Das relative Atomgewicht
In der Chemie lernte man zwischen Grundstoffen (Elementen) und
Verbindungen
von Elementen zu neuen Stoffen zu unterscheiden. Die einfachen Gesetze
über die Gewichtsverhältnisse, nach denen sich Elemente
verbinden,
ließen sich sehr einfach erklären, wenn man annahm, dass
Elemente aus Atomen bestehen, die sich mit den Atomen anderer Elemente
zu Molekülen verbinden ließen. Die Unteilbarkeit dieser
Atome
verbot andere Verbindungs-Gewichtsverhältnisse.
Da man die tatsächlichen Atomgewichte nicht kannte, setzte man das Atomgewicht des leichtesten Elementes Wasserstoff willkürlich auf eins und bestimmte aus den für Verbindungen notwendigen Gewichtsverhältnissen die (relativen) Atomgewichte der anderen Elemente.
Die Ordnung der Elemente nach diesen Gewichten und die Berücksichtigung chemischer Ähnlichkeiten führte auf das periodische System der Elemente.
Aus der Verteilung von Geruchsstoffen im Raum konnte man schließen, dass die tatsächlichen (absoluten) Atomgewichte außerordentlich klein sein müssen.
Elektrische Entladungen in
Gasen
Blitz und Donner erklärte man bis vor wenigen Jahrhunderten als
Ausdruck des Zornes von Göttern. Erst die Beschäftigung mit
Bernstein
(griechisch: elektra), der die Eigenschaft hat, nach kräftigem
Reiben
kleine, leichte Körper anzuziehen, führte auf die richtige
Spur.
Auch Glas zeigte diese Eigenschaft. Man baute Elektrisiermaschinen aus
rotierenden Glasplatten, die an Lederläppchen so heftig gerieben
wurden,
dass Funkenüberschläge erfolgten, aus denen man auf die
Verwandtschaft mit Gewitterentladungen schließen konnte.
Man lernte aus der Untersuchung von Anziehung und Abstoßung elektrisch geladener Körper, dass es zwei Arten von Elektrizität gibt (Glaselektrizität und Harzelektrizität), die sich gegenseitig aufheben können, so wie positive und negative Zahlen, die sich zur Summe Null ergänzen können. Man setzte + für die Glaselektrizität fest und - für Harzelektrizität. Ladungen mit ungleichen Vorzeichen ziehen sich an, gleichnamige stoßen sich ab. Man lernte auch zwischen Leitern und Nichtleitern zu unterscheiden, da manche Stoffe die Übertragbarkeit elektrischer Ladungen auf andere Körper ermöglichten.
Verband man die Metallelektroden einer Elektrisiermaschine durch leitende Drähte mit kleinen Metallplatten, die in ein Glasgefäß eingeschmolzen waren, aus dem man das darin enthaltene Gas langsam herauspumpen konnte, dann zeigten sich vom Gasdruck und der Art des Gases abhängige, wunderschöne Leuchterscheinungen, die schließlich bei hinreichend niedrigem Druck verschwanden. Statt dessen begann das Glas gegenüber der negativen Elektrode (= Kathode) grün zu leuchten. Offenbar gingen von der Kathodenoberfläche senkrecht zu dieser Strahlen aus (Kathodenstrahlen) die das Glas zum Leuchten anregten.
Die Kathodenstrahlen können durch Magnete oder elektrisch geladene Körper abgelenkt werden. Man erkannte dabei, dass es sich um negativ elektrisch geladene Partikel handeln müsse. Die ersten Fernseh-Bildschirmgeräte sind eine Fortentwicklung der Kathodenstrahlröhre, die diese Ablenkungsmöglichkeiten ausnutzen.
Das Lenard-Fenster
Phillip Lenard untersuchte, ob die Kathodenstrahlen tatsächlich
aus kleinen Partikeln bestehen. Er durchschoss dünne
Aluminiumfolien
mit diesen Strahlen und überprüfte, ob diese dadurch
löcherig
wurden. Um dies zu überprüfen, verschloss er mit solchen
Folien ein Glasgefäß, aus dem er die Luft pumpte und
über
lange Zeit beobachtete, ob Luft einströmte. Das Gefäß
blieb
jedoch dicht. Dennoch war durch die Ablenkungsexperimente klar,
daß
es sich um eine Teilchenstrahlung und nicht um Wellen handelt.
Dieser fehlgeschlagene Versuch ermöglichte jedoch, mit Hilfe dieses "Lenardfensters" Kathodenstrahlen auch in Gase höheren Drucks hineinzuschießen, in denen sie nicht entstehen konnten. Dabei wurden Richtungsänderungen beobachtet, die zu einem Streukegel in diesen Gasen führten.
Die Ablenkung der meisten Teilchen war relativ gering, aber ein kleiner Anteil wurde sehr stark gestreut und zwar umso stärker, je größer das Atomgewicht des Gases war. Offenbar war der größte Teil des Atomgewichtes in "Atomkernen" konzentriert, zwischen denen sich eine Vielzahl kleiner, leichter Teilchen befand, die von der Art des Atoms unabhängig waren. Die Abstände dieser Atomkerne voneinander mussten ein beträchtliches Vielfaches ihrer Größe betragen, um die Seltenheit der starken Ablenkungen zu erklären.
Kanalstrahlen
Um zu klären, ob sich in Gasentladungsröhren nicht auch
positive
Teilchen bewegten, machte man Löcher in die Anodenplatte, um im
Schatten
der Anode besser beobachten zu können. Tatsächlich zeigten
sich
hinter diesen Löchern schwach leuchtende Lichtkanäle, die
sich
bei Ablenkungsversuchen als positiv geladene schwere Teilchen zeigten,
deren Masse wieder vom Atomgewicht der Gasfüllung abhängig
war.
Offenbar hatte man es mit positiv geladenen Atomkernen zu tun.
Rutherfords Atommodell
Die Stoffe bestehen offenbar aus positiv geladenen Atomkernen, deren
Masse und Ladung von der Art des Elementes abhängen. Zwischen
diesen
Atomkernen gibt es eine große Zahl kleiner, leichter und von der
Art des Stoffes unabhängiger negativ geladener Teilchen, die man
Elektronen
nannte.
Da sich positive und negative Ladungen anziehen, erhob sich die Frage, wieso die Elektronen nicht in den Kern stürzen. Die Antwort erschien einfach. Auch die Planeten stürzen nicht in die Sonne, weil sie um diese rotieren und die dabei entstehende Fliehkraft die Anziehungskraft der Sonne kompensiert. Rutherford erfand daher ein Atommodell, bei dem negativ geladene Elektronen wie Planeten einen positiv geladenen Kern umkreisen. Dessen Ladung musste dem Betrag nach ebenso groß sein, wie die Summe der Ladungen der ihn umkreisenden Elektronen, damit das Atom nach außen hin elektrisch neutral war.
Kritik blieb nicht aus. Die rotierenden Elektronen stellen veränderliche elektrische Ströme dar, die zeitlich veränderliche Magnetfelder erzeugen. Diese erzeugen ihrerseits wieder wechselnde elektrische Felder usw., das heißt sie senden elektrische Wellen, also Licht aus. Dessen Energie stammt aus der Rotationsenergie, so dass diese abnehmen und das Elektron schließlich doch in den Kern stürzen muss.
Bohrs Atommodell
Dass Atome Licht aussenden, ist nichts Neues. Sie müssen
dazu allerdings durch Wärme oder elektrische Energie angeregt
werden.
Bohr nahm deshalb an, dass es stabile Umlaufbahnen um die Atomkerne
gäbe, die zu keiner Lichtausstrahlung führen. Wird jedoch ein
Elektron durch äußere Energie auf eine höhere
Umlaufbahn
geworfen, dann kann es spontan auf niedrigere Bahnen wechseln und die
Differenz
der Bahnenergien in Form von Licht abstrahlen.
Es lag nahe, die Anzahl der Elektronen eines Atoms der Ordnungszahl im periodischen System gleichzusetzen. Dessen seltsamer Aufbau mit 2 Elementen in der ersten Zeile, 8 in der zweiten und dritten, je 18 in der vierten und fünften Zeile usw., ließ sich durch die Anzahl der Elektronen in den verschiedenen Bahnen ("Schalen") erklären.
Das erste Element einer Zeile des periodischen Systems ist immer ein besonders reaktionsfreudiges Element (Alkalimetalle), das immer nur einwertig auftritt, also nur ein Atom Wasserstoff in einer Verbindung ersetzen kann. Dies erklärt sich dadurch, dass es nur ein Elektron in seiner äußersten Schale hat, das durch seinen großen Abstand vom Atomkern nur schwach gebunden ist und dadurch leicht verloren geht. Das Atom wird dadurch zu einem positiv geladenen Ion, das mit negativ geladenen Ionen ein elektrisch neutrales Molekül einer chemischen Verbindung bilden kann.
Je weiter rechts ein Element in einer Zeile des periodischen Systems steht, desto mehr Elektronen befinden sich in seiner äußersten Schale. Etwa bis zur Zeilenmitte findet man dort also mehrwertige Metalle, deren Reaktionsfreudigkeit bis zur Zeilenmitte jedoch abnimmt, da mit jedem in der äußersten Schale hinzukommenden Elektron auch die Kernladungszahl und damit die Bindungskraft an den Atomkern zunimmt.
Über der Zeilenmitte wird diese Bindungskraft so groß, dass das Atom eher ein fremdes Elektron einfängt, als ein eigenes abgibt. Es wird dadurch zum negativ geladenen Ion und reagiert damit wie ein Nichtmetall. Sind schließlich alle Plätze der äußersten Schale besetzt, dann ist ein Einfangen auch nicht mehr möglich. Andererseits ist die Bindungskraft der äußersten Elektronen so groß, daß eine Abtrennung nicht mehr möglich ist. Die Elemente an den Zeilenenden gehen daher überhaupt keine Verbindungen mehr ein. Es sind die chemisch völlig inaktiven Edelgase.
Trotz der willkürlich erscheinenden Annahme stabiler Bahnen (Schalen) und der willkürlich erscheinenden Maximalzahlen von Elektronen in diesen Schalen erklärt dieses Modell das chemische Verhalten der Stoffe so gut, dass ihm ein beträchtlicher Wahrheitsgehalt zugesprochen werden muss. Darüber hinaus erklärt es aber auch noch die bis dahin rätselhaften Linien in den Lichtspektren leuchtender Gase und Dämpfe.
Die Fraunhoferschen Linien
Beim Übergang von Licht aus Luft in eine Glasplatte beobachtet
man eine Richtungsänderung, wenn der Lichtstrahl schräg auf
die
Glasoberfläche trifft. Beim Verlassen der Glasplatte nimmt der
Strahl
wieder die ursprüngliche Richtung an. Der Durchgang durch die
Glasplatte
bewirkt also nur eine kleine Parallelverschiebung des Strahls. Bilden
die
beiden Glasflächen jedoch einen Keil (Glasprisma), dann bleibt
beim
Verlassen des Glases eine Richtungsänderung gegen das einfallende
Licht übrig, die auch noch von der Farbe des Lichtes abhängt.
Schickt man weißes Licht durch ein solches Prisma, dann wird dieses in die Regenbogenfarben aufgefächert, aus denen weißes Licht offensichtlich zusammengesetzt ist. Dieses aufgefächerte bunte Lichtband nennt man ein Lichtspektrum.
Der Münchner Optiker Fraunhofer benutzte Sonnenlicht für seine Spektralapparatur und beobachtete eine Vielzahl dunkler Linien in völlig unregelmäßig erscheinender Anordnung in den verschiedenen Farbbereichen. Auch in Sternspektren fand man solche Linien, aber in anderer, für jeden Stern typischer Anordnung.
Fraunhofer bestimmte die Wellenlänge der einzelnen Linien mit Hilfe eines Beugungsgitters. Er ritzte feine Linien in Abständen von Millimeterbruchteilen in ein Glasplättchen. Wenn Licht durch ein solches Gitter fällt, erhält man ebenfalls Spektren (Beugungsspektrum). Aus dem Ablenkwinkel einer bestimmten Farbe und dem Abstand benachbarter Gitterlinien (Gitterkonstante) kann man die Wellenlänge des Lichtes dieser Farbe errechnen. So konnten die Wellenlängen der Fraunhoferschen Linien exakt bestimmt werden. Die Wellenlängen des sichtbaren Lichtes liegen unter 0,0001 mm .
Man kann solche Beugungsspektren sehen, wenn man im Dunkeln einen aufgespannten Regenschirm gegen eine möglichst punktförmige Lichtquelle hält.
1849 fand der französische Physiker Foucauld (1819-1868) in einer Spiritusflamme, deren Docht er mit Kochsalz eingerieben hatte, wodurch sie hellgelb leuchtete, ebenfalls Linien, aber hell auf dunklem Hintergrund, in den Farben, die ihrem Platz im Spektrum des weißen Lichtes entsprachen. Es zeigte sich in der Folgezeit, dass je nach Art der in der Flamme verdampften Substanz unverwechselbar typische Linienspekten beobachtet wurden. Spektren weißglühender Körper gaben dagegen das kontinuierliche Regenbogenspektrum.
Im Zuge der weiteren Untersuchungen fanden 1859 Kirchhoff (1824-1887) und Bunsen (1811-1899) aus Heidelberg dunkle Linien, wenn sie helles Licht weißglühender Körper durch eine Spiritusflamme mit eingeriebenem Docht fallen ließen. Und zwar an genau den Stellen, wo sonst die hellen Linien waren. Offenbar wurde durch die schwach leuchtenden Dämpfe in der Spiritusflamme mehr Licht aus der hellen Quelle verschluckt (absorbiert) als ausgesendet (emittiert). Die Absorptionslinien liegen dabei genau an den gleichen Stellen wie die Emissionslinien.
Das Sonnenspektrum war also das Absorptionsspektum der Sonnenatmosphäre, bei dem die kontinuierliche Wärmestrahlung der Sonne durch die Sonnenatmosphäre in einer für diese typischen Weise gefiltert wurde. Sie besteht demnach aus Wasserstoff und Helium, einem Element, das damals auf der Erde unbekannt war und deshalb nach der Sonne (helios) benannt wurde. Auch die chemische Zusammensetzung der verschiedenen Sternatmosphären konnte so analysiert werden.
Der größte Triumph des Bohrschen Atommodelles war es nun, dass es die exakte Berechnung sämtlicher Spektrallinien für jede Atomart ermöglichte. Jeder Schale eines Atoms entspricht eine Bahnenergie, also ein Energieniveau. Wird ein Elektron durch äußere Energie (Wärme, Photoeffekt, elektrische Energie oder dergleichen) auf eine höhere Schale geworfen, dann kann es auf jede der niedrigeren zurückspringen und die Energiedifferenz in Form eines Lichtquantums abgeben. Jeder möglichen Energiedifferenz entspricht damit ein Lichtquant h*f und damit eine bestimmte Lichtfrequenz und Wellenlänge. Dies erklärt die verwirrende Vielfalt der Linien in den Spektren der leuchtenden Gase.
Auch dass Licht nicht aus kontinuierlichen Wellen besteht, sondern aus einer Vielzahl von Lichtquanten (Photonen), wie man es zum Beispiel bei Untersuchung des Photoeffektes herausgefunden hatte, fand so seine Bestätigung.
Der photoelektrische Effekt
Wenn UV-Licht auf eine Zinkplatte fällt, werden negativ geladene
Elektronen aus dieser herausgeschlagen. Man ließ Photoelektronen
gegen ein elektrisches Feld anlaufen und steigerte dieses Feld so
lange, bis
der Photostrom zu fließen aufhörte. Aus der dann an den
Elektroden
anliegenden Spannung konnte man die Energie der Elektronen bestimmen.
Sie
war, zur Verblüffung aller, unabhängig von der
Intensität
des auf die Photozelle einfallenden Lichtes, aber abhängig von
dessen
Farbe. Sie war bis auf eine Konstante, die vom Material der
Metallplatte
abhängig war (Austrittsarbeit), der Frequenz (Schwingungszahl) des
einfallenden Lichtes proportional.
Der Proportionalitätsfaktor war für alle Anordnungen der gleiche, nämlich das bereits aus Plancks Berechnungen der Wärmestrahlung bekannte Plancksche Wirkungsquantum h. Plancks notwendige Annahme einer Quantisierung des Lichtes bei der Herleitung seines Strahlungsgesetzes fand hier eine weitere Bestätigung.
Die Lichtintensität bestimmt nur die Stärke des Photostromes. Daraus musste man auch hier schließen, daß Licht aus einzelnen, nicht weiter teilbaren Portionen besteht, deren Energie durch W = h*f aus der Frequenz berechnet werden kann. Man nannte sie Lichtquanten oder Photonen. Bei Vergrößerung der Lichtintensität erhöht sich nur deren Anzahl, nicht aber ihre Energie. Plancks Quantentheorie und der Wert des Wirkungsquantums h wurden durch diese einfachen Experimente auf das glänzendste bestätigt.
Der alte Streit, ob Licht Welle oder Korpuskel sei, wurde neu entfacht. Dass eine Welle einen Stoß auf Elektronen ausüben kann, um diese aus der Photokathode herauszuschlagen, erschien unwahrscheinlich. Andererseits hatte Huygens (1629-1695) schon durch die Beugung des Lichtes an Beugungsgittern dessen Wellennatur nachgewiesen und sogar dabei die Wellenlängen der verschiedenen Lichtfarben bestimmt. Nun bekam die Newtonsche Photonentheorie neue Nahrung (Photon=Lichtteilchen).
Schließlich musste man einsehen, dass Licht beides ist, Welle und Photonenstrom. Die Schwierigkeit, sich so etwas vorzustellen, beruht darauf, dass es in unserer makroskopischen Welt kein Modell mit vergleichbaren Eigenschaften gibt, das uns diese Duplizität (zwei Seiten derselben Sache) veranschaulichen könnte.
Die Quantentheorie feierte Triumphe. Was sie nicht erklären konnte, waren die ''verbotenen Bahnen'' zwischen den Elektronenschalen. Dies blieb der Wellenmechanik vorbehalten.
Materiewellen
Es lag nahe, die an Licht beobachtete Doppelnatur (Photonen oder
Wellenstrahlung)
auch bei anderen Partikeln zu vermuten. Stellt man sich die umlaufenden
Bahnelektronen eines Atoms als Welle vor, dann kriegen die stabilen
Bahnen
plötzlich eine Begründung. Eine solche umlaufende Welle kann
nämlich nur stabil sein, wenn sie sich nach jedem Umlauf
schließt,
also längs der Bahn eine exakt ganze Zahl von Wellen aufweist. Auf
Grund dieser Annahme konnten nun die Energieniveaus für die
Hüllenelektronen
berechnet werden, die Bohr nur indirekt, durch Auswertung der
gemessenen
Spektrallinien, errechnet hatte.
Auch Elektronen konnten offenbar beides sein, Partikel und Welle. Louis de Broglie 1892-1987 war wesentlich an der Aufklärung der Eigenschaften der Elektronenhülle beteiligt. Im Jahr 1925 berechnete er versuchsweise mit Hilfe der bekannten Formeln der Quantentheorie die Wellenlänge, die man unter dieser Voraussetzung den Kathodenstrahlen zuordnen musste. Er kam auf Wellenlängen im Bereich der Röntgenstrahlen.
Diese Wellen sind so kurz, dass man für Beugungsgitter bereits auf nötige Gitterlinienabstände im Bereich der Atomabstände kommt. Solche Gitter kann man nicht fertigen. Aber bereits vor dem ersten Weltkrieg hatte Max von Laue gezeigt, daß man Röntgenstrahlen an Kristallgittern beugen konnte. Dabei entstehen natürlich etwas komplizierter strukturierte Bilder, die man aber theoretisch zu deuten gelernt hatte, so dass man sowohl die Wellenlängen der Röntgenstrahlen bestimmen, als auch die Strukturen der Kristalle mit ihrer Hilfe aufklären konnte.
De Broglie versuchte nun Kathodenstrahlen an Kristallen zu beugen und auch er erhielt Laue-Diagramme. Kathodenstrahlen, die aus bewegten Elektronen bestehen, sind also gleichzeitig auch Wellen mit der von de Broglie errechneten Wellenlänge. Die Doppelnatur der Materie war also nicht nur auf Photonen beschränkt. Sie wurde in der Folge als Eigenschaft aller Materie erkannt.
Wellenmechanik
Erwin Schrödinger (1887-1961) fasste die Doppelnatur in eine
mathematische Form. Seine Wellengleichung, für die er 1933 den
Nobelpreis
erhielt, gibt das Verhalten aller Materieteilchen und Photonen in allen
ihren Wechselwirkungen mit anderen wieder. Andere Modelle als
mathematische
zur Beschreibung des universellen Verhaltens von Materie gibt es nicht,
weshalb die Wellenmechanik unserer Anschauung nicht unmittelbar
zugänglich
ist.
Aus der Wellennatur der Hüllenelektronen der Atome erklären sich die verbotenen Bahnen. Nur wenn sich auf dem Bahnumfang eine ganze Zahl von Wellenbergen ausbildet, die Welle also nach jedem Umlauf wieder richtig in sich hineinläuft, kann ein stabiler Wellenzug entstehen. Man hat lange gerätselt, welche Größe bei diesen Wellen schwingt. Man kam auf die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Elektron bei seiner Bewegung an der jeweiligen Stelle befindet.
Aus diesen Wahrscheinlichkeitswellen wurde die Orbitalentheorie hergeleitet, die die Bedingungen für das Zustandekommen chemischer Reaktionen und für die Art der Molekülstrukturen liefert. Orbitale sind räumliche Funktionen, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Elektrons als Funktion des Ortes darstellen. Auch die Orbitalentheorie hat sich in der chemischen Praxis als unentbehrliches Hilfsmittel durchgesetzt.
Der Aufbau der Atomkerne
Bei Betrachtung der relativen Atomgewichte fällt auf, dass
viele nahezu ganzzahlige Vielfache des Wasserstoffatomkerns (= Proton)
sind, dessen Ladung bis auf das Vorzeichen mit der Elektronenladung
übereinstimmt.
Es liegt nahe, dass in anderen Atomkernen die Anzahl der Protonen
der Anzahl der Hüllenelektronen (= Ordnungszahl im periodischen
System)
gleich ist. Da die relativen Atomgewichte aber größer sind
als
diese Ordnungszahlen, müssen in den Kernen auch noch elektrisch
neutrale
Teilchen mit nahezu Protonenmasse (Neutronen) enthalten sein.
Die Anzahl der Neutronen ist nicht in allen Atomen eines Elementes exakt gleich groß. Man nennt Atome eines Elementes, die sich in der Anzahl der Neutronen unterscheiden, Isotope. Da die Elektronenhüllen der Atome die chemischen Eigenschaften bestimmen, sind die chemischen Eigenschaften der Isotope eines Elementes exakt gleich. Deutliche Abweichungen der Neutronenzahl eines Isotopes eines Elementes nach oben oder unten führen zu Instabilitäten (Radioaktivität), die zu einer Umwandlung in andere Elemente unter Aussendung verschiedener Strahlen führen. Offenbar stellen die Neutronen eine Art Kitt dar, der ein Auseinaderfliegen des Atomkernes aufgrund der intensiven Abstoßungskräfte seiner Protonen verhindert.
Das elektrische Elementarquantum
und
die absoluten Atomgewichte
Aus Beobachtungen der Fallgeschwindigkeit von in Luft zerstäubten,
geladenen Öltröpfchen in vertikalen elektrischen Feldern
wechselnder
Stärke ließen sich deren Ladungen bestimmen. Sie waren immer
niedrige ganzzahlige Vielfache einer kleinsten Ladung e (=
Elementarquantum
= Elektronenladung), die man so ermitteln konnte. Da man aus
Ablenkversuchen
mit elektrischen und magnetischen Feldern das Verhältnis Ladung zu
Masse (Q/m) von Elektronen und Protonen bereits kannte, war es damit
möglich,
die absoluten Massen von Elektron und Wasserstoffatom zu bestimmen. Die
Protonenmasse beträgt 1,675*10-24 Gramm, d.h. 1 000 000
000 000 000 000 000 000 Protonen wiegen 1,675 Gramm. Elektronen wiegen
noch um den Faktor 1839 weniger als ein Proton. Aus den relativen
Atomgewichten
fand man so die absoluten durch Multiplikation.
Wie zahlreich die Atome in 1g Wasser sind, zeigt folgende Überlegung: schüttet man ein Gramm Wasser ins Meer und wartet bis es sich über alles Wasser der Welt verteilt hat, dann sind in jedem Gramm Wasser noch 600 Atome aus dem 1. Gramm (200 Moleküle H2O).
Quarks
Auch die Elementarteilchen Proton und Neutron erwiesen sich in der
Folgezeit als nicht unteilbar. Unter dem Einfluss riesiger Energien,
wie sie auf der Erde nur in den größten
Teilchenbeschleunigungsanlagen,
in der Natur aber nur im Inneren von Fixsternen auftreten, sind auch
sie
ineinander umwandelbar. Man stellt sie sich deshalb selbst als aus
Teilchen
(sogenannten Quarks) zusammengesetzte Konglomerate vor.
Die Quarktheorie kann die Umwandlungen und die Eigenschaften vieler
weiterer Elementarteilchen erklären, die man mit diesen
Beschleunigern
erzeugen konnte, die aber sonst in unserem irdischen Leben nicht
vorkommen.
Es ist jedoch niemals gelungen, die Quarks selbst als Einzelteilchen zu
isolieren. Für die tägliche Praxis ist diese Theorie
bedeutungslos,
da sich die Anwendbarkeit im irdischen Bereich auf
Teilchenbeschleuniger
beschränkt. Zur Deutung mancher kosmischer Vorgänge ist sie
aber
wichtig.
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