufspalten, wobei sich sofort wieder die passenden Basen an den frei gewordenen Stellen anlagern, sodass zwei identische Doppelschrauben entstehen. Damit ist die DNS vermehrungsfähig.
An jeder Base befinden sich auch Anschlussstellen für Aminosäuren, die sich so zu Schrauben gleicher Ganghöhe zusammenschließen nach einem Bauplan, der durch die DNS gegeben ist. Damit ist die DNS auch in der Lage, Eiweiß zu produzieren. Auch die Aminosäuren waren nämlich in der Ursuppe vorhanden. Die DNS ist damit sowohl Informationsspeicher für den kompletten Bauplan eines Lebewesens, wie Prozessrechner zur Produktion der verschiedenen Eiweißarten aus denen dieses besteht und für deren exakte Dimensionierung für die verschiedenen Organe.
dass alle hierfür nötigen Bausteine für diesen Vorgang tatsächlich in der Ursuppe, dem damaligen Weltmeer, reichlich vorhanden waren, bewies ein Student in einem ganz naiven Versuch mit künstlichen Blitzschlägen in einer sauerstofflosen, kohlendioxyd- und wasserstoffreichen Atmosphäre, die ähnlich der heutigen Venusatmosphäre ist. Diese schweren Moleküle sanken aus der Atmosphäre in das Meer und ermöglichten dort die Entstehung der Vorstufen des Lebens.
Das Weitere war eine ständige Verbesserung der Überlebenschance durch Mutation und Auslese, denn Feinde von außen bedrohten das Leben von Anfang an. Zunächst waren es aggressive Substanzen aus der Ursuppe, später die, durch die rasche Vermehrung infolge ständiger Verdopplung entstandene Konkurrenz. Es bildeten sich z.B. räuberische Strukturen, die andere als Rohstoffe benutzten, als die ursprünglichen Bausteine knapp wurden. So wurde der Hungertod der ersten Generation des Lebens verhindert.
Gegen Angriffe von außen wurde eine Schutzhülle entwickelt, zunächst durch zufällig angelagerte Lipoidhäutchen (fettähnliche Substanzen) aus der Ursuppe, die später systematisch gebildet wurden und sich zur Zellhaut umbildeten. Diese Abschirmung gegen die agressive Umwelt durfte nicht vollständig sein, da abgeschlossene Systeme nach dem Entropiesatz der Physik zum Wärmetod verurteilt sind (näheres folgt in den folgenden Abschnitten). Sie musste Öffnungen haben, um die für den Aufbau nötigen Stoffe aufnehmen zu können und andere, für die Ausscheidung nicht brauchbarer Abfallprodukte. So entstanden Urmund und Urafter.
Der ausführliche Ablauf dieser Vorgänge kann der einschlägigen Literatur entnommen werden. Hier geht es mir nur darum, die kritischen Phasen dieser Entwicklung und ihre Überwindung durch das junge Leben aufzuzeigen. Die ersten Einzeller waren Anoxybioten, d.h. sie lebten ohne Sauerstoff, da dieser in der Uratmosphäre und in der Ursuppe fehlte. Zum Glück, denn diese agressive Substanz hätte bereits die erste DNS vernichtet, bzw. ihr Entstehen verhindert.
Um die knapp werdende Nahrung auffinden zu können, wurden Bewegungs- und Sinnesorgane entwickelt. Diese benötigten Energie. Nicht die Verbrennung sondern die Milchsäuregährung war der erste Prozess, der die Energie für die Urformen des Lebens bildete. Ein Vorgang, den die Zellen fatalerweise bis heute nicht vergessen haben und an den sie sich unter gewissen Umständen zurückerinnern. Da es damals keine höheren Lebewesen, mit Mechanismen zur Wachstumsbeschränkung an Organgrenzen gab, verschwindet mit der Erinnerung an Milchsäuregärung auch das Wissen um diese Beschränkungen. So veränderte Zellen wuchern ungehindert über Organgrenzen hinaus. Das bedeutet Krebs.
Krebszellen sind übrigens unsterblich, wie es alle ersten Einzeller waren. Der Tod wurde erst in einer höheren Entwicklungsstufe des Lebens einprogrammiert, weil er die Bedingungen für die Evolution verbesserte. Da die Krebszellen ihren Wirt töten, gehen sie trotz dieser schönen Eigenschaft mit zugrunde. Kurioserweise sind alle unsterblichen Arten ausgestorben, weil sie sich gegen die höherentwickelten sterblichen Arten nicht behaupten konnten. Nur die sterblichen Arten überlebten.
Die Wandlung des Sauerstoffes vom Saulus zum Paulus ist eines der spannendsten Kapitel in der Geschichte der Evolution des Lebens. Es begann damit, dass in der ersten Zeit der Rohstoffknappheit, also in der ersten Hungerkatastrophe, die Blaualgen gelernt hatten, Licht als Energielieferant zu nutzen und mit seiner Hilfe das in der Uratmosphäre reichlich vorhandene und auch im Wasser gelöste Kohlendioxyd in die Kohlenstoffverbindungen umzuwandeln, aus denen alle Lebewesen bestehen. Der nicht benötigte Sauerstoff des Kohlendioxyds ging in die Atmosphäre.
Räuberische Einzeller im Meer benutzten Blaualgen als Nahrungsquelle. Dabei entdeckten manche, dass es bequemer sei, diese nicht zu verdauen, sondern ihre Fähigkeit Licht in Nahrung umzuwandeln, zu nutzen. Sie versklavten einige Blaualgen und wurden von diesen mit neuer Nahrung versorgt. Später verschmolzen die DNS-Strukturen dieser Lebensgemeinschaft zu einem gemeinsamen Zellkern.
Die durch das allgegenwärtige Licht hinreichend versorgten Lebewesen brauchten die Bewegung und die meisten Sinnesorgane nicht mehr. Sie setzten sich an den Uferrändern des Weltmeeres fest, als das Festland aus diesem entstand. So entstanden Pflanzen, die sich auf dem Festland mehr und mehr ausbreiteten. In ihren Zellen findet man noch immer die Blaualgen in Form der Chloroplasten. Die Flüssigkeit, die zur Aufrechterhaltung der inzwischen recht komplexen Lebensprozesse notwendig war, entnahmen die Pflanzen aus der Feuchtigkeit im Boden, die durch Regenfälle immer wieder aufrechterhalten wurde und bis heute wird.
Auch diese Pflanzen stellten ein Nahrungsreservoir dar. Um dieses zu nutzen mussten räuberische Bewohner der Uferzonen lernen, zuerst kurze, später immer längere Ausflüge auf das Festland zu machen. Sie legten Flüssigkeitsspeicher in ihrem Inneren an, die schließlich so perfekt wurden, dass eine Rückkehr ins Meer überhaupt nicht mehr nötig war. Ein bisschen Weltmeer mit dem richtigen Salzgehalt wie er auch im Meer ist, haben sich jedoch auch alle Landlebewesen bis heute in ihrer Körperflüssigkeit bewahrt.
Der Sauerstoff, den die Pflanzen erzeugten, veränderte die Atmosphäre. Er war mit seiner enormen Agressivität der größte Feind des Lebens und er drohte bereits, das für die Pflanzen notwendige Kohlendioxyd aus der Atmosphäre völlig zu verdrängen. Doch wieder wurde die Krise überwunden. Einzeller bildeten neue Organe, die Mitochondrien. Sie sind Kraftwerke, die Energie durch Verbrennung mit Hilfe von Sauerstoff aus Kohlenstoffverbindungen erzeugen. Dabei entsteht wieder Kohlendioxyd für die Pflanzen. Die so gewonnene Energie ist größer, als die zuvor aus der Milchsäuregärung gewonnene, was wiederum einen Überlebensvorteil bedeutet.
Inzwischen hat sich ein Gleichgewicht von Kohlendioxyd und Sauerstoff in der Atmosphäre gebildet. Wird das Kohlendioxyd weniger, weil es zuviele Pflanzen gibt, dann verhungern Pflanzen. Wird der Sauerstoff weniger, dann ersticken Tiere. Auf diese brutale Weise regelt die Natur das Gleichgewicht.
In dem Maße, wie wir Regenwälder vernichten, die den größten Teil der Sauerstoffproduktion der Pflanzenwelt verkörpern, vernichten wir die Existenzgrundlage von Mensch und Tier. Nun reicht zwar der Sauerstoffvorrat noch für lange Zeiträume (ca. 5000 Jahre bei fehlender Nachlieferung), aber wir tun auch durch Verbrennungsanlagen aller Art wirklich alles, um die Katastrophe zu beschleunigen. Kernenergie könnte ein Ausweg sein, wenn die Menschen reif genug wären, sie richtig einzusetzen. Eine traurige Bilanz für den selbsternannten ”Homo sapiens”.
Leib und Seele
Jeder Mensch kann an sich und nur an sich ein Phänomen beobachten,
das wohl eines der größten Welträtsel darstellt,
nämlich
das Bewusstwerden bestimmter Vorgänge, die sich als
chemisch-physikalische
Prozesse in seinem Gehirn abspielen. Der weitaus größte Teil
der Hirnprozesse verläuft dagegen völlig unbewusst.
Natürlich hat der Homo sapiens auch sofort eine Erklärung parat. Er führt dies auf seine Seele zurück. Diese erhält er bei seiner Geburt und verliert sie mit dem Tod. Allerdings ist nicht ganz klar ob die Seele beim Herausschlüpfen aus dem Mutterleib kommt oder ob auch Embrios eine Seele haben. Wenn ja, dann erhebt sich die Frage ob schon vor der Befruchtung oder erst nachher.
Nicht genug damit, Tiere haben keine Seele. Sie mögen noch so klug sein und uns noch so nahe stehen, eine Seele haben sie nicht. Woraus wieder die Frage folgt, in welchem Stadium der Evolution der Mensch eine Seele erhielt.
Identifizieren wir Seele mit bewusstem Erleben (das ist die einzige brauchbare Definition des seit eh und je umstrittenen Seelenbegriffes), dann ist dieses an bestimmte Hirnprozesse gebunden, die man sogar lokalisieren kann. Mit dem Tod hören diese Prozesse auf, die Seele existiert nicht mehr, ohne jedoch den Körper in Richtung Himmel oder Hölle verlassen zu haben, da sie dies als an Materie gebundene Funktion gar nicht kann. Wenn wir den umstrittenen Seelebegriff in diesem Sinn überhaupt verwenden wollen, dann ist die Seele fest an den Körper gebunden und ohne ihn völlig sinnlos.
Geist und Bewusstsein
Wesentlich schwieriger ist die Frage nach dem Bewusstwerden
bestimmter
Hirnprozesse. Da wir aus Materie bestehen, also aus Elementen, die
überall
in der Natur vorkommen und Bewusstsein nur an uns selbst, also an
solche Materie gebunden erleben, muss es wohl eine Eigenschaft der
Materie sein. Dieser Gedanke führt notwendigerweise auf die
Vorstellung, dass alle Materie Bewussseinselemente in irgend einer Form
beherbergen
müsse.
Nun führt ja die Physik alle Naturvorgänge auf die Feinstruktur der Materie zurück, also auf Moleküle, die aus Atomen bestehen, die ihrerseits aus Atomkern und Elektronen aufgebaut sind. Der Kern selbst besteht aus Protonen und Neutronen. Alle diese Elementarteilchen sind selbst wieder aus Quarks aufgebaut. Über Eigenschaften, die zu einem Bewusstsein führen können, sagen uns die Eigenschaften der Materiebausteine bisher nichts. Hier sehe ich das größte Dilemma der Physik und wohl das größte Welträtsel überhaupt. Erfreulicherweise wird dieses, bisher als Tabu angesehene Thema, neuerdings von Wissenschaftlern aufgegriffen. Siehe hierzu Leib und Seele aus dem Hauptteil der Homepage.
Menschlicher Geist, also Wissen und Denkvermögen, sind im Zeitalter des Computers keine Rätsel mehr. Zwar ist das menschliche Hirn den Computern mit Ausnahme weniger Spezialgebiete himmelhoch überlegen und sein Speichervermögen stellt alles technisch bisher Erreichbare weit in den Schatten, aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Die ersten Computer mit neuronalen Netzwerken sind schon auf dem Markt. Die Datenverarbeitung wechselt derzeit von der Informationsverarbeitung zur Wissensverarbeitung. Künstliche Intelligenz hat bereits manche Arbeitsgebiete erobert.
Matriarchat und
Patriarchat
Die Vorstellung von Göttern als übernatürliche Wesen
ist seit Urzeiten in den Menschen verwurzelt und offenbar eine der
ersten
Errungenschaften des Homo Sapiens, da an den ältesten
Knochenfunden
immer wieder Fingergelenke fehlen, die offenbar Göttern geopfert
wurden.
Fragt man nach den Wurzeln dieser Vorstellung, dann liegen die offenbar in der von jedem Individuum gemachten Erfahrung, das alles Leben aus Eltern entsteht und irgendwann wieder vergeht. Es muss also eine Art Urmutter geben, aus der die Anfänge des Lebens entstanden sind. Tatsächlich waren die ersten Götter weiblich, wie überhaupt die Frauen mit ihren geheimnisvollen Geburten die wichtigeren Menschen waren.
Erst mit dem Wechsel des Matriarchats auf das Patriarchat, der angeblich zur Zeit des Überganges vom Nomadentum zum seßhaften Bauerntum erfolgte, traten männliche Gottheiten in den Vordergrund. Nomaden führten keine Kriege, solange es keine Bauern gab, denen man etwas wegnehmen konnte. Es war einfacher, beim Auftauchen konkurrierender Stämme einander aus dem Weg zu gehen.
Als die ersten, kaum selbständig vermehrungsfähigen, Formen von Weizen mit besonders nahrhaften Samenkörnern durch Mutation entstanden und die Menschen lernten ihn anzupflanzen, brauchten sie Land, das sie in Besitz nahmen. Dieses mussten sie nun aber auch gegen Schmarotzer und Räuber verteidigen. Hierfür waren die Frauen, die die Kinder zu versorgen hatten, nicht geeignet. Die Geburtsstunde der Kriege war also die große Chance der Männer. Mit ihrer Machtübernahme wurden auch die Götter männlich.
Der Eingottglaube entstand wohl vor etwa 4000 Jahren. Er spaltete sich nach Abraham durch die Verstoßung seines unehelichen Sohnes Ismael in Islam und Judentum, welch letzeres von Israel, dem ehelichen Sohn Abrahams stammt. Durch die Apostel von Jesus, vor allem aber durch Paulus, entstand dann das Christentum.
In allen drei Glaubensrichtungen ist Gott nicht nur der Urvater allen Lebens, sondern auch Schöpfer von Himmel und Erde. Heute glaubt wohl kein Mensch mit einiger Bildung an einen Gott in menschlicher Gestalt und natürlich weißer Hautfarbe, der irgendwo über den Wolken schwebt. Dennoch glauben die meisten Menschen an ein höheres, gestaltloses und allgegenwärtiges Wesen von unbegrenzter Intelligenz, Weisheit und Macht, als Ursache von Weltall, Erde und Leben. Sie fühlen sich von ihm ständig beobachtet und erwarten seine Hilfe in Notsituationen.
Nehmen wir einmal die genannten Fähigkeiten unter die Lupe. Da ist wohl als wichtigstes der Schöpfungsakt zu nennen. Unser Weltall enthält 20 Milliarden (2.1010) Galaxien. Jede Galaxie enthält im Mittel 100 Milliarden (1011) Sterne. Jeder sechste davon bietet eine Ökosphäre mit ähnlichen Bedingungen wie unser Sonnensystem, enthält also höchstwahrscheinlich Leben. Das ergibt ca. 3.1020 belebte Planeten. Unser Weltall ist ca. 15 Milliarden Jahre alt (1,5.1010). Ein Jahr hat ca. 31,5 Millionen Sekunden (3,15.1 07). Das Alter des Weltalls ist somit 4,7.1017 Sekunden.
Wenn der liebe Gott die Erschaffung aller belebten Welten auf die
bisherige
Lebenszeit des Weltalls gleichmäßig verteilt hat, musste
er im Mittel pro Sekunde 638 belebte Planetensysteme schaffen. Dieser
vielbeschäftigte
Gott hat noch Zeit, sich mit allen Adams zu unterhalten und all die
vielen
Dinge zu tun, die von ihm erwartet und berichtet werden.
Diese Abschätzung der Anzahl belebter Planeten beruht auf der
Annahme, dass jeder sechste Stern die Voraussetzungen für
Leben bietet. Inzwischen weiß man, dass dazu nicht eine
Biosphäre um einen Planeten passender Größe
genügt, sondern dass noch weitere Voraussetzungen
erfüllt sein müssen, die die Entstehung von Leben zu einem
sehr seltenen Ereignis machen. So wirkt zum Beispiel der riesige
Erdmond durch die Gezeitenkräfte stabilisierend auf die Erdachse
und damit auf die Jahreszeiten, denn ohne ihn wäre das
Trägheitsellipsoid der Erde einer Kugel noch viel ählicher,
als es das ohnehin ist.
Auch die gewaltige Wassermenge der Erde war nötig, um das junge
Leben vor der lebensbedrohenden kosmischen Strahlung zu schützen.
Erst als durch Assimilation in der Athmosphäre genügend
Sauerstoff entstand um einen Ozonschirm zu bilden, wurde Leben auch an
Land möglich.
Ein dritter Faktor wurde erst kürzlich entdeckt, als man mit neuen
Instrumenten die zwei uns am nächsten liegenden Nachbarsterne mit
annähernd Sonnengröße untersuchte und feststellte, dass
ihre Trümmerscheibe um ein vielfaches größer
ist, als der Cuipergürtel um die Sonne. Da der eine dieser Sterne
deutlich älter und der andere deutlich jünger ist, als die
Sonne, musste nach der Ursache der Verkleinerung des
Cuipergürtels gesucht werden. Ein riesiger Stern musste dem
Sonnensystem gerade so nahe gekommen sein, dass er den
äußeren Teil absaugen konnte, ohne die Bahnen der innerhalb
des Gürtels liegenden Planeten deutlich zu stören. Derartige
Begegnungen müssen als äußerst seltene Ereignisse
angesehen werden. Ohne diese Begegnung wären die Planeten jedoch
einem ständigen Bombardement kilometergroßer Kometen
ausgesetzt gewesen, die die für die Lebensentstehung nötige
Stabilität verhindert hätten.
Dennoch bleibt es höchst unwahrscheinlich, dass das Leben
auf der Erde das einzige im Weltall ist.
Um ein Universum zu schaffen wie unseren Kosmos, muss man die Information, die in Ort und Bewegung aller Elementarteilchen steckt, in dieses Weltall investieren. Information kann nicht aus dem Nichts entstehen. Sie kann nur aus Quellen stammen, in denen diese Information gespeichert ist. Das müsste also das ''Gehirn'' Gottes sein. Dieses müsste mindestens so komplex wie das Weltall sein, sonst könnte es nicht über dessen Informationsmenge verfügen. Also ein zweites Weltall als Bild in diesem Supergehirn. Welch ein absurder Gedanke!
Gott ist nach der christlichen Lehre aber nicht nur allwissend, sondern auch allmächtig. ''Alles'' ohne Mengenangabe ist ein logisch nicht fundierbarer Begriff, der auf Widersprüche führt. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Ein kleiner Junge fragt seinen Vater: Der liebe Gott kann doch alles. Kann er auch einen ganz großen Stein machen? Vater: Natürlich kann er das. Sohn: Kann er den dann auch wegtragen? Vater: Natürlich kann er das. Sohn: Kann er auch einen so großen Stein machen, dass er ihn nicht mehr wegtragen kann? Darauf kann der Vater nicht mehr überzeugend antworten!
Meist wird darauf von gläubigen Menschen reagiert: Aber von irgendwoher muss doch alles gekommen sein, also muss es ein höheres Wesen geben. Die Gegenfrage, wo denn dieses höhere Wesen hergekommen ist, wird dann beantwortet: Das war immer da.
Ich frage mich, wozu dieser Umweg über einen Gott mit so unwahrscheinlichen Eigenschaften. Wenn es etwas gibt was immer da war, warum nicht ein Universum? Schon Laplace antwortete Napoleon auf die Frage, wo in seiner Welt Gott sei: Für diese Hypothese habe ich keine Verwendung.
Nun gibt es ja in der Physik handfeste Hinweise auf eine Entstehung des Weltalls vor 13,7 Milliarden Jahren in einem Urknall. Es dehnt sich seither mit Lichtgeschwindigkeit aus. Ebenso existieren höchstwahrscheinlich ''Schwarze Löcher'' in denen Materie aus dem Weltall verschwindet. Eines davon liegt im Zentrum unserer Milchstraße. Vorgänge dieser Art können als Wechsel von Materie aus unserem Raum in einen anderen, innerhalb eines höherdimensionalen Hyperraums, gedeutet werden. Ebenso ist das Einströmen von Materie aus einem anderen Raum denkbar, wie es im Urknall stattgefunden haben könnte (Derzeit erscheint allerdings die Inflationstheorie wahrscheinlicher, nach der sich in der Anfangsphase der Kosmos, ausgehend von einer Größe, die kleiner als ein Atomkern ist, mit Überlichtgeschwindigkeit ausgedehnt hat. Tatsächlich ähnelt die Verteilungsstruktur der kosmischen Hintergrundstrahlung den quantentheoretischen Energiedichteschwankungen innerhalb der Atomkerne).
Höherdimensionale Räume haben für das irdische Geschehen keine Bedeutung. Das Wissen über sie ist für unser Überleben nie wichtig gewesen. Sie wurden deshalb bei der Entwicklung unseres Gehirns nicht berücksichtigt. Für die Natur war schon die Entwicklung des dreidimensionalen Denkens eine Superleistung, da die Bilder auf der Netzhaut zweidimensional sind. Das Kino beweist uns, dass zweidimensionale Bilder meist völlig ausreichend sind.
Wir haben jedoch über die Mathematik den Zugang zu den höherdimensionalen Räumen gefunden. Sie sind für uns völlig einwandfrei berechenbar und spielen in der physikalischen Erklärung der Naturkräfte eine wichtige Rolle.
Danton auf die Frage nach seiner Beziehung zu Gott:
''Wir grüßen uns, aber wir reden nicht
miteinander''
Ich habe mich sehr früh gefragt, ob all die unwahrscheinlichen Geschichten aus dem Religionsunterricht wahr sind. Ich habe mir die Antwort nicht leicht gemacht. Ich stellte fest, dass die Begebenheiten aus der Bibel eine Art Geschichtsschreibung sind. Nicht wissenschaftlich genau, aber im Großen und Ganzen doch auf realen Ereignissen beruhend.
Die Genesis ist reine Phantasie. Hier lehrt die Wissenschaft etwas völlig anderes. Das merkten natürlich auch die Theologen. Nachdem sie vergeblich alles versucht hatten, um die Wahrheit zu unterdrücken, wobei sie vor den schrecklichsten Gewalttaten (z.B. Verbrennung Giordano Brunos, weil er Sterne als Sonnen deutete) nicht zurückschreckten, starteten sie einen kläglichen Rettungsversuch, indem sie all dies als bildhaft erklärten und nur in dieser Form dargestellt, um es den nicht gebildeten Menschen begreiflich zu machen.
Nun, selbst diese Bilder sind weit hergeholt und entlarven die Theologen als Lügner. dass sie auch Verbrecher sein können, haben sie im Mittelalter selbst, für jedermann unübersehbar, bewiesen. Auch heute noch beweisen religiöse Fanatiker, dass sie selbst vor schlimmsten Massenmorden nicht zurückschrecken, wenn sie glauben, damit ihren religiösen Zielen näher zu kommen.
Religion ist also nicht einfach etwas, was jeder nach seinem Gutdünken deuten und ausleben kann, sondern eine lebensbedrohende Gefahr, die vor allem von denen ausgeht, denen sie zu Macht, Ansehen und Wohlstand verhilft. Diese leben wie die Maden im Speck und tun alles, um diesen herrlichen Zustand aufrecht zu erhalten. Sie und ihre verblendeten Handlanger verstoßen dabei oft in abscheulichster Weise gegen die gutgemeinten Gebote ihrer Lehre, auf die sie sich auch noch berufen, indem sie die Zitate ihrer überlieferten Schriften in ihrem Sinn auslegen.
Umso unverständlicher ist es, dass nahezu alle Politiker dieses üble Spiel mitspielen und jedem dahergelaufenem Guru, unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit, Sonderrechte einräumen, die oft genug Verbrechen an Unschuldigen ermöglichen. Dabei handeln diese Politiker im allgemeinem sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen, aber mit beidem ist es wohl nicht weit her. dass nahezu alle Politiker ein sehr weites Gewissen haben, beweisen sie fast täglich. Und das Wissen? Woher soll es kommen? Man glaubt einfach den Theologen, die dafür zuständig sind und braucht dann selbst nicht mehr zu denken. Schließlich hat man ja anderes zu tun. Die Theologen haben aber allen Grund, uns wissentlich oder unwissentlich zu belügen, sie leben ja davon.
Geht man der Sache durch eigenes Nachdenken möglichst objektiv auf den Grund, dann ist der Gottesbegriff reichlich naiv. Er resultiert wohl aus dem Wunsch, die Herkunft des Universums mit all seiner Vielfalt und seinen wunderbaren Wechselwirkungen zu verstehen, nicht zuletzt auch die Herkunft des Lebens. Letztere ist aber aus unserem Wissen über die Evolution und deren Frühstadien bereits verständlich geworden.
Über die Herkunft des Universums gibt es zwar nur Spekulationen, aber die entbehren nicht eines gesicherten Grundlagenwissens, auf dem sie aufbauen. dass diese Spekulationen bisher nicht erhärtet werden konnten, liegt daran, dass sich die Anfänge des Universums unseren Erfahrungen entziehen. Aber in dem Maße, wie wir unseren Erfahrungsbereich erweitern, kommen wir der Wahrheit immer näher. Die immer größere Reichweite unserer astronomischen Instrumente führt uns nämlich, wegen der endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes, immer weiter zurück in die Vergangenheit. Es gibt bereits Photos vom Urknall.
Zu behaupten, alles das habe der liebe Gott gemacht, ist billig und erklärt gar nichts. Denn die Logik zwingt zur Frage: ''und woher kommt Gott?''. Die Antwort der Theologen ''Gott gab es immer'' wirft die Frage auf ''wozu dann die ganze Gotteshypothese'', es ist doch einfacher anzunehmen, dass es das Universum immer gab.
Das ist zwar für uns auch schwer verständlich, da nach den Erfahrungen aus unserem Umfeld alles irgendwie entsteht und vergeht. Aber das braucht ja für das Universum nicht zu gelten. Es gibt aus der Physik genügend Beweise, dass außerhalb unserer Alltagserfahrung manches gilt, was unserem Gefühl als Widerspruch erscheint, aber nach den mathematischen Gesetzen der Logik widerspruchsfrei und auch praktisch nachweisbar ist. So zum Beispiel die Duplizität von Materie und von Licht, die gleichzeitig Welle und Korpuskel sind.
Jedenfalls braucht man für ein seit ewig bestehendes Universum keinen Schöpfer mit all seinen unwahrscheinlichen Eigenschaften (allwissend, allmächtig) die den Erkenntnissen der Logik widersprechen (die Benutzung des Begriffes ''alles'' ohne Mengenangabe führt auf Widersprüche). Jeder Gymnasiast kann nachrechnen, dass Gott in jeder Sekunde seit Bestehen des Weltalls 638 belebte Planeten schaffen musste. Ist ein solcher Gott nicht sehr unglaubwürdig?
Ich habe mich schon als Schüler gefragt, was wahrscheinlicher sei, dass es einen Gott mit diesen unvorstellbaren Eigenschaften gibt oder dass Menschen ihn erdacht haben. Letzteres erschien mir wahrscheinlicher.
Nun, was ich hier tue ist reinste Gotteslästerung! Aber dieser Begriff hat nur Sinn, wenn es Gott gibt. Ich gebe zu, auch ich habe manchmal ein Unbehagen, wenn ich der Existenz Gottes widerspreche, denn mit der Erfindung der Gotteslästerung haben die Theologen eine ihrer schärfsten Waffen geschaffen.
Da bereits der Zweifel an Gott zur Sünde erklärt wurde, ist ja schon das Nachdenken über seine Existenz gefährlich und könnte zur ewigen Verdammnis führen. Diese Erfindung war das sicherste Mittel, um das für die Theologen gefährliche Nachdenken zu vermeiden. Bereits in unserer frühesten Kindheit werden wir auf Angst vor Gotteslästerung geprägt und können dann nie wieder unbelastet denken. Dem gefügigen Gläubigen wird dagegen die ewige Seeligkeit versprochen, was immer das sein mag. Zuckerbrot und Peitsche waren schon immer treffliche Mittel, um die Mehrheit einer Minderheit gefügig zu machen.
Das Ganze ist systematische Verdummung aller Gläubigen zugunsten einer mächtigen Elite, die davon prächtig lebt. Basis hierzu ist die Ausnutzung des Fehlens sicherer Erkenntnis über die Anfänge des Universums und unsere Denkfaulheit, gepaart mit der künstlich geschürten Angst vor derartigem Denken. Eine Methode, die sich durch Jahrtausende bewährt hat und gegen die selbst unser ungeheures Wissen machtlos zu sein scheint. Vielleicht fürchten wir heute aber auch weniger die Verdammnis, als den Zorn der mächtigen Religionsgemeinschaften. dass dies nicht unbegründet ist, beweist das von den iranischen Theologen verhängte Todesurteil gegen Rushdi. Bereitwillige Vollstrecker finden sich unter religiösen Fanatikern nur allzu leicht.
Ich glaube, dass es notwendig ist, die Menschheit zur Vernunft zu bringen, um die Missetaten solcher Fanatiker zu verhindern. Die Schwierigkeit ist dabei, dass Schriften wie diese nur jene ansprechen, die sich selbst schon Gedanken gemacht haben und die die Lügen der Theologen bezweifeln. Bei vielen anderen würden sie nur den Fanatismus und den Haß gegen die Ungläubigen schüren. Umso wichtiger ist es, jene Erkenntnisse zu verbreiten, die die religiösen Lügengebäude erkennbar unglaubwürdig machen, so dass die Leser aufgrund der stets vorhandenen eigenen Zweifel nachdenken und die Wahrheit selbst erkennen.
Nun haben die Religionen allerdings auch positive Seiten. Ihre Gebote enthalten die wichtigsten Regeln eines erträglichen Zusammenlebens in Gemeinschaften. Allerdings werden diese nur von denen befolgt, die schon von Haus aus guten Willens sind und selbst von diesen nicht immer. Die überwiegende Mehrheit der Christen lebt nicht nach den Geboten. Wozu auch? Es gibt doch die bequeme Möglichkeit der Absolution. Skrupellos wird der Nächste übervorteilt oder von Unternehmern in die Arbeitslosigkeit geschickt, um eines oft geringfügigen Vorteils willen.
Den mit dem Eingottglauben entstandenen neueren Religionen muss auch das Verdienst zugesprochen werden, räuberische Heiden durch Bekehrung zivilisiert zu haben, wodurch deren Scheußlichkeiten gegenüber ihren Mitmenschen reduziert wurden. Sie haben allerdings Machtstreben von Theologen ausgelöst und durch die Verdammung Andersgläubiger Haß und Zwietracht gesäht, was bis in die heutige Zeit immer wieder zu grausamen Auseinandersetzungen führt.
Religiöse Bräuche und Feste stellen oft eine Bereicherung des Lebens dar, die man auch als Ungläubiger nicht missen möchte. Es zeigt sich jedoch, dass es nicht unbedingt der Klerus sein muss, der solche Feste gestaltet. Advents-, Weihnachts- und Osterfeste werden seit langer Zeit im Familien- oder Freundeskreis oder in öffentlich organisierten Veranstaltungen besinnlich oder fröhlich gefeiert.
Grundlage von Advents- und Weihnachtsfeiern sind die schönen Legenden, die uns über die Ereignisse bei der Geburt von Jesus berichten. Sie dienen der Besinnung und der Förderung des Friedensgedankens in dieser Zeit. An das Gute im Menschen zu appellieren, kann gar nicht oft genug geschehen. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob sich das seinerzeit tatsächlich so abgespielt hat. Stimmung und die Bereitschaft zu guten Werken kann auch eine gut erfundene Geschichte erzeugen. Am Leben von Jesus und an seinen guten Werken und seinen guten Lehren wird heute ohnehin kaum noch gezweifelt. Deren Basis zu festigen kann nur gut sein.
Jesus war zweifellos ein guter Mensch, der auch für seine Mitmenschen Gutes wollte. Man kann ihn auch achten und verehren ohne an Gott zu glauben, obwohl er selbst ganz sicher gläubig war. Für das Weihnachtsfest spielt es auch keine Rolle, dass sein Geburtstag nicht der 24.Dezember des Jahres 1 v.Chr. war (ein Jahr 0 hat es nicht gegeben!), sondern höchstwahrscheinlich der 5. Dezember des Jahres 7 v.Chr., wie man aus dem Stern von Bethlehem errechnete. Die Feier am 24. Dezember geht auf die heidnische Sonnwendfeier zurück und niemanden stört das. Selbst die Kirche hat diesen Zeitpunkt akzeptiert, nachdem sie sich erst gegen diese heidnische Feier gewehrt hat. Sie hat sie einfach umfunktioniert.
In meiner Schulzeit waren die Türken die bösen Heiden, die Wien zweimal belagert hatten. dass die Greueltaten der Kreuzritter die Missetaten der Heiden weitaus übertrafen, hat man uns verschwiegen. Diese Ritter, die zur Befreiung Jerusalems von türkischen Seldschuken losgezogen waren, brauchten so lange um dorthin zu kommen, dass bei ihrer Ankunft die Besatzer längst wieder abgezogen waren. Da man schlecht ohne jeden Erfolg nach Hause kommen konnte, belagerte und brandschatzte man einfach die umliegenden Städte und ermordete deren unschuldige Bewohner. Erst dadurch ist der Islam militant geworden. An den Folgen leiden wir noch heute.
Natürlich wurde uns der Islam als etwas Unseriöses dargestellt. Heute weiß ich, dass er manches richtig darstellt, wo das Christentum irrt oder abscheulich lügt. Das Kismet des Islams drückt das Kausalitätsprinzip aus, an dem zwar christlich angehauchte Physiker immer wieder herumgebastelt haben, das aber meiner vollen Überzeugung nach zu Recht besteht.
Auch der Islam verehrt Christus. Im Gegensatz zur christlichen Lehre hat aber nach dem Islam Christus die Kreuzigung überlebt und nachher weiter gewirkt. Als schließlich die gerichtsmedizinischen Untersuchungen des Turiner Leichentuches eindeutig belegten, dass Jesus nach der Abnahme vom Kreuz gelebt hat (Jesus versuchte vergeblich, seine Jünger von seinem Überleben zu überzeugen), hat die Kirche eine Altersbestimmung machen lassen, aber das aus dem Leichentuch herausgeschnittene Stoffstück gegen ein Stück aus einem Bischofskleid aus dem 12. Jahrhundert vertauscht. Aufgrund dieser Altersbestimmung erklärte sie das Leichentuch als Fälschung. Da das untersuchte Stoffstück aber nur in den Bischofsmantel und nicht in das Leichentuch passt, konnte der Schwindel nachgewiesen werden.
Diese Betrugsorganisation maßt sich an, alle Menschen zu Sündern zu stempeln und Buße zu verlangen. Da scheint mir doch der Islam noch die bessere Religion zu sein. Man darf da nicht auf die Fanatiker sehen. Christliche Fanatiker haben mindestens ebenso viel Unheil bei den Kreuzzügen und bei den Indianern angerichtet. Von den Hexenprozessen ganz zu schweigen.
Trotzdem beweisen die islamischen Fanatiker, wie gefährlich auch diese Religion ist. Gute Menschen findet man eher bei Ungläubigen, denn das sind Menschen, die ihren Verstand gebrauchen und der zeigt, dass das Leben nach den Geboten richtig ist, soweit diese nicht dem Gotteskult dienen. Von wenigen Ausnahmen, wie z.B. von barmherzigen Lügen abgesehen, die in manchen Fällen Leid lindern können. Religionen erziehen zum Haß gegen Andersgläubige und verursachen damit Schaden und Leid über viele Generationen hinweg. Den Gott, den sie als Vorwand für ihre Existenz brauchen, den gibt es nicht. Es sind immer Menschen, die sich zu Handlangern dieses vermeintlichen Gottes machen.
Übernatürliche
Wesen
Als Widerspruch habe ich stets empfunden, dass die christliche
Religion zwar den Glauben an Geister verurteilt, im gleichen Atemzug
aber
Engel, Teufel und einen heiligen Geist als existent anerkennt. Die
entsezlichen
Folgen sind die mittelalterlichen Hexenverbrennungen und sogar noch
heutige
Teufelsrituale. dass das Böse in der Welt eine so große
Rolle spielt, liegt an egoistischen Handlungsweisen, die aufgrund
harter
Existenzkämpfe tief in den Menschen verankert sind und die in
Urtrieben
zum Ausdruck kommen. Denn unser Handeln wird im wesentlichen nicht vom
Verstand des Großhirns gesteuert, sondern von den Urtrieben, mit
denen das entwicklungsgeschichtlich ältere Zwischenhirn unseren
Vorfahren
zum Überleben verhalf.
Die Erkenntnis von Gut und Böse durch das Großhirn hindert uns nicht, in entsprechenden Situationen Böses zu tun. In Kriegen begehen brave Familienväter die schrecklichsten Greueltaten, im Glauben, einer guten Sache zu dienen. Menschliche Bösewichte sind schrecklicher als alles, was man je über Teufel erzählt hat.
Wunder
Wer etwas erlebt, was über seinen Horizont geht und daher
unerklärlich
erscheint, ist geneigt an Wunder zu glauben. Bei der überaus
schwierigen
Suche nach Fehlern in elektronischen Geräten konnte ich öfter
beobachten, dass gläubige Menschen irgendwo aufgaben, weil
sie
an Unerklärliches glaubten. Wer von der Existenz einer realen
Ursache
überzeugt war, suchte jedoch, bis er diese fand.
Mein Physikprofessor hat einmal gesagt: Wenn dieser Tisch plötzlich einen Meter hoch springt, dann ist das immer noch kein Wunder, sondern nur der unwahrscheinliche Fall, dass sich alle seine Moleküle bei der Wärmebewegung in der gleichen Richtung bewegen. Sind nicht die größten Wunder die, die uns die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vermitteln?
Die
Verteufelung von Wissenschaft und Technik
Die bahnbrechenden Errungenschaften der Wissenschaft und Technik, die
den Menschen Bewunderung abgerungen haben, weil sie ihr Leben
fühlbar
verbesserten, werden immer seltener und selbstverständlicher.
Technik und Wissenschaft werden immer mehr verteufelt und zur Zielscheibe von Attacken. Einerseits werden nämlich negative Auswirkungen technischer Entwicklungen, die zum Vorteil skrupelloser Einzelner ohne hinreichende Absicherung und Entsorgung gebraucht oder überhaupt missbraucht werden, immer fühlbarer, andererseits sinkt die Achtung vor der Wissenschaft. Zum einen wird sie für negative Entwicklungen mitverantwortlich gemacht, zum anderen bringen sie fragwürdige Gutachten in Verruf.
Die Gutachter, die am allgemeinen Wohlstand auch angemessen teilhaben wollen, was ihnen ihr Beruf oft nur unzureichend ermöglicht, erstellen gegen Bezahlung Gutachten für Leute, die sie als Kunden gern behalten wollen. Sie neigen deshalb dazu, innerhalb der oft sehr breiten Grauzone, ihren Auftraggebern nach dem Mund zu reden. Die Grauzone durch aufwendige Untersuchungen soweit einzuengen, dass eine objektive Entscheidung möglich wird, ist oft nicht finanzierbar und würde zumindest ihren Verdienst erheblich vermindern.
Da solche Leute, mit dieser ganz und gar nicht wissenschaftlichen Arbeitsweise als Wissenschaftler angesehen werden, glaubt man der echten Wissenschaft auch nichts mehr. Vergessen wird dabei, dass unsere Lebensdauer durch diese Wissenschaft mehr als verdoppelt wurde, dass also jeder Einzelne mehr als die Hälfte seines Lebens der Wissenschaft verdankt.
Ferner, dass wir trotz aller Widerwärtigkeiten in Friedenszeiten ein Leben führen, von dem unsere Ahnen nicht zu träumen gewagt hätten. Denn nie ist es so vielen Menschen so gut gegangen wie heute. Selbst Könige hatten keine Bäder und Toiletten, wie sie für uns selbstverständlich sind. Von den Verkehrs- und Kommunikationsmitteln, die uns die Welt geöffnet haben, ganz zu schweigen. Und das durch Technik und Wissenschaft. Auch vor möglichen Gefahren werden wir rechtzeitig gewarnt. Wer wüßte schon etwas über ein Ozonloch, gäbe es nicht die Erforschung der oberen Atmosphäre? Und sind es nicht Astronomie und Geologie, die die Katastrophen der Erdgeschichte aufklären und die Risiken für uns erkennbar machen?
Auch die Vernetzung der Welt durch ein Telefonnetz, das uns blitzschnell Gespräche mit Partnern in aller Welt ermöglicht, der alltägliche Fernsehabend usw. werden als selbstverständlich hingenommen. Kaum einer der Benutzer ahnt, wieviele Menschen zeitlebens Idealismus und ihre ganze Arbeitskraft aufgebracht haben und immer noch aufbringen, um all das Wissen zu erarbeiten, das hinter diesen Dingen steht.
Heute leben mehr Wissenschaftler auf der Welt, als alle früheren Generationen hervorgebracht haben. Betrachtet man das Verhältnis ihres Einkommens zum Nutzen ihrer Arbeit für die Menschheit mit dem Einkommen-Nutzenverhältnis bei Spitzensportlern, dann kann man die Menschheit nur bedauern.
Esotherik, Sekten
usw.
Trotz unserer Aufgeklärtheit treibt der Aberglaube seltsame
Blüten.
Menschen, die an Übernatürliches glauben, sind eben auch
für
allen möglichen anderen Humbug empfänglich. Seltsamerweise
schützt
auch Intelligenz und Bildung davor nicht. Im Gegenteil. Es sind eher
gebildete
Menschen, die im Übernatürlichen ihr Heil suchen. Sie laufen
den Gurus, die unter diesen günstigen Bedingungen wie Pilze aus
dem
Boden sprießen, scharenweise zu.
Auch das Geschäft mit der Esotherik treibt Blüten. Der mit dem Überleben kämpfende Buchhandel klammert sich an diesen Strohhalm und rettet für sich was zu retten ist, bevor Multimedia und Internet endgültig alle Informationsbeschaffung an sich reißen. Auch geschäftstüchtige Literaten haben die Marktlücke erkannt und finden rasch den Stil, der Heil verspricht und ihnen Erfolg und dem Leser Verblödung bringt.
Horoskope sind noch die harmlosesten Auswüchse der geistigen Verirrungen, da sie einander erkennbar widersprechen und daher eher als Gaudium aufgefasst werden.
Das Schlimme an der Sache ist, dass die menschliche Intelligenz mit allem möglichen Quatsch blockiert wird, statt dass sie zur Lösung der überreichlich vorhandenen Probleme unserer Zeit eingesetzt wird.
Erd- und andere
Strahlen
Schlimm ist auch, dass physikalisches Halbwissen in den Dienst
der Volksverdummung gestellt wird. Man hat irgendwo von Strahlen
gehört.
Seltsamerweise hat sich aus der Zeit der Entdeckung aller
möglicher
Strahlen der Glaube an unbekannte Strahlen erhalten. Menschen glauben
an
bestimmten Stellen ihrer Wohnungen gesundheitliche
Beeinträchtigung
durch Erdstrahlen zu spüren, die auch etwas mit Wasseradern im
Boden
zu tun haben sollen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: unbekannte Strahlungen mit solchen Wirkungen gibt es nicht und kann es nicht geben. Man unterschied lange Korpuskular- und Wellenstrahlung. Erstere sind Ströme rasch bewegter Materieteilchen im Raum, letztere sind Schwingungen, die sich als Wellen im Raum ausbreiten. Sind das Schwingungen von Materie in Gasen, Flüssigkeiten oder festen Körpern, dann spricht man von Schallausbreitung. Handelt es sich dagegen um Wellenstrahlungen im freien Raum, dann können es nur sich ausbreitende Schwingungen physikalischer Felder sein, die es im freien Raum gibt. Solche Felder sind entweder elektromagnetische Felder, zu denen u.a. das sichtbare Licht gehört, oder Gravitationsfelder.
Eine der größten Errungenschaften der Physik war die Erkenntnis, dass sich Korpuskularstrahlen wie Wellen verhalten können und dass Wellen sich unter bestimmten Bedingungen wie massebehaftete Partikel verhalten. Wellen und Korpuskeln sind also nur zwei Betrachtungsweisen ein und derselben Sache, die sich ineinander umrechnen lassen. Weil es ein Gegenstück dazu in unserer makroskopischen Welt nicht gibt, fehlt uns ein Modell aus unserer ursprünglichen Vorstellungswelt. Wieder sind es nur mathematische Modelle, die uns das Verständnis vermitteln.
Unter normalen Bedingungen besteht die Materie aus Atomkernen und negativ geladenen Elektronen, wobei die Atomkerne aus positiv geladenen Protonen und ungeladenen Neutronen bestehen. Erst unter Höchstenergiebedingungen wie sie im Inneren der Fixsterne (z.B . 15 Millionen Grad im Sonnenzentrum) vorhanden sind oder in modernen Teilchenbeschleunigern können durch Beschuss weitere Elementarteilchen erzeugt werden, die allerdings meist nur kurzlebig sind (winzige Sekundenbruchteile).
Alle Elementarteilchen bestehen aus wenigen Quarks, die man zwar nachweisen, allerdings bisher nicht als selbstständige Teilchen herauslösen konnte.
Von all den vielen Teilchen gibt es nur wenige, deren Lebensdauer so groß ist, dass sie als Strahlen größere Entfernungen überbrücken können. Alle diese Strahlungen haben erkennbare Wirkungen, aufgrund derer man sie sehr genau messen kann. Unbekannte Strahlungen gibt es nicht. Viele Teilchen wurden längst von den Theoretikern vorausberechnet, bevor man sie überhaupt entdeckte.
Entsprechendes gilt für die elektromagnetischen Wellen, die man in der Physik Licht nennt. Sie unterscheiden sich nur in der Wellenlänge voneinander, das ist der Abstand zweier benachbarter Wellenbäuche. Die Wellenlänge hängt mit der Anzahl der Schwingungen pro Sekunde zusammen, der Frequenz. Sie ist Lichtgeschwindigkeit (300000 km/s) dividiert durch Frequenz.
Die Frequenz beginnt bei Null, entsprechend einem zeitlich konstanten elektrischen oder magnetischen Feld, das sich also auch nicht ausbreitet. Dann kommen die Felder der niederfrequenten Ströme, die z.B. durch Schallschwingungen in einem Mikrophon erzeugt werden. Die 50 Hertz-Schwingung des technischen Wechselstromes liefert auch Felder dieser Art. An sie schließen die Langwellen der Radiowellen an, dann Mittel-, Kurz- und Ultrakurzwellen (UKW). Auf diese folgen die Mikrowellen, wie sie für RADAR und Satellitenfunk verwendet werden.
Die so erzeugten Strahlungen überlappen im Frequenzbereich bereits mit den Wärmestrahlen, also mit dem Infrarotlicht, das von heissen Gegenständen, aber z.B. auch von unseren Fernbedienungen, ausgestrahlt wird. Sehr heisse Gegenstände ab etwa 400 Grad Celsius glühen, senden also bereits sichtbares Licht aus. Jenseits des sichtbaren Lichtes beginnt das ultraviolette Licht (UV), das z.B. in den Bräunungsstudios verwendet wird, da es bereits starke chemische Wirkungen auf bestrahlte Stoffe ausübt. Selbst der Luftsauerstoff wird in Ozon umgewandelt. Man riecht das beim Betrieb von Höhensonnen.
Hochfrequente UV-Strahlen überlappen bereits mit langwelligen Röntgenstrahlen. Kurzwellige, also hochfrequente Röntgenstrahlen überlappen wiederum mit den Gammastrahlen radioaktiver Substanzen. Diese Strahlenarten haben intensive chemische Wirkungen und werden deshalb zur Tötung von Krebszellen eingesetzt. Auch die Höhenstrahlung enthält Gammastrahlung. Wir sind ihr schutzlos ausgeliefert. Sie ist zum Glück nicht sehr intensiv aber sehr durchdringend. Sie durchdringt selbst meterdicke Bleiplatten. Damit ist das Spektrum elektromagnetischer Wellenstrahlung beendet. Es reicht von Frequenz Null bis zu Frequenzen, die um den Faktor 100 Trillionen (eine 1 mit 20 Nullen, in halblogarithmischer Schreibweise also 1020) größer ist, als die 50 Hertz des technischen Wechselstromes.
Unbekannte Strahlen höherer Frequenz kann es nicht geben, da die Energie der Photonen mit der Frequenz zunimmt. Ihre ungeheure Wirksamkeit könnte nicht unentdeckt bleiben.
Bleiben noch die Gravitationswellen. Sie sind theoretisch vorhergesagt, treten aber nur unter besonderen Bedingungen im Kosmos auf. Ihre Wirkung im Bereich der Erde ist so schwach, dass keine Messmöglichkeit besteht. Man sucht aber den Kosmos nach Stellen mit erkennbarer Wirkung in der Nähe der vermuteten Quellen ab.
Gibt es also irgendwo Strahlen, dann sind diese, lange bevor sie unsere Gesundheit beeinträchtigen, messbar. Es besteht eher die Gefahr, dass z.B. radioaktive Strahlungen, wie sie von den Wänden unserer Wohnungen (insbesondere von Gips) oder vom Erdboden ausgehen, gemessen werden, lange bevor sie ein Risiko darstellen und dass erst dadurch eine Hysterie ausgelöst wird.
Neuerdings sind selbst die Magnetfelder des technischen Wechselstromes ins Zwielicht geraten. Selbst in der unmittelbaren Umgebung von Leitungen sind diese Felder sehr klein und sie nehmen mit zunehmender Entfernung, bei einfachen Leitungen linear, bei den üblichen Doppelleitungen sogar quadratisch ab. Eine Wirkung könnte höchstens in unmittelbarer Umgebung von Transformatoren oder Elektromotoren hoher Leistung auftreten. Diese stellen magnetische Dipole dar, deren Felder sogar mit der vierten Potenz der Entfernung abnehmen, also in der jeweils doppelten Entfernung ein sechzehntel des ursprünglichen Wertes.
Etwas heikler sind sicher die Strahlen von Oszillatoren in Empfängern oder gar von Sendern. Auch hier dürfte das Risiko eines Schadens sehr klein sein. Man hat früher Hochfrequenzfelder hoher Feldstärken in Teslatransformatoren erzeugt und meterlange Funken aus Menschen gezogen, ohne dass diese Menschen Schaden genommen haben. Vergleicht man die Millionen Volt pro Meter an Feldstärke, die da zum Einsatz kamen, mit den Feldstärken in der Nähe eines Handys, dann scheint mir auch dieses Risiko höchst fragwürdig. Bedenklich ist höchstens der geringe Abstand eines sendenden Handys vom Gehirn beim telefonieren, insbesondere dann, wenn an Orten mit schlechten Übertragungsbedingungen die Sendeleistung automatisch auf höchste Leistung geregelt wird. Richtig ist auch, dass von Bildschirmgeräten Röntgenstrahlen ausgehen. Sie entstehen durch den Aufprall der Elektronen auf dem Bildschirm der Kathodenstrahlröhre. Es gibt deshalb gesetzliche Grenzen für die Beschleunigungsspannungen und Vorschriften zur Bleieinlagerung im dicken Glas der Bildröhre, die eine Reduktion dieser Strahlen weit unter die natürliche Strahlenbelastung bringen, der die Menschen seit eh und jeh ausgesetzt waren.
Weniger bekannt, aber etwas wirksamer, vor allem für kleine Tiere wie Frösche, Vögel oder Fische sind die Ultraschallstrahlen, die vom Zeilentransformator der Bildschirmgeräte ausgehen. Man sollte Behausungen solcher Tiere also nicht gerade auf den Fernseher stellen.
Mondeinflüsse
Auch über den Mond wird neuerdings viel geredet. In meiner Jugend
waren Erzählungen über Mondsüchtige, die im Nachthemd
über
Dachrinnen marschieren, sehr beliebt, obwohl kaum jemand einen
konkreten
Fall nennen konnte.
Die Erkenntnis, dass der Mond Ebbe und Flut verursachen, also ungeheure Wassermassen bewegen kann, induziert in den Menschen die Vorstellung, dass er auch auf uns deutliche Wirkungen ausüben müsse. Die Anziehungskraft des Mondes kann nach dem Gravitationsgesetz berechnet werden. Da der Mond 60-mal so weit vom Erdmittelpunkt entfernt ist wie wir, beträgt unser Gewicht im Abstand Erde Mond 1/3600 unseres normalen Gewichtes.
Da die Masse des Mondes um den Faktor 0,0123 kleiner ist als die der Erde, beträgt seine Wirkung auf uns das 0,00000341-fache unseres Gewichtes, bei 75 kg also 1/4 Gramm. Um so viel werden wir leichter, wenn der Mond im Zenit steht und schwerer, wenn er im Nadir ist. Diese Gewichtsänderung ist die einzige direkte Wirkung des Mondes auf uns. Ein Schluck Wasser macht ein Vielfaches dieser Gewichtsänderung aus.
dass die Weltmeere um so viel heftiger reagieren, liegt an ihrer unvergleichlich größeren Masse und an der Beweglichkeit von Flüssigkeiten, die selbst kleinsten Kräften nachgeben. Da auch Festland auf flüssigem Magma schwimmt, führt auch die feste Erdkruste eine Ebbe-Flutbewegung von 30 cm Höhenunterschied aus.
Ein Einfluss des Mondes auf das Wetter konnte bis vor Kurzem von den Meteorologen nicht festgestellt werden. Auf die Temperatur besteht tatsächlich keinerlei Einfluss. Auf die Niederschlagsmenge besteht nach neueren Erkenntnissen ein sehr schwacher, gerade noch messbarer Einfluss. Man führt diesen auf Mikrometeoriten zurück, die durch den Mond in ihrer Bahn gestört werden und je nach dessen Stellung in unterschiedlicher Menge auf die Erde fallen. Sie wirken als Kondensationskerne für Regentropfen. Die verbleibenden tatsächlichen Wirkungen, wie Schlafstörungen, Begünstigung des Wachstums von Pflanzen usw. sind ausschließlich auf das Mondlicht zurückzuführen. Die Pflanzen können dadurch in klaren Mondnächten auch nachts assimilieren. Uns selbst beeinflusst das Mondlicht durch seine geheimnisvolle Wirkung auf die Psyche, die eine romantische Stimmung verursachen kann, die wohl jeder schon empfunden hat. Alles andere ist Humbug.
Gedanken zu
aktuellen
Problemen
Als Wissenschaftler bewegt man sich nur fallweise in höheren
Sphären.
Man nutzt sein Wissen viel öfter für höchst reale Dinge.
So macht man sich natürlich auch Gedanken über soziale,
wirtschaftliche
und politische Probleme, die aufgrund des andersartigen
Hintergrundwissens
meist anders gesehen werden als von den Soziologen, Wirtschaftlern und
Politikern. Im folgenden möchte ich einige Beispiele für
Probleme
dieser Art nennen und meine Meinung dazu äußern.
Abwanderung
von Arbeit in Länder mit billigen Arbeitskräften
Die freie Marktwirtschaft darf nicht so frei sein, dass sie
Unternehmern
die uneingeschränkte Auslagerung von Arbeit in Billigländer
erlaubt.
Übergeordneter Gesichtspunkt muss der Nutzen für die
Belegschaft,
für das eigene Land und nur in angemessenem Rahmen für die
Unternehmer
und Aktionäre sein. Unser Lohnniveau wird nur da auf die Dauer
haltbar
sein, wo wir Ware anbieten, die anderswo nicht herstellbar ist.
Eine Kennzeichnungspflicht des Herstellungsortes und die Erziehung der Bevölkerung zum Boykott solcher Produkte wäre denkbar. Zum Beispiel über entsprechende Werbung in den Medien. Dem Einzelnen kommt es billiger, diese Produkte etwas teurer einzukaufen, als Arbeitslose zu finanzieren und die eigene Arbeitslosigkeit fürchten zu müssen.
Zunehmende
Arbeitslosigkeit
Ursachen sind weniger die schlechte Lage der Weltwirtschaft, denn diese
schwankt und wird auch wieder besser. Schlimmer ist da schon die
obenerwähnte
Abwanderung von Arbeit in Billigländer. Es wird Jahrzehnte dauern,
bis deren Lohnniveau auf ein für uns tragbares Maß gestiegen
ist.
Falsch ist die Feststellung, uns gehe die Arbeit aus. Es gibt mehr
zu
lösende Probleme als je zuvor. Was fehlt, ist das Geld um die
Problemlösungen
zu finanzieren.
Verschuldung des Staates
Sie ist die selbstverständliche Folge der Arbeitslosigkeit und
der Skrupellosigkeit gegenüber nachfolgenden Generationen.
Steuererhöhungen
beheben nicht die Ursache.
Finanzielle
Überlastung der Steuerzahler
Da Steuerzahler auch Konsumenten sind, ist ihre Überbelastung
zumindest fragwürdig.
Verzettelung
der Politiker durch Affairen
Es fällt auf, dass es kaum einen Politiker gibt, dem man
nichts am Zeug flicken kann. Da Politiker normale Menschen sind, sollte
man endlich erkennen, dass es sich wohl um eine allgemein
menschliche
Eigenschaft handelt. Es sollte z.B. jeder über seine eigene
Steuerehrlichkeit
nachdenken, bevor er andere richtet, bloß weil es sich da um
größere
Beträge handelt. Die meisten würden wohl den
größeren
Versuchungen ebenfalls unterliegen. Mit dieser menschlichen Eigenschaft
sollte man rechnen.
In der Wirtschaft gibt es das Prinzip, dass vergangene Investitionen nicht zählen. Entscheidend ist allein was für den künftigen Erfolg wichtig ist. Sollten ähnliche Grundsätze nicht auch helfen können, die Politik effektiver zu gestalten? Wer erfolgreiche, gute Politik macht, soll dies tun, unabhängig von seiner Vergangenheit. Diese erst nach der Leiche im Keller zu durchschnüffeln, wenn jemand ein Amt übernommen hat, um ihn vielleicht als Konkurrenten auszuschalten, spricht in erster Linie gegen den Schnüffler.
Clinton hat sich in seiner kurzen Amtszeit als ein Politiker erwiesen, der jahrzehntelang als unlösbar geltende Probleme erfolgreich anging. Wäre es gelungen, ihn wegen vergleichsweise banaler Unkorrektheiten aus seiner Jugendzeit zu Fall zu bringen, wäre der Schaden für die Menschheit in keinem Verhältnis zu dem eigentlich kaum erkennbaren Nutzen einer solchen Maßnahme gewesen.
Auch unsere Politiker behandeln wochen- und monatelang ''Säuberungsmaßnahmen'' statt ihre Arbeit zu tun. Der Schaden durch entsprechende Versäumnisse ist groß.
Ein
Journalismus, der vorwiegend alten Dreck aufrührt
Der Journalismus hat eine unverzichtbare Überwachungsfunktion.
Umweltskandale zu erkennen und ihre Abstellung zu initiieren ist ein
typisches
Beispiel.
Wer aber in der Vergangenheit anderer Menschen wühlt und dabei um des eigenen Erfolgs willen Dinge aufdeckt, die man in verkleinerter Form auch bei ihm finden würde, ist kaum besser als die angegriffene Person. Auch hier steht der Schaden in keinem Verhältnis zu dem bescheidenen journalistischen Erfolg.
Das
weltweite Problem der Erziehung zu Haß
Hier fehlt eine weltweite Erziehung zur Ethik. Die Religionen haben
da versagt und das denkbar schlechteste Beispiel durch die Verdammung
Andersgläubiger
gegeben. Hier sollten die Medien eine wichtige Aufgabe sehen, statt
blutrünstige
Krimis zu bieten.
Das
Energieproblem
Eine der größten Gefahren für den Fortbestand der
Menschheit
wird bald der Treibhauseffekt sein, verursacht vor allem durch fossile
Brennstoffe. Energiesparen geht nur begrenzt und ist darüber
hinaus
dummes Gerede halbgebildeter Grüner, die selbst auch nicht frieren
wollen und auch mit dem Auto ins Geschäft fahren, wenn
öffentliche
Verkehrsmittel fehlen oder unzumutbar sind. Wir haben uns von der
Energie
zu sehr abhängig gemacht.
Anmerkung 2005: Der vorausgehende
Absatz wurde zu einer Zeit verfasst, als die Grünen noch sehr
weltfremde Vorstellungen hatten, wie z.B. sofortigen Ausstieg aus der
Kernenergie. Inzwischen haben sie als Regierungspartei gelernt,
wo Abstriche in ihren Vorstellungen nötig waren. Sie sind
inzwischen vielleicht sogar in Deutschland die glaubwürdigste
Partei geworden. Dennoch wird gelegentlich auch heute noch so getan,wie
wenn Industrie und Technik schlafen würden, statt das
Energieproblem einfach zu lösen. Der ungeheure Aufwand zwischen
ersten Erfolgen und einer Praxisreife, sowie der maximal mögliche
prozentuale Anteil alternativer Energien am Gesamtbedarf wird in
manchen Propagandareden völlig ignoriert.
Wirtschaftlich und ökologisch vertretbare, alternative
Energiequellen
ausreichender Kapazität sind vorerst nicht in Sicht. Atomenergie
wäre
noch die sauberste Lösung, da ihre Pannen zwar für die
nähere
Umgebung furchtbar, aber im Ausmaß global begrenzt sind. Selbst
die
Entsorgung radioaktiv verseuchter Rückstände und Materialien,
wäre bei verantwortungsbewusstem Umgang und hinreichenden
finanziellen
Mitteln lösbar. Nach den bisherigen Erfahrungen ist jedoch der
Homo
sapiens hierfür nicht reif. Der zunehmende Terrorismus steigert
das Risiko neuerdings ins Grenzenlose.
Die Katastrophen, die der Treibhauseffekt verursacht, wirken
weltweit.
Die Schäden, die uns durch Stürme, Lawinen,
Überschwemmungen
und Veränderungen der Flora und Fauna erwarten, sind kaum
überschaubar.
Im Sommer 1996 haben sie weltweit bereits wesentlich mehr Opfer
verursacht
als die Tschernobyl-Katastrophe. Die Voraussagen über die Folgen der globalen Erwärmung in den
nächsten Jahrzehnten sind erschütternd. Erste Auswirkungen
selbst auf die Plattentektonik sind in Alaska bereits Realität.
Demnach bleiben vorerst nur Sparmaßnamen, Nutzung alternativer Energiequellen soweit als möglich und sinnvoll (also nicht, wenn sie indirekte Kosten oder Schäden verursachen, die den Nutzen übersteigen). Darüber hinaus bleibt die Hoffnung auf künftige, risikolosere Energiequellen (Kernfusion?).
Zunehmende
Kriminalität
Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im Osten, die
wirksamere Verfolgung der Drogenkriminalität in den
Produktionsländern
und die erfolgreiche Bekämpfung der Mafia in Italien haben zu
einem
Ausschwärmen krimineller Organisationen geführt, die auch bei
uns, vor allem in den östlichen Bundesländern Fuß
fassen
konnten. Statt dem Grundsatz zu folgen ''Wehret den Anfängen!'',
spart
man an personeller und materieller Ausstattung der Exekutive.
Darüber
hinaus wird durch die Verunglimpfung des Polizeiberufes (''Bullen''),
die
ein paar bestrafte Falschparker bereitwillig aufnehmen und weitergeben,
dieser Berufsstand für anständige junge Leute unattraktiv.
Diese
Dummheit und Sparsamkeit wird noch sehr teuer werden. Auch die Medien
sollten
sich überlegen, ob wir uns Bullenfilme noch leisten können.
Das
Fehlen einer schlagkräftigen UNO-Weltpolizei
''Wehret den Anfängen!'' gilt für alle Krisenherde und auch
für authoritäre Atomrüster. Ein entschlossenes,
rechtzeitiges
Handeln und noch mehr das Glaubwürdigmachen einer solchen
Möglichkeit muss erreicht werden. Auch der Jugoslavienkrieg
wäre unter
solchen
Umständen sicher schneller beendet worden, wenn es ihn dann
überhaupt
gegeben hätte.
Rüstung als
Beschäftigungstherapie
Wenn frühere Ostblockländer ihre beträchtlichen
Rüstungskapazitäten
aus der Zeit des kalten Krieges weiterlaufen lassen, um die Welt gegen
Devisen zu beliefern, dann braucht man sich über immer mehr
Konflikte
nicht zu wundern. Auch wir tragen durch Produktion und Verkauf von
Rüstungsgütern
immer wieder dazu bei. Dabei müsste doch Jugoslavien zeigen,
wie gefährlich selbst die eigene Rüstung ist und wie teuer
ein
dadurch erst möglicher Konflikt wird. Die Leute werden mit Waffen
erschossen, die sie selbst finanziert haben.
Beängstigende
Europabeschlüsse
Wir alle wünschen uns ein Europa, das helfen soll, interne
Konflikte
zu vermeiden, das einen gemeinsamen Markt bietet,
grenzüberschreitende
Probleme behandelt und das der UNO das Rückgrat stärkt.
Trotzdem
gibt es ein paar Dinge, die nachdenklich stimmen. Wenn z.B.
zehntausende
Schweine entgegen der Überzeugung von Fachärzten wegen
einzelner
Schweinepestfälle vernichtet werden, andererseits aber nicht
verhindert
werden kann, dass britisches Rindfleisch von BSE-verseuchten
Rindern
importiert
wird, dann fragt sich der Bürger, ob er in Europa richtig
vertreten
ist. Er wird auch gar nicht gefragt, ob er dieses Europa noch will (Im
Gegensatz zu Dänemark und Österreich).
Das gemeinsame Europa muss demokratischer werden als es heute ist.
Die
Chance: Bessere Nutzung vorhandenen, geistigen Potentials
Hier liegt unsere einzige Chance. Jeder Industriebetrieb, ebenso wie
unser Land als ganzes, verfügt über ein Intelligenz- und
Know-How-Potential,
das weltweit wohl nirgends übertroffen wird. Jeder der
Fernsehdiskussionen
hört, wird zu eigenen Ideen angeregt , unter denen auch manche
gute
sind.
Manager und Politiker haben heute kaum eine bessere Ausbildung und größeres Wissen, als ein großer Teil der Belegschaft bzw. unseres Volkes. Doch wie sollen diese vielen Träger von Wissen und Lösungsvorschlägen ihr Gedankengut an den Mann bringen? Was fehlt ist eine Ideenbörse, die Ideen sammelt, durch kompetente und neutrale Kommissionen sichtet und zugänglich macht. Die Durchsetzung ist dann Sache politisch geschulter Kräfte. Das internationale Datennetz INTERNET bietet die technischen Voraussetzungen hierfür.
Personalcomputer gibt es in unserem Land wie Sand am Meer. Telecomanschlüsse an eine gemeinsame Ideenbank sind kein großes Problem und kostengünstig durchführbar. Der Aufbau einer Prüfungsorganisation schafft Arbeitsplätze, die wir dringend brauchen und die sich durch Erarbeitung optimaler und damit kostensparender Problemlösungen bezahlt macht. Durch Prämien für Problemlösungen, die zur Anwendung kommen, kann der Anreiz für brauchbare Vorschläge erhöht werden.
In ähnlicher Weise können Patente durch dafür bezahlte Fachkommissionen gesichtet und an geeignete Hersteller weitergegeben werden. Wer je am Patentamt in Akten gestöbert hat, weiß wieviel ungenutztes Potential dort schlummert. Für die Fertigungsvorbereitung können bei absehbarem Nutzen auch Unterstützungen gewährt werden, die bei manchen Forschungsvorhaben recht nutzlos sind.
Der Sinn des Lebens
Betrachten wir die ungeheure Größe und Vielfalt des Weltalls
und die Gesetze der Natur, dann ist die Wichtigkeit menschlichen Lebens
sehr fragwürdig. Die Natur kümmert sich einen Dreck um unser
Leben. Es ist für sie sinnlos. Einen Sinn kann nur jeder für
sich seinem Leben geben und da steht wohl die Möglichkeit, sich
das
Leben so angenehm wie möglich zu machen und Schäden zu
vermeiden,
an vorderster Stelle.
Zu einem angenehmen Leben gehört aber auch immer die Umwelt und die Menschen, mit denen wir im Kontakt stehen. Damit auch sie zu unserem Wohlbefinden beitragen, müssen wir auch für das ihre sorgen. Sich Feinde zu schaffen, sollte man unbedingt vermeiden, auch wenn man sich oft gerne Luft machen möchte und glaubt, jemandem ordentlich die Meinung sagen zu müssen, dem man doch nicht mehr begegnet oder den man nicht mehr braucht. Der Ärger, den man ihm antut, kommt öfter als man denkt, auf Umwegen auf uns zurück.
Jeder hat ab und zu die Möglichkeit, anderen Menschen Gutes zu
tun. Auch das kommt uns in irgend einer Form wieder zugute. Jeder
braucht
Freunde. Der Mensch ist ein soziales Wesen und geht ohne menschliche
Kontakte
zugrunde.
Anpassung und Ausblick
aus der Sicht 2005
Naturwissenschaftliches Wissen und
persönliche Erfahrungen wachsen oft in atemberaubendem Tempo. Die
Haupttexte dieser Homepage entstanden zum größten Teil vor
mehr als zehn Jahren und wurden seither nur an einzelnen Stellen
neueren Erkenntnissen angepasst. Wenn ich heute die Texte
der Themen 'Erinnerungen' und 'Weltverstand' aus dem Index dieser
Homepage durchlese, dann stelle ich fest, dass ich aus heutiger
Sicht manches anders schreiben würde. Auch verschieben sich die
Gewichte der mir wichtig erscheinenden Themen. Ich will deshalb hier
zumindest einige wichtige Ergänzungen anfügen, die zum Teil
durch äußere Veränderungen notwendig erscheinen, zum
Teil aber auch aufgrund neuerer Erkenntnisse, die mich zu einem
gewissen Umdenken zwangen. Zu den äußeren Veränderungen
gehört der nunmehr gesicherte weltweite Anstieg der
Durchschnittstemperatur in den letzten Jahrzehnten.
Folgen der globalen Erwärmung (Stand
2011)
Obwohl der durch Menschen
verursachte Treibhauseffekt weltweit erst durchschnittlich 0,8
Grad C Erwärmung bewirkt, sind die Folgen für das Weltklima
bereits jetzt katastrophal.
Das Klimaphänomen El
Niño tritt jetzt so häufig auf, dass z.B. Peru aus der
Katastrophenserie nicht mehr herauskommt.
In Alaska hebt sich der Boden
infolge Entlastung durch weggeschmolzenes Eis um 5 cm pro Jahr. Die
pazifische Platte, die sich stetig unter die amerikanische schiebt,
wird dadurch nicht mehr so stark gebremst. Erdbeben und
Vulkanausbrüche steigen dramatisch an.
Da dies erst der Anfang ist (bis
2050 wird von manchen Klimaforschern eine Erwärmung um 5 Grad C
erwartet), muss wohl
damit gerechnet werden, dass die gesamte Plattentektonik
beschleunigt wird. Schon jetzt treten Erdbeben, Flutkatastrophen und
Vulkanausbrüche häufiger und heftiger auf.
Die
Erde ist nahezu kugelförmig und nur durch die Fliehkräfte bei
ihrer Rotation und durch die Gezeitenkräfte des
Mondes an den Polen schwach abgeflacht. Da auch die
Massenverteilung nahezu
kugelsymmetrisch ist, ist auch ihr Trägheitsellipsoid nahezu
kugelförmig. Frei rotierende Körper rotieren stets um eine
freie Achse. Das kann die größte oder die kleinste Achse des
Trägheitsellipsoides sein. Die Erde rotiert um die
größte Achse des Tträgheitsellipsoides, die die
stabilere von beiden freien Achsen ist. Wegen der Kugelähnlichkeit
des Trägheitsellipsoides können schon geringe
Massenverschiebungen, wie sie bei Kontinentalbewegungen auftreten,
starke Veränderungen der Drehachse bewirken. Das hat es in der
Erdgeschichte mehrmals gegeben, mit Verlagerungen der Polarzonen
in gemäßigte oder tropische und umgekehrt. Natürlich
vollziehen sich solche Vorgänge sehr langsam. Aber offenbar sind
selbst solche Veränderungen des Globus durch Treibhausgase
beeinflussbar.
Die Temperatur der Weltmeere steigt
und damit die Verdunstung. Wolkenbrüche führen immer
öfter zu verheerenden Überschwemmungen. Stürme werden
immer heftiger und häufiger. Bei einem Anstieg der
Wassertemperatur um ein halbes Grad sterben die
Korallenbänke innerhalb weniger Wochen. Sie stellen als
Wellenbrecher an Küsten einen
gewissen Schutz gegen Flutwellen dar, der dann entfällt.
In Berggebieten schmelzen Gletscher.
Auch hier hebt sich der entlastete Fels. Bergstürze werden folgen.
Trinkwasser wird vielerorts knapp. Da auch der Permafrost auftaut,
verliert der Boden an Festigkeit. Muren- und Lawinenabgänge sind
die Folge.
Durch das viele Schmelzwasser steigt
der Meeresspiegel. Nicht durch Schmelzwasser von schwimmendem Eis, wie
um den Nordpol, wohl aber durch das vom Eis der Antarktis, das
über Festland liegt und durch schmelzendes Gletschereis.
Die Menschen werden aus den
Küstengebieten verdrängt. Da sie nirgends willkommen sind,
werden sie zu Gewaltakten und kriegerischen Handlungen gezwungen sein.
Da Eis das Sonnenlicht reflektiert
und so einer zunehmenden Erwärmung entgegenwirkt, fördern
Schmelzvorgämge den Erwärmungseffekt zusätzlich. Man hat
errechnet, dass ab einer Temperaturzunahme um 2 Grad C der
Erwärmungsprozess unumkehrbar wird und sich auch ohne
Treibhausgase fortsetzen wird. In spätestens 20 Jahren dürfte
dieser Wendepunkt erreicht sein.
Eine weitere Zeitbombe sind die gefrorenen Methanhydratklumpen am Meeresgrund. Schon wenige Grad Erwärmung genügen um sie zu schmelzen und das gefährliche Treibhausgas Methan in ungeheuren Mengen freizusetzen. Dies dürfte gelegentlich auch jetzt passieren. Das plötzliche Verschwinden von Schiffen im Bermudadreieck, oft spontan während eines Funkkontaktes, könnte durch große Mengen aufsteigender Gasblasen verursacht sein, die die Dichte des Wassers und damit den Auftrieb vermindern.
All
diese Fakten zeigen die Verwundbarkeit unserer Welt und die
Labilität der Bedingungen, die uns das Leben auf dieser Erde
ermöglichen. Mit dem Gottesauftrag "Macht euch die Erde untertan"
wurde dem Homo sapiens eine Verantwortung übertragen, der er
offensichtlich nicht gewachsen ist. Oder trauen sie dem
mächtigsten Mann der Welt, George W. Busch, einen Kurswandel um
180 Grad innerhalb weniger Jahre zu? Als Kreationist ist er der
Überzeugung, dass die Welt vor wenigen Jahrtausenden
innerhalb von sechs Tagen erschaffen wurde und dass Darwins
Evolutionslehre falsch ist.
Überblick
über
die Erdgeschichte
Im Laufe meines Lebens verdichtete sich das Wissen der Menschheit um
die Entwicklung des Weltalls, der Sterne und der Planeten unseres
Sonnensystems
in atemberaubendem Tempo. Ebenso das Wissen um die Entstehung des
Lebens
und die Entwicklung der Menschheit, sowie deren Erfindungen und
Entdeckungen.
Ich hatte sehr bald das Bedürfnis, in die vielen Einzelfakten eine
chronologische Ordnung zu bringen. Natürlich werden Zeitangaben
immer
unsicherer, je weiter sie zurückliegen. Mit Verbesserung der
Messverfahren
müssen sie immer wieder korrigiert werden. Die verbleibenden
Unsicherheiten
werden immer kleiner.
Den Zeitraum seit dem Urknall in einer Graphik übersichtlich darzustellen, erscheint zunächst schwierig, da 15 Milliarden Jahre auf einer DIN-A3-Seite bei linearem Maßstab nur knapp 3 cm für eine Milliarde Jahre bedeuten würde. Für die Entwicklung des Lebens und der Menschheit ist das viel zu wenig, da sich die wichtigen Ereignisse zum größten Teil in jüngerer Zeit abgespielt haben. Ich habe deshalb seinerzeit hierfür einen logarithmischen Maßstab gewählt. Da unser Wissen über weit zurückliegende, wichtige Ereignisse ebenfalls sehr viel geringer wird, je weiter sie zurückliegen, ergibt sich damit eine ganz brauchbare Aufteilung.
Im Laufe der Zeit wurde diese Darstellung durch immer weitere hinzukommende Details so überladen, dass ich zur tabellarischen Darstellung übergehen musste. Diese Tabelle umfasst inzwischen 190 Seiten. Sie enthält die Historie der für die Entwicklung der Menschheit wirklich wichtigen Fakten, anstelle der im Geschichtsunterricht gelehrten Schlachten, Streitigkeiten und Familiengeschichten von Menschen, die vor allem Unglück in die Welt gebracht haben.Gelernt hat die Menschheit aus den Fehlern der Geschichte ohnehin nichts.
Es ist traurig, dass man in den Lehrplänen der Schulen Cäsar, Napoleon und andere Spitzbuben für wichtiger hält, als die Forscher und Erfinder, die unsere Welt in viel positiverem und größerem Maß und viel nachhaltiger umgestaltet haben. Hier wäre eine Reform nötig, um der selbstmörderischen Abkehr von Technik und Naturwissenschaft entgegen zu wirken und unser Verständnis für das überaus labile Gleichgewicht unserer Welt zu verbessern.
Zeittafel
(Meilensteine der Entwicklungsgeschichte wie sie uns die
Naturwissenschaft lehrt)
Letzte Ergänzung 8.1.2012
(1 Mrd. = 1 Milliarde Jahre = 1 000 000 000 Jahre = 109
Jahre
1 Mio. = 1 Million Jahre = 1 000 000 Jahre = 106 Jahre)
Vorbemerkung: Die
Zeittafel entstand in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, weil ich
eine solche umfassende Orientierungshilfe vermisste. Innerhalb dieser
Zeit wuchs das
Wissen um den Kosmos durch Raumsonden, Mondlandungen und durch
Verbesserung astronomischer Beobachtungstechniken und
Auswertungsmethoden in zuvor ungeahntem Ausmaß. Auch kamen stets
andere
wichtige Ereignisse und Erkenntnisse dazu. Dies erforderte
ständige
Ergänzung und Verbesserung der Daten dieser Sammlung. Da diese aus
zahlreichen unterschiedlichen Quellen stammen, die nicht immer
völlig
gleicher Meinung sind, sind gewisse Diskrepanzen unvermeidlich. Ich
halte diese Zeittafel trotzdem für eine gute
Übersicht, wenngleich sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit
und
wissenschaftliche Exaktheit erheben kann.
Durch Mischung verschiedenartiger Ereignisse gibt sie einen
lebendigen Eindruck über beliebige Zeitabschnitte vom Urknall bis
heute.
|
-13,7 Mrd. |
Big Bang oder Urknall
(Das Weltall entsteht in einem gewaltigen Lichtblitz bei einer
Strahlungstemperatur von mehr als 1 Billion Grad |
|
In den ersten 100 Sekunden |
sackte die Temperatur infolge der rapiden Expansion auf weniger als 1 Milliarde Grad ab. In dieser Phase sind die Bausteine der Atomkerne, die Protonen und die Neutronen „ausgefroren“ und am Leben geblieben. |
|
In den ersten 3 Minuten |
hatten Protonen und Neutronen die Chance, zu
verschmelzen und die Kerne der leichten Elemente Wasserstoff,
Deuterium, Helium und Spuren von Lithium zu bilden. Die Menge der
Wasserstoffatomkerne war dabei viermal so groß, wie die der
anderen
leichten Atomkerne. Das ist bis heute im ganzen Kosmos so geblieben. |
|
nach 100 000 Jahren |
sank die Temperatur unter 10 000 Grad. Nun war die Strahlung nicht mehr intensiv genug, um die Elektronen zu hindern, sich an die Atomkerne anzulagern und Atome zu bilden. Damit wurden die Störenfriede entfernt |
|
nach 380 000 Jahren |
Strukturen, die sich nach dem Urknall bildeten, konnten mit der Weltraumsonde WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) sichtbar gemacht werden. Sie misst die Verteilung der Hintergrundstrahlung auf wenige Millionstel Grad genau. Auch die Verteilung der Materie im Raum kann jetzt genauer angegeben werden: 4% sind Atome gewöhnlicher Materie, 23% sind "Dunkle Materie" und 73% sind "Dunkle Energie". Durchschnittstemperatur der Hintergrundstrahlung ist 2,73 Kelvin (0 Kelvin entspricht -273,2 Grad Celsius). |
|
nach 380000 Jahren |
Ab 3000 Grad konnte sich die Strahlung
ungehindert im
Raum ausbreiten. Der Kosmos wurde durchsichtig. Die neu entstandene
Materie bildete Gas mit winzigen Dichteschwankungen. Der Radius des
Kosmos war damals 1/1000 des heutigen. Aus dieser Zeit stammt die
Hintergrundstrahlung, die heute noch aus allen Richtungen
gleichmäßig
zu uns kommt. Sie ist inzwischen auf 2,73 Grad Kelvin, abgekühlt. |
| nach 380 000 - 600 000 Jahren |
In dieser Zeit blieb es dunkel. Gase und Dunkle Materie verteilten sich im Raum |
| -13,1 Mrd. | Die ersten Sterne
leuchteten auf. Es wurde licht! Die Sterne bestanden nur aus
Wasserstoff und Helium. Helium ist ein Edelmetall und kann daher keine
Moleküle bilden. Wasserstoff mangels anderer Partner auch
höchstens mit einem weiteren Wasserstoffatom. Bei der Kontraktion
solcher Gaswolken durch die Gravitation entstanden Population-3-Sterne
mit Oberflächentemperaturen, die 1 Million mal größer
waren als die der Sonne, da nur große Moleküle Wärme
abstrahlen können. Sterne derart hoher Temperatur haben aber nur
eine sehr geringe Lebensdauer (ein paar Millionen Jahre, dagegen
wird unsere Sonne etwa 10 Milliarden Jahre erreichen). Aus einer Wasserstoff-Helium-Wolke konnte immer nur 1 Stern entstehen. Die ersten Sterne waren daher auch 5 - 10-mal größer als unsere Sonne. Ihre Supernovaexplosionen waren daher gewaltiger und verteilten die schweren Elemente (Eisen, Sauerstoff,...) im intergallaktischen Raum. Das führte zu riesigen Schwarzen Löchern, die zu Quasaren und Zentren von Galaxien wurden. |
|
-9 Mrd |
Supernovaexplosion am Ort des Sonnensystems,
(Zeitbestimmung aus den Halbwertszeiten von Al 26 und Mg 26) |
|
-4,7 Mrd |
Beginn Azoikum |
|
- 4,56 Mrd |
Aus asteroidenähnlichen Gesteinsbrocken entsteht ein Planetoid, der durch Gravitationskräfte weitere Brocken anzieht und durch deren Einschlagenergie, Sonneneinstrahlung und Radioaktivität aufgeheizt wird. |
|
-4,52 Mrd |
Entstehung des Mondes durch streifende Kollision der Erde mit einem Planetoiden von mehr als der Größe des Mars |
|
-4,51 Mrd |
Neuentstehung der Erde nach Abspaltung des Mondes. Das Auswurfmaterial bildete zunächst einen Ring um die Erde, der sich erst nach und nach, zum Mond verdichtete. Der Mond hat dabei keinen Eisenkern abbekommen. Die Erde hat jedoch bei der Kollision auch den Eisenkern des Einschlägers aufgenommen. Sie hat deshalb eine ungewöhnlich hohe Dichte. Nur dadurch konnte sie wohl als einziger Planet die Wassereinschlüsse von 3-4 später eingeschlagenen, kohligen Chondriten aus dem äußeren Asteroidengürtel festhalten und die Entwicklung von Leben ermöglichen.. Der Tag war zunächst nur 6 Stunden lang, da der Mond noch sehr nahe war (3-5 Erdradien). Durch Gezeitenkräfte wurde er auf Kosten der Erdrotation bis heute auf 60 Erdradien angehoben. Er entfernt sich noch immer. Schon jetzt sind manche Sonnenfinsternisse nur noch ringförmig. |
|
- 4,5 Mrd |
Die Erde war ein Glutball mit einer Oberfläche aus geschmolzenem Gestein |
|
- 4,4 Mrd |
Durch Nachlassen der Radioaktivität entstand dunkle Kruste und dazwischen Wasser |
|
- 4 Mrd |
Wasserdampf aus der Atmosphäre kondensierte. Es goss in Strömen über mehrere Millionen Jahre. Dabei entstand ein endloser Ozean. Zu dieser Zeit entstanden erste Lebensformen. Sie lebten durch die Energie der Unterwasservulkane. |
|
-3,9 Mrd |
Sprache des Erbguts entsteht (Nachweis durch Manfred Eigen, Göttingen) |
|
-3,8 Mrd |
Beginn der biologischen Evolution (Ursuppe enthielt: Organische Säuren, Zucker, Vorstufen von Hämoglobin und Chlorophyll, alle 20 Aminosäuren, alle Nukleotide und kurze Ketten von beiden) |
|
-3,6 Mrd |
Beginn (Paläoarchaikum) |
|
- 3,5 Mrd |
Kissenlava aus dieser Zeit gibt es in
Südafrika. Sie entsteht nur, wenn Lava tief unter Wasser
einströmt. |
|
-3,5 Mrd |
Bakterien, Algen, Photosynthese (der
ausschließlich im
Wasser erzeugte Sauerstoff wurde jedoch sofort chemisch gebunden, z.B.
als Rost) Myriaden von Sternen wurden geboren, vereint in Galaxien, wie
unsere Milchstraße, die bis heute nach und nach zu riesigen
Galaxienhaufen verklumpen. In Simulationsmodellen stellte man Ende
des 20. Jahrhunderts fest, dass zur Verklumpung von Galaxien eine
weitere Form der Materie notwendig ist, die außer Gravitation
keinerlei
Wirkung zeigt. Diese Dunkle Materie muss zehnmal schwerer sein, als
alle bisher bekannte Materie, um auf das Himmelsbild von heute zu
führen. Man kann sie nur durch ihre Auswirkungen auf die
leuchtende
Materie messen. Sie muss schon in der Frühphase des Kosmos
entstanden
sein. |
|
-3,4 Mrd |
Das Meerwasser war durch Eisensalze grün. Erst mit Anstieg der Sauerstoffkonzentration wurde Eisen als Rost ausgeschieden und das Wasser bekam seine heutige Färbung. Die Vulkaninseln überlebten den Ansturm der Meere nicht. Doch das sollte sich ändern. Ein steiler Anstieg der Unterwasser-Vulkanaktivität brachte Granit, ein widerstandsfähiges Gestein hervor, das Kontinente bildete. Granit entstand durch Durchmischen heisser Lava mit Wasser. Seine Dichte ist vergleichsweise niedrig. Wasserstoff und Helium sind aus der Erdatmosphäre ins Weltall entwichen. Stickstoff ist nun Hauptbestandteil. |
|
-3,2 Mrd |
Beginn (Mesoarchaikum) Sauerstoffbildende Bakterien |
|
-3 Mrd |
Euglena (Augentierchen). Es ist durchsichtig mit einem roten Fleck aus Sehpurpur. Immer wenn der Schatten dieses Flecks auf die Wurzel der Geißel fällt, beginnt diese zu schlagen und verhindert so das Absinken in nährstoffarme Wassertiefen. Es gibt eine Hypothese, wonach die völlig nutzlosen Zäpfchen und Stäbchen auf unserer Netzhaut Geißeln einst versklavter Augentierchen sind, deren Lichtempfindlichkeit so genutzt wurde, wobei der Sehpurpur eine neue Funktion erhielt. Erste Einzeller mit Zellkern. |
|
-2,9 bis -2,5 Mrd |
Merkliche Zunahme der Protokontinente. Es entstanden große Landmassen. Die Vorherrschaft der Ozeane war vorüber. Die Ausdehnung der Kontinente veränderte nicht nur das Aussehen des Planeten, sondern auch die Zusammensetzung des Meerwassers und der Atmosphäre durch die Sauerstoffproduktion der zahlreichen Stromatoliten. Das Leben schuf sich so selbst die Voraussetzung für seine Ausbreitung. Die Erde ist der einzige Planet, dessen Atmosphäre einen derart hohen Anteil an Sauerstoff hat. Die Algen erzeugten mit Sonnenlicht durch Fotosynthese aus CO2 Sauerstoff. Nicht benötigter Kohlenstoff wurde als Kalk ausgeschieden Über 2 Milliarden Jahre erzeugten so zahlreiche Generationen von Stromatoliten 20 Billiarden = 1015 Tonnen Sauerstoff. Im Wasser wandelte er Milliarden Tonnen von Eisen in Rost um. Die grüne Farbe des Wassers verschwand. |
|
-2,8 Mrd. |
Beginn (Neoarchaikum) |
|
-2,5 Mrd. |
Beginn Proterozoikum (Paläoproterozoikum) |
|
-2 Mrd |
Sauerstoff beginnt aus dem Wasser in die Atmosphäre aufzusteigen. In der Strathosphäre entstand durch die UV-Strahlung der Sonne eine Ozonschicht, die Lebewesen vor zu starker UV-Strahlung schützt. |
|
-1,8 Mrd. |
Rost in ozeanischen Ablagerungen (Sedimenten), als Folge der Sauerstoff-Produktion photosythetisierender Algen |
|
-1,7 Mrd |
Sauerstoffatmende Lebewesen (zunächst nur Wassertiere). Durch ihre Entwicklung wurde das Anwachsen des Sauerstoffs auf lebenszerstörende Konzentrationen verhindert und so eine kritische Phase für das junge Leben überwunden. |
|
-1,5 Mrd |
Nun war die Erde zum blauen Planeten geworden. Die Kontinente waren so weit gewachsen, dass sie fast ein Viertel der Erdoberfläche bedeckten. Unter den Ozeanen waren Tiefenkräfte am Werk, die ihre Lage verschoben und Sedimente hochfalteten. Das in solchen Sedimenten abgelagerte Bändererz ist unerlässlich für die Wirtschaft. Es ist die Hauptquelle für alles heute abgebaute Eisen. |
|
-1,1 bis -0,8 Mrd |
Die großen Landmassen zogen sich zum Superkontinent Rodinia zusammen, Nordamerika und Kanada bildeten das Zentrum, um das sich die anderen Kontinente gruppierten..Es war ein trostloser Superkontinent ohne Leben. Aber in den Gewässern bildeten sich neben den Stromatoliten primitive Lebensformen. |
|
-1,1 Mrd |
Erfindung der sexuellen Fortpflanzung |
|
-1,0 Mrd |
Sauerstoffanteil der Atmosphäre erreicht 3% |
|
-800 Mio |
Hydra, Weichtiere, Zwischenhirn, Fernsinne als Alarmorgan (Grubenauge am Scheitel als Infrarotsensor. Heute noch bei Schlangen vorhanden. Auch wir besitzen es noch unter dem Großhirn als Zirbeldrüse zur Steuerung der Körpertemperatur) |
|
-750 Mio |
»Schneeball Erde«. Nach dieser
Theorie war die Erde vor
etwa 750 bis 580 Millionen Jahren mehrmals fast komplett von Eis
bedeckt. Es gibt sogar Stimmen, die ein vollständiges Durchfrieren
der
Meere in dieser Zeit für möglich halten. |
|
-750 Mio. |
Erste Meerestiere (Quallen usw. In Quallen entstanden die ersten Nerven). Mit den Nerven kommt Geschwindigkeit in das Leben. Jäger verfolgen die Beute. Beutetiere versuchen davonzulaufen. Vorher wurde Information nur durch den Transport von Botenstoffen (Hormonen) übertragen. Die Drüsen, die diese erzeugten, streckten sich und wuchsen dem Empfangsort entgegen. So entstanden die Nerven, in deren Innerem die Information durch elektrochemische Prozesse übertragen wird, was viel schneller geht. Sie produzieren immer noch Botenstoffe an den Nervenenden, die in den von diesen umhüllten Synapsen die Botschaften an neue Nerven weitergeben, soweit sie nicht direkt Muskelzellen ansteuern. An den Synapsen werden dann auch die Botschaften unserer Medikamente eingeschleust. |
|
-700 Mio |
Die Position Rodinias in Äquatornähe blockierte die Strömungen vom Äquator zu den Polen. Abkühlung. |
|
-600 bis -540 Mio |
Supereiszeit (Schneeballerde, 1km dicke Eisschicht). Der einzige Kontinent Rodinia wurde heiss und trocken und brach auseinander. Die aufgeheizten Teile kamen in kälteres Wasser, wodurch riesige Mengen verdampften. Riesige Regenmengen wuschen das CO2 aus. Erste gesicherte, möglicherweise globale Vereisung. Die Sonnenstrahlung wurde reflektiert und führte zu weiterer Abkühlung bis auf -40 Grad Celsius. Die Ozeane waren von einer 1,5 km dicken Eisschichte bedeckt. Die wenigen Arten von Lebewesen waren darunter im Dunkeln gefangen. Bis auf einen kleinen Bruchteil starben alle aus. Doch gigantische Vulkanausbrüche unter dem Eis rissen dieses auseinander. |
|
-600 bis -540 Mio |
Pannotia löste sich von Rodinia ab. Man vermutet, dass der Hitzestau am Fuß eines Superkontinentes schließlich zu seinem Untergang durch darunter liegende Konvektionsströmungen im heissen Erdinneren führt, die ihn auseinander reißen. Das bei den Eruptionen ausströmende Kohlendioxyd verursachte einen vorübergehenden Treibhauseffekt. Das Eis konnte abschmelzen. Rodinia zerteilte sich in gigantische Fragmente. Der fehlende Treibhauseffekt führte zur extremen Abkühlung. Durch Vulkanismus brach schließlich die Eiskruste auf und die CO2-Menge stieg auf das 350-fache des heutigen Wertes. Das führte zu Tropenklima auf Spitzbergen. |
|
-600 Mio |
Fische, Lurche, Mutterbild, erste Ansätze der Großhirnentstehung. Das Großhirn überwucherte später das Zwischenhirn und das Scheitelauge. Dieses wurde als Alarmfunktion durch Empfang von Infrarotlicht (Nachtsehen über Wärmestrahlung) unwirksam. Es misst aber als Zirbeldrüse heute noch die Temperatur des (bereits geregelten!) Blutes und regelt dadurch dessen Konstanz. Da der Sensor an der falschen Stelle sitzt (die geregelte Bluttemperatur schwankt ja nur noch sehr wenig. Regelungstechnisch ist das unsinnig) ist die Regelung nicht sehr stabil, wodurch wir anfällig gegen Erkältungen sind. |
|
-590 Mio |
Beginn Paläozoikum
(Erdmittelalter) |
|
-590 Mio |
Beginn Kambrium |
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-590 Mio |
Ursache war wohl die Anreicherung des Sauerstoffgehaltes
im
Wasser
durch Assimilationsprozesse in Algen und Wasserpflanzen, die in
entsprechend ausgestatteten Tieren Verbrennungsprozesse mit hoher
Energieausbeute und damit schnelle Bewegungen ermöglichten. Dazu
trug
auch die Erfindung der Nerven bei (Hormondrüsen streckten sich den
Zielorten der Hormonsignale entgegen, um die Signalübertragung zu
beschleunigen. Die Signalübertragung im Inneren der so
entstandenen
Nerven erfolgte durch wesentlich schnellere elektrochemische Prozesse). |
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-590 Mio |
Die Entwicklung der Augenlinse und ebenso der wabenförmigen Insektenaugen fand ebenfalls in dieser Zeit statt. Im Kambrium ist alles das aufgetaucht, was heutzutage um uns herum läuft. Natürlich in einer Vorstufe. Die ersten Tiere mit einer Knorpelsäule, die erst zur Wirbelsäule wird. Das erste Mal, dass Nervenzellen in den Cordatierchen auftauchen. Nervenzellen, die mit den Sinneszellen verbunden waren und die sich nach und nach zu einem Gehirn entwickelten. Es gab die ersten Vorläufer von Amphibien, von Reptilien, von Fischen, von Säugetieren, alles war in Vorstufen da. Es war alles übersäht von Krebsen, den Trilobiten. Es gab Jäger und gejagte, alles das gab es vorher nicht. Es entstand eine völlige Veränderung des Stoffwechsels, Kreislauf ist auf einmal möglich geworden. Die Tierchen und die Pflanzen haben sich mehr und mehr unabhängig gemacht von der Umgebung. Aber jetzt nicht so, dass sie nur alte Baupläne verändert hätten, sie bildeten auch neue. |
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-550 Mio |
Als der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre nach Sättigung des Meerwassers und Ausbreitung von Landpflanzen stieg, konnte das Leben seinen weiteren gigantischen Schritt tun. Die kanadischen Rocky Mountains beherbergen Belege dieses Schlüsselereignisses der Evolution, der sogenannten Kambrischen Explosion des Lebens. |
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-542 Mio |
Beginn Phanerozoikum
(Paläozoikum) Kambrium |
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-542 Mio |
Es handelt sich u.a. um 30 Gattungen von Gliederfüßlern und zahlreiche Borstenwürmer, die im mittleren Kambrium mehr als 200 Meter unter dem Meeresspiegel gelebt hatten. Sie ernährten sich nicht nur von Pflanzen, sondern auch voneinander. Es gab im Kambrium mehr Tierarten als im gesamten Rest der Geschichte des Lebens. Von diesem Zeitraum an begann ein biologisches Wettrüsten der Geschöpfe des Lebens. Sie entwickelten harte Schalen und Skelette, sowie Augen und Zähne. |
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-525 Mio |
Ende der goldenen Zeit der irren Wundertiere. Sie wurde nach nur 5 Millionen Jahren beendet durch Raubtiere mit Zähnen und Klauen. Wettrüsten entstand mit Panzern, Schalen und immer größeren Klauen. Dieses größte Gemetzel der Naturgeschichte überlebten die wenigsten Arten. Die gegenseitigen Abhängigkeiten der Arten waren bereits so groß, dass das Verschwinden einer einzigen Art den Niedergang, oder das plötzliche Aufleben einer ganzen Reihe anderer Arten auslösen konnte. Neue Arten können nur ökologische Lücken besetzen, die die älteren Bewohner des Planeten noch nicht ausgefüllt hatten) |
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-488,3 Mio |
Beginn Ordovizium
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-460 Mio |
Diversifikation der Fische |
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-443,7 Mio |
Beginn Silur Das
mit Sauerstoff gesättigte Wasser gibt diesen langsam an die
Athmosphäre
ab. Bisher gab es am Festland keinerlei Leben. Mit zunehmendem
Luftsauerstoff wuchs auch eine Ozonschicht, die die lebensbedrohende
UV-Strahlung der Sonne dämpfte. Die Tageslänge
war zu dieser Zeit 18-19 Stunden, so dass
das Jahr 420 Tage
hatte. Erst durch Gezeitenkräfte wurde der Mond auf die heutige
Entfernung von 380000 km von der Erde wegbewegt. Die Energie
hierfür
wurde der Erddrehung entnommen. Auch heute bewegt sich der Mond noch um
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-440 Mio |
Zweite Eiszeit der Erde. Möglicherweise durch starke Staubentwicklung nach Meteoriteneinschlag, bzw. Umlenkung der Meeresströmungen durch Kontinentaldrift. Nach den Pflanzen verließen zunächst Insekten die Meere. |
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-420 Mio |
Pflanzen erobern das Festland |
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-416 Mio |
Beginn Devon |
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-400 bis -300Mio |
Laurussia (Euramerika), Laurentia (Kontinentalschild Nordamerikas), Baltika (Nordosteuropa) und Avalonia (Norddeutschland, England, Neufundland) und andere fanden sich zum Superkontinents Pangaea zusammen. Die Landmassen hatten sich zum Superkontinent Pangaea vereinigt. Die Thetis (das heutige Mittelmeer) bildete eine riesige Bucht des Urozeans Pantalassa. |
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-370 Mio |
Wirbellose Tiere wie Spinnentiere und Insekten bilden die erste Landfauna |
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-359,2 Mio |
Beginn Karbon |
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-350 Mio |
Der Sauerstoffgehalt erreicht den heutigen Level von 21%. Dicht genug, um in der oberen Atmosphäre die Entstehung einer Ozonschicht zu ermöglichen. Diese Schicht befreite die Lebewesen aus dem Wasser und schützt die Landlebewesen vor lebensbedrohender UV-Strahlung |
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-345 Mio |
Erste Landwirbeltiere (Quastenflosser, Schildkröten, Amphibien) |
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-300 Mio |
In Pangaeas Frühzeit war sein südlicher Teil, das alte Gondwana (ein Großkontinent, der die heute südlich des Äquators liegenden Landmassen und Indien umfasste) von der dritten Eiszeit betroffen. |
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-300 Mio |
leistungsfähige Wasserleitbahnen in Pflanzen führten zu Großformen: Riesenbärlapp, Riesenschachtelhalme, Großfarne. Entwicklung von Reptilien. Erste Saurier Dank des Ozonschutzschildes konnte das Leben die Meere verlassen. Der Planet Erde wurde zu einer Welt von tropischen Sümpfen. 20 Meter hohe Bäume waren der Ursprung der Kohle, die man heute in allen Teilen der Erde findet. Sie entstand durch Verrotten von Süßwassersümpfen. In den Meeren verrotteten Lebewesen, aus denen weitere fossile Brennstoffe wurden. Öl und Gas. Ohne diese fruchtbare Periode hätte die industrielle Revolution wohl nie stattgefunden. Es waren nicht nur die Pflanzen,die vor 300 Millionen Jahren das Land besiedelten. So nach und nach verließen zuerst riesige Insekten, dann Amphibien und schließlich frühe Reptilien die Meere, um auf dem schlammigen Küstenstreifen ihre ersten Schritte zu machen. An der Ostküste Amerikas muss es damals vor Monstern gewimmelt haben. 1 Meter lange Tausendfüßler, 60 cm große Libellen und Proto-Alligatoren. Zum ersten Mal beherbergte ihre Oberfläche der Ostküste Amerikas eine vollständige, moderne Biosphäre. |
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-299 Mio |
Beginn Perm |
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-270 Mio |
Frühe Nadelbäume |
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-251 Mio |
Beginn Phanerozoikum (Mesozoikum) Trias |
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-250 Mio |
Säugetierähnliche Reptilien. Erste Ausweitung des Reptilienstammes. Verschiebung der Kontinente, Absinken des Meeresspiegels Die alles erobernden Lebensformen erwartete eine Hölle auf Erden. Enorme Vulkanausbrüche leiteten das größte Massensterben auf Erden ein. Das Leben hatte bis dahin viele lebensbedrohende Herausforderungen gemeistert, doch nichts hatte den Maßstab von dem, was nun bevorstand. In einer Gegend, aus der das heutige Sibirien hervorging, verwandelte sich die Erde in einen vulkanischen Morast. Niemand weiß, wie es dazu kam. Gelegentlich strömten aus dem Inneren riesige Mengen heisses Erdgestein herauf, schmolzen und zertrümmerten die Erdkruste. Die Ausbrüche dauerten über 1 Million Jahre. Sie spuckten über 4 Millionen Kubikkilometer geschmolzenes Gestein aus, die ausreichen würden um die heutigen USA unter einer mehr als 300 Meter dicken Schicht zu begraben. |
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-250 Mio |
Wolken von giftigen Gasen breiteten sich aus und verhüllten den gesamten Erdball. Über 95% aller Lebewesen starben aus. Es war das katastrophalste Ereignis, das der Planet je erlebt hatte. Er ging völlig verwandelt aus dem Chaos hervor. Nun dominierte das große Pangaea. |
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-250 bis -65Mio |
Das Klima änderte sich dramatisch. Sauerstoff und Kohlendioxyd erreichten Höchstwerte. Unter diesen Voraussetzungen entwickelten sich die Tiere, die das Aussterben überlebt hatten, zu den mächtigsten Geschöpfen, die je auf Erden wandelten, den Dinosauriern . Das Wort bedeutet „schreckliche Echse“. Sie waren Laublüter und vereinigten die Vorteile der Kalt- und der Warmblüter. Sie konnten das ganze Jahr über fressen und verwendeten ihre Nahrung nicht nur zur Wärmeerzeugung, sondern auch zum Wachsen. Die sauerstoffreiche Umgebung hat dieses Wachstum unterstützt. In Iota, USA sind die Felsen voll von ihren Knochen. Fast ein Drittel der Geschichte des Lebens war von den Dinosauriern dominiert. Der durchschnittliche Dinosaurier war größer als ein Grizzlybär. |
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-225 Mio |
Saurier beginnen die Erde zu beherrschen , neue Fische, Krebse, Ammoniten |
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-200 Mio |
Erste echte, warmblütige Säugetiere. Nadelbäume. Zweite Ausweitung des Reptilienstammes. Dinosaurier in Amerika |
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-199,6 Mio |
Beginn Jura |
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-181 Mio |
Abruptes Massensterben Im Jurameer zählten die Fischsaurier zu den gefährlichsten Arten. Sie waren ins Meer zurückgekehrt und hatten sich perfekt angepasst. Mit den Schlangenhalssauriern teilten sie sich die reiche Beute. Doch dann kam das plötzliche Ende. Im Thetismeer explodierte Methanhydrat. Dabei wurde Schwefelwasserstoff und weitere giftige Gase freigesetzt. Große Teile des Ozeanbodens wurden durch die Explosion herausgerissen. Einige Millionen Jahre später passierte vor der Küste Floridas etwas Ähnliches. Während der Eiszeiten gefror Methan im Meeresboden. Irgendwann explodierte es auf das 160-fache Volumen und es gab Erdbeben. Durch die gewaltige Menge freigesetztes Treibhausgas begann die wärmste Epoche der neueren Erdgeschichte. Nur dadurch konnte Pantodonton auf Spitzbergen existieren. |
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-180 Mio |
Ein neues Anwachsen der vulkanischen Aktivität riss den Superkontinent Pangaea auseinander. Die kontinentalen Bruchstücke begannen ihre lange Reise zu den Positionen, die sie heute innehaben. Jeder der neuen Kontinente beherbergte noch immer Dinosaurier. Das schwüle, vulkanische Klima schien ihnen entgegen zu kommen. Die CO2-Werte stiegen um mehr als 500% und die Temperatur schoss nach oben. Aufgrund der Treibhausverhältnisse breiteten sich über viele der Kontinente riesige Tropenwälder aus. Üppige Vegetation bot reichlich Futter für die Dinosaurier. |
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-180 Mio bis -54,8 Mio |
Pangäa, der damals einzige Kontinent im einzigen Weltmeer Panthalassa, brach auseinander (durch die unterschiedliche Wärmeabstrahlung von Festland. und Wasser entstand im Magma unter dem Kontinent eine aufwärts gerichtete Konvektionsströmung, deren Reibungskräfte das Brechen und Auseinandertriften verursachte). Der Kontinentalblock Laurasia, bestehend aus Nordamerika, Europa und Asien drehte sich ein wenig im Uhrzeigersinn um Spanien, das fast am Äquator lag und trieb gemeinsam mit Gondwanaland (Südamerika, Afrika, Antarktis und Australien) das bereits auseinanderbrach, nordwärts. Durch die Drehung begann sich die von Spanien nach Osten bis zum Pazifik offene Meereszone Tethys zu schließen (Ein Rest davon ist das heutige Mittelmeer). Gleichzeitig öffnete sich zwischen Nord- und Südamerika eine neue Meereszone, die diese völlig trennte. Südamerika und Afrika blieben noch zusammen, lösten sich aber von der Antarktis und Australien, die ebenfalls noch fest verbunden blieben. Indien löste sich aber schon von Südostafrika und driftete nach Nordosten. |
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-150 Mio |
Archäopterix (erster gefiederter Urvogel), Säugetiere, Laubbäume, Großhirn durchentwickelt |
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-150 Mio |
Im Thetismeer explodierte Methanhydrat. Dadurch wurden giftige Gase, Schwefelwasserstoff usw. freigesetzt. Große Teile des Ozeanbodens wurden herausgerissen. |
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-144 Mio |
Methan aus Methanhydrat explodiert vor der Küste Floridas auf das 160-fache. Dadurch Treibhausgas, Erwärmung und Erdbeben. Die wärmste Epoche in der neueren Erdgeschichte. Pantodonton auf Spitzbergen |
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-145,5 Mio |
Beginn Kreide |
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-135 Mio |
Südamerika löst sich von Afrika.
Afrika und Indien driften weiter nordwärts. Arabien nähert
sich dem asiatischen |
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-130 Mio |
Blütenpflanzen |
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-100 Mio |
Erste neuzeitliche Fische Gewaltige Kreaturen beherrschten Land, Meer und Luft. Sie lebten unter ständigen Vulkanausbrüchen.Dieser Vulkanismus sollte wunderbare Reichtümer an die Oberfläche bringen: Diamanten. Man fand sie jahrtausendelang an Flussufern, ohne ihren Ursprung zu kennen. In Kimberley, Südafrika, fand man erst 1869 riesige Diamantenvorkommen. Diamant ist die kristalline Hochdruckform des Kohlenstoffs. Die Minen erkannte man als die Schlote früherer Vulkane, in deren Wänden die Diamanten eingelagert waren. Doch das waren keine gewöhnlichen Vulkane. Sie waren dreimal so tief und reichten rund 150 Kilometer unter die Oberfläche des Kontinents. Die extremen Druck- und Temperaturverhältnisse in dieser Tiefe, machten dies zum einzigen Ort, an dem sich Diamanten bilden können. |
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-100 Mio |
Und sie konnten nur durch extreme Ausbrüche nach oben gelangen. Mit 500 Kilometer pro Stunde schossen sie an die Oberfläche. Als sich der pangaeische Superkontinent vor über 100 Millionen Jahren teilte, wurden durch diesen enormen Umbruch jene Supereruptionen ausgelöst. Da superkontinentale Brüche selten sind, sind es auch die Diamanten, die nur so zu Tage gefördert werden. |
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-65,5 Mio |
Beginn Phanerozoikum (Känozoikum) Paläogen |
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-65 Mio |
Beginn Tertiär |
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-65 Mio |
Beginn Paleozän
Weltweit enthält diese Grabsteinschicht der Dinosaurier geschätzte 200000 Tonnen Iridium. Das ergibt einen Asteroiden von rund 10 km Durchmesser. Mehrere 1000 Kubikkilometer verdampften, wurden hochgeschleudert und um den gesamten Planeten verteilt. Langsam regneten sie sodann durch die Atmosphäre auf die Erdoberfläche nieder. Zeitgleich wurde in Indien ein gewaltiger Ausbruch festgestellt, dessen Asche ausgereicht hätte, um die USA unter einer 200 Meter dicken Lavaschicht zu begraben. Riesige Wolken giftigen Staubes wurden aufgewirbelt. Das war ein tödlicher Doppelschlag . Die Staubwolke, die auch das Sonnenlicht abhielt, beendete auf dem Planeten das Leben der meisten Arten. Die neue Welt war die Welt der Säugetiere und wurde später zur Welt des Menschen. |
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-65 Mio |
Zur gleichen Zeit entstehen die Polkappen der
Erde.
Durch das im Eis gebundene Wasser sinkt der Wasserspiegel der Meere um
100 m. |
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-60 Mio |
Beginn des Siegeszuges der Säugetiere. Zunächst waren es nur Winzlinge. Bis auf Pantodonten, riesige Flusspferde, deren Fußabdrücke auch auf Spitzbergen gefunden wurden. Demnach muss es damals beträchtlich wärmer gewesen sein (siehe -181 Mio) |
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-54,8 Mio |
Beginn Eozän Urpferd, Halbaffen in Bäumen, Wälder weichen zurück und es entstehen Grasflächen, Urhirsche, Urelefanten |
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-50 Mio |
Die Erde erholte sich von dem Massensterben. Aber erst jetzt traten die ersten Säugetiere in Erscheinung. Lange bevor der Mensch die Erde betrat, trifteten die Kontinente weiter auseinander. Langsam begann die Welt für uns vertraut auszusehen indem Plattentektonik und Erosion langsam die Landschaft formten, die wir heute kennen. Manche Teile der Schweizer Alpen sind vulkanischen Ursprungs. Aber die gesamte Bergkette scheint wie durch Zauberhand von unten aufgestiegen zu sein. Sie durchläuft das Herz Europas und liegt bis zu 4500 m hoch über dem Meeresspiegel. Sie sind das Ergebnis des Zusammenstoßes des afrikanischen und des europäischen Kontinentes. Winzige Quarzkristalle im Gestein weisen auf die Ursache hin. Sie weisen Verformungen auf, die nur durch einen Druck entstehen können, wie er beim Zusammenstoß von Kontinenten auftritt. Dabei entweicht ein Teil nach oben, der andere wird hinunter gedrückt. So stammt die Spitze des Matterhorns von der afrikanischen Platte, der nördliche Unterteil von der europäischen. Die schräg liegende Schichtung lässt die Grenze erkennen. Weitere Verformungen entstanden durch Erosion, also die Wirkung von Wasser, Wind und das zunehmende Eigengewicht der wachsenden Felsen. Jedes Jahr werden von den Alpen 50 Millionen Tonnen weg erodiert. Das entspricht einem Berg von etwa 1000 Metern. Der Grand Canyon ist 1,5 km tief und bis zu 29 km breit, 446 km lang und er wächst noch immer. 1546 erblickten ihn erstmals Europäer. Sie schauten über den Rand und meinten, der Fluss sei nur 2,5 m breit. Erst hinab gesandte Späher erkannten seine wahre Tiefe. Er entstand erst im Verlauf der letzten 6 Millionen Jahre im Zusammenspiel von Erosion und der Hebung des Colloradoplateaus durch plattentektonische Vorgänge. Es liegt nur 2,5 km über dem Meeresspiegel. Alle hohen Gipfel und tiefen Täler sind erst in den letzten 50 Millionen Jahren entstanden. Die Rocky Mountains und die Anden entstanden
durch den Druck der Pazifischen Platte auf das westlich triftende
Amerika. |
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50 Mio |
In subtropischen Klima lebten an Land und im Wasser krokodilähnliche Säugetiere, die sich von Vorläufern der Seekühe ernährten und mit den Hunden verwandt sind. Ihre Beine wandelten sich mit der Zeit in Flossen um. So entstanden die Wale |
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-45 Mio |
Der indische Subkontinent hat Asien erreicht. Entstehung des Himalaya |
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-38 Mio |
Beginn Oligozän Zweite Artenauffächerung der Säugetiere |
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-30 Mio |
Grönland und Nordamerika haben sich voneinander und von Europa gelöst und driften rasch nach Westen (ca.20 cm pro Jahr. Heute nur noch 2 cm pro Jahr). Durch die Kollision mit der pazifischen Platte entstehen nach und nach die Kordilleren (Coast Range, Rocky Mountains, Mittelamerika und die Anden). Arabien verschmilzt mit Asien. Das rote Meer entsteht und beginnt Arabien von Afrika zu trennen. Australien hat sich von der Antarktis getrennt und driftet rasch (ca. 6 cm pro Jahr) nach Norden. |
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-30 Mio-24,4 Mio |
Augenvibrationen der Wirbeltiere (Fische und Vögel nicht). Ohne diese Vibration ist das Auge blind für alles, was sich auf der Netzhaut nicht bewegt, also nur ein Alarmorgan für bewegte Objekte. Der Adler, der aus großer Höhe die Maus sieht, sieht nur die Maus, die sich bewegt. Still sitzende Vögel bewegen von Zeit zu Zeit ruckartig den Kopf, um wieder das Gesamtbild zu sehen. |
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-23,03 Mio |
Beginn Neogen Entwicklung von Grasländern und ihren Bewohnern |
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-15 Mio |
Riesenmeteoriteneinschlag im Nördlinger Ries. Das verdampfte Gestein kondensierte zu Glaskügelchen, die sich über die ganze Erde verbreiteten und im Sediment aller Meere eine Grenzschicht bilden, mit Sedimenten anderer Tierarten darüber als darunter. Einschlagtrümmer flogen bis Budweis. Daraus konnte man die Einschlagrichtung berechnen. Der Meteorit kam danach vom Mond, offenbar als Bruchstück von Trümmern eines Einschlags auf diesem. |
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-10 Mio |
Rasche Entwicklung der Primaten |
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-8 Mio |
Durch eine Naturkatastrophe entsteht der ostafrikanische Graben in Nord-Südrichtung, der Urwald im Westen und Savanne im Osten trennt und die schimpansenähnlichen Affen in zwei Gruppen aufteilt, die sich von nun an unabhängig weiterentwickeln. Während die Schimpansen im Westen sich in gewohnter Umgebung kaum verändern, müssen sich die im Osten an das Leben in der Savanne anpassen. Sie wurden zweibeinige Lauftiere, deren Hände zur Jagd frei wurden und den Speer benutzten, weil ihnen natürliche Waffen fehlten . Das harte Leben in der Savanne führte zur Entwicklung intelligenter Jagdtechniken und damit der Intelligenz. |
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-5 Mio |
Beginn Pliozän. Es entstanden mehrere Arten von Urmenschen in Afrika, die jedoch fast alle ausstarben |
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-4,4 Mio |
Ardi, eine1,2 m große Hominidendame |
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-4 Mio |
Durch den Druck der afrikanischen auf die eurasische Platte beginnen die Alpen aus dem Thetismeer zu wachsen. Australopithecus (südafrikanischer Menschenaffe), er war kein Affe mehr. 1,4 m groß, an der Grenze von Urwald und Savanne. Keine Sprache (Kehlkopf war hierfür noch ungeeignet), aber Laute und Gebärden, Werkzeuge, aufrechter Gang. |
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-2,588 Mio |
Beginn Quartär
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-2,6 Mio |
Pliozän. Beginn des derzeitigen Eiszeitalters |
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-2,58 Mio |
große Umpolung des Erdmagnetfeldes, die
gut mit dem
ersten Auftreten von Vergletscherungen auf der Nordhalbkugel
übereinstimmt. In Süddeutschland ging die Vereisung von den
Alpengletschern aus, in Norddeutschland kam das Eis aus dem
skandinavischen Raum. Vereisung der Nordhemisphäre während
der letzten Eiszeiten.
Der Aufbau
mächtiger Eisschilde führte zu einer Meeresspiegelabsenkung
von 120
m.Während der Kaltzeiten breiteten sich die Inlandeisschilde und
die
Gebirgsgletscher stark aus und bedeckten schließlich etwa 32% der
festen Erdoberfläche. Heute werden nur etwa 10 %
der
Landoberflächen von Gletschern bedeckt. Vor allem auf der
Nordhalbkugel
der Erde waren große Teile Europas, Asiens und Nordamerikas
vergletschert. Die Spuren der Vereisungen (z. B. Trogtäler,
Moränen, Gletscherschliffe, die Glaziale Serie) sind
dort bis
heute allgegenwärtig. |
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-2 Mio |
Beginn Altsteinzeit ( = Paläolithikum -2 Mio bis -2300) Die Vorfahren des Menschen machten in Südafrika ihre ersten Schritte auf Erden. Zur selben Zeit begannen vom Nordpol eisige Gletscher anzuwachsen und sich auszubreiten. Das in ihnen gebundene Wasser verursachte in Afrika eine Dürre, die die Urmenschen veranlassten, sich über Afrika hinaus auszubreiten. Aber die Erde kühlte sich weiter ab. Es war der Beginn der Eiszeit. Die großen Frostperioden wurden ausgelöst, als Vulkane in Panama die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika schufen. Das brachte die Meeresströmungen durcheinander. Polarmeere kühlten dramatisch ab. Das Ergebnis war, dass globale Temperatursenkungen zu Eiszeiten führten, die zehntausende von Jahren anhielten. Hohe Berge sind bis heute noch vergletschert. Die Gletscher fließen langsam talwärts und transportieren so allerlei Gestein und Geröll. In den Eiszeiten transportierten sie riesige Felsblöcke über große Entfernungen, wo sie nach der Eisschmelze als „Findlinge“ liegen blieben. Erst durch sie wurde man auf die Möglichkeit vergangener Eiszeiten hingewiesen. Die Belege für deren Existenz finden sich inzwischen überall. Selbst in New York City findet man Felsen mit zentimetertiefen parallelen Linien, die Einschlüsse im wandernden Eis heraus geschliffen haben. Die Eisschicht war mindestens doppelt so dick wie das Empire State Building. Im Verlauf der letzten 2 Millionen Jahre wuchsen und schrumpften die Eisschilde mit den Fluktuationen der Temperatur. |
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-2 Mio |
Stirnhirnlappen (Nachahmung von Vogelmelodien). Freiraum für Denken wurde erst mit der Sprache richtig nutzbar. |
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-1,2 Mio |
Homo errectus, fliehende Stirn, langsam sprechend ohne a, e und u. Feuer, Speer, unrein, maximal 20 bis 40 Jahre, Mann jagt Großwild (Elefanten) in Herden, Frau hütet Feuer. Naher Osten, Türkei, Rußland, Tibet, Java, China, Ungarn, Westeuropa |
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-1 Mio |
Polwechsel des Erdmagnetfeldes durch Riesenmeteoriteneinschlag in Ghana (Bosomtwe-See ist der Krater mit 8 km Durchmesser) |
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-800000 |
Polwechsel, Antarktis entsteht. Polwechsel hat es öfter gegeben |
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-700000 |
Donaueiszeit |
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-640000 |
Günz-Eiszeit 640000–540000 |
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-600000 |
Geräte aus Knochen und Stein werden benutzt |
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-450000 |
Es begann eine Warmzeit, die 30000 Jahre dauerte |
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-350000 |
Mindel-Eiszeit 350000–250000 |
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-350000 |
Der Gebrauch des Feuers ist bekannt |
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-300000 |
Neandertaler, erster Knochenfund beweist Arthritis, dadurch zunächst falsche Schlüsse über das Aussehen.. Heute nimmt man an, dass er fast wie wir ausgesehen hat, aber weniger Großhirn, flachere Stirn, gute Sprache (heutiger Stand), Wohnhütten aus Zweigen, mehrere feste Wohnsitze, Magie, Totenkult, Altersfürsorge, Tradition, aber immer noch unrein. Vordringen bis Gibraltar. Er hat Eiszeiten überlebt. |
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-230000 |
Riß-Eiszeit 230000–130000 |
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-200000 |
Mitochondriale Eva . Aus der DNA dieser Frau ist die aller heutigen Menschen hervorgegangen |
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-200000—100000 |
Entwicklung der Sprachfähigkeit. Es gab keine alpha-Tiere mehr. Zusammenschluss zu Gesellschaften. Schädel werden dünner. Zusammenarbeit. |
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-195000 |
Entstehung des Homo sapiens mit einem größeren Gehirn als seine Vorfahren und Verwandten. Er wäre fast ausgestorben . Es gab eine Eiszeit, die auch den afrikanischen Kontinent heimsuchte. Es wurde immer schwieriger zu überleben. Wüsten breiteten sich aus. Nahrung wurde knapp, die Zahl der Menschen schrumpfte stetig. Doch an einem kleinen Teil der südostafrikanischen Küste kämpfte eine kleine Gruppe ums Überleben. Nur noch einige 100 Erwachsene lebten von Pflanzen und Meeresfrüchten, die es nur noch hier gab . Sie wohnten in Höhlen am Meer, genügend hoch als der Meeresspiegel durch Schmelzwasser stieg. Sie überlebten, weil sie Werkzeuge aus gehärteten Steinen herstellen konnten. Von diesen wenigen Menschen stammen alle heutigen Menschen ab. (Siehe Fernsehsendung "W wie Wissen"_DieNeandertaler) |
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-10000 |
In dem wärmeren Klima, das nun folgte, stand den Menschen die Oberfläche der Kontinente offen. In diesem kurzen Zeitraum hat sich die gesamte Menschheitsgeschichte abgespielt Der menschliche Erfindungsreichtum hat unseren Planeten umgestaltet. Doch werden wir auch weiterhin leben? Mit Hilfe der Technologie dominieren wir den Planeten mehr als je ein Tier zuvor. Aber wir machen das erst seit einem kurzen Zeitraum und es liegt noch viel vor uns. |
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Im Verlauf der vergangenen 4,5 Milliarden Jahre befand sich die Erde auf einer unfassbaren Reise. Sie hat einschneidende Wandlungen durchgemacht, die bestimmten, welche Arten von Lebewesen überlebten und welche verschwanden. Das Leben und insbesondere der Mensch wird sich noch vielen Überlebenskämpfen gegenüber sehen, während der Planet seinen Weg der Wandlung fortsetzt. Man kann die Prozesse des Lebens und der Geologie kaum voneinander Trennen. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Unsere erste große Herausforderung wird das Klima sein. Wir machen uns Sorgen wegen der Erderwärmung, aber die meisten Forscher sind der Ansicht, dass wir uns in der Lücke zwischen zwei Eiszeiten befinden. Unsere gesamte Zivilisation findet in einer kurzen Wärmeperiode statt, von bisher 10000 Jahren. Diese Wärme hat sich als entscheidend erwiesen. Es ist kein Zufall, dass sich unsere Kultur in diesem Zeitraum entwickelte, denn das Klima kommt unserer Spezies sehr entgegen. |
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-115000 |
Würm-Eiszeit 115000– 10000 (letzte Eiszeit) Während des Höhepunktes der jüngsten Eiszeit lag der Meeresspiegel um 120-130 m tiefer als heute. Dadurch entstanden zahlreiche Landbrücken. Nebenmeere und Flachmeere wie die Nordsee fielen teilweise oder vollständig trocken. Große Bedeutung erlangte die Landbrücke über die heutige Beringstraße, die Nordasien mit Nordamerika verband. Das Letzte Glaziale Maximum (LGM) war vor etwa 21.000 Jahren. Die globale Durchschnittstemperatur lag etwa 5 bis 6 Grad Celsius niedriger als heute. Aufgrund der Gaseinschlüsse in polarem Eis weiß man, dass die atmosphärische Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) nur 70 % und Methan (CH4) nur 50 % des vorindustriellen Wertes betrug . |
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-100000 |
Mittlere Altsteinzeit |
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-75000 |
Perlenkette aus Muscheln im Süden Afrikas |
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-72000 |
erste Kleidung |
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-70000 |
nur 2000 Menschen in Afrika (die Klügsten)
überlebten einen Vulkanausbruch Homo
sapiens |
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-70000 |
Erstes Zusammentreffen von Europäern und Neandertalern. Sie hatten Sex miteinander, denn alle Europäer und Asiaten haben Gene von ihnen, nicht aber die Afrikaner (Siehe Fernsehsendung "W wie Wissen"_Die Neandertaler) |
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-60000 bis -30000 |
Nur wenige Menschen in Afrika. Dürre, da die Feuchtigkeit im Eis der Eiszeit gebunden war. Auswanderung entlang der Südküste Asiens (keine Spuren, da der Wasserspiegel heute höher ist. Aber Gen-Spuren in Australien!) |
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-50000 |
Erste Menschenspuren in Australien. (Gene der
y-Chromosome enthalten keine Gene der Mütter, bleiben daher
über viele
Generationen unverändert. Da vor 2000 Generationen ein
Buchstabierfehler erfolgte, muss Australien vor ca.50000 Jahren
erreicht worden sein
) |
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-50000 |
Quantensprung im Denken. Schnalzlaute waren die erste und älteste Sprache. Spurenlesen eröffnete den Blick in Vergangenheit und Zukunft |
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-45000 |
Eine kleine Gruppe von San-Buschmännern aus Afrika (ca. 10-20 Personen), begann in gewaltigen Wanderungen die Welt zu erobern. Anlass war eine Austrocknung Afrikas durch die Eiszeit in Europa und Nordamerika. In ganz Afrika gab es damals vermutlich nur etwa 10000 Menschen, die sich wetterbedingt in Nordafrika und Arabien verdichteten. Der Wasserspiegel der Meere sank in den Eiszeiten um bis zu 100 m. Der Weg führte die Wanderer entlang der damaligen Küstenlinie des indischen Ozeans über Asien nach Australien, ohne Spuren zu hinterlassen, da der Weg offenbar nach den Eiszeiten wieder von Wasser überdeckt wurde. Die letzten 250 km mussten auch damals über das Wasser zurückgelegt worden sein. Ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschah, bleibt vermutlich ein Rätsel. Sicher ist, dass sie offenbar einen Weg fanden, über Wasser zu fahren und dass eine Gruppe vor etwa 40000 Jahren in Australien ankam. |
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Um dies herauszufinden wurden sogenannte Marker-Gene von Y-Chromosomen untersucht, die durch Mutationen von den Genen ihrer männlichen Vorfahren abweichen und an alle männlichen Nachkommen weitergegeben werden. Sforza untersuchte vorwiegend Menschengruppen , die weitgehend isoliert von anderen Gruppen leben und lebten. Da die Markergene von Generation zu Generation zunehmen, muss die Gruppe mit der geringsten Zahl von Markergenen die sein, aus der der Stammvater stammt. Diese Untersuchung führte auf die San-Buschmänner in der Kalahari als genetisch ältesten Volksstamm. Ihre Markergene sind in allen anderen Menschenfamilien enthalten. Die zweitälteste Gruppe bilden die Ureinwohner Australiens. Auf welchem Weg diese unwahrscheinliche Ausbreitung stattfand, untersuchte Spenzer Wells von der National Geographic Society und fand dabei die unglaubliche, aber unwiderlegbare Geschichte und die bewundernswerte Leistung unserer Vorfahren bei der Ausbreitung über alle Kontinente der Erde. |
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-40000 |
Cromagnonmensch (heutiger Stand). Größeres Hirnvolumen, Korbflechten, Töpferei, Steinschleuder, Pfeil und Bogen, Angel, Netz. erste Malereien und Schnitzarbeiten. Verbesserung der Werkzeuge Die Axt wurde vorher durch Jahrmillionen nicht verbessert, Nun hatten die Menschen in ihrem Verstand eine unerschöpfliche Werkzeugkiste. Auf Erektus und Goliath folgte der heutige Mensch. |
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-40000 |
Eine zweite Auswanderungswelle aus Afrika erfolgte in Richtung China. Nach Europa kamen sie noch nicht. Dort war noch Eis |
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-40000 |
erste Malereien und Schnitzarbeiten. Verbesserung der Werkzeuge Die Axt wurde vorher durch Jahrmillionen nicht verbessert, Nun hatten die Menschen in ihrem Verstand eine unerschöpfliche Werkzeugkiste. Auf Erektus und Goliath folgte der heutige Mensch. |
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-35000 |
Beginn der Besiedelung Europas. Erste Menschen kommen von Zentralasien nach Europa. Zentralasien war der Mittelpunkt der Gen-Gabelung. Auch die Ur-Amerikaner kamen über die Tschuktschen-Halbinsel von dort |
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-25000 |
Neandertaler verschwinden |
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-20000 |
Würmeiszeit (letzte Eiszeit). Entstehung des Starnberger Sees durch die Wanderung der Endmoränen |
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-18000 |
19-20 Tschutschken kamen aus Asien trockenen Fußes nach Alaska, wurden jedoch durch die Eismassen um weiteren Vordringen in den amerikanischen Kontinent gehindert. Sie waren die Uramerikaner. Während der Hochphase der letzten Eiszeit, lag der Meeresspiegel überall auf der Welt rund einhundertzwanzig Meter tiefer als zu Beginn des dritten Jahrtausends. Große Mengen der globalen Wassermassen waren in Gletschern gebunden. Ein entsprechend geringerer Wasserdruck lastete damals auf den Schelfregionen, und einige der heutigen Meere existierten noch nicht. Andere wurden im Zuge der Vereisung immer flacher, einige trockneten schließlich aus und verwandelten sich in ausgedehnte Sumpflandschaften.
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Unter anderem führte der sinkende Wasserdruck in vielen Teilen der Welt dazu, dass sich die Stabilitätsverhältnisse für Methanhydrate dramatisch änderten. Methanhydrate, oft auch Methaneis genannt, sind eine eisähnliche Verbindung von Methangas (das in den Sedimenten durch Verwesung ständig entsteht) und Wasser, die nämlich nur bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck existieren kann. Besonders in den hoch gelegenen Regionen der Kontinentalhänge wurden durch den geringer werdenden Druck innerhalb kürzester Zeit riesige Mengen Gas freigesetzt. Die Eiskäfige, in denen es gefangen und komprimiert war, schmolzen dahin. Was Tausende von Jahren wie Mörtel in den Hängen gewirkt hatte, wurde nun zu deren Sprengstoff. Schlagartig blähte sich das frei werdende Methan zum 164-fachen seines Volumens auf, drückte Poren und Spalten der Sedimente auf seinem Weg nach draußen auseinander und hinterließ poröse Ruinen, die ihr eigenes Gewicht nicht länger zu tragen vermochten. Als Folge begannen die Kontinentalhänge in sich zusammenzustürzen und große Teile des Schelfs mit sich zu reißen. Unvorstellbare Mengen Material rasten in Schlammlawinen hunderte von Kilometern weit in die Tiefsee. |
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Rutschungen von instabil gewordenen
Kontinentalhängen
durch spontane Methanabspaltung aus Methanhydrat hat es mehrfach
gegeben. Das Gas gelangte in die Atmosphäre und leitete dort
umwälzende
Klimaveränderungen ein (Treibhauseffekt), aber die Rutschungen
hatten noch andere, unmittelbare Auswirkungen nicht allein auf das
Leben
im Meer, sondern ebenso auf die Küstenregionen des Festlands und
der
Inseln (Tsunamis und Küstenveränderungen). |
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Viele
Faktoren hatten dazu beigetragen. Warmzeiten, in denen die
durchschnittliche Temperatur der hangnahen Meeresströmungen
angestiegen
war, oder eben jene Vereisungsperioden wie vor 18000 Jahren,
innerhalb derer es zwar kalt blieb, der Wasserdruck jedoch abnahm. Auch
heute werden die Kontinentalhänge vielfach durch Methanhydrat
stabilisiert. |
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-13000 |
Die nach Alaska eingewanderten Asiaten kamen in Amerika an. Sie waren die Ur-Amerikaner. In nur 800 Jahren haben ihre Nachkommen Nord- und Südamerika bis Patagonien erobert. |
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-13000 bis -12000 |
Hobbits auf Flores (ca. 1m groß) |
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-10300 |
Beginn Holozän Die Ausbreitung des modernen Menschen findet statt, mit einer Populationsdichte unter 1 Milliarde Individuen, bis seit 1825 Jahren deren Zahl, durch Erkenntnisse der Naturwissenschaften, bis heute exponentiell auf 7 Milliarden Individuen anstieg.Verschiedene Kulturen entstanden, die weltweite Flora und Fauna wurde nachhaltig durch die menschliche Zivilisation beeinflusst. Das Holozän ist die 4. zwischeneiszeitliche Periode und dauert bis heute an. In ihr fand eine globale Erwärmung statt. |
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-10000 |
Beginn einer Warmperiode
(5 Grad
wärmer!) Vermutlich durch Menschen verursacht, obwohl es noch so
wenige
waren! Aber sie begannen Ackerbau zu betreiben und rodeten große
Waldflächen, da die Landwirtschaft ohne Düngung noch sehr
uneffektiv
war. Das erhöhte den Kohlendioxydanteil der Atmosphäre
(Treibhauseffekt). In den vergangenen 10000 Jahren war das Klima außergewöhnlich stabil, wenn man sich die Belege der Vergangenheit ansieht. Das wird sicherlich nicht so bleiben Selbst wenn unsere industriellen Wirtschaften die globale Erwärmung noch ein paar Jahrhunderte durchhalten, können sie das Unvermeidliche nicht verhindern. Die gegenwärtigen Positionen, die die Polarmeere kühl halten, bedeuten, dass es in nur 15000 Jahren zu einer neuen Eiszeit kommen kann. Doch selbst wenn wir die bevorstehenden Kälteperioden überleben, erwarten uns noch größere Herausforderungen. Küstenregionen werden verschlungen werden und ganze Länder verschwinden. |
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-10000 |
Weiterentwicklung des Gehirns |
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-8000 |
Mittelsteinzeit (= Mesolithikum, -8000 bis -5000) |
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-8000 |
Keramikgegenstände werden angefertigt; erste Spuren des Ackerbaus; Ton und Lehm werden als Baumaterial verwendet |
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-8000 |
1. geplante Stadt war Jericho (2000 Einwohner) |
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-7000 |
erneute Warmzeit durch Beginn des Reisanbaus in China. Dazu wurden große Landflächen unter Wasser gesetzt. Das dadurch vermehrt entstandene Sumpfgas Methan ist ebenfalls ein sehr wirksames Treibhausgas. |
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-6000 |
Landwirtschaft, Handel. Das führt zu Grundbesitz. Nomaden führten keine Kriege. Ausweichen war einfacher. Nun gab es etwas zu verteidigen. Das war die Chance der Männer, da die Frauen für den Nachwuchs sorgen mussten und für den Kriegsdienst nicht in Frage kamen. Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat, |
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-5500 |
Beginn Jungsteinzeit (= Neolithikum, -5500 bis -2300) |
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-5000 |
Werkzeuge und Geräte bestehen aus Feuerstein, Geweihen, Holz und Leder |
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-5000 |
Mathematik (Neuvermessung der Felder nach den alljährlichen Nilüberschwemmungen) |
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-5000 |
in frühen Hochkulturen: empirische, magisch-dämonische und religiös gegründete Medizin; umfassende Kenntnisse in der Krankendiät und wirksame Naturheilmittel |
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-4000 |
Abraham! Ursprung des Glaubens an einen einzigen Gott. Sein verstoßener unehelicher Sohn Ismael gründete den Islam. Der rechtmäßige Nachfolger das Judentum, aus dem nach Christus auch das Christentum hervorging. |
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-4000 |
In Mesopotamien ist das Rad bekannt |
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-4000 |
Sintflut, Zagrosgebirge am persischen Golf |
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-3000 |
Beginn Bronzezeit |
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-3000 |
In Ägypten gibt es Zahlenzeichen bis 100 000. Die Babylonier kennen das Hexagesimalsystem mit der Basis 16, das heute die Computer benutzen Die Sumerer verwenden vierrädrige Wagen; in Mesopotamien und Ägypten gibt es ausgebildete Schriftsysteme |
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-3000 |
Pyramiden, Bildschrift der Sumerer |
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-3000 |
altägyptische Chirurgie von hohem Niveau; in Indien hochwertige plastische Operationen; in China und Japan Akupunktur |
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-3000 |
Chinesen, Ägypter und Babylonier führen systematische Himmelsbeobachtungen durch |
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-2300 |
In Mesopotamien verwendet man Schöpfwerke |
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-2010 |
Vom Grönlandeis bricht eine Gletscherzunge in der Größe Manhattans ab. Sie war durch Schmelzwasser unterspült |
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-2000 |
In Ägypten werden Lasten mit Hilfe von Walzen, Hebeln und Keilen transportiert; auf der Insel Kreta ist die Tinte bekannt |
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-2000 |
älteste Bibelteile |
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-2000 |
Kugelgestalt der Erde aus konstanter Schattenkrümmung bei mehreren Mondfinsternissen erkannt, bei denen die Erde der Sonne andere Seiten zuwendete. |
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-1830 |
In Mitteleuropa beginnt die Bronzezeit |
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-1800 |
In Ägypten ist das Glas bekannt |
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-1750 |
Der Papyrus Rhind (Ägypten) wird geschrieben; er enthält u.a. die Rechentechnik der Multiplikation, der Division und der Bruchrechnung |
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-1645 |
Untergang von Atlantis? Auf der Insel Santurin ereignet
sich
die größte
Explosion, die die Menschheit je erlebt hat. Sie löste eine 270 m
hohe
Flutwelle aus. Die ausgeworfene Asche ist im Grönlandeis
nachweisbar.
Die minoische Kultur (auf Santurin und Kreta wurde zerstört. Die
Legende von Atlantis (Plato) schildert eine
Kulturwelt, die verblüffend der minoischen entspricht. Fresken in
jedem
Raum und jedem Haus, Warmwasser und WC´s, usw. |
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-1500 |
Beginn der Eisenzeit im vorderen Orient |
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-1400 |
In Ägypten kennt man die Schnellwaage mit einem Laufgewicht; Pergament-Schriftrollen sind in Gebrauch |
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-1400 bis -200 |
Sammlung von „Büchern“ (griechisch biblia), die nach Meinung von Juden und Christen das Wort Gottes enthalten und als Heilige Schrift oder Bibel Urkunden des Glaubens sind. Der Islam sieht in der Bibel ein gültiges, aber teilweise von Menschen verfälschtes Offenbarungszeugnis Allahs. |
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-1350 |
Pest in Europa, dadurch weniger Landwirtschaft. Wälder breiteten sich rasch wieder aus |
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-1200 |
Beginn der Eisenzeit im Gebiet des östlichen Mittelmeeres |
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-1160 |
In China ist der Kompass bekannt |
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-800 |
Beginn der Eisenzeit in Mitteleuropa |
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-753 |
Gründung Roms |
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-700 |
In Westkleinasien werden Münzen geprägt |
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-700 |
Der Krieg um Troya |
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-600 |
Anziehungskraft des Magnetsteins bekannt (Thales von Milet) Der Papyrus Rhind (Ägypten) wird geschrieben; er enthält u.a. die Rechentechnik der Multiplikation, der Division und der Bruchrechnung |
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-600 |
Keilschrift (erste Lautschrift) |
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-550 |
In Griechenland werden Windmühlen gebaut |
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-500 |
Hippokrates überwindet die magisch-religiösen Vorstellungen in der Medizin und begründet die abendländische wissenschaftliche Heilkunde; Diagnostik durch Beobachtung und Beschreibung der Krankheitssymptome. |
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-500 |
Zahlenmäßige Beschreibung der Natur (Pythagoras) |
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-500 |
Die Pythagoräer lehren den Umlauf der Erde um einen zentralen Himmelskörper |
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-500 |
Die Römer befassen sich mit Metallurgie |
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-465 |
Einschlag des 1,1km großen Chiemgaukometen in eine dichte Siedlung der Noriker mit dramatischen Auswirkungen auf die Geschichte und auf das römische Weltreich. Der Komet explodierte in etwa 70 km Höhe. Die Teilstücke schoben glühende Druckwellen vor sich her und entwickelten giftige Gase. Tausende Menschen starben in glühender Hitze von mehreren tausend Grad. Häuser, Felder und Wälder entflammten. 80 Krater mit Durchmessern zwischen 3 und 500 Metern wurden inzwischen entdeckt. Einige am Grund des Chiemsees. Vor allem die Gesteinsbrocken von bis zu 30 Metern Durchmesser brachten das Verderben, denn sie lösten eine Feuerwalze von 15000 Grad aus, die nahezu alles Leben auf einer Fläche von 2000 Quadtratkilometer vernichtete. 80 Krater mit Durchmessern zwischen 3 und 500 Metern wurden inzwischen entdeckt. Einige am Grund des Chiemsees. Da der betroffene Raum von ca. 30 x 80 km zwischen München und Salzburg keine Ernährungsmöglichkeiten mehr bot, wanderten die wenigen Überlebenden und viele aus den Randzonen aus und zogen südwärts. Ihren Unterhalt mussten sie sich in Stammesfehden erkämpf en, da niemand freiwillig die vielen Leute versorgen wollte. Da die Ausgeraubten nun ebenfalls keine Lebensgrundlage mehr hatten, schlossen sich viele dem Zug an und folgten seinen Führern. Aus dem Wort folgen entstand dabei der Begriff Volk. Schließlich wurden sie zu brutalen Räubern und
Mördern,
eroberten Italien, Griechenland und Teile der Türkei und
herrschten 7
Monate lang über Rom. |
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-450 |
Die Pythagoräer erkennen, dass die Quadratwurzel aus 2 (bei der Berechnung der Diagonale eines Quadrats) keine Zahl im damals üblichen Sinn ergibt |
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-430 |
Kalenderreform des Meton (Lunisolarjahr) |
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-400 |
Atomhypothese (Leukipp und Demokrit aus Abdera) |
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-382 |
Demokrit erklärt die Milchstraße als eine Anhäufung von Sternen |
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-374 |
Mathematisch-astronomische Schule des Eudoxos |
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-300 |
Euklid sammelt und systematisiert das mathematische Wissen seiner Zeit in seinem Werk »Elemente«. Archimedes berechnet den Kreisumfang und Kreisinhalt durch Grenzwertbetrachtung. |
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-290 |
Die Ägypter verwenden Schreibtafeln aus Wachs |
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-289 |
Aristarch ermittelt Entfernung und Größe von Sonne und Mond |
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-288 |
Eratosthenes berechnet den Erdumfang recht genau zu 39 816 km |
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-265 |
200 Jahre nach dem Einschlag des Chiemgau-Kometen wanderten viele Kelten in die alte Heimat zurück, die sich langsam erholt hatte, und bauten neue Siedlungen. Auch das Schmiedehandwerk nahm seine Produktion wieder auf. Beim Sammeln von Eisenerz wurden auch die gefundenen Meteoritenbrocken dazugemischt. Dadurch und durch vielfaches Falten und Flachämmern des gewonnenen Eisens entstand hochwertiger Stahl, der auch von den besten heutigen Stahlsorten nicht übertroffen wird. Die Qualität der harten und elastischen Schwerter mit geringer Rostanfälligkeit sprach sich bis nach Rom herum. Das führte zu engen Handelsbeziehungen und Ausrüstung sämtlicher römischen Legionen mit diesen Schwertern, sowie Schilden und Helmen. Plinius und Horaz schwärmen von der hohen Qualität des Ferrum Norikum. Bei den Analysen römischer Schwerter fand man exotische Beimengungen: Aluminiumsilizid und Titankarbid. Scharen von Kelten verdingten sich als Legionäre Roms, Sie waren gerne gesehen, nicht nur wegen ihrer Tapferkeit, sondern auch wegen ihrer Fertigkeit im Umgang mit den Superschwertern. In Cäsars Berichten vom Gallischen Krieg erwähnte er, dass die Überlegenheit der Römer nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass die Gallier sich immer wieder zurückziehen mussten, um ihre Schwerter gerade zu biegen. |
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-260 |
Archimedes erfindet den Flaschenzug |
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-250 |
Ableitung des Hebelgesetzes (Archimedes) |
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-215 |
In China benutzt man Haarpinsel als Schreibgerät |
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-200 |
Apollonius von Perge vollendet die Kegelschnittlehre der Antike |
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-200 |
Baubeginn der Chinesischen Mauer; das Wasserrad mit lotrechter Welle ist bereits bekannt |
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-131 |
Hipparch stellt 1008 Fixsterne in einem Sternkatalog zusammen |
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-100 |
Erfindung des Papiers in China |
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-47 |
Beim Versuch Kleopatra zu stürzen, steckte Cäsar die alexandrinische Flotte in Brand. Die weltberühmte alexandrinische Bibliothek (damals das Wissenschaftszentrum der Welt) fing Feuer und hunderttausende Bücher verbrannten. Marcus Antonius half jedoch Kleopatra beim Wiederaufbau der Bibliothek. |
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-10 |
Beginn der Eindeichung Hollands |
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-7 |
Christi Geburt Den Stall von Bethlehem gab es nicht. Das Vieh lebte grundsätzlich im Freien. Bei extrem schlechtem Wetter wurde es in die Innenhöfe der Häuser gebracht. Auch der Geburtsort Bethlehem wird heute in Frage gestellt. Er wurde wohl als die Stadt Davids mit Jesus in Verbindung gebracht. Der Tag der Geburt ist unbekannt. Weihnachten wurde in die Zeit der Sonnenwende gelegt. Als Stern von Bethlehem wird die Konjunktion der Riesenplaneten Jupiter und Saturn erwogen. Ein Komet scheidet aus, da solches damals Unglück bedeutete. |
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0 |
Entdeckung der „Bernsteinkraft“ (griechisch: electricitas) |
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33 |
Kreuzigung des Jesus, die er jedoch laut gerichtsmedizinischen Gutachten des Turiner Leichentuches überlebte (Tote bluten nicht, da der Blutdruck fehlt). Er wurde im Grab des Joseph von Arimathäa, das dieser nur zu diesem Zweck gekauft hatte und das nie benutzt worden war, mit Hilfe von Aloe vera und Myrrhe reanimiert (etwa 100 Pfund! Siehe Joh.19,39 - Eine Menge, die weit über das für eine Einbalsamierung übliche hinaus geht. Die Art der Kräuter ist für Einbalsamierung ungeeignet, wohl aber für Wundheilung durch künstliches Fieber, dessen Schweiß das „Photo“ am Grabtuch erzeugte). Jesus war vom Hauptmann Longinus offenbar mit einem opiathaltigen Essigschwamm betäubt worden. Demselben Hauptmann, der schon während der Kreuzigung, Jesus als den wahren Sohn Gottes pries und der später dem Pilatus meldete, dass Jesus schon tot sei. Dieser Hauptmann ist nach einer Überlieferung später Bischof in seiner kappadokischen Heimat geworden. Der Islam glaubt übrigens an das Weiterleben von Jesus, der auch selbst laut Bibel vergebens versuchte, seine Jünger von seinem Überleben zu überzeugen ("Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?"..). |
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35 |
Paulus begegnet Jesus in Damaskus und wird bekehrt (Saulus wird Paulus) |
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80 |
4. buddistisches Konzil zu Haran (Harvan) in Kashmir ist
vom
Gedankengut Jesu geprägt. Offenbar war er anwesend und ist wenig
später
gestorben. Sein Grab wird in Srinagar in Kashmir verehrt. Es
enthält
Fußspuren in Beton mit Abdrücken von Narben der
Kreuzigungsnägel. |
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153 |
Geozentrisches Weltsystem des Claudius Ptolemäus |
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330 |
An der Mosel arbeiten wasserkraftbetriebene Sägemühlen |
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389 |
Der christliche Kaiser Theodosius befahl dem Bischof von Alexandria, alle heidnischen Monumente zu zerstören. Die neue Bibliothek, die im Tempel des Gottes Serapis untergebracht war, wurde dabei mit vernichtet. Die Gelehrten, die Bücher zu retten versuchten, wurden dabei niedergemetzelt. |
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Nur ein paar wertvolle Abschriften der wichtigsten Bücher überlebten. (Die Bibliothek wurde Ende des 20. Jahrhunderts mit Unterstützung der UNESCO unter Nutzung neuester Datentechnik und Reproduktionstechnik wieder aufgebaut und soll wieder die modernste und umfangreichste Wissenssammlung der Welt werden. Sie bietet Platz für 8 Millionen Bücher und enthält schon jetzt 800000). |
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400 |
Mönchsmedizin im Abendland: Das medizinische Wissen bleibt praktisch auf die Klöster beschränkt |
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593 |
Erfindung hölzerner Druckstöcke in China |
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600–1500 |
Islamische Medizin: Übernahme und Weiterverbreitung des antiken Wissens in arabische Übertragungen. In Ägypten und Spanien entstehen selbständige Ärzteschulen |
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642 |
Moslems vollenden das Vernichtungswerk der Christen. Kalif Omar befahl, alle Bücher, die dem Koran widersprechen zu vernichten, die anderen auch, da sie ohnehin überflüssig seien. Damit begann der wissenschaftliche Rückfall in das finstere Mittelalter. Inder und Araber festigten in den folgenden Jahrhunderten das kümmerliche mathematische Wissen, das aus dem glühenden Alexandria hinaus geschmuggelt worden war. |
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700 |
Das Zeichen Null (0) wird in Indien in die Mathematik eingeführt; es erlaubt das Positionsrechnen (z.B. im heutigen Dezimalsystem) |
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850 |
Al Chwarizmi schreibt seine »Algebra« |
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950 |
In Persien treiben Windräder Mühlenwerke an |
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999 |
Papst Silvester II.förderte die Verbreitung des indo-arabischen Zahlensystems, das von Kaufleuten in aller Welt übernommen wurde. |
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1044 |
In China wird Schießpulver zur Explosion gebracht |
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1054 (4.Juli) |
Entstehung des Krebsnebels aus einer Supernovaexplosion. Die Supernova war 25 Tage als zweites Gestirn am Taghimmel zu sehen |
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1100 |
Alkohol durch Destillation |
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1137 |
Beginn der Universitätsmedizin |
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1202 |
Leonardo von Pisa verwendet arabische Ziffern im kaufmännischen Rechnen |
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1206 |
Im Oberharz werden Silbererze gefördert |
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1231 |
Medizinalordnung Kaiser Friedrichs II., Trennung von Apotheker und Arzt |
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1250 |
Planetentafeln des Alfons X. von Kastilien |
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1280 |
In Italien wird die Brille erfunden |
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1300 |
Die Harnschau wird eines der wichtigsten diagnostischen Verfahren |
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1300 |
Darstellung von Mineralsäuren |
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1359 |
Der Freiburger Franziskanermönch und Alchemist Berthold Schwarz soll durch Zufall das Schwarzpulver entdeckt haben. |
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1390 |
U. Stromer erbaut die erste Papiermühle in Deutschland |
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1400 |
Nadeln mit Öhr aus Stahl |
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1410 |
Beginn der „Kleinen Eiszeit“ Untergang der Hauptsiedlung im Süden Grönlands. |
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1410 - 1760 |
Kleine Eiszeit |
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1427 |
A. Arnold erfindet die Uhrfeder |
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1430-1780 |
50000 Hinrichtungen von Hexen (25% sind Männer) in Europa, davon die Hälfte in Deutschland |
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1445 |
Johannes Gutenberg entwickelte ein komplettes Druckverfahren mit beweglichen Lettern als Grundlage zur Massenproduktion von Büchern |
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1453 |
Die Türken plündern Konstantinopel, wo die Manuskripte gesammelt worden waren, die die Schändung Alexandrias überstanden hatten. Byzantinische Gelehrte brachten sie nun auf ihrer Flucht nach Europa. Ein Exemplar der Arithmetica von Diophantos landete schließlich auf dem Schreibtisch von Pierre de Fermat und befruchtete durch dessen Schaffen das Aufblühen der Mathematik in Europa |
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1460 |
Erste deutsche Sternwarte in Nürnberg (Regiomontanus) |
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1480 |
Leonardo da Vinci erfindet den Fallschirm |
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1493–1541 |
Paracelsus übt Kritik an der alten Medizin; Begründer der Iatrochemie, wonach die Lebensvorgänge und krankhaften Veränderungen des Organismus auf chemischen Vorgängen beruhen und daher mit chemischen Mitteln beeinflussbar sind. Er legt die Grundlagen der modernen Medizin |
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1505 |
Peter Henlein erfindet die erste brauchbare Taschenuhr |
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1518–1550 |
Adam Ries(e) veröffentlicht die ersten deutschen Rechenlehrbücher |
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1530 |
Begründung der wissenschaftl. Chemie (Paracelsus) |
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1543 |
Erster historisch belegter Kaiserschnitt A. Vesal schafft das erste vollständige Lehrbuch der Anatomie |
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1543 |
Begründung des heliozentrischen Planetensystems durch Nikolaus Kopernikus |
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1543 |
Nikolaus Kopernikus gestorben |
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1545 |
G. Cardano veröffentlicht die Formel zur Lösung kubischer Gleichungen |
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1571 |
Johannes Kepler geboren. Begründer des heliozentrischen Systems |
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1571 |
J. Besson entwirft eine Schraubendrehbank |
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1572 |
Tycho Brahe beobachtet eine Supernova |
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1579 |
Erstes Lehrbuch der Chemie (A. Libavius) |
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1580-1590 |
einer der Höhepunkte der Hinrichtungen von Hexen |
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1582 |
Papst Gregor XIII. verbessert den Kalender (Gregorianischer Kalender) |
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1589 |
Fall- u. Wurfgesetze (Galileo Galilei) |
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1590 |
Die Holländer H. und Z. Janssen erfinden das Mikroskop |
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1600 ca. |
John Napier entwickelt dekadische Logarithmentafeln. Durch das Rechnen mit Logarithmen wurde das Leben der Astronomen quasi verdoppelt |
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1600ff |
Alpengletscher kriechen zu Tal. Eisströme zerstören Siedlungen. |
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1602 |
In Nürnberg gibt es die erste fahrbare Feuerspritze |
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1609 |
Joh. Kepler stellt das 1. und 2. Keplersche Gesetz auf |
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1609 |
Galileo Galilei Fernrohr auf 30-fache
Vergrößerung
verbessert: |
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1610 |
Entdeckung der Sonnenflecken und des Phasenwechsels der Venus durch Galileo Galilei |
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1615 |
Johann Carolus gründet die erste Zeitung im heutigen Sinn |
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1616 |
Hungersnot durch Missernten und erfrorenes Vieh. |
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1618 |
Joh. Kepler stellt das 3. Keplersche Gesetz auf |
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1622 |
William Oughtred erfindet den logarithmischen Rechenschieber |
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1623 |
R. Mansell entdeckt das Flintglas (hoher Lichtbrechungsindex, für Kristallgeschirr usw.) |
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1623 |
Schickard baute die erste Vier-Spezies-Rechenmaschine mit Zahnrädern. Kepler benutze sie bei seinen Berechnungen |
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1626-1630 |
dramatische Spitzen der Hexenprozesse |
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1626 |
Bodensee und Rhein frieren zu. Wein gefriert. Wölfe dringen in Dörfer |
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1628 |
W. Harvey veröffentlicht seine Entdeckung des Blutkreislaufs. Er ist der Begründer der modernen Physiologie |
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1629 |
2. Belagerung Wiens durch die Türken |
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1630 |
Pierre de Fermat arbeitet über Zahlentheorie und
Flächenberechnungen. Er behauptet z.B. : xn + yn
= zn ist in ganzen Zahlen nicht lösbar für n
größer als 2 |
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1631 |
Der Jesuit C. Schreiner entwickelt den Storchschnabel für Bildvergrößerungen |
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1633 |
Galileis Ketzereiprozess |
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1637 |
R. Descartes begründet die Methode der analytischen Geometrie |
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1638-1683 |
Maria Theresia, Sie führte in Österreich die allgemeine Schulpflicht ein, um den Inhalt der vielen gedruckten Schriften dem Volk zugänglich zu machen |
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1639 |
Oper ist eine musikalische Gattung des Theaters |
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1640 |
Blaise Pascal verfasst eine Abhandlung über Kegelschnitte |
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1642 |
Einführung der Waage bei der Beobachtung chemischer Vorgänge (J. Jungius) |
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1642 |
Galileis Tod |
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1643 |
Geburt Isaak Newtons (Gravitationsgesetz, Bewegungsgleichungen, Infinitesimalrechnung, Exakte Berechnung der Planetenbahnen, Gründung der physikalischen Wissenschaft auf mathematischer Grundlage) |
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1647 |
Mondkunde (»Selenographia«) von J. Hevelius |
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1648 |
Trockene Destillation von Holz, Steinkohle u. Fetten (J. R. Glauber) zu Leuchtgas |
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1649 |
Luftpumpe u. Vakuum, Elektrisiermaschine (Otto von Guericke) |
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1649 |
Allgemeine Schulpflicht in Deutschland |
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1650 |
In Leipzig erscheint die erste Tageszeitung |
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1655 |
C. Huygens erklärte den Bau des Saturnringes und entdeckte den ersten Saturnmond |
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1656 |
C. Huygens konstruiert die Pendeluhr |
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1661 |
M. Malpighi entdeckt die Blutkapillaren |
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1665 |
In England kommt der Bleistift in Gebrauch |
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1665/1666 |
Isaak Newton arbeitet anlässlich einer durch die Pest erzwungenen zweijährigen Ruhepause an den Grundlagen der Differential- und Integralrechnung und der Gravitation. Mit Hilfe dieser sogenannten Infinitesimalrechnung werden Naturgesetzte in mathematische Formeln gepackt, die Vorhersagen des Verlaufs natürlicher und technischer Prozesse erlauben und so die moderne Technik überhaupt erst ermöglichten. |
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1667 |
J. Denis überträgt das Blut von einem Schaf auf den Menschen |
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1672–1693 |
Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt unabhängig von Newton die Grundlagen der Differential- und Integralrechnung und der Determinantenrechnung |
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1673–1677 |
A. v. Leeuwenhoek entdeckt mit selbst gebauten Mikroskopen Bakterien, Spermien und die roten Blutkörperchen |
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1673 |
Gottfried Wilhelm Leibniz erfand das Binärsystem, die Grundlage der Digitalrechner |
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1674 |
Entdeckung des Phosphors (H. Brand) |
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1676 |
Berechnung der Lichtgeschwindigkeit aus einer Verfinsterung der Jupitermonde (Olaf Römer) |
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1676 |
Sternwarte in Greenwich wird gebaut |
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1679 |
Erstes Sternverzeichnis des Südhimmels von E. Halley |
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1681 |
D. Papin baut eine Dampfmaschine und den Druckkochtopf (als Bergwanderer ärgerte ihn, dass Wasser in großen Höhen bei niedrigerer Temperatur kocht und das Essen nicht gar wird) |
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1687 |
Gravitationsgesetz von Isaak Newton. Auf der Grundlage dieses Gesetzes, der von ihm und Leibniz erfundenen Infinitesimalrechnung und der Newtonschen Mechanik werden die Keplerschen Gesetze für die Planetenbewegung auch theoretisch bewiesen und nun auch verstanden. |
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1687 |
E. Weigel konstruiert einen Fahrstuhl |
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1690 |
Wellentheorie des Lichts (C. Huygens) |
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1700 |
Infinitesimalrechnung durch Newton und Leibniz |
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1700 |
Phlogistontheorie (G. E. Stahl) |
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1701 |
J. Bernoulli veröffentlicht seine Arbeit über Variationsrechnung |
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1708 |
J. F. Böttger erfindet das Hartporzellan |
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1719 |
Daniel Defoe schrieb Robinson Crusoe, einen der ersten Romane |
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1728 |
Entdeckung der Aberration des Lichtes (J. Bradley) |
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1738 |
Daniel Bernoulli veröffentlicht eine mathematische Arbeit zur Hydrodynamik |
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1743 |
Leonhard Euler löst die lineare Differentialgleichung n-ter Ordnung mit konstanten Koeffizienten |
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1750 |
allgemeine Schulpflicht (Maria Theresia). Es war die Konsequenz auf Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks. Die Bürger sollten die Bücher auch lesen können. |
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1750 |
Darstellung der Schwefelsäure nach dem Bleikammerverfahren |
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1755 |
J. L. Lagrange arbeitet über Variationsrechnung sowie Differentialgleichung der Minimalflächen |
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1755 |
Theorie über die Entwicklung des Sonnensystems von Immanuel Kant |
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1759 |
C. P. Oberkampf gründet die erste Seidenwaren-Manufaktur in Frankreich; |
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1759 |
T. Mudge entwickelt die freie Ankerhemmung für Uhren |
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1761 |
G. B. Morgagni begründet die Lehre von den krankhaften Veränderungen der Organe, die pathologische Anatomie |
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1765 |
James Watt erfindet die Niederdruck-Dampfmaschine |
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1766 |
Entdeckung des Wasserstoffs (H. Cavendish) |
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1767 |
J. Hargreaves entwickelt die Jenny-Spinnmaschine |
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1769 |
Beginn Energiezeitalter |
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1769 |
James Watt baut die erste brauchbare Dampfmaschine |
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1769 |
N. J. Cugnot baut den ersten Dampfwagen; R. Arkwright baut die Spinnmaschine |
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1771-1772 |
Entdeckung des Sauerstoffs (C. W. Scheele) |
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1774 |
Entdeckung des Chlors (C. W. Scheele) |
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1774 |
Darstellung des Sauerstoffs (J. Priestley) |
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1776 |
Hatton erfindet die Hobelmaschine; D. Bushnell entwickelt den Torpedo |
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1777 |
Theorie der Verbrennung (A. L. Lavoisier) |
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1780 |
Galvanis Froschschenkelversuch (galvanische Elektrizität) |
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1780 |
B. Franklin erfindet die bifokalen Brillengläser |
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1781 |
Entdeckung des Uranus durch F. G. Herschel |
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1781 |
ältester Hinweis auf Pommes Frites |
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1783 |
Analyse der Luft (H. Cavendish) |
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1785 |
Coulombsches Gesetz (C. A. de Coulomb) |
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1785 |
E. Cartwright erfindet den mechanischen Webstuhl |
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1786 |
A. Meikle baut eine Schlagleisten-Dreschmaschine |
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1789 |
W. Jessop stellt die Kopfschiene her (die Grundform der heutigen Eisenbahnschiene) |
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1792 |
E. Cartwright baut eine Wollkämm-Maschine |
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1792 |
Vermessungen des Erdmeridians für das Urmeter |
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1793 |
Erstes Telegramm wird mit dem optischen Telegraphen von C. Chappe über eine Strecke von 70 km gesendet |
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1795 |
A. Senefelder entwickelt die Lithographie |
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1796 |
Theorie der Entstehung des Sonnensystems von Pierre Simon de Laplace (Nebularhypothese) |
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1796 |
E. Jenner führt Pockenimpfung mit Kuhpocken durch |
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1796 |
Carl Friedrich Gauß konstruiert das regelmäßige 17-Eck mit Zirkel und Lineal |
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1798 |
Begründung der Elektrochemie (J. W. Ritter) |
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1799 |
Carl Friedrich Gauß gibt den ersten einwandfreien Beweis des Fundamentalsatzes der Algebra |
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1800 |
Graf Alessandro Volta baut das erste galvanische Element und begründet die Theorie vom elektrischen Strom |
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1804 |
F. W. Sertürner gewinnt Morphin aus Opium |
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1805 |
J. M. Jacquard erfindet eine Webmaschine (Jacquardmaschine); |
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1805 |
Der Geldschrankknacker Stone erfindet den Schneidbrenner |
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1805 |
Jacquard entwickelte Lochkarten um Webstühle zu steuern |
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1808 |
Wissenschaftliche Atomtheorie (J. Dalton) |
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1808 |
Newberry erfindet die Bandsäge |
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1809 |
Eckardt erfindet den Metall-Schleuderguss |
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1810 |
F. G. Koenig erhält das Patent für eine dampfgetriebene Druckpresse |
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1810 |
Jean Baptiste Joseph Fourier arbeitet über trigonometrische Reihen. Seine Theorie bildet das Fundament der modernen Informations-Übertragungstechnik |
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1810 |
S. Hahnemann begründet die Homöopathie |
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1812 |
P. S. Laplace veröffentlicht seine »Theorie der Wahrscheinlichkeiten« (ohne den eigentlichen Urheber Blaise Pascal zu zitieren) |
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1814 |
G. Stephenson baut die erste betriebsfähige Lokomotive |
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1814 |
Fraunhofer entdeckt im Sonnenspektrum die nach ihm benannten dunklen Linien, deren Deutung uns heute das ungeheure Wissen über die Vorgänge in den Fixsternen und Galaxien vermitteln. |
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1814 |
Jodeph Madersberger stellte seine erste Nähmaschine vor |
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1816 |
J. N. Nièpce entwickelt die Grundlagen der Photographie; G. Lankensperger erfindet die Achsschenkellenkung |
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1818 |
E. Whitney baut die Fräsmaschine |
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1820 |
Magnetische Wirkung des elektrischen Stromes (H. C.
Oerstedt) |
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1821-1835 |
Begründung der Fixsternastronomie durch F. W. Bessel |
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1824 |
J. Blundell führt die erste Blutübertragung von Mensch zu Mensch durch |
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1824 |
Gaslaternen als Straßenbeleuchtung (Gas wurde aus Kohle destilliert) |
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1825 |
Trevithik baut die erste brauchbare Lokomotive |
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1825 |
G. Stephenson baut die erste Eisenbahn |
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1826 |
Ohmsches Gesetz (Georg Simon Ohm) |
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1826 |
W. Sturgeon erfindet den Elektromagneten |
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1827 |
B. Fourneyron erfindet die Wasserturbine; J. N. von Dreyse baut ein Gewehr, das Zündnadelpatronen verschießt |
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1827 |
A. F. Möbius, Mitbegründer der neueren Geometrie, veröffentlicht sein Hauptwerk »Der baryzentrische Kalkül« |
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1828 |
Herstellung von Aluminium (Fr. Wöhler) |
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1828 |
J. Thorp baut die Ringspinnmaschine |
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1829 |
H. Maudslay erfindet die Mikrometerschraube |
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1830 |
Der 20-jährige Evariste Galois schreibt in der Nacht vor seinem Tod (Duell) seine Arbeit über Auflösbarkeit algebraischer Gleichungen |
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1830 |
A. R. Polonceau konstruiert die Straßenwalze |
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1831 |
Elektromagnetische Induktion, Selbstinduktion (1835) (M. Faraday) |
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1833 |
C. F. Gauß und W. E. Weber bauen den ersten elektrischen Telegraphen |
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1834 |
J. Albert entwickelt ein Verfahren zur Herstellung gedrehter Drahtseile |
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1834 |
Friedrich Ferdinand Runge entwickelt Anilin und die Anilinfarben aus Steinkohlenteer. Die Welt wurde bunt. |
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1835 |
A. Siebe konstruiert den Taucherhelm |
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1835 |
Erste deutsche Eisenbahnlinie Nürnberg-Fürth |
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1835 |
Katalyse (J. J. Berzelius) |
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1837 |
Morse baut den ersten brauchbaren Maschinentelegraphen |
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1837 |
älteste Daguerrotypie der Welt |
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1837 |
Charles Babbage entwickelte die Analytical Engine theoretisch |
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1839 |
C. N. Goodyear entdeckt die Vulkanisation des Kautschuks; J. Nasmyth baut den Dampfhammer |
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1839 |
Photographie (J. Daguerre) |
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1839 |
Charles Goodyear erfindet die Vulkanisation von Kautschuck |
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1841 |
J. Whitworth entwickelt ein einheitliches Gewindesystem |
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1842 |
Gesetz von der Erhaltung der Energie (Robert J. Mayer) |
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1843 |
Periodizität der Sonnenflecken (H. Schwabe) |
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1843 |
E. Drescher erfindet den Füllfederhalter |
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1843 |
Ada Lavelace schrieb das erste Computerprogramm für das Babbage-System |
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1844 |
J. Mercer entwickelt das Merzerisationsverfahren für Baumwolle |
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1844 |
H. Wells benutzt Lachgas als Narkosemittel |
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1845 |
Der Schotte Thomson meldet den vulkanisierten Gummireifen zum Patent an |
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1846 |
Entdeckung des Neptun durch J. G. Galle aufgrund von Angaben Leverriers |
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1846 |
Werner von Siemens erfindet den elektrischen Zeigertelegraphen |
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1846 |
W. Morton führt die erste Äthernarkose durch |
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1847 |
Ignaz P. Semmelweis erkennt die Ursache des Kindbettfiebers und bekämpft es erfolgreich durch Desinfektion mit Chlorwasser |
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1848 |
Duboscq u. L. Foucault erfinden eine brauchbare Kohlebogenlampe |
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1848-1896 |
Otto Lilienthal war der erste Mensch, der wiederholbare Gleitflüge durchführen konnte |
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1850 |
Victor Amèdéé Mannheim setzt den einheitlichen Aufbau des zuletzt verwendeten Schulrechenstabes durch. Dieser wurde erst 1970-1990 durch den elektronischen Taschenrechner ersetzt |
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1850 |
J. B. Dancer erfindet den Mikrofilm |
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1850 |
Hartgummi (Ebonit) |
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1850 |
Dr.W.W.Sheffield setzte Zahnpulver Seife und Glycerin zu und erfand so die Zahnpaste |
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1850ff. |
Leuchtgas durch Kohlevergasung. Jetzt kommt Licht in das Dunkel! |
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1852 |
William Thomson (ab 1892 Lord Kelvin) erfindet das Prinzip der Wärmepumpe |
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1852-1862 |
»Bonner Durchmusterung« (F. W. Argelander). Suche nach neuen Planeten und Asteroiden |
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1853 |
Der Amerikaner Elisha Graves Otis erfand den absturzsicheren Aufzug und ermöglichte dadurch den Siegeszug der Wolkenkratzer |
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1854 |
George Boole arbeitet über Grundlagen der mathematischen Logik. |
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1854 |
Georg Friedrich Bernhard Riemann schreibt »Über die Hypothesen, welche der Geometrie zugrunde liegen« (Riemannsche Geometrie mehrdimensionaler Räume) |
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1854 |
Louis Pasteur entdeckt Mikroorganismen als Ursache der alkoholischen Gärung und ansteckender Krankheiten und schafft damit die Grundlagen für Asepsis und Antisepsis |
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1858 |
Organ. Strukturformeln (A. Kekulé) |
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1858 |
R. Virchow postuliert, dass Krankheiten auf einer Störung im Zellgeschehen basieren, und begründet damit die Zellularpathologie |
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1859 |
Spektralanalyse (R. W. Bunsen, Gustav Robert Kirchhoff) |
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1859 |
G. Planté erfindet den Akkumulator |
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1860 |
J. J. E. Lenoir baut einen Gasmotor |
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1860 |
Durch Spektralanalyse von Sternen werden diese als riesige Kugeln aus Wasserstoff erkannt |
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1861 |
Philipp Reis baut das erste Telephon |
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1861-1864 |
James Clerc Maxwell kombinierte die Gesetze von Ampère und Gauß zu den Maxwellschen Gleichungen, die Licht als elektromagnetische Wellen entlarven und zusammen mit der Lorentzkraft sämtliche Phänomene der klassischen Elektrodynamik erklären. |
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1862 |
Elektromagnetische Lichttheorie (James Clarc Maxwell) |
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1862 |
N. A. Otto realisiert den Benzinmotor |
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1863 |
W. A. Bullock baut eine Rotationsdruckmaschine |
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1866 |
Siemens baut die erste brauchbare Dynamomaschine |
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1866 |
Plattenkamera |
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1866 |
Nikolaus August Otto entwickelt den Viertaktmotor |
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1867 |
Massenwirkungsgesetz (C. M. Guldberg, P. Waage) |
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1867 |
J. Lister führt die Antisepsis ein |
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1867 |
J. Monier erfindet den Eisenbeton |
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1867 |
Alfred Nobel gelang es, Kieselgur in Nitroglycerin einzulagern und so den Sprengstoff Dynamit zu erzeugen |
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1868 |
Leclanché erfindet das Zink-Kohle-Braunstein-Zylinderelement, das die Grundlage der meisten heutigen Taschenlampenbatterien ist |
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1868–1871 |
Periodensystem der Elemente (D. Mendelejew,L. Meyer) |
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1868 |
A. Albert erfindet das Lichtdruckverfahren |
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1869 |
Celluloid |
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1872 |
Felix Klein veröffentlicht das sogenannte Erlanger
Programm der Mathematik |
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1874 |
Georg Cantor begründet die Mengenlehre |
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1874 |
J. M. E. Baudot vollendet sein Telegraphensystem |
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1874 |
Carl von Linde erfindet die Kältemaschine nach dem Gegenstromprinzip |
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1874 |
erste in größeren Stückzahlen hergestellte Schreibmaschine |
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1875 |
C. von Linde baut die Ammoniak-Kältemaschine |
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1876 |
N. A. Otto und E. Langen bauen den patentreifen Viertaktmotor; A. G. Bell verbessert den Fernsprecher |
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1877 |
Werner Siemens gründet mit Halske die erste Telegraphenbauanstalt der Welt |
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1877 |
Thomas Alva Edison erfand den Phonographen (Ton auf Wachswalze) |
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1877 |
Entdeckung der »Marskanäle« durch G. V. Schiaparelli |
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1877 |
Emil Berliner erfand die Schallplatte und ihre serienweise Produktion |
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1878 |
S. G. Thomas erfindet das nach ihm benannte Stahlerzeugungsverfahren |
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1879 |
Karl Wilhelm Theodor Weierstraß arbeitet über die analytischen Funktionen mehrerer komplexer Variabler |
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1879 |
Geburt Albert Einsteins (Relativitätstheorie, Zeit- und Längenverkürzung bewegter Objekte, Unüberschreitbarkeit der Lichtgeschwindigkeit, Materie als Energieform) |
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1880 |
L. Pelton konstruiert eine Freistrahlturbine |
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1880 |
Werner Siemens baut die erste elektrische Straßenbahn |
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1881 |
Edison erfand die Kohlefaden-Glühlampe |
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1882 |
R. Koch, Begründer der Bakteriologie, entdeckt den Tuberkelbazillus |
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1882 |
R. Koch entdeckt den Erreger der Cholera |
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1882 |
F. Lindemann beweist die Transzendenz der Quadratwurzel aus 2 |
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1882 |
W. von Siemens baut eine elektrische Grubenlokomotive |
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1882 |
T. A. Edison erbaut das erste Elektrokraftwerk |
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1882 |
Dauerhafte elektrische Straßenbeleuchtung durch Sigmund Schuckert in Nürnberg |
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1884 |
P. Nipkow überträgt erste Fernsehbilder mit elektrischem Bildabtaster (Nipkow-Scheibe) |
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1884 |
O.Mergenthaler erfindet die Setzmaschine (Linotype) |
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1884 |
G. W. Eastman entwickelt den Rollfilm |
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1884 |
Kunstseide (L. B. Chardonnet) |
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1884 |
Fahrrad nach heutiger Bauweise wurde nach der Nähmaschine zum zweiten technischen Serienprodukt. |
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1885 |
H. Bauer erfindet den Druckknopf; |
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1885 |
N. N. von Bernados erfindet das Lichtbogenschweißen |
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1885 |
R. und M. Mannesmann erfinden ein Schrägwalzverfahren zur Herstellung nahtloser Rohre |
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1885 |
G. W. Daimler und W. Maybach bauen das Motorrad |
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1885 |
Carl F. Benz baute seinen dreirädrigen Benzin-Motorwagen |
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1886 |
Daimler baut das erste vierrädrige Auto |
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1886 |
Heinrich Hertz erste Übertragung von elektromagnetischen Wellen von einem Sender zu einem Empfänger. Bestätigung der Maxwellschen Theorie des Lichtes |
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1887 |
Julius Wilhelm Richard Dedekind schreibt seine klassische Arbeit: Was sind und was sollen die Zahlen? |
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1887 |
E. Berliner stellt die Schallplatte in der heutigen Form her |
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1887 |
Nicola Tesla erfindet den Drehstrommotor |
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1887 |
Dissoziationstheorie (S. Arrhenius) |
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1888 |
W. Doehring u. E. Hoyer fertigen Spannbeton |
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1888 |
J. B. Dunlop erfindet den luftgefüllten Gummireifen |
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1888 |
Emil Berliner erfand das Grammophon zum Abspielen seiner Schallplatten |
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1888 |
Der Schotte Thomson meldet den vulkanisierten Gummireifen für Fahrräder zum Patent an |
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1889 |
G. Peano stellt 5 Axiome des Aufbaues des Systems der natürlichen Zahlen auf |
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1889 |
A. G. Eiffel baut anlässlich der Weltausstellung in Paris den nach ihm benannten Eiffelturm |
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1889 |